Monthly Archives: August 2013

Kunst hat ein zartes Band gewoben gewoben

72_Artwoven_img929Renate Hugel: Art Has Woven A Tender Gauze – – – Kunst hat ein zartes Band gewoben – / – Aus der Serie „Faltenwürfe“ – Gouache, Aquarellfarben, Collage von verschiedenen Papieren, u.a. Seidenpapier (mit hinterlegtem lyrischen Textfragment von Renate Hugel) – – – 23×38 cm auf  40×60 cm – – – 2000 (Entstanden während der Symposium Zeit: „Versuch einer Begegnung“)

Textfragment hinter dem Bild: Kunst hat ein zartes Band gewoben gewoben – – –  Kunst hat ein zartes Band gewoben.… – – –  Es hat eine Zeit gegeben des Zusammenkommens, Zusammenarbeitens, -lachens, -sprechens, Zusammenessens.… – – –  Und eine Atmosphäre entwickelte sich, erschuf Kreativität im Überfluss, die danach drängte, ausgedrückt zu werden – – – und Realität zu werden – – – Bilder sind geschaffen worden, welche unsere Gedanken beschreiben – – – Und Kunst hat gewoben dieses zarte Band.… Renate Hugel, 2000

 

In Gedenken an Sherman Chaddlesone!

In Gedenken an Sherman Chaddlesone!

 (Kiowa Indianer aus Anadarko, Oklahoma)

 Sherman Chaddlesone ist seinem schweren Leiden erlegen!  Mit dieser Seite erinnern mein Mann Heinz und ich, Renate Hugel, an Sherman Chaddlesone als großartigen Menschen und hervorragendem Künstler!

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Sherman Chaddlesone: Briefkartengruß an Renate und Heinz Hugel (Klappkarte im Postkartenformat mit einem Kunstwerk im Original) aus dem Jahr 2001 – – – Das Portrait von Sherman Chaddlesone ist eine Ausschnittvergrößerung aus einem Gruppenbild, welches ich im Sommer 2000 während unseres Symposiums aufgenommen hatte: „Versuch einer Begegnung“ (Indianische Künstler – Deutsche Künstler / Projekt, Symposium, Ausstellungen).Renate Hugel

Die Geschichte von Boin – Edal

Das Projekt „Geschichten erzählen am Feuer“ sollte beginnen mit dem Beitrag von Sherman Chaddlesone:

 Als ich Sherman Chaddlesone in einer Mail von dem Vorhaben berichtet hatte, welches der Lehrer Joachim Burghardt plante, reagierte er spontan und hoch motiviert: – – -Er stellte mir sofort einen Bericht und ein Bild zum Herunterladen auf seine Homepage. – – – Als Anmerkung teilte er mir in seiner Mail noch mit, dass er diese Geschichte das erste Mal gelesen hatte, als er etwa 11 – 12 Jahre alt war. Sie habe in ihm kein Entsetzen ausgelöst, sondern sein Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen geweckt. Ich kann sagen, dass ihn dieses Interesse tatsächlich von dem Zeitpunkt an über all die Jahre begleitet und sein Engagement bestimmt. – Der Titel dieses Berichtes lautete: „Der Winter, als sie den Kopf schleiften“.

Da saß ich nun ganz perplex.

Joachim Burkhardt hatte im Tipi schon mal  „Sitzplätze“ vorbereitet gehabt, so dass wir an dem verabredeten Tag, dem Projektbeginn, in einer Runde auf den Baumabschnitten sitzen können würden. Das Thema „Indianer“ hatte er schon vor Wochen liebevoll in seiner Klasse von ca. 10-jährigen Schülerinnen und Schülern eingeführt: – – – Jedes Kind durfte sich einen eigenen indianischen Namen selbst ausdenken. Zum Beispiel „Warmer Sommertag“, „Weißer Stern“, „Heller Frühling“, „Frühe Sonne“, „Blauer Adler“, „Schneller Läufer“ … – – – Im Musikunterricht hatte er mehrere Lieder zusammengestellt, welche die Kinder mit Begeisterung zu seiner Gitarrenbegleitung sangen: Das Lied „Der Fluss fließt nun weiter“ beispielsweise, ein ursprünglich indianisches Lied, von Margarete Jehn bearbeitet und übersetzt. Auch beherrschten die Kinder etliche Beispiele indianischer Zeichensprache. Und sie lebten in dieser Zeit getragen von den Wertevorstellungen ursprünglicher indianischer Kulturen: Also, von den Zeiten, als die Indianer noch glücklich sein konnten in ihrem Land, mit ihren Tieren, mit ihren Familien mit ihrer Stammesgemeinschaft… – – –  Ja, und da gab es noch Jochen Richter, der mit kreativen Ideen die Kinder in indianische Rituale einführen wollte.

So sah die Situation für die Klasse aus. Und da sollte ich nun diese Geschichte vortragen? – Die Kinder konfrontieren mit der grausamen Realität, in der sich die Indianer inzwischen befanden?

Mir war klar: Natürlich müssen sie auch diese Realität kennenlernen! – – – Was aber ließ mich zögern? – – – Das musste ich ergründen! Und ich kam zu dem Ergebnis, dass ich Wert auf „Verstehen“ legen möchte. Darum war es mir wichtig, dass für die Kinder verständlich wird, aus welchen Beweggründen heraus die Siedler aus Europa so gehandelt haben, und ebenso, aus welchen Beweggründen heraus die Reaktionen der betroffenen Indianer zu verstehen sind…

Mir war aufgefallen, dass am Ende der Geschichte „Der Winter, als sie den Kopf schleiften“ von einem kleinen deutschen Jungen die Rede war, der Zeuge dieses Vorfalls geworden war. – – –  Darüber wollte ich mehr wissen! Und ich habe Sherman Chaddlesone per Mail darum gebeten, mir dazu Informationen zu geben. – – – Die Fakten, welche ich erhalten habe, waren für mich die Grundlage für „Die Geschichte von Boin Edal“. Diese habe ich in kindgerechter Sprache so verfasst, dass die Kinder das Geschehen, wie auch die Beweggründe der Menschen verstehen konnten. Die Geschichte vom Winter 1837 / 38 habe ich in meine Geschichte von „Boin Edal“ integriert. Dabei habe ich – in Absprache mit Sherman Chaddlesone – zwei Sätze weggelassen und deren Inhalt mit anderen Worten umschrieben. – – – Renate Hugel

Anmerkung: Die Beschreibung der „Enthauptung“ habe ich weggelassen, weil diese grausame Vorstellung die Kinder so beschäftigen würde, dass sie im Vordergrund stehen würde. Ich aber wollte das „Verstehen“ im Fokus der Aufmerksamkeit der Kinder sehen. – – – Am Ende dieses Beitrags erscheint die vollständige Version der indianischen Geschichte.

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Im November 2011: Erstes Treffen im Tipi zu „Geschichten erzählen am Feuer“ – – – Teilnehmer: Schülerinnen + Schüler einer 4. Klasse, Joachim Burkhardt (Klassenlehrer / Gitarre) – wie auch Jochen Richter + Renate Hugel (nicht im linken Bild) – – – Rechtes Bild: Jochen Richter erzählt die Legende vom Wald: „Das stehende Volk“ (Nachdem Renate Hugel „Die Geschichte von Boin Edal“ vorgetragen hatte.)

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Geschichten erzählen am Feuer: Das Feuer im Tipi

Die Geschichte von Boin – Edal

 Boin – Edal war ein kleiner Junge mit blonden Haaren. Keiner weiß, wie sein ursprünglicher Name lautete. Denn, er war eines Tages von Kiowa Indianern gefangen genommen worden. Das einzige, was man weiß, ist, dass er ein Kind deutscher Einwanderer gewesen war. Die Indianer hatten sich gerächt! Warum?

Es war die Zeit um 1830, also vor ungefähr 180 Jahren. Sehr viele Menschen verließen zu der Zeit ihre Heimat, wie zum Beispiel Frankreich, Holland, Deutschland oder England. Sie wollten nach Amerika auswandern und hofften, dort reich zu werden. Als sie nach einer beschwerlichen Schiffsreise endlich in Amerika angekommen waren, mussten sie erkennen, dass sie dort nicht allein waren. Dort wohnten andere Menschen mit einer anderen Kultur: die Indianer. Trotzdem wollten sie ihre Träume nicht aufgeben und taten alles, um sich Land anzueignen und dort zu leben. Und dieses Land nahmen sie den Indianern weg, die sich natürlich wehrten.

Außerdem waren die Einwanderer davon überzeugt, dass es für die Indianer am allerbesten ist, wenn sie zu Christen werden. Sie wollten also alle Indianer missionieren. Nur, die Indianer hatten gar kein Interesse daran, ihren eigenen Glauben aufzugeben. Darum kamen die Einwanderer auf die Idee, möglichst viele indianische Kinder zu kidnappen. Diese Kinder wurden dann von Missionaren erzogen: Sie wurden in den christlichen Glauben eingeführt und lernten in späteren Jahren auch lesen und schreiben.

Für die Indianer war das natürlich ein schreckliches Erlebnis, wenn ihnen die Kinder weggenommen wurden. Ihnen blieb oft nur, hilflos zuzusehen.

Und so kam es, dass sich die Indianer, denen ein Kind geraubt worden war, dadurch rächten, dass sie ein Kind der Einwanderer entführten.

Genau so war es auch Boin – Edal ergangen: Er war als 10jähriger Junge gefangen genommen worden, weil vorher ein indianisches Kind verschwunden war.

Boin – Edal war liebevoll in seine neue indianische Familie aufgenommen worden. Sie gaben ihm einen Namen aus ihrer Kiowa – Sprache: Boin – Edal. Dieser Name bedeutet so viel wie „der Große Blonde mit heller Gesichtsfarbe“. Boin – Edal wurde gekleidet wie ein echter Kiowa Junge und durfte alle Rituale mitmachen, wie z. B. den Sonnentanz. Der zeitgenössische Kiowa Künstler Sherman Chaddlesone hat ein Bild gestaltet, auf dem man sehen kann, wie integriert der kleine deutsche Junge bei den Indianern gewesen ist. Er ist (auf dem Original) gut zu erkennen, denn Sherman Chaddlesone hat ihn mit blonden Haaren gemalt. (Ich habe leider nur einen kleinformatigen Ausdruck.)

Andererseits musste Boin – Edal aber auch hautnah miterleben, wie sie immer wieder von den Einwanderern angegriffen wurden und fliehen mussten mit ihrem Habe und ihren Zelten.

Nicht nur die Kiowa – Indianer mussten fliehen, auch andere Indianer – Stämme! Und das hat dazu geführt, dass die Indianer – Stämme böse wurden auf andere, wenn diese auf dem gleichen Gebiet ihren Zufluchtsort suchten.  Deshalb kam es z.B. zu solchen Ereignissen:

*Im Winter von 1837 – 38 zelteten drei Comanchen, zwei Männer und eine Frau, in der Nacht am A’sese P’a (Hölzernen Pfeilspitzen Fluss) welcher heutzutage bekannt ist als die „Klare Gabelung des Brazos Flusses“ im Staat von Texas. Einer der Comanchen bemerkte jemanden, der die Eingangsklappe des Tipis anhob, um sie dann schnell wieder fallen zu lassen. Er erzählte seine Beobachtung den anderen und, so schnell und leise wie möglich rannten sie hinaus und sprangen über das steile Ufer der kleinen Bucht und versteckten sich selbst gerade noch rechtzeitig, bevor die Angreifer zurückkehrten und in das leere Tipi feuerten. Von ihrem Versteck aus feuerten die Comanchen zurück; dann gingen sie ihren Weg zum nahe gelegenen Kiowa Zeltlager.

 Am Morgen kehrte eine Gruppe der Kiowa Krieger zurück zu der Stelle, wo die Comanchen ihr Zelt aufgeschlagen hatten, und holten ihr Habe – zusammen mit dem Tipi – zurück. Dabei fanden sie einen toten Körper dort liegen, wo einer der Angreifer erschossen worden war. Plötzlich bemerkten sie, dass eine große Gruppe der Angreifer vom Vortage sie aus der Ferne beobachtete! Die Kiowas… (reagierten blitzschnell mit einer Drohgebärde.) Daraufhin zogen die Angreifer sich schnell aus dem Bereich zurück. Die Kiowas kehrten nun ebenfalls in ihr Camp zurück.

Der deutsche Gefangene Boin  Edal, ein zu der Zeit kleiner Junge, war ungefähr zwei Jahre bei den Kiowas und wurde Zeuge dieses barbarischen Vorfalls: er erinnerte sich später daran, welch Entsetzen und innere Erschütterung dieses Ereignis in ihm ausgelöst hatte.*

* Von welchem Stamm diese Angreifer waren, konnte später nie herausgefunden werden.

Boin – Edal wuchs als Kiowa heran, und eines Tages war allen klar gewesen, dass er ein junger Erwachsener geworden ist. Da hat man Boin – Edal gesagt, dass er zurückgehen kann zu den deutschen Siedlern, wenn er will. Aber Boin – Edal verweigerte eine Rückführung, denn er erinnerte sich nicht an seine deutsche Familie und Kultur. Er fühlte sich als Indianer. Und so führte er weiterhin ein indianisches Leben und heiratete eines Tages eine Indianerin.

Boin – Edal’s Name wurde später von der U. S. Regierung versehentlich bei einer Volkszählung unter den Kiowas als Boyiddle aufgezeichnet. Boin – Edal (seit der Volks-zählung Boyiddle) hatte mehrere Kinder, die man auch Nachkommen nennt. Diese Nachkommen hatten auch wieder Nachkommen und so weiter.

Der verstorbene berühmte Kiowa Künstler, Parker Boyiddle, ist ein Nachkomme dieser Person: Sein Vater war Kiowa – Indianer, dessen Vater (also Parker Boyiddle’s Opa) ebenso, wie auch der Vater des Opa’s (Boyiddle’s Uropa). Der Vater dieses Uropa’s (also Boyiddle’s Ur – Uropa) war jener kleine blonde deutsche Junge Boin – Edal gewesen.

Heute leben noch etliche andere Nachkommen von Boin – Edal, welche in und um Anadarko leben. Anadarko ist eine kleine Stadt im Staate Oklahoma und hat ca. 7.000 Einwohner. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Anadarko ist indianischer Abstammung. Und einige tragen zusätzlich das Erbgut des kleinen deutschen Jungen Boin – Edal in sich. Darum kann es bei diesen Nachkommen immer mal passieren, dass Eltern, die beide typisch indianisch aussehen, ein blondes hellhäutiges Kind bekommen.

Vor fast 200 Jahren waren aber nicht nur Menschen von Europa gekommen, um sich dort Land anzueignen und sich dort eine Existenz aufzubauen. Es kamen auch die Missionare, die die Indianer umerziehen wollten. Aber dann gab es noch Menschen, die kamen nach Amerika, weil sie Interesse an der indianischen Urbevölkerung hatten. Sie wollten erkunden, wie die Indianer leben und welche Vorstellungen sie hatten.

Da damals die Fotografie noch nicht erfunden war, kamen auch Künstler nach Amerika, die begleiteten die Indianer und malten sie, ihre Zelte und Tiere, wie auch die Landschaft in der sie lebten. Die Indianer von vor 180 Jahren waren fasziniert von diesen Künstlern. Sie hatten noch nie solche gemalten Bilder gesehen und wussten auch nicht, wie das möglich sein sollte, die Wirklichkeit auf Stoff (also auf die Leinwand) zu bannen. Für die Indianer waren diese Künstler und Maler Zauberer.

Ihr könnt Euch vorstellen, dass es sich schnell herumgesprochen hatte, dass es da einen blonden Indianer gibt, der wie die richtigen Indianer lebt. Und so kam eines Tages ein Künstler zu Boin – Edal und malte ihn.

Der zeitgenössische Kiowa Künstler Sherman Chaddlesone hat mir ein Foto dieses Ölgemäldes gemailt. Jetzt könnt Ihr sehen, wie der Erwachsene Boin – Edal (später Boyiddle) ausgesehen hat. – – –            Renate Hugel

Anmerkungen von Renate Hugel:

 1) Dieses sind die Anmerkungen von Sherman Chaddlesone, übersetzt nach seinem eigenen Wortlaut: Dies ist eine wahre Geschichte und schließt einen deutschen Jungen ein, der etwa 10 Jahre alt war, als er das Ereignis miterlebte. Ich hörte die Geschichte zum ersten Mal, als ich 11-12 Jahre alt war und denke, es war zuerst mehr Neugier als Erschrecken bei mir. – – – Die Kiowa-Übersetzung des Namens desJungen, Boins – ale*, beschreibt jemanden, der groß und von hellem Teint ist. – – – Sein Name wurde später versehentlich als Boyiddle von der U. S. Government – Prüfungsstelle unter den Kiowas aufgezeichnet, und der verstorbene berühmte Kiowa-Künstler, Parker Boyiddle, war ein Nachkomme von dieser Person. Boin -ale wuchs auf als Kiowa und lehnte als Erwachsener später eine Rückführung ab, weil er sich nicht an seine deutsche Familie oder Kultur erinnern konnte. Er hat mehrere Nachkommen, die hier in und um Anadarko herum wohnen. – – – Ich bezog Boin – ale in das Bild nahe dem Zentrum ein, angezogen als ein Kiowa-Junge, und er ist der Einzige mit blondem Haar „. – – – Sherman Chaddlesone

* Dazu Renate Hugel: Sherman Chaddlesone hatte beide Formulierungen verwendet ( Boin – ale und Boin – Edal ); im Originaltext vom „Winter“ taucht die Schreibweise „Boin – edal“ auf.

2 ) Ich habe diese Geschichte nach den Fakten aufgeschrieben, die Sherman Chaddlesone mir per Mail gesendet hatte. Sherman Chaddlesone hatte (zusammen mit seinem gleichnamigen Druck) diesen Text auf seine Homepage gestellt: „Der Winter, als sie den Kopf schleiften“. So dass ich beides ausdrucken konnte, die Geschichte und seinen Druck.

3 ) In Absprache mit Sherman Chaddlesone habe ich zwei Sätze ausgelassen und den Inhalt mit folgenden Wörtern umschrieben:… „reagierten blitzschnell mit einer Drohgebärde“. Und ich habe diesen Text in meine Geschichte von * bis * integriert.

4 ) „Boin – Edal (Boyiddle) wurde von den Kiowas dort gefangengenommen, wo sich heute die Galveston Bucht im Staate Texas befindet, als er ungefähr 10 Jahre alt war.“ (Übersetzte Originalformulierung von Sherman Chaddlesone, als er meine Fragen in einer weiteren Mail beantwortet hatte.) – – –              Renate Hugel, Bremen, im November 2011

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Linkes Bild: Der Ausdruck des Fotos „Boin Edal – Portrait* in Öl gemalt“ wird in der Runde betrachtet und weitergereicht. – – – * Das Original ist ein historisches Ölgemälde. – – – Rechtes Bild: Parker Boyiddle (21. 07. 1947 – 04. 12. 2007), Nachfahre von Boin Edal (später: Boyiddle: Auch ein Foto von Parker Boyiddle* sehen sich die Kinder interessiert an. – – – *  Nachfahre von Boin Edal – – –  Siehe auch: Homepage von Parker Boyiddle unter: „Links“.

72_TheWi_IMG_5889Hier betrachten die Kinder das Kunstwerk von Sherman Chaddlesone:  Der Winter, als sie den Kopf schleiften…“ – – – –Anmerkung: Auf dem Original ist im Vordergrund die Szene „des Schleifens“ zu sehen.

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Linkes Bild: Renate Hugel: In der Runde mit einer weiteren 4. Klasse im Klassenraum. (Eine Lehramtsanwärterin musste sich auf ihre Prüfungsstunde vorbereiten. Sie hatte mich gebeten, die Geschichte von Boin – Edal dafür einsetzen zu dürfen. Hier: Vorbereitungsstunde zu ihrer Prüfung.)  – – – Rechtes Bild: Szene während des Unterrichts-gesprächs nach dem Vortrag von Renate Hugel: „Die Geschichte von Boin – Edal“.

Die Originalversion (in Übersetzung):

Der Winter, als sie den Kopf schleiften…

 Im Winter von 1837 – 38 zelteten drei Comanchen, zwei Männer und eine Frau, in der Nacht am A’sese P’a (Hölzernen Pfeilspitzen Fluss) welcher heutzutage bekannt ist als die Klare Gabelung des Brazos Flusses im Staat von Texas. Einer der Comanchen bemerkte jemanden, der die Eingangsklappe des Tipis anhob, um sie dann schnell wieder fallen zu lassen. Er erzählte seine Beobachtung den anderen und, so schnell und leise wie möglich rannten sie hinaus und sprangen über das steile Ufer der kleinen Bucht und versteckten sich selbst gerade noch rechtzeitig, bevor ihre Feinde zurückkehrten und in das leere Tipi feuerten. Von ihrem Versteck aus feuerten die Comanchen zurück; dann gingen sie ihren Weg zum nahe gelegenen Kiowa Camp.

Am Morgen kehrte eine Gruppe der Kiowa Krieger zurück zu der Stelle, wo die Comanchen ihr Zelt aufgeschlagen hatten, und holten ihr Habe zusammen mit dem Tipi zurück. Dabei fanden sie einen toten Feind dort liegen, wo er erschossen worden war von den Comanchen. Als sie bemerkten, dass eine große Gruppe der Feinde sie aus der Ferne beobachtete, skalpierten und enthaupteten die Kiowas den toten Feind und, als Warnung, schleiften sie den Kopf in Richtung der feindlichen Gruppe, die sich dann schnell aus dem Bereich zurückzogen. Die Kiowas schleiften dann den Kopf des Feindes zurück und in ihr eigenes Lager und befestigten ihn auf der Spitze eines Pfostens, um ihn dort zur Schau zu stellen.

Der deutsche Gefangene Boin  Edal, ein zu der Zeit kleiner Junge, war ungefähr zwei Jahre bei den Kiowas und wurde Zeuge dieses barbarischen Vorfalls: er erinnerte sich später daran, welch Entsetzen und innere Erschütterung dieses Ereignis in ihm ausgelöst hatte.

Quelle: Homepage von Sherman Chaddlesone