Monthly Archives: September 2013

Unter einem Dach

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Renate Hugel:  Unter einem Dach – – – Mischtechnik / Absprengtechnik / 29,5 cm x 41,5 cm / 2013

Unter einem Dach

 Innen – Außen – – – trennt eine Membrane nur – – – gleich einem Trommelfell – – – leitet Schwingungen – – – von außen nach innen – – – von innen nach außen

Innen – Außen – – – beschützt die Membrane „Zeltwand“ – – – verbindet dennoch alle Dächer – – – mit ihrer Durchlässigkeit: Geteilte Privatsphäre – – – Das Ich lebt durch das Wir

 Innen – Außen – – – die Membrane verspricht Sicherheit – – – aber sekundenschnell – – – verlassen wir sie heute – – – mit einem Mausklick nur – – – und begeben uns in einen Dschungel… – – – von Gedanken und Absichten! – – – Renate Hugel

Kunstbegegnungen – 1

72_Ron5Germ5Ind_018_15Ronald Anderson: “Five Germans, Five Indians” (Acryl auf Leinwand; 140×100 cm; 2000)

Kunstbegegnungen – 1

Die ersten Tage des „Symposiums 2000“ waren vergangen. Unsere indianischen Gäste und wir, die Gruppe „Quintum“, hatten uns eingearbeitet. Ein jeder, eine jede hatte seinen / ihren Platz in der geräumigen Galerie „pro art“ – aber auch sein / ihr eigenes Anliegen, sich auszudrücken. Und so entwickelte sich früh ein neugieriges Gespannt Sein auf die eigenen Ergebnisse, aber auch auf die der anderen… – – –  An diesen ersten Tagen waren wir noch nicht vollständig. Wir erwarteten nun Ronald Anderson (ein Mitglied des Chickasaw Stammes aus Tishomingo Oklahoma*), damals aus Gracemont, Oklahoma). Aus irgendeinem Grund konnte er erst später anreisen. Margaret war diejenige, die für die persönlichen Belange unserer Gäste die Verantwortung übernommen hatte. Sie bat uns, meinen Mann und mich, sie mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Und wenige Zeit später konnten wir Ronald Anderson begrüßen! – – – Gemeinsam ging es Richtung Galerie, wo sich Ronald gleich nach der allgemeinen Begrüßung auf seinen bereits vorbereiteten Arbeitsplatz einrichtete und anfing zu malen – als wäre er schon ewig bei uns gewesen. Obwohl bereits im betagten Alter, kannte er offenbar keinen Jetlag. Und zum Aufwärmen malte er kleine Erfindungen unterschiedlicher Thematik an diesem ersten Tag.

72_ARonworkpl_img901Später wurden seine Arbeiten immer größer. So groß, dass er es vorzog, die Leinwand selbst zu fertigen in stabiler rustikaler Weise. – – – Das oben genannte Werk  hat die Ausmaße 140 x 100 cm. Es zeigt fünf Indianer, das Gesicht verborgen hinter Masken. Oben links (nach unserer Lesart: am Anfang) thront eine blonde weißhäutige Frau. Wie uns Ronald Anderson dazu erzählte, stellt diese blonde Frau Margaret dar. Da sie durch ihren Einsatz diese Zusammenkunft erst möglich gemacht hatte, bedankte sich Ronald damit bei ihr. – – – Anderson gab seinem Werk den Titel „Fünf Deutsche, fünf Indianer“ (= Übersetzung). Der Rest der damaligen Gruppe „Quintum“ scheint auf dem ersten Blick nicht vorhanden zu sein. Doch es fallen fünf Stofffetzen auf mit den Farben schwarz, rot und goldfarben. „Wir“ verbergen uns also hinter diesen Fahnenfetzen! „Wir“ sind „noch“ namenlos und gesichtslos für die Indianer, sind Puzzleteile jenes Ganzen, das sich Deutschland nennt, von Ronald Anderson  symbolisiert durch die deutsche Fahne. Im Gegenzug verbergen die fünf Indianer ihre Gesichter hinter Masken. Auch sie sind gesichts- und namenlos: Egal, welchem Stamm sie angehören, werden alle in gleicher Weise dargestellt. Damit denkt sich meiner Meinung nach Ronald Anderson in unsere Sichtweise hinein. Ebenso, wie wir aus Sicht der Indianer „die Deutschen“ sind, erscheinen auch uns unsere Gäste als „die Indianer“. Und beide Sichtweisen sind undifferenziert. Das zu ändern ist unter anderem das Anliegen dieses Symposiums…- – – Nun, Ronald Anderson ist ein Künstler, der souverän mit Pinsel und Farbe umgehen kann. Auch besitzt er eine bemerkenswerte Lockerheit in der Pinselführung und kann Farben sehr differenziert einsetzen. – – – Für sein Gemälde Five Germans, Five Indians” wählte er jedoch die plakative Malweise: Ich finde, dass er mit diesem visuellen Pendant zum „plakativen Denken in Vorurteilen“ seine Aussage unterstützt. – – – Interpretation: Renate Hugel

Hinweis: * Siehe dazu auf HOME  „Anmerkung zu Ronald Anderson“ vom 24. 07. 2015