Monthly Archives: Oktober 2013

„Kunstbegegnungen – 3“

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                 Kelly Church: Im Gespräch mit dem Manitu („Talking with the Manitou“)  Acryl auf Leinwand, 50×40 cm, 2000

Kelly Church

Kelly Church bezeichnet sich als Malerin des „Woodland-Style“. Ihre Vorfahren sind die Anishnabe-Menschen. In ihrer Malerei thematisiert sie, was die frühen Legenden ihrer Ahnen erzählen… – – – Das gilt auch für das Bild „Talking with the Manitou“ („Im Gespräch mit dem Manitu“): Den Raum deutet Kelly Church an mit den wasserverdünnten Farben Grün, Blau und Rotbraun, die sich in der Breite des Bildes übereinander geschichtet befinden. Mit dem wasserreichen Auftrag der Farben „rutschen“ diese ab in den Tertiärbereich. Dabei variieren stark verdünnte Aufträge mit Verdichtungen, was den Schichtungen von unten nach oben eine Differenzierung auch innerhalb eines Elements verleiht. – – – Am Grunde des Wassers hat alles begonnen, bis dann das Land und die Luft erobert wurden. (Die Luft mache ich an der Farbverdünnung als solche aus.) Somit bildet der Fisch das Gerüst, auf dem sich die weiteren Lebensformen aufbauen: Fisch, Bär, Kranich, Mensch. Eine zentrale Stellung kommt offenbar dem Kranich zu. Er ist umgeben von einem satten Tiefrot, welches ihm große Kraft verleiht. – – –  Die Farben der dargestellten Lebewesen sind gewisser-weise die potenzierten Farben der dargestellten Umgebung… – – – In ihrer Konzentration ist die Trübe der Farben gewichen; sie vermitteln so eine Intensität, welche für eine selbstsichere innere Haltung stehen kann… Die innere Zentrierung schafft einen aktiven Zugang zur Außenwelt…

Und ein jedes Wesen hat seinen eigenen Werdegang, symbolisiert durch die Spirale, welche gleich einer Nabelschnur verbunden ist mit jedem Lebewesen. Die Notwendigkeit des Abtrennens der Nabelschnur kann eine Metapher sein für eine ständige Metamorphose, welche uns in unserem Dasein abverlangt wird. Trotzdem lebt die abgetrennte Vergangenheit in uns weiter, bestimmt die nächsten Entwicklungsschritte.  Ich stelle mir vor, dass die Spiralen in sich alle Informationen des Werdegangs der jeweiligen Kreatur als Spezies wie auch als Individuum tragen. Einen verstandesmäßigen Einblick in die verborgenen Hinweise des Vergangenen kann nur das Entrollen der Spirale und das Entschlüsseln der freigegebenen Informationen gewähren… – – – Ich stelle mir weiter vor, wie diese Nabelschnur – Spirale entrollt wird und wie sie ihre „Geheimnisse“ (= abgespeicherten Informationen) preisgibt und erkenne: Eigentlich tun wir schon immer alles, um hinter dieses Geheimnis zu kommen – nämlich auf den Gebieten der Anatomie, Archäologie, Erdgeschichte, Kunst, Medizin, Paläontologie, Psychologie, Soziologie, Sprachforschung und vieler anderer mehr… – – – Die Spiralen, welche ein jedes Wesen mit sich herumträgt, ist ein schönes Symbol für diese komplizierten Zusammenhänge…

Mein Ausflug in eine mögliche rationale Erfassung der Symbolik ist quasi die Kommunikationsebene, zu der wir heute Zugang haben.

Die kleine imaginäre Gruppe hat sich sicherlich nie so zusammengefunden. Sie ist ein Symbol für die Geisteshaltung der frühen Anishnabe-Menschen. Diese befanden sich noch im Einklang von Herz und Verstand und fühlten das Einende zwischen allen Kreaturen: ein jedes Wesen war ausgestattet mit der Kraft des Manitus… – – – Der Mensch befand sich im Angesicht der ihn umgebenden Kreaturen. Somit fand Kommunikation statt auf der Ebene, auf der wir das „Göttliche“ in uns empfinden. Diese Ebene haben wir heutzutage längst verlassen und verspüren lediglich eine Ahnung davon, wenn wir eine „Erschütterung“ erfahren – sei es Schmerz, Trauer oder, wenn uns etwas anderes „aus der Bahn wirft“.  Unterschiedliche Daseinsformen tragen sie in sich, diese Kraft des Manitus, und sind darum gleichwertige Aspekte von Sein. Das war sicherlich die Kernaussage der Anishnabe-Menschen. Deren Gedanken fanden Ausdruck in der bildhaften Kraft von Mythen und Legenden.

 Eine Fähigkeit der damaligen Anishnabe-Menschen war es sicherlich, absolut präsent in Körper und Geist sein zu können, was eine hohe Aufmerksamkeit für das Hier und Jetzt erzeugte… Eine Aufmerksamkeit für sich selbst, wie auch für andere Wesen: Die Voraussetzung für ein „Erkennen“ ist, die innere Wahrheit eines jeden Wesens zuzulassen. Das erschafft in uns ein Gewahr-Werden der allen Wesen gemeinsam innewohnenden inneren Kraft. Dieses Erkennen i s t  die Begegnung mit dem Manitu – jener göttlichen Kraft in allem… – – – Interpretation: Renate Hugel 

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Kelly Church an ihrem Arbeitsplatz: Aufgenommen in der Galerie „pro art“ in Bremen / 2000

Zur Person von Kelly Church:

Kelly Church lebt in Michigan, also im Norden der USA. Darum war es für sie zusätzlich ein besonderes Erlebnis, mit Künstlern aus Oklahoma zusammenzuarbeiten – und umgekehrt… – – – Kelly Church strahlt eine innere Fülle aus und ein „Getragen-Werden“ von positiver Energie. Das spiegelt sich in ihrer Arbeitsweise wider: Auf ihrem Arbeitsplatz befand sich immer eine Fülle von Material. Das Foto oben zeigt das Farbenmeer, welches sie beim Malen stets umgab. So konnte sie immer aus dem Vollen schöpfen… – – – Das war noch nicht alles; viele andere Materialien hatte sie zusätzlich mitgebracht. Darüber werde ich in einem weiteren Beitrag über sie berichten. – – – Später stellte ich fest, was für eine facettenreiche Persönlichkeit sie ist und welches großartige Engagement ihr Tun bestimmt! (Ein Beitrag dazu wird zusätzlich folgen.) – – – Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 2“

Caddo Keramik von Jereldine Redcorn

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Linkes Photo: Jereldine Redcorn und ihre Caddo Keramiken. Unten: getrocknete Keramiken vor dem Brand. Oben: Keramiken nach dem Brand im „Atelier auf der Wiese“. Auf den abgebildeten Flyern: Jereldine Redcorn’s Caddo Keramik, erstellt in Oklahoma. – – – Rechtes Photo: Jereldine betrachtet einige Arbeitsergebnisse. Beide Photos wurden 2000 in der Galerie „pro art“, Bremen, aufgenommen. – – – Renate Hugel

Uns – der Gruppe Quintum – wurde Jereldine Redcorn im Vorfeld mit der Information angekündigt, dass wir für sie einen Erdofen vorbereiten sollen. Dafür bot sich das „Atelier auf der Wiese“ von Roland Schneeweiss bestens an.

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Und so kam es, dass wir uns mit dem Bau eines Erdofens (siehe oben) befasst hatten… – – – Jereldine Redcorn hat es sich zur Aufgabe gemacht, Caddo Keramik ihrer Caddo – Vorfahren vorbildgetreu nachzugestalten. – – – Zunächst konnten wir während unserer täglichen Arbeit in der Galerie miterleben, wie verschiedene Gefäßformen durch ihre Hand entstanden.  Offenbar hatte sie die einzelnen Formen und jeweiligen Größen inzwischen so verinnerlicht, dass sie kein „Vorbild“ mehr benötigte. Ebenso ging es ihr scheinbar leicht von der Hand, die historischen Motive in die geglättete und mit einem Stein polierte Oberfläche der einzelnen Gefäße zu ritzen. Mir fiel auf, dass – bei aller Freude an ihrem Tun, welche sie verbreitete – sie dennoch hoch konzentriert arbeitet! – – – Nachdem sie eine Serie von sechs Gefäßen erstellt hatte, überließ sie diese dem Trocknungsprozess… – – – Auf die nun einsetzende Wartezeit hatte sie sich vorbereitet mit allerlei Material, wie z. B. Federn, Perlen, Schnüren oder Knöpfen. – Doch, davon später im nächsten Beitrag zu Jereldine Redcorn!

Der Abschluss ihrer Arbeiten durch den Brand im Erdofen – nach Art ihrer Vorfahren – stand nun bevor. Dafür trafen wir uns an einem Wochenende in Rolands „Atelier auf der Wiese“. – – – Zunächst war eine Gruppe von uns losgegangen, um Pferdemist zu sammeln. Diesen benötigte Jereldine, um den erwünschten Oberflächenfarbton zu erlangen. – – – Heinz, Roland, Eva und Willi hatten noch für eine zusätzliche Brennmöglichkeit gesorgt, eine alte Blech – Tonne. Wie sich herausgestellt hatte, erlangte der Erdofen nicht die nötigen Temperaturen, so dass Jereldine die Tonne für den Brand bevorzugte. Aber auch hierbei musste sie später erkennen, wie sehr solch eine Art zu brennen von den Außentemperaturen abhängig ist. Der Sommer 2000 war in Deutschland nicht so heiß; dem gegenüber gab es große Temperaturunterschiede zu Oklahoma! Aber diese Gegebenheiten konnten wir alle nicht ändern. Schließlich akzeptierte Jereldine die nicht ganz so perfekten Oberflächenergebnisse…

Es war für mich fast körperlich schmerzhaft zu spüren, wie schwer es Jereldine gefallen war, die missglückte Oberflächenfarbe zu akzeptieren. Ihre „Hingabe an ihr Tun“ ließ mich fühlen, wie viel Liebe sie in ihre Arbeit steckte! Je mehr ich mich später mit Jereldine Redcorn’s Arbeit befasste, desto besser verstand ich, welche wunderbare Geschichte sich hinter ihrem Tun verbirgt. Davon werde ich in einem späteren Beitrag berichten. Zuvor wurde es noch richtig spannend mit Jereldine, wie im nächsten Beitrag zu Jereldine Redcorn zu lesen sein wird… – – – Renate Hugel

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Linkes Photo: Probebrand mit dem Erdofen – – – Rechtes Photo: Jereldine Redcorn hat die Blechtonne mit ihren Keramiken bestückt. – – – Renate Hugel

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Jereldine Redcorn beim Vorbereiten der Brandbeigaben  für den Ofenbrand: “Pferdemist”, versetzt mit Strohresten, zum Beispiel.

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Linkes Photo: Jereldine Redcorn begutachtet die Ergebnisse des Tonnen – Brandes. Rechtes Photo: Das „Atelier auf der Wiese“ von Roland Schneeweiss hatten wir – die Gruppe Quintum – bereits vor Beginn des Symposiums mit diesem „Zeichen einer Begegnung“ ausgestattet. – – – Renate Hugel

Es folgen einige Beispiele der Arbeitsergebnisse von Jereldine Redcorn: Keramische Gefäße, nach dem Vorbild ihrer Caddo – Vorfahren gearbeitet.

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Beispiel 1: Spiralen – Gefäß (Caddo – Keramik von Jereldine Redcorn)

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Beispiel 2: Enten – Gefäß (Caddo – Keramik von Jereldine Redcorn)

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Beispiel 3: Katzen – Gefäß (Caddo – Keramik von Jereldine Redcorn)

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Beispiel 4: Kopf – Gefäß (Caddo – Keramik von Jereldine Redcorn)