Monthly Archives: Juni 2014

„Kunstbegegnungen – 9“

– Renate Hugel –

Die Ruine

72_2000_Faltenw_img346

„Die Ruine“ von Renate Hugel aus der Serie „Faltenwürfe“ Mischtechnik und Collage mit verschiedensten Papieren / „Malen mit Papier“ – 10,5 cm x 14,8 cm / 2000, Bremen (Deutschland)

Die Ruine

 Dort stehe ich – inmitten meines eingestürzten Seins, der Ruine! Ein Zusammenbruch hatte sich ereignet und hatte zur Folge, dass meine „damalige Welt“ einfach angehalten wurde! Ein schmerzhafter Einschnitt in mein vorheriges Leben! – – – Das alles lag nun (2000) bereits ca. sieben Jahre zurück. Immer noch war – seit dieser langen Zeit – „die Ruine“ mein Aufenthaltsort: „Und voll Staunen erblickte ich auf meinem Bild, was für eigenwillige Gewächse sich dort zum Licht hin drängen. Gewächse, welche meine Hand unbewusst ausgeführt hatte. Durch mein Hingewandt Sein zu meiner inneren Baustelle gelang es etlichen Samenkörnern, sich zu entfalten. Sie waren immer da gewesen im Dunkel der Unbewusstheit – für bestimmte Sphären. Im gleichen Moment fiel mir auf, dass ich mich unmittelbar vor einem Torbogen befand und von der Außenwelt nun durch eine nebelige Wand getrennt war…“

Ich dachte darüber nach, warum ich spontan die Assoziation „Ruine“ hatte beim Anblick dieses Bildes; denn: Es ist ja überhaupt kein Trümmerteil zu erkennen! Mein Unbewusstes beantwortete mir prompt meine „innerlich gestellte Frage“: Vor mir sah ich nun die Ruinen, auf/in denen ich als Kind gespielt hatte. Es muss in der Zeit gewesen sein, als ich ca. 7 bis 9 Jahre alt gewesen war und bereits in Bremen gewohnt hatte (denn davor war meine Heimat in München, wo ich wohl Ruinen gesehen hatte, wenn wir in die Innenstadt gefahren waren; betreten hatte ich sie damals nie). Somit ging meine Erinnerung zurück zu den ersten fünfziger Jahren – etliche Jahre nach dem Kriegsende. Und darum verbargen sich Mauer- und Steinbrocken unter den „Trümmerblumen“: Jahre waren seit Kriegsende ins Land gegangen. Der Wiederaufbau hatte nicht so schnell bewältigt werden können. – Aber, wo sind die typischen lilafarben blühenden Trümmerblumen auf meinem Bild?  Ich suche eine Parallele und erkenne diese Parallele in dem spontanen Erblühen von Blumen auf den Trümmern, wie auch auf meinem Bild.

Das war also meine aktuelle innere Situation: Seit meinem totalen Zusammenbruch während der ersten neunziger Jahre waren inzwischen etliche Jahre ins Land gegangen. Und mein Bild sagt mir: Die Aufbauarbeit ist noch lange nicht beendet…

Meine Welt war zusammengebrochen und dieses Geschehen hatte meine gesamte innere Persönlichkeitsarchitektur in sich einstürzen lassen – bis hin zur frühen Kinderzeit!

Ich hatte meine Ziele verloren. Doch, was sind meine neuen Ziele? Dieses Fragezeichen hatte ich all die Jahre im Kopf bewahrt. Im Jahr 2000 war ich mittendrin in dem Prozess des „Scherbensammelns“. Dabei hielt ich mich vorwiegend in den „inneren Räumen“ auf, welche ich früher nie betreten hatte. Das musste ich einfach jeden Tag wieder neu auskosten! Mein neuer „innerer Aufenthaltsort“ war mir wie eine „neue Welt“ erschienen: Die Begegnung mit meinem eigenen Selbst, das im gesunden Zustand der Motor allen Wirkens in der äußeren Welt ist! – – – Ich aber war seit meiner frühen Kindheit „abgetrennt“ worden von den inneren Impulsen meines Selbst! Stattdessen war ich schon früh dazu angehalten worden, die Welt ausschließlich mit dem Kopf zu erfassen…

All meine Energie wurde aufgesogen von meinem persönlichen Wiederaufbau: Jede ‚Scherbe‘, die ich in die Hand genommen hatte, löste Erinnerungen aus oder führte mich zurück zu vergangenen Situationen. Dabei hatte ich für mich die Notwendigkeit erkannt, diese Erinnerungsstücke nun neu zu bewerten. Und das war eine schmerzhafte Bewusstseinsarbeit, was an die immer noch dünne innere Kräftesubstanz ging: Die Puzzle-Teile können nicht in der ehemaligen, früheren, ursprünglichen Anordnung, Struktur und Sinnhaftigkeit zusammengefügt werden. Denn, so wie es einmal war, hatte ja diese inzwischen weggebrochene Struktur letztendlich zum Zusammenbruch geführt. Darum muss ich alle Teile, die ich „aufnehme“, nun neu bewerten, ihnen einen neuen Sinngehalt geben… Und mit diesem Bild aus dem Jahr 2000 sah ich, dass es noch etliche Areale gibt, welche ich bislang nicht bemerkt hatte. Areale, auf denen bereits eine neue Vegetation das Darunter verbarg…

 Ich erlebte einen inneren Aufschrei!

 Für unser Symposium hatte ich mir vorgenommen, abstrakt gestaltete großformatige Bilder zu malen, getragen von frei fließender Energie. – – – Mir blieb nur, diese meine innere Situation zu akzeptieren! – – – Denn: Kunst will nicht verbergen! – Kunst deckt auf!*

 (* Diesen Ausspruch habe ich spontan niedergeschrieben. Er ergab sich als logische Konsequenz meiner Ausführungen davor. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Ausspruch bereits formuliert worden ist von jemandem anders. Auf alle Fälle ist er eine Anlehnung an ein bekanntes Zitat von Paul Klee: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“)

Mein mir vorliegendes Bild war nicht großformatig (so wie angestrebt), sondern im Format einer Postkarte! Meine Energie hingegen hatte ich frei fließen lassen, und doch war ich nicht glücklich mit dem Resultat: Es hielt mir ja im Ergebnis einen Spiegel vor und „deckte das auf“, was ich einfach nicht wahrhaben wollte. Der damalige Zusammenbruch hatte mich mit aller Macht zur Entschleunigung gezwungen. Und nun, im Jahr 2000, spürte ich sie immer noch, diese absolute innere Kraftlosigkeit! Denn, so ein „Aufbau der Person“ ist eine langwierige und intensive Arbeit. Dafür benötigt man alle Aufmerksamkeit und viel Zeit! Inzwischen hatte ich mein Leben so einrichten können, dass ich die dafür nötige Zeit für mich selbst hatte (siehe dazu: Anmerkung 2 am Ende dieses Beitrages). Die gemeinsame Symposium Zeit war für alle Beteiligten „Neuland“. Ich in meiner Situation empfand sie als einen „sehr wohltuenden Aufenthaltsort in der äußeren Welt“: Ich konnte mich in Ruhe und „in meiner Zeit“ ganz ungestört meinem Malen und kreativem Tun widmen. Die besondere Atmosphäre hatte mich „getragen“…

Noch während ich versucht hatte, meinem Beruf als Lehrerin, wie auch – parallel dazu –  den zahlreichen zusätzlichen Schul-Projekten gerecht zu werden, hatte ich spontan angefangen zu malen.

Ich habe einige Bildbeispiele aus dieser Phase ausgesucht:

72_Unterwegs_ 001

Renate Hugel: Unterwegs / Aquarellmalstifte, wasservermalbar / 10,5 cm x 15 cm, 1991

 Genau in dieser Zeit war dieses Bild entstanden. Es zeigt eine „Person“, die offenbar schnellen Schrittes unterwegs ist und sich nicht ein einziges Mal die Zeit nimmt, zur Besinnung zu kommen. Im Gegenteil! Ich hatte immer noch neuen Projekten meine Mitarbeit zugesagt. Mein Interesse für viele Themen rund um meinen Beruf war meine innere Rechtfertigung gewesen! Doch diese Mehrfachbelastung kollidierte gewaltig mit meinem Perfektionsanspruch und meinem Hang zur Gründlichkeit. Mein Entschluss hatte festgestanden: Zum Schuljahresende wollte ich meine Verpflichtungen zu allen zusätzlichen Schul-Projekten beenden. Aber es sollte anders kommen…

Beim Betrachten dieses Bildes kam es mir vor, als ob meine „Energiebahnen“ lose herabhängen würden. Sie erschienen mir wie abgetrennt vom gesunden, kraftvollen Kreislauf der Energien. Meine Spannkraft war verloren gegangen, ich spürte kein inneres Schwingen mehr – jene Kraft, die die Person in ihrem Innersten definiert. – Die Melodie meines Lebens war verloren gegangen…

Eigentlich befand ich mich bereits seit meinem 18. Lebensjahr in diesem Zustand des inneren Getrieben-Seins. Denn damals hatte es mich „aus der Bahn geworfen“ bei dem Versuch, mich selbst zu „retten“. Doch neue Probleme waren die Folge! Völlig entsetzt entfernte ich mich nun immer mehr von mir selbst! Ich vermied es regelrecht, mich selbst zu spüren! Schließlich funktionierte ich wunderbar, wenn ich alles „ausblendete“, was ich als Kind schon „nicht lösen konnte“. Dabei konnte ich keine Rücksicht auf mich selbst nehmen! Im „Hinterkopf“, jedoch, hatte ich mir die Hoffnung bewahrt, dass so „alles gut wird“. Nur, das wurde es nicht! Seit einigen Jahren spürte ich das sehr wohl „unter der Oberfläche“, also mehr „im halb bewussten Raum“. Und dort ließ ich dieses vage Gefühl liegen… „Schließlich muss ich funktionieren und mein immenses Arbeitspensum bewältigen. Da habe ich doch keine Zeit, ‚vagen Gefühlen‘ nachzugehen!“ Mit diesen Worten beschreibe ich heute im Rückblick meine innere Reaktion von damals. Und so war es dabei geblieben: Das Diktat von Anforderung und Pflichterfüllung setzte das permanente „innere Unterwegs-Sein“ fort, bis am Ende Körper und Geist ein Innehalten erzwungen hatten!

72_Atemlos_ 001

Renate Hugel: Clownin – atemlos vor neuen Ufern – – – Mischtechnik / 15 cm x 10 cm, 1992

Dieses Bild von 1992 zeigt, dass mich eine starke Flut erfasst, in die Tiefe gezogen und hinweggespült hatte, mitsamt einer Menge Trümmerteilen – gleich einem Tsunami! „Die Wogen schlugen beinahe über mir zusammen! Außer Atem erreiche ich gerade noch rechtzeitig die neuen Gestade, die eine Atempause zu gönnen mir erlauben…“ – das schrieb ich damals zu diesem Bild.

Das Element Wasser war zu der Zeit mein Partner geworden. Ich malte mit viel, ja sehr viel Wasser, wodurch die Farben ins Fließen kamen. Meine Gedanken kamen dadurch in Fluss und zeigten mir neue „Denk Wege“ auf… – – – Meine Malweise mit sehr viel Wasser hatte es allerdings erforderlich gemacht, die Ränder des Postkartenkartons abzukleben. Damit konnte ich den Karton in Form halten. Intuitiv hatte ich damals entschieden, das Klebeband als Umrandung zu erhalten; darum hatte ich es oft nach dem Trocknen nicht entfernt, wie eigentlich üblich. Später gewann ich den Eindruck, dass jede Bildinformation für mich ein kleines „Pflaster“ war, das meine innere offene Wunde ein wenig schützte…

72_Adlr_CIMG2306

Renate Hugel: Im Angesicht des Adlers – – – Mischtechnik / 11,5 cm x 15 cm, 1991

Im Angesicht des Adlers nehme ich spontan eine Geste der Offenheit ein. Ich erlebe Präsenz, Spannkraft und Reaktionsfähigkeit. – – – Das ist reine Körperbewusstheit! – – – Das genaue Gegenteil des Körpergefühls , welches ich im Alltagsstress gewohnt bin zu erleben…

Mit diesen Worten hatte ich meine Empfindungen zu diesem Bild 1991 formuliert. Dabei handelt es sich um genau das Bild, das mich dazu bewogen hatte, mich mit indianischem Gedankengut zu befassen (siehe dazu: Chronologie der Vorgeschichte).

72_Krstl_see_CIMG2302

Renate Hugel: An den Ufern des Kristallsees – – – Mischtechnik  / 15,5 cm x 11,5 cm, 1992

Dazu habe ich 1992 geschrieben: „Ich bin da unten angelangt, am Kristallsee… – – – Jeden Tag steige ich morgens hinauf und verrichte meine alltäglichen, notwendigen und vernünftigen Aufgaben, um dann, so bald als möglich, wieder hinabzusteigen zu meinem See… – – – Da bin ich hin- und hergerissen zwischen dem, was im Außen mich fordert, und meinem Innen. – – – Dieses, mein innerstes Strömen, will der kontemplativen Innenschau nachgehen. Ein Hin- und Hergerissen Werden, an dem ich zu zerbrechen drohe! …- – – Dort unten genieße ich Ruhe, Stille, Tiefe, Weite…- – – Ich atme alles ein, wie die Luft zum Leben…“

72_BlckBx_ 001

Renate Hugel: Meine Bilder sind weg!

Mein gesamtes gewachsenes System, welches funktionierte mit der Codierung ‚Hochleistungsanspruch‘, war in sich eingestürzt… – – – Das Problem ist für mich aber nicht der hohe Leistungsanspruch an sich. Gut sein wollen wir alle und müssen wir alle! – – – Das Problem sind die Ziele. – – – So, wie das Denken im Rahmen unserer Kultur sie definiert, gehen sie einfach am Leben vorbei.“ (Geschrieben 1992 zu den ‚dunklen Bildern‘)

Insgesamt hatte ich 51 Bilder zusammengestellt zu einer „Bilderfolge, die meinen Weg dokumentiert“. Sie waren alle in den Jahren1991 + 1992 entstanden und – bis auf wenige Ausnahmen – im Postkartenformat (ca. 10 cm x 15 cm) gearbeitet. Später hatte ich das Bedürfnis, diese Bilder – zusammen mit meinen jeweils kurzen Texten dazu – meinen „inzwischen ehemaligen“ Kolleginnen und Kollegen zu präsentieren. Mit Hilfe der Bilder hatte ich meine Sprache ersetzt: Wer mittendrin ist in so einem Prozess wie oben beschrieben, kann nicht gleichzeitig darüber reden. Dort, wo zu der Zeit meine „inneren Aufenthaltsorte“ waren, hatte ich mich abseits des Zentrums befunden, in welchem „übergeordnete oder zusammenfassende Gedankengänge“ urteilen und dieses kommunizieren…

Meiner Bildersequenz hatte ich den Titel gegeben:

 „Von einer, die auszog, das Träumen zu lernen“.

 Auf den folgenden Fotos kann man erkennen, wie ich damals meine Bilder präsentiert hatte:

72_Trmn_lrn1_ 00172_Trmn_lrn2_ 002

Renate Hugel: „Von einer, die auszog, das Träumen zu lernen“ / Installation von Bildern, Texten und Schuhkartons in den Räumen der Stadtteilbibliothek Bremen – Vegesack, 1993

In diesem Zustand fühlte ich mich tatsächlich „schutzbedürftig“: In meiner Situation – direkt nach dem Zusammenbruch – war ich darum eingetaucht in die Geborgenheit jener Kinderzeit, als ich selbstversunken meine eigenen Welten kreiert hatte mit jenen Schuhkartons: Kleine in sich vollkommene Miniatur-Räume, in denen ich ganz „ich-selbst“ sein konnte. (Ich nannte sie damals „Puppenstuben“.) Im Grunde genommen war dieser „Puppenstubenbau“ bereits ein Ausdruck dafür, dass ich intuitiv etwas unternommen hatte, um den Kontakt zu meinem innersten Selbst nicht abreißen zu lassen. Doch mit den Möglichkeiten eines Kindes musste es leider bei diesen Versuchen bleiben… Und nach all den Jahren flüchtete ich mich nun abermals in diese „inneren Rückzugsorte“… Denn, alle Struktur meines Persönlichkeitsaufbaus war eingestürzt. Es gab keinen Unterschied mehr zu „außen und innen“, was Kommunikation beinahe unmöglich macht. Nach meiner Erfahrung fehlt die gewachsene Schutzfunktion für das eigene Ich in solch einem Zustand. Darum dieser Rückzug. Später dann bin ich „Scherbensammlerin“ geworden… Die damalige Erinnerung an jene „Schutzräume“ hatte mich auf die Idee gebracht, die 51 Bilder zusammen mit 51 Schuhkartons zu präsentieren, wie es auf den Fotos oben zu sehen ist. – – – Später habe ich meine gemalte Dokumentation – zusammen mit meinen spontanen Gedanken zu den einzelnen Bildern – in einem Buch veröffentlicht. Der Titel lautete:

 „BURNOUT – MALEREIEN AUS DER MITTE“

Von einer, die auszog, das Träumen zu lernen“ –

 Dieses Buch war von mir nicht als Ratgeber konzipiert worden. Vielmehr hatte ich dokumentiert – aus der Mitte des aktuellen Geschehens heraus –, wie ich diese Zeit des Zusammenbruchs erlebt hatte.

72_AHllFRen_00_000068Renate Hugel: Aufnahme aus dem Jahr 2000, während der Symposium Zeit

Anmerkung 1: Den Begriff „Burnout“ hatte ich das erste Mal gehört, als ich die Diagnose gestellt bekommen hatte. Heutzutage lese ich häufig von neuen Erkrankungen mit dieser Diagnose (jedenfalls hier in Deutschland). Inzwischen gibt es Behandlungskonzepte  und Hilfsangebote für Burnout – Betroffene, wie auch Präventionsangebote. Das, was mit dem Begriff „Burnout“ beschrieben wird, beschreibt nach meiner Erfahrung lediglich die Phase, in der ich meine „dunklen Bilder“ gemalt hatte. Doch davor findet immer ein langer unbewusster Prozess statt, der bereits in der Kindheit seinen Ursprung haben kann. – – – Ich bin meinen Weg zurück „ins Leben“ alleine gegangen. Die Partner, die ich hatte, waren das Wasser und die Kunst. Denn, die Kunst bringt immer die Wahrheit ans Licht! Allerdings hat „mein Weg“ sehr, sehr lange gedauert, und ich hatte mehrere Rückfälle verkraften müssen.

Anmerkung 2:  Die Möglichkeit, ab 1994 an der „Freien KUNSTSCHULE Bremen“ arbeiten zu können, war wirklich eine wunderbare Fügung! Ich arbeitete dort mit Kindern mit dem Vorsatz, solch einen Kunstunterricht zu erteilen, den ich gerne als Kind genossen hätte! Dabei hatte ich schon die Vorstellung, mit kunstpädagogischem Ansatz zu arbeiten. Dafür hatte ich mich erst einmal in das Gebiet eingearbeitet, das ich ausgewählt hatte, und erarbeitete für mich einen handlungsorientierten Ansatz für die jeweilige Altersstufe der Kinder. In diese Vorhaben investierte ich all meine Kreativität. – – – Besonders spannend waren die Zusammenarbeit mit der (inzwischen verstorbenen) Bremer Galeristin Brigitte Seinsoth und mit der japanischen Fluxus Künstlerin Takako Saito. Diese Künstlerin, die ihre hochpreisige Kunst so ziemlich in allen Metropolen der Welt bereits ausgestellt hat, scheute sich trotzdem nicht davor, die Kinder ihre Kunst handelnd erfahren zu lassen! Im Gegenteil, Takako Saito wollte es; das gehört zu ihrem Kunst-Konzept „Fluxus“, was Brigitte Seinsoth in ihrer Galerie „Beim Steinernen Kreuz“ dann ermöglicht hatte für die Kinder meiner Kurse. Das war natürlich ganz in meinem Sinne! Die Ideen von Takako Saito hatten mich dazu inspiriert,  im Sinne von „Fluxus“ neue Aufgaben für die nächsten Unterrichtsstunden mit den Kindern zu entwickeln. – – – Bei diesen kurzen Einblicken in meine „neue Arbeit“ will ich es hier belassen, obwohl es viel zu berichten gäbe. Abschließend gilt mein Dank Angelika Lages und Edzard Hoenen, die die „Freie KUNSTSCHULE Bremen“ konzipiert und gegründet hatten: Sie hatten mir diese freie, kreative und erfüllende Arbeit ermöglicht…   Renate Hugel

Richtigstellung:  DAS IST MIR ERST IM NACHHINEIN AUFGEFALLEN: Die Ausstellung „Von einer, die auszog, das Träumen zu lernen“ (von 1993) hatte in der Galerie „pro art“ stattgefunden. Zu der Zeit nutzte die Galerie noch andere Räumlichkeiten (als im Jahr 2000) in einem anderen Stadtteil von Bremen. (Allerdings habe ich keine Fotos dieser ersten Präsentation meiner „Bilder mit Schuhkarton – Installation“). Die Präsentation in der Stadtteilbibliothek Bremen – Vegesack hatte ca. 1996 stattgefunden. Renate Hugel