Monthly Archives: April 2015

„Kunstbegegnungen – 16“

Blockbilder als ‚Ort‘ von Begegnung“

 – Initiator: Heinz Hugel –

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Linkes Foto: Zwei Beispiele von Blockbildern, die auf Anregung von Heinz Hugel in Zusammenarbeit entstanden sind. – – – 2000, Bremen (Deutschland) – – –  Rechtes Foto: Heinz Hugel

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Siehe dazu auch: Gemeinschaftsarbeit: Blockbilder – – – Dafür bitte zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘, weiter zur „Chronologie der Vorgeschichte“ bis zum Ende dieses Beitrages. Dort finden Sie den Hinweis zu „Gemeinschaftsarbeit: Blockbilder“.

Blockbilder als ‚Ort von Begegnung…      – Gemeinschaftsarbeiten

Gegen Ende der Zeit des Symposiums hatte Heinz Hugel spontan den Entschluss gefasst, seine „Blockbilder – Idee“ (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 15“) der Gruppe als Angebot für eine gemeinsame Gestaltung zur Verfügung zu stellen. Dafür hatte er aus seinem Atelier mehrere Holzblöcke unterschiedlicher Ausmaße, wie auch allerlei Material aus seiner Fundstück-Sammlung mitgebracht. Die Beispiele zeigen, dass dieses Material auch gerne angenommen worden war. Und, die Federn, die hatte ja Jereldine Redcorn (siehe: „Kunstbegegnungen-10“) auf ihrem Arbeitsplatz liegen.

Die Vereinbarung war diese: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums sollten – je nach eigener Vorstellung – auf jedem einzelnen Blockbild vertreten sein. Gestaltungsflächen waren Vorder- und Rückseiten, wie auch die schmalen Wände oben und an den Seiten.  So konservieren sie, die Blockbilder, seitdem die damals entstandene Energie auf künstlerischem und menschlichem Gebiet, wie auch die positiven Schwingungen der einander zugewandten Atmosphäre…

Die damals noch analogen Fotos dazu, die ich noch finden konnte, hatte ich schon vor einiger Zeit im Zuge meiner Vorausplanungen herausgesucht. Nachdem ich sie nun neu gesichtet hatte, spürte ich unmittelbar die besondere Kraft, die von diesen Gemeinschaftsarbeiten überging!

Von dem Ergebnis dieses „Gruppen-Events“ habe ich nun exemplarisch einige Beispiele herausgegriffen und zusammengestellt:

72_img916_2Beispiel A: Auf der Vorderseite (oberer Teil) des Blockbildes rechts ist ein Beitrag von Ronald Anderson zu sehen. Ein amerikanischer Ureinwohner hat sich dort in Pose gestellt. Entschlossen, hellwach und fest „geerdet“ vermittelt er Kraft und absolute Präsenz! Rechts neben dieser Person kann man Schriftzeichen erkennen. Wenn man das Bild vergrößert, ist zu lesen: „Hold it together“ (Haltet es zusammen). – – –  Ich erkenne darin den Wunsch nach Aufrechterhaltung des Kontaktes!

Auf der linken Seite des Fotos blickt uns ein weiß bemaltes Gesicht an. Diese Gestalt erinnert vielmehr an ein Gerippe – oder an jemanden, dem Saft und Kraft genommen worden waren… – – –  Indem ich meinen Interpretationsansatz niedergeschrieben hatte, wurde mir klar, dass Ronald Anderson hier eine Vorher – nachher – Situation gemeint haben kann: Dem ursprünglichen Leben entrissen, war nichts mehr übriggeblieben von dem, was die betroffenen Menschen ausgemacht hatte. Ihr aktuelles Leben war verschwunden, und zusammen mit diesem auch das der Vorfahren und der gewachsenen Kultur! Schwingungen lassen einen Spannungsbogen zwischen beiden Personen des „Vorher-Nachher“ erspüren- sobald man sich darauf einlässt: Und das bezieht sich unmittelbar auf die Gegenwart! – Birgt dieses „Jetzt“ in sich die Kraft zu etwas Neuem???

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Beispiel B:  Diese Holzblockfläche eines weiteren  Blockbildes wird auf der rechten Seite  bestimmt von einer großen Figur aus Metallplatte, die auf dem Holz befestigt worden ist. Jene schemenhaft wirkende menschliche Gestalt ist eine Arbeit von Heinz Hugel. Oben links sieht man auf weiß gesetztem Untergrund eine Hand, welche eine rotbraune Farbgebung hat. Darüber stehen grafische Setzungen in blau-schwarz. Der blau-schwarze Pinselstrich, spontan und präzise gesetzt, will allerdings nicht ins Detail gehen.  Und doch empfindet der Betrachter etwas Tastendes und Sensibles! – Eine Arbeit von Jereldine Redcorn! – – – Ich könnte noch viel erzählen von den beiden einst parallel gezogenen Linien, als das Holzstück noch eine andere Funktion hatte, z. B. Sie scheinen der tastenden Hand Halt zu geben: Sensibles Fühlen und Empfinden gehen eine Verbindung ein mit planvollem Handeln des Verstandes…

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Beispiel C:  Margaret Hetrick hat sich während der Symposium Zeit konzentriert auf aussagekräftige Collagen von ausgeschnittenen Motiven oder Buchstaben aus alten Zeitschriften (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 6“). Und so hat ihr Beitrag „Akzeptanz (Acceptance) – aber ewig“ für den Betrachter einen nachvollziehbaren  Wiedererkennungswert. Der Begriff „Akzeptanz“ erschließt sich dem Betrachter nicht sofort. Dieser muss sich erst einlassen auf die vielen ‚purzelnden Buchstaben‘, die auch andere Begriffe ergeben könnten. Das Bild erfordert „Einlassung“, so wie auch „Akzeptanz“ eine Einlassung auf den anderen erfordert!

Dem Betrachter springen auch die auffälligen Handabdrücke sofort ins Auge. Diese stammen von Sherman Chaddlesone, der hier auf diese Weise seine Spuren hinterlassen hat. Der gelbe Abdruck seines Daumens geht auf der schmalen Seite in den eigentlichen Handabdruck über, während die Fingerabdrücke dann auf der Rückseite zu sehen sind… Ein weiterer Handabdruck leuchtet in roter Farbe auf dem Blockbild dahinter…

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Beispiel D:  Auf diesem Blockbild ist (auf der linken Seite des Fotos) der Beitrag von Kelly Church zu sehen. Dazu gibt sie selbst die folgende Information: „Ich habe den Kreis gemalt, der aussieht wie ein „Kompass“; er wird ‚Medizinrad‘ genannt. Die Farben stellen Folgendes dar: Gelb repräsentiert den Osten und ist immer der Anfang, der Beginn. Er stellt die Geburt, den Frühling, den Sonnenaufgang und alle Neuanfänge dar. Das ist die Richtung, von der aus wir unsere Kreise betreten, und einige von uns haben auch ihre Eingangstüren nach Osten ausgerichtet… Rot repräsentiert den Süden. Er steht für die Jahre der Jugend, die Jahre des Lernens, auch für die Zeit des Sommers und den Sonnenuntergang. Schwarz steht für den Westen und damit für die Zeit des Erwachsenseins, für den Herbst und die Nacht. Weiß repräsentiert den Norden und steht für die älteren Jahre, die Weisheit, den Winter, den Tag und für das Ende unserer Reise auf der Erde.“ (Zitat: Kelly Church in Übersetzung, 2015)

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Beispiel E:  Auf dem Foto oben sieht man die „Draufsicht“ auf ein Blockbild. Es ist sehr gut zu erkennen: Roland Schneeweiss (R. S.) hat sein ‚Symbol der Begegnung‘ (siehe: „Kunstbegegnungen – 8“) noch einmal gemalt. Dabei deutet er auch die Energien (blaue tanzende Linien) an, die im Laufe des Symposiums sich entwickelt haben…

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Auf diesem Foto ist zu erkennen, dass R. S. den oberen Abschlusss aller entstandenen Blockbilder mit seinem „Symbol der Begegnung“ gestaltet hat.

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Beispiel F: Dieses letzte Foto zeigt einen Beitrag von mir selbst: Auf der schmalen Seite des Blockbildes, die rechts auf dem Foto zu sehen ist, wird ausgefüllt von einer weißen menschlichen Gestalt. Das die Stimmung dämpfende Blau scheint sich gerade nach oben „aus dem Körper zu ziehen“ – zumindest aus dem „Energiekörper“… – – – Ganz eins sein mit mir selbst in dem Moment einer spontanen Setzung (mit dem Pinsel)… Das „feierte“ ich damals in meinen Bildern: Einen Zustand, der mir immer noch wie irreal erschien, obwohl doch ein „Eins Sein von Kopf und Energie“ eigentlich als natürlich angesehen wird… (Siehe dazu „Kunstbegegnungen – 9“)

 „Mein Dank geht an Kelly Church, Jereldine Redcorn und Margaret Hetrick für die hilfreiche Unterstützung bei der Rekonstruktion von Fakten!“

 Zusammenstellung, Kurzinterpretationen und Kommentierung: Renate Hugel

 Anmerkung: Aktueller Stand: Zu den in diesem Beitrag erwähnten Künstlerinnen und Künstlern habe ich aktuell bisher folgende Beiträge geschrieben:

Ronald Anderson:         “Kunstbegegnungen – 1” + “Kunstbegegnungen – 13”

Sherman Chaddlesone: “Kunstbegegnungen – 5” + „Kunstbegegnungen – 11”

 Kelly Church:              “Kunstbegegnungen – 3” + “Kunstbegegnungen – 12”

 Margaret Herting:       “Kunstbegegnungen – 6”

Heinz Hugel:                 “Kunstbegegnungen – 7” + “Kunstbegegnungen – 15”

 Renate Hugel:               “Kunstbegegnungen – 9”

Jereldine Redcorn:       “Kunstbegegnungen – 2” + “Kunstbegegnungen – 10”

                                                                                                             Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 15“

Heinz Hugel:  „Die Begegnung“

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Heinz Hugel: „Die Begegnung“ – – –  „Blockbild“ (Vorderseite) – – – Holzblock, eingefärbt mit Pigmenten; Collageelemente: Seil Rest, plattgefahrene oval förmige Blechdose, verrostete Eisenplattenreste u.a. – – – Ausmaße des Holzblocks: 29 cm x 40 cm x 6,5 cm – – – 2000, Bremen (Deutschland)

Die Begegnung

 Ein Blockbild ist ein dreidimensionales Objekt, bei dem der Holzblock Träger von Farben, wie auch von diversen Collageelementen ist. Damit wird er, der Holzblock, auch zum Träger von Informationen. Die Idee zu dieser Art Kunstwerk war Heinz Hugel (H. H.)irgendwann gekommen. Wie bereits bei anderen „Entdeckungen“ war es ihm eine Freude,  im Spiel sich ergebende Möglichkeiten zu erschließen, um diese „auszureizen“ zu vielen Variationen.

Das Blockbild „Die Begegnung“ hat H. H. im Jahr 2000 anlässlich der Begegnung mit Künstlern amerikanischer Ureinwohner geschaffen. Den warmen Farbton von Holz, dem im Laufe von Jahrzehnten (oder auch wohl Jahrhunderten) gewachsenen Naturmaterial, hat H. H. in eine kalte, beinahe unwirkliche Farbgebung getaucht: Ein Hintergrund, der alte Verletzungen im Holz, wie Löcher oder Einkerbungen besonders hervorhebt. Ebenso „gezeichnet“ von den „Spuren der Zeit“ sind die beiden Personen, die sich auf der rechten Seite der Vorderseite des Holzblocks einander gegenüber stehen. Gleichzeitig nimmt der Betrachter wahr, dass es sich dabei eigentlich um alte, verrostete Metallplatten handelt. Mit seinem Blick hat Heinz Hugel darin menschliche Gestalten gesehen. Zu dieser Sichtweise führt er den Betrachter, indem er sie, die Metallfragmente, einander gegenüber stellt:

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Bei beiden Metallteilen lassen sich Kopf, Körper und (mehr oder weniger gut) die Beine (ohne Füße) interpretieren. Die Figur rechts im Bild weist eine eher rot-bräunliche Färbung auf und scheint einen Kopfschmuck zu tragen. Diese Person blickt offen und interessiert in ein Gesicht mit sehr erstauntem Gesichtsausdruck. Jener Körper (der linken Person) erscheint in einem satten Grauton, wobei die Körperhaltung offenbar nach hinten ausweicht. – – – In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Personen nehmen wir als Betrachter das Oval einer plattgefahrenen Metalldose wahr. Diese Form assoziiert das Objekt „Spiegel“. Der stumpfe metallene Glanz verhindert, dass man sich in dem „Spiegel“ auch wirklich „spiegelt“. Damit verweist der „Spiegel“ darauf, dass – in dieser Situation – diese beiden Personen ihr Bewusstsein von ihrem jeweiligen Spiegelbild „ausgeblendet“ haben – und damit ihre „Außenwirkung“. Denn sie hat in diesem Moment keine Bedeutung und tritt in den Hintergrund…

Ein Bewusstsein von uns selbst, dem Bild das wir als unser „Ich“ in uns etablieren, tragen wir heutzutage alle mit uns herum. Wir vermeinen darin das zu sehen, was wir sind, was uns ausmacht: unsere persönliche Vorstellung von der eigenen Ich – Identität. Das bedeutet jedoch nicht, dass die anderen uns auch so wahrnehmen. Insofern ist unser Bild von uns selbst eine „Selbstbespiegelung“! In Kommunikation mit einem Gegenüber lassen wir es gerne mal zu, unsere eigene Sichtweise auf das jeweilige Gegenüber zu projizieren. – Ein Fehler, der zu Kommunikationsschwierigkeiten führt! Unser Gegenüber fühlt sich dann nämlich „nicht verstanden“! Denn, auch unser Gegenüber hat wiederum eine ihm eigene Ich – Vorstellung. Kompliziert wird es, wenn auch diese Person im anderen „nur sich selbst sieht“. Und damit herrscht dann auf beiden Seiten Unverständnis!

Wir Menschen haben Sprache entwickelt, um uns „auszudrücken, uns mitzuteilen“. Doch häufig wird Sprache darauf verwendet, den eigenen Standpunkt einfach zu zementieren, ohne sich die Mühe zu machen, den Standpunkt des anderen zu verstehen. Solch ein Vorgehen führt jegliche Kommunikation in eine Sackgasse!

Heinz Hugel zeigt mit der oben beschriebenen Kombination ‚zwei Personen in Angesicht zu Angesicht plus trüber Spiegel‘ genau den Moment, in dem sich beide begegnen und ihre Verwunderung darüber zeigen, dass der jeweils andere nicht so ist, wie man dachte!

Diese Verwunderung bei sich selbst zuzulassen und wahrzunehmen, ist bereits der erste Schritt für eine Bereitschaft, sich dem Gegenüber zu öffnen und sich auf dessen Denkinhalte und / oder Selbstkonzept einzulassen. Und exakt das ist der Moment, in dem die eigene ‚Ich – Vorstellung‘ wie auch ‚unser bisheriges Bild von dem anderen‘ ins Wanken geraten. Das müssen wir jedoch aushalten! Nur so begegnen wir diesem gegenwärtigen Moment mit dem nötigen Respekt! Denn, solch eine Situation erfordert Korrekturen unserer Denkinhalte! Und das erleben wir als eine momentane Verunsicherung, was H. H. durch den eingetrübten Spiegel symbolisiert: das eigene Spiegelbild scheint verschwunden zu sein! In Wahrheit begegnen wir neuen Aspekten und erleben eine echte ‚Begegnung von Mensch zu Mensch‘!

Dass H. H. mit seinem Werk „Die Begegnung“ unsere konkrete Situation „Begegnung von Künstlern der Ureinwohner Amerikas mit europäischen Künstlern“ meinte, zeigt er mit einem Detail: Die Person auf der rechten Seite des Holzblocks scheint auf dem Haupt den Aufsatz einer Tiermaske zu tragen, welche sich ebenso „in Auflösung“ befindet, wie die Personen selbst: Eingangs habe ich das von Verwitterung geprägte Eisen beschrieben, das die beiden Personen „verkörpert“. Damit symbolisiert das Material „verrostetes Eisen“ den geistig–psychischen Prozess des Sich Lösens von festen Vorstellungen über den anderen, wie ich oben dargelegt habe. Und, dass die Voraussetzung dafür gleichzeitig ein vorübergehendes Sich Lösen von eigenen Denkinhalten, vielleicht auch von der eigenen Selbstdefinition erfordert. Auf diesem Pfad ‚sich aufeinander einzulassen‘ gelingt uns dann, den anderen ‚gelten zu lassen‘, andere Lebens- und Seins Formen zu akzeptieren. Uns selbst gibt das die Kraft, auch uns selbst wahrzunehmen und anzunehmen.

In Wirklichkeit passiert so eine Reaktion, die „Verstehen“ schafft, nur in einem einzigen Augenblick! Eine spontane Reaktion aus dem Moment heraus entscheidet oft über Verständnis oder Missverständnis! Heinz Hugel hat ihn, den Augenblick, „festgehalten“ mit seinem Kunstwerk… Ich habe diesen Augenblick in der „Zeitlupe“ beschrieben…

In ihrem einander Zugewandt-Sein und ihrer Offenheit füreinander erschaffen die beiden beschriebenen Personen eine warme Atmosphäre. Diese hebt sich wohltuend ab von der Kälte des ‚Hintergrundes, der die Personen trägt‘, aber gleichzeitig Spuren von Verletzungen aus der Vergangenheit auf der Oberfläche offenbart!

Ich werfe nun einen Blick auf die Rückseite des „Blockbildes“:

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Heinz Hugel: „Die Begegnung“ – – –  „Blockbild“ (Rückseite) – – – Holzblock, eingefärbt mit Pigmenten; Collageelemente: Holzleistenstück, mit Pigmenten gefärbt, rostige Nägel, verrostete Eisenspirale, altes – – –  Aluminium-Schild (mit Identifizierungsnummer) – – – Ausmaße des Holzblocks: 29 cm x 40 cm x 6,5 cm – – – 2000, Bremen (Deutschland)

Auch die Rückseite wird durch ihre Farbgebung bestimmt von einer kalten, bzw. grellen Atmosphäre. – – – Was immer die ursprüngliche Funktion dieses Aluminiumschildes oben rechts auf der Rückseite gewesen ist, es geht um eine genaue Zuordnung: In unserer Welt hat alles und jeder einen Namen und erfährt eine Identifizierung durch eine Nummer. Doch dieser Aspekt tritt in diesem ‚speziellen Moment des Sich Öffnens für ein Gegenüber‘ (wie auf der Vorderseite zu sehen) total in den Hintergrund! Auch das Angekettet Sein an seinen „persönlichen Hintergrund“, symbolisiert durch das Holz und die gestalteten Oberflächen, scheint in diesem Moment keine Rolle zu spielen: Eine verrostete Eisenspirale mit dem abgerissenen, lose hängenden Ende (unter dem Aluminiumschild)  verweist darauf, dass dieser Moment uns frei gibt für eine Präsenz im Augenblick…

Allerdings nur für solch einen Moment, in dem wir uns ungebunden und unbeschwert fühlen, beinahe als würden wir schweben. Zurück im Alltagsbewusstsein, sind wir wieder ein Baustein der ‚Architektur von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft‘!

Wir alle müssen uns mit unserem ‚eigenen Hintergrund‘ auseinander setzen, denn uns verbindet ein festes unsichtbares Band mit diesem. Tun wir es nicht, ‚werden wir zurechtgerückt vom Leben‘ und haben dabei versäumt, ein Bewusstsein über das ‚Warum‘ auszubilden. Doch ein solcher Moment, wie hier dargestellt von H. H., eröffnet die Chance, Gegenwart mit Präsenz zu leben und dabei Zukunft mit neuen Aspekten zu bereichern: Ein einziger Moment erlangt so die Energie, der Kausalkette von ‚Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft‘ eine neue, positive Richtung zu geben…  

                                                                                                                         Interpretation: Renate Hugel

Anmerkung: Aktueller Stand: Zu Heinz Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 7“ und „Kunstbegegnungen – 15“ geschrieben.                             Renate Hugel