Monthly Archives: Juli 2015

Anmerkung zu Ronald Anderson:

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Ronald Anderson, 2000(Bremen, Deutschland)

Anmerkung zu Ronald Anderson:

 Wer meine Beiträge unter Kunstbegegnungen von Anfang an gelesen hat, wird sich wundern, dass es zu Ronald Anderson (R. A.) (Künstler Amerikanischer Ureinwohner) eine Änderung gegeben hat bezüglich seiner Stammeszugehörig-keit. Dieses möchte ich an dieser Stelle kurz erläutern:

Nachdem ich „Kunstbegegnungen – 19“ fertiggestellt hatte, hat mich Ronald Anderson’s Nichte Cynthia Adams, gebeten, die Stammeszugehörigkeit ihres Onkels zu ändern. Sie schreibt dazu:

R. A. ist NICHT Apache. Früher wurde das einmal in einem Buch, das auf ihn verwiesen hat, angegeben. Doch, das war ein Irrtum. Er erinnert sich nicht mehr daran, wie diese Zuordnung entstanden ist.

Er ist Chickasaw, Choctaw and Cherokee (American Native)(und) ein Mitglied des Chickasaw Stammes aus Tishomingo Oklahoma.

(Wir sind gerade dabei), die Arbeit seines Lebens zu würdigen und beginnen, die Dokumentation am Chickasaw Kulturzentrum zu archivieren.

Chickasaw, Choctaw und Cherokee sind die drei Indianischen Blutlinien, von denen … eine Abstammung dokumentiert wurde. Jedoch kann man nur ein Mitglied EINES Stammes sein. Wir haben (uns für die Mitgliedschaft im) Chickasaw-Stamm (entschieden).

Ron und seine Brüder und Schwestern wurden zu anderen Stämmen auf viele verschiedene Schulen verstreut. Dort ordnete man sie verschiedenen Stämmen zu.“*

(* = Möglichst wörtliche Zitate von Cynthia Adams; was in Klammern steht habe ich sinngemäß entsprechend meiner Satzstruktur ergänzt.)

Damit ist Ronald Anderson ein Mitglied des Chickasaw Stammes aus Tishomingo Oklahoma.

Dieses habe ich auf Wunsch von Ronald Anderson und Cynthia Adams in allen bisherigen Beiträgen zu R. A. entsprechend eingetragen.

Die Tatsache, dass Ronald Anderson in seinem hohen Alter noch diesen Schritt unternommen hat, lässt erahnen, wie sehr ihn seine Identitätsfrage in seinem gesamten Leben beschäftigt haben muss!

Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

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Ronald Anderson

Ich habe inzwischen „Kunstbegegnungen – 19“ fertiggestellt. Darin beschreibe ich das großformatige Kunstwerk mit dem Titel „Mit Liebe“ von Ronald Anderson (Künstler Amerikanischer Ureinwohner, einem Mitglied des Chickasaw Stammes aus Tishomingo Oklahoma). Mit diesem Werk ist es Ronald Anderson gelungen aufzuzeigen, was Wahrnehmung blind macht und wodurch diese wieder geöffnet wird! Zu finden unter „Kunstbegegnungen“      Renate Hugel

Zu Ihrer Information

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Jereldine Redcorn

Ich habe inzwischen „Kunstbegegnungen – 18“ fertiggestellt. Darin beschreibe ich zum Beispiel, was die Hand mit Erinnerung zu tun hat, oder, welchen „inneren Anlass“ Jereldine Redcorn hat, wenn sie die Keramiken ihrer Caddo-Vorfahren originalgetreu nacharbeitet. Zu finden unter „Kunstbegegnungen“  Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 19“

Ronald Anderson

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Ronald Anderson:  Mit Liebe“ . . .  Acryl auf von Hand aufgezogener Leinwand, 160 cm x 160 cm; Bremen, Deutschland 2000

“Mit Liebe”

 Das quadratische Acrylbild „Mit Liebe“ von Ronald Anderson (Mitglied des Chickasaw Stammes aus Tishomingo Oklahoma*, R. A.) hat der Künstler auf Leinwand gemalt. Es hat die Ausmaße 160 cm x 160 cm, und damit eine beachtliche Größe. Diese gibt dem Bild ein gewisses „Gewicht“…

Doch, zunächst nimmt der Betrachter wahr, dass ihn der Gegensatz von Vorder- und Hintergrund mit seiner gesamten Wucht und Präsenz trifft! Im Hintergrund breitet sich offenbar auf der gesamten Bildfläche eine fast ätherische Zartheit der Farben aus. Eine Sensibilität, die den Betrachter innehalten lässt. Die Alltagswahrnehmung wird unterbrochen: Die Sinne werden auf Empfang gestellt und wollen sich „selbst den feinsten Schwingungen in der Atmosphäre“ öffnen!  Vor diesem beinahe immateriellen Bildgrund steht so etwas wie ein Bretterzaun. Eine Glut hat diesen gepackt, so dass sich seine Balken biegen und den Blick freigeben auf die Zartheit im Dahinter…

Die dunkle Wand ist im Begriff sich aufzulösen, weil vom „Feuer“ bereits beinahe niedergebrannt.

Der Titel „Mit Liebe“ weist darauf hin, dass das „Feuer“ durchaus im übertragenen Sinne gemeint ist. Und die oben beschriebene Wirkung des Bildes macht klar, dass es hier um Wahrnehmung und Sichtweise geht…

An der Stelle möchte ich auf Ronald Anderson’s Gemälde Five Germans, Five Indians” verweisen, das ich unter „Kunstbegegnungen – 1“ besprochen hatte. Der Raum zwischen den einzelnen Personen ist auf diesem Gemälde noch tiefschwarz. Und ich hatte an der Stelle herausgearbeitet, wie R. A. sich damit auseinander gesetzt hatte, die neuen Eindrücke hier bei uns abzugleichen mit den aus der Ferne vorgefassten inneren Bildern von uns, den Unbekannten. Ronald Anderson  thematisiert die zunächst schablonenhafte Wahrnehmung, die jedoch mit der realen Situation nicht zu passen scheint. Der Blick ins „Dahinter“ ist versperrt! Die „vorgefassten inneren Bilder“ verdunkeln und versperren den Blick auf die Personen an sich in ihrem „So-Sein“!

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Ronald Anderson: Five Germans, Five Indians” (siehe „Kunstbegegnungen – 1“)

Offenbar hat der Künstler inzwischen einen Perspektivwechsel durchlebt: Sein Blick auf uns, als Vertreter des Unbekannten, war ein neuer geworden: Eine Wahrnehmung von Mensch zu Mensch hatte sich eingestellt… Und diese ermöglicht einen differenzierten Blick im Gegensatz dazu, uns durch ein Stück Fahne  zu kennzeichnen (siehe „Kunstbegegnungen – 1“).

Insgesamt wird das Bild „Mit Liebe“ von Wärme und Licht getragen. Mit diesen feinsten Schwingungen aus einem Hauch von Farben drückt der Künstler seine eigene sensible Wahrnehmung aus. Gleich einem Sich-Öffnen steht diese innere Haltung „differenziert und achtsam wahrzunehmen“ als Angebot an alle im Raum. Und das ist nun wörtlich zu nehmen, denn das Gemälde ist in seiner Größe raumgreifend und imposant.

Genauso bestimmend sind gleichzeitig die sperrigen schwarzen Wandreste im Zustand der Verkohlung – wie eingangs ausgeführt.

Eine Verkettung von Ereignissen hatte vor langer Zeit diese Mauer etabliert! Links oben im Bild kann man einige der noch nicht geschmolzenen Ketten erkennen. Sie erinnern einerseits an einen Stacheldraht, der trennt und einzäunt; andererseits könnten es auch Perlenketten sein, an denen man Ereignisse in der Zeit von Perle zu Perle ablesen kann. Und all die vielen Geschehnisse bildeten viele „Verkettungen“ und fügten sich nach all den Jahren zu einer schwarzen Wand zusammen. Diese Schwärze steht für alles, was von der Wahrnehmung abgekoppelt worden war – aus individuell oder gesellschaftlich verschiedenen Gründen. Dieses Phänomen kennt eigentlich jeder Mensch (mehr oder weniger ausgeprägt) und hat ursprünglich die Funktion von einem „Schutzmechanismus“. Wenn dieser vom Unterbewusstsein beabsichtigte Schutz nicht mehr gebraucht wird, weil es zu einer neuen Beurteilung der Realität gekommen ist, dann kann die Trennwand niedergerissen werden.

Das ist genau die Situation, die Ronald Anderson gemalt hat!

Ronald Anderson  hat die „Perlen“ direkt aus einer dünnen Acryltube getupft, aber auch Linien mit dieser Technik gezogen. Zum Zentrum des Bildes hin ist zu erkennen, dass die einzelnen Wandteile von jenen Verkettungen eingerahmt worden waren. In der Hitze der Glut sind diese Ketten jedoch bereits geschmolzen und zu metallen glitzernden Fäden mutiert. Gut zu erkennen sind dadurch einzelne Sektoren, die so markiert worden waren. Das entspricht durchaus der Art von Denken, die Menschen „in Schubladen steckt“, womit man ein Etikett aufgestempelt bekommt. Die geschrumpfte Wand macht sichtbar, dass sich im Hintergrund ein ganzheitliches und allumfassendes Gefühl ausbreitet, das Raum gibt zum Durchatmen…

Nur solche Momente ermöglichen das Wahrnehmen dieses allumfassenden Zustandes. Es ist der Moment, in dem wir in Balance sind – zwischen äußerer und innerer Realität! Und, exakt in solch einem Moment steckt die Kraft, Dinge zu ändern…

Das ist es, was Ronald Anderson genauso empfunden hat! Er fügte seinem Bild ein hoffnungsvolles  Angebot hinzu: Dort, wo sich auf der rechten Bildseite ein Balken bereits so stark gebogen hatte, dass er Platz geschaffen hatte für das Wachsen von etwas Neuem, dort hat die Natur bereits reagiert: Eine kleine Blume ist erblüht, leise im Verborgenem im Schutz des kaum Wahrnehmbaren. Ein schüchternes Pflänzchen, das auf viel Wärme und Achtsamkeit angewiesen ist…

Kann solch eine große Aufgabe, sich auf etwas Neues und Unbekanntes einzulassen, überhaupt bewältigt werden? – Ronald Anderson gibt diese Antwort mit der Wahl seines Bildtitels: „Mit Liebe“. Indem er dafür unsere Muttersprache, also die deutsche Sprache wählt, zeigt er seine Bereitschaft, auf uns zu zugehen. . .                                                                                  Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Ronald Anderson

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Ronald Anderson:  Künstler amerikanischer Ureinwohner . . . bei der Arbeit in der Galerie “pro art” in Bremen, Deutschland, im Jahr 2000

Ronald Anderson hat an der Universität von Oklahoma Kunst studiert. Viele Jahre hat er im US-Staat Oklahoma gelebt, war dort stets präsent mit seiner Kunst und seinen Kunstaktionen. Inzwischen lebte er zunächst einige Zeit in Tennessee und lebt jetzt am Colorado River in Arizona.

Die Kunst ist für Ronald Anderson wie eine weitere Sprache, mit der er Erlebnisse schafft, Freude stiftet, Erinnerungen hervorholt (nette, wehmütige, aber auch leidvolle) oder Menschen zu Gesprächen, wie auch zum Nachdenken anregt…

Sein Kunstwerk „Mit Liebe“ ist dafür ein treffendes Beispiel – wie im Grunde genommen alle seine bisher bereits interpretierten Arbeiten! Doch auch in späteren Beiträgen werde ich dazu Beispiele aufführen. Renate Hugel

Hinweis: * Siehe dazu auf HOME  „Anmerkung zu Ronald Anderson“ vom 24. 07. 2015

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Ronald Anderson habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 1“, „Kunstbegegnungen – 13“  und „Kunstbegegnungen – 19“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                 Renate Hugel