Monthly Archives: August 2015

Hinweis auf einen neuen Beitrag:

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heinz hugel

Ich habe inzwischen „Kunstbegegnungen – 21“ fertiggestellt:

heinz hugel hat mit seinem Kunstwerk Der letzte Baumeine Bühne geschaffen für eine Baum-Ruine. Dieser Bühnenauftritt ermöglicht es dem ursprünglichen Baum u.a., an seinen ständigen und mühsamen Aufbau während seiner einstigen Existenz zu „berichten“. In meiner Interpretation übersetze ich diese „Körpersprache“ in unsere verbale Sprache…

 Zu finden unter „Kunstbegegnungen“

Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 21“

– Heinz Hugel –

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Heinz Hugel:  „Der letzte Baum“ – – –  Holz-Fundstück auf Hartfaserplatte, 50 cm x 60 cm, farbig gefasst mit Schultafelfarbe – – –  2000, Bremen (Deutschland)

Der letzte Baum…

Die Arbeit „Der letzte Baum“ von Heinz Hugel (HH) wird bestimmt von einem aufgeklebten Objekt, das sich auf einer schwarz angemalten Hartfaserplatte der Größe 50 cm x 60 cm befindet. Worum es sich dabei handelt, ist gar nicht sofort auszumachen! Allein der Titel dieser Arbeit verweist auf Holz eines Baumes…

In der Mitte dieses Holzobjektes verläuft von unten nach oben so etwas wie ein Streifen, der bestimmt wird von grafischen Strukturen. Diese verlaufen in waagerechter und senkrechter Richtung mit filigranen Linien, welche sich in ihrer helleren Farbe abheben von unregelmäßig durchbrechenden braunen Flächen in unterschiedlicher Ausrichtung und Gestalt. Es sind diese durchbrechenden braunen Stellen, die am ehesten an Holz erinnern…

Dann gibt es da noch parallel zueinander laufende senkrechte Strukturen in Dunkelgrau auf diesem Mittelstreifen oben rechts.

Es ist zu erahnen, dass diese Veränderung von lebendigem Holz durch langsame stetige Einwirkung verursacht worden sein muss. Eine Veränderung, die offenlegt, mit welchem zielstrebigen Wachstum dereinst Faser für Faser zu solch einem stabilen Gefüge sich verwoben haben müssen! Der Lebenswille ist es, der der eigenen „einprogrammierten“ Urform Millimeter für Millimeter zu einer realen Existenz zu verhilft. Das „innere Programm“ kann dabei durchaus eine Existenz mit mächtigem Umfang und stattlicher Höhe vorsehen!

All das gibt das senkrecht verlaufende Segment, der Mittelstreifen, preis.

Rechts und links davon schließen sich jeweils ein weiteres Segment an. Doch deren verbliebene Spuren sprechen eine ganz andere Sprache! Da gab es heftige Verletzungen, die den restlichen Teil der äußeren Segmente abgerissen haben. Die zerfransten Überreste lassen diese Vermutung zu…

Ein Baum war zerstört worden! Aber wir wissen nichts vom Wie und Warum…

Das, was diese Baum-Ruine erzählt, drückte Heinz Hugel aus mit dem Titel „Der letzte Baum“.

Manch ein Betrachter von damals (2000) mag solch eine Aussage für übertrieben gehalten haben. Heutzutage, 15 Jahre später, ist die Gefahr für die Existenz von uralten Bäumen gewiss offensichtlicher geworden. Gleichzeitig gibt es heute aber auch breitere Bestrebungen, der Natur wieder zu ihrem Recht zu verhelfen…

Doch da gibt es jemanden, für den Realität geworden ist (oder war), keine Bäume mehr anzutreffen. – Diese Aussage kam mir in Hinblick auf die Herkunft des Holzes in den Sinn:

Noch heute sehe ich es vor mir, wie mein Mann zurückkam zur Galerie pro art und dabei etwas Nasses Tropfendes aus seinem Beutel holte, um es mir zu zeigen. Es war jener seltsame Holzrest, diese „Baum-Ruine“, die er da hervorgeholt hatte, aufgesogen von triefendem Wasser. Auf einem stillgelegten Gleisabschnitt hinter dem Neustadts Bahnhof hatte er dieses Wasser-Objekt gefunden. Dort hatte es in einem mit Pfützen Wasser gefüllten Gleisbett gelegen. (Die Galerie pro art konnte damals das ehemalige Bahnhofsgebäude dieses Bremer Stadtteils nutzen.)

HH hatte dann Vorbereitungen getroffen, damit sein Fund in Ruhe trocknen konnte. Und ich hatte ebenfalls meine eigene Arbeit wieder aufgenommen. Nach fast zwei Wochen hat er dann dieses „Holz-Dokument“ in Szene gesetzt: Das tiefe, matt gehaltene Schwarz der Umgebung lässt die feinen „ausgelaugten“ Strukturen bei Beleuchtung in hellem Weiß und beinahe silbern glitzern. Und die oben beschriebenen gewachsenen Strukturen werden so zu feinen grafischen Setzungen. Diese verstärken den Kontrast des langsam Gewachsenen zu den schmerzhaften Verletzungen eines einzigen Augenblicks!

Erst während ich meine Interpretationen vorbereitete, fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Dieses triefende Etwas kam ja direkt aus der Welt des Bibers!

Genau, es ist der Biber, der vielerorts keinen Lebensraum mehr vorfand oder noch vorfindet. Es gibt oder gab häufig keine Ufer mehr mit Baumbewuchs an den Uferrändern! „Der letzte Baum“ – das ist oder war – für den Biber jedenfalls – Realität geworden… – – – Interpretation: Renate Hugel

Kurzbiographie:

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heinz hugel

1936: Heinz Hugel wurde in Bremen geboren.

1976, seit: Tätigkeit im künstlerischen Bereich, u.a. in der Erwachsenenbildung

1981, ab: Freischaffender Künstler

1982: Gründung einer Galerie

1990: Beitritt zur Künstlergruppe „Der Bogen“

1992: Gründungsmitglied der Gruppe „Quintum“ (Vereinigung internationaler Künstler)

2000: Symposium „Begegnung von Künstlern der Ureinwohner Amerika und Künstlern aus Deutschland (in einem Fall aus Bulgarien) (Mitorganisation)

2001: Studienreise nach Oklahoma / USA („Gegenbesuch“),

Erweiterung der Gruppe „Quintum“ in „Quintum international“

2002: Zertifikat der Hochschule Bremen – Studium bei Professor Uwe Mempel, Schwerpunkt „Kunstpraxis“ – „Experimentelle Keramik“

2007: Mitglied der Gruppe „Kunst in der Provinz“

2009: Mitglied der Gruppe Art – Projekt

2013, ab: Rückzug wegen gesundheitlicher Probleme

Ausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen: (Auswahl)

Bremen, Borgholzhausen, Herford, Hamburg, Kiel, Kleestadt, Großumstadt, Langenargen (Bodensee), Loidved (Dänemark), München, New York, (USA), Oklahoma (USA), Rose State College (Oklahoma City, USA), Tribes Gallery (Norman, USA), Heaven, Internationale Ausst.: „German and Anadarko Basin Artists” (Gracemont, USA),  Siklos (Ungarn), Tekomatorp (Schweden), Tournus (Frankreich),  Zwolle (Niederlande)

Div. Ausstellungen in Niedersachsen (Deutschland):  Bassum, Bruchhausen – Vilsen: Klostermühle Heiligenberg, Delmenhorst, Diepholz, Kirchdorf, Lemwerder, Oldendorf, Osterholz-Scharmbeck, Rotenburg, Wümme, Schneesen, Sulingen, Syke, Wagenfeld, Weertzen, Weyhe, Wildeshausen, Worpswede – – – Heinz Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Heinz Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 7“, „Kunstbegegnungen – 15“  und „Kunstbegegnungen – 21“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                   Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

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Kelly Church

Zu Ihrer Information:

„Kunstbegegnungen – 20“ ist fertiggestellt. Ich interpretiere darin das Acrylbild „The Beaver“ („Der Biber“) von Kelly Church (Anishnabe Ureinwohnerin aus Michigan). –  – –  Meine Fragestellung: Was erzählt das Gemälde von Kelly Church über den Biber?

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“ – – –  Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 20“

Kelly Church

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Kelly Church:  „The Beaver“ („Der Biber“) Acryl auf Leinwand, 50 x 40 cm, 2000, Bremen (Deutschland)

The Beaver… (Der Biber)

Kelly Church (Anishnabe Ureinwohnerin) ist eine Anishnabe-Malerin und vertritt damit den „Woodland Style“. Das Acryl-Bild „The Beaver“ hat sie auf Leinwand der Größe 50 cm x 40 cm gemalt.

Der erste Blick auf das Bild führt die Aufmerksamkeit direkt auf diesen Biber, der mit seinem Volumen die Bildfläche fast auszufüllen scheint. Sein Körper wird bestimmt von den Farben blau (wie Wasser) und rot (wie Blut). Doch auch weiße Flecken breiten sich aus, während der Kopf ein tiefes Schwarz trägt und die Schnauze farblich mit dem Hintergrund zu verschmelzen scheint.

Diesen Hintergrund hatte Kelly Church (KC) bei ihrem ersten Arbeitsschritt mit breiten gleichmäßig gezogenen Pinselstrichen lasierend über die gesamte Bildfläche von links nach rechts in hellem Braun gemalt. Entstanden ist eine fast ebenmäßige Fläche, auf der sich einige Pinselspuren „verewigt“ haben in ihrem fast parallelen Verlauf. Betrachtet man die Hintergrund-Fläche in ihrem Hellbraun insgesamt, erinnert sie an „Holz“. Bei dieser Sichtweise kann man die ebenmäßig verlaufenden Pinselspuren als Ausschnitte von Wachstumsringen des Holzes interpretieren. Allerdings scheint es dem Holz etwas Wesentliches zu fehlen: Das helle Braun wirkt zusammen mit der Ebenmäßigkeit des Farbauftrags wie eine sterile Oberfläche, die jegliches Leben verloren hat! Und das verwundert, denn Holz bestimmt ja die Welt des Bibers! Darum schließe ich daraus, dass diese dargestellte Holzfläche nicht seine Welt ist. Sie war einmal seine Welt!

Zu sehen ist also der Biber vor seiner verloren gegangenen Welt!  Die Sterilität des Künstlichen (aus der Welt des modernen Menschen) scheint jedoch gestört zu sein von zahlreichen kleinen Spiralen. Diese seltsamen Gebilde verteilen sich zahlreich auf der gesamten Bildfläche und geben Rätsel auf…

Doch zunächst gehe ich auf den Biber ein:

Sein Körpervolumen imponiert durch seine Mächtigkeit. In stilisierter Form sind sogar einige Muskelpartien in ihrer geballten Kraft zu erkennen. Diese „Kraftzentren“ möchten dem Willen des Bibers folgen, wollen tätig werden und mit ihrer Energie dem Biber helfen, seine Welt zu gestalten. Seine Entschlossenheit und sein Wille dazu sind jedenfalls deutlich zu spüren! Jedoch, die Dynamik des Bibers scheint ins Leere zu gehen – er kann sie nicht mehr ausleben! Denn da ist so etwas wie ein Nichts… Das lässt seine Energie erstarren und seine Bewegungen erscheinen wie „eingefroren“…

Darum gleicht der Biber einer raumgreifenden Skulptur, also etwas Statischem.

Auf diesem Bild begegnet der Biber dem „Künstlichen“ und „Leblosem“: Eine Begegnung mit etwas, das statisch ist und sich somit außerhalb seiner Welt befindet!

Dieser Landschaftsgestalter, der es liebt, seine Behausung in Form von Burgen zu bauen, das ist der Biber! Auch liebt er es, Wasser zu stauen, um auch in Trockenperioden bequem in seinen Bau, die Biberburg, schwimmen zu können! Weiter liebt er die Gemeinschaft mit anderen Pflanzen und Tieren, die ihm in seine feuchten Land- und Wassergebiete gefolgt sind… Mit anderen Worten: Er liebt seine ihm eigene Landschaft, die er selbst gestaltet hat – also seine Welt!

Die Chance, sich seine eigene Welt zu erschaffen, ging u.a. verloren mit den begradigten Flussverläufen und mit befestigten Ufern. Zu erkennen ist ein Umfeld, das von Menschenhand gestaltet worden ist: Alles wurde geglättet und steril gehalten. So etwas entspringt eindeutig Gehirnen, die in ihrem Denken dem Willen von Menschen folgen, die ihre ihnen eigenen Ziele verfolgen. Die Natur muss sich dem unterordnen!

Was erzählt das Kunstwerk von Kelly Church noch?

Da sind noch die rätselhaften Spiralen!

In „Kunstbegegnungen – 3“ hatte ich das Bild „Talking with the Manitous“ („Im Gespräch mit dem Manitu“) von Kelly Church beschrieben und interpretiert. Dort sind ebenfalls Spiralen zu erkennen, welche da aber – gleich einer Nabelschnur – mit jedem dargestellten Wesen verbunden sind. Ich hatte damals in den Spiralen Träger von Informationen gesehen, die Informationen über die gesamte Entwicklung eines Individuums  in sich tragen. Man muss sie nur dechiffrieren…

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Kelly Church: „Talking with the Manitous“ („Im Gespräch mit dem Manitu“)  – (Siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 3“)

Die Spiralen auf dem Bild „Der Biber“ haben offenbar die Verbindung mit ihren ursprünglichen Lebewesen verloren: Sie wurden einfach gekappt! Geblieben ist die Erinnerung an die vergangenen Leben von Jahrtausenden und mehr!

Diese Erinnerungen schweben im Raum und stören die sterile Welt! Wer sensibel ist, also die Verbindung mit der eigenen „Spirale“ nicht verloren hat, derjenige wird vom Sterilen und Künstlichen unangenehm berührt sein. Im Körper gibt es „Antennen“, die ihresgleichen in der Außenwelt suchen. Nichts zu finden kann eine Sehnsucht nach ursprünglicher Natur auslösen…

Hat auch der Biber Sehnsucht nach seiner Welt?  Mag sein, dass er versucht, durch die „Erinnerungs-Spiralen“ hindurch in seinen ihm vertrauten Lebensraum zu gelangen…

Auf jeden Fall nimmt er, der Biber, dankbar jede Hilfestellung an, die es ihm ermöglicht, sofort dort wieder weiterzumachen, wo Generationen vorher die damaligen Biber haben aufhören müssen. Die „Spiralen“ haben alles Wissen und alle Fähigkeiten gespeichert, was es dem Biber erlaubt, einfach „wieder seine eigene Welt auferstehen zu lassen“…                       Interpretation: Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Kelly Church habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 3“, „Kunstbegegnungen – 12“  und „Kunstbegegnungen – 20“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                                                                                                                                        Renate Hugel