Monthly Archives: September 2015

Hinweis auf einen neuen Beitrag

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Margaret Hettrick

Zu Ihrer Information:

Ich habe inzwischen „Kunstbegegnungen – 23“ fertiggestellt:  In diesem Beitrag schreibe ich über das kleine Kunstwerk „Anticipation“ von Margaret Hettrick. Dieses befindet sich auf einem Holzblock und ist damit Teil einer Gemeinschaftsarbeit auf einem sog. „Blockbild“.

Ich empfinde das Werk „Anticipation“ als eine sehr empathische und gleichzeitig kreative Lösung, die unmenschliche Situation darzustellen, welche die Ureinwohner Amerikas erleiden mussten.

Warum ich dieser Meinung bin, genau das habe ich in meinem Beitrag Nr. 23 herausgearbeitet.

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“ – – – Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 23“

Margaret Hettrick

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Margaret Hettrick: Bild oben:  „Anticipation“

 „Blockbild“

(Gemeinschaftsarbeit nach einer Idee von Heinz Hugel. Siehe dazu „Kunstbegegnungen – 16“)

Der Beitrag von Margaret Hettrick befindet sich oben links: Collage (von ausgeschnittenen Buchstaben) auf Holzblock auf z. T. bemaltem Untergrund; Ausmaße des Blockbildes: Breite: 28, 5 cm, Höhe: ca. 37 cm, Tiefe: 6, 5 cm; 2000, Bremen (Deutschland) – – – Bild unten: Detailansicht

Anticipation…

Auf diesem „Blockbild“ (siehe: Gemeinschaftsarbeiten „Kunstbegegnungen – 16“)  befindet sich der Beitrag von Margaret Hettrick (MH) unter der oberen Abschlusskante auf der linken Seite. Mit einigen wenigen, zumeist gradlinigen Pinselsetzungen hat sie einen Hintergrund für ihre Arbeit geschaffen. Diese verlaufen zum Teil fast parallel von oben nach unten, ändern aber an einigen Stellen ihre Richtung. Farblich bewegen sich diese durchaus dicken Pinselstriche zwischen Brauntönen, warmen Weißtönen und Blau. Entstanden ist eine Fläche, die aus „Nachbarschaften“ von  breiten Bändern besteht. Zunächst erscheinen diese Pinselspuren wie eine Fläche ohne  inneren Zusammenhang. Auch die Farben erhöhen sich nicht gegenseitig zu einem inneren „Schwingen“ – vielmehr erscheinen sie kraft- und freudlos! Die Detailansicht zeigt es: Da sind durchaus menschliche Gestalten zu erkennen. Sie zeigen keine individuellen Züge und scheinen im Chaos zu versinken!

Alles scheint bestimmt zu sein von  Zusammenhanglosigkeit, Vereinzelung und Ziellosigkeit. – Darum meine ich, dass MH hier die äußere wie auch innere Situation symbolisch skizziert hat, wie sie für die amerikanischen Ureinwohner in der Vergangenheit Realität geworden war.

Auf diesen „Hintergrund“ hat MH Buchstaben aufgeklebt. (Wie ich in „Kunstbegegnungen – 6“ ausgeführt hatte, arbeitete MH während des Symposiums mit Motiven, Buchstaben oder auch mit Wörtern. Für ihr Vorhaben hatte sie im Vorfeld Zeitschriften gesammelt. Diese waren zu ihrem Material-Fundus geworden, indem sie alles ausgeschnitten hatte, was ihr für ihre beabsichtigten Themen und Bildideen geeignet erschien.) Auch für ihren Beitrag auf diesem „Blockbild“ hatte sie mit ihrem so zusammengestellten „Material“ gearbeitet. Fast parallel zur oberen Kante des Holzblocks kann man links bei genauem Hinsehen ein Wort erkennen: Es ist der Begriff „Angst“, der da in schwankenden Lettern kaum entzifferbar über allem steht. Somit konfrontiert sie den Betrachter damit, dass „Angst“ „den Boden unter den Füßen wegzieht“…

Unterhalb des Wortes „Angst“ purzeln andere Buchstaben nach unten. Sobald diese Buchstaben wahrgenommen werden, ist der Begriff „Anticipation“ schnell auszumachen…

Wir sehen also einen Hintergrund, der eine Grundstimmung wiedergibt, welche von Angst beherrscht wird. Auch vermittelt MH mit den gewählten Farben, den Farbbändern, in welcher Zusammenhanglosigkeit die amerikanischen Ureinwohner früher sich befunden hatten: Sie wurden ihres gesamten Weltbildes beraubt, durften ihre eigene Sprache nicht mehr sprechen, waren heimatlos und auf der Flucht. Das ist ein Zustand, der Angst bereitet, denn das Ich war damit gebrochen – und alles Vertraute zerschlagen worden! Das bedeutet in der Konsequenz, dass sich auch eine Perspektivlosigkeit einstellt! Sie können der Zukunft nicht mehr positiv gestimmt begegnen und nicht vorausschauend planen – in jeder Hinsicht.

Mit dem Verlust des vorherigen Lebens stellt sich auch der Verlust von Zukunft ein!

Der Körper existiert noch, aber der innere Aufbau der Person war eingerissen worden. Das hatte den Verlust des eigenen Weltbildes zur Folge. Und über diesem ganzen Desaster regiert die Angst das Geschehen, die zu jeder Zeit mögliche Gefahr von außen…

Wo bleiben da die Träume, Pläne für das Morgen, und wo das Hoffen auf ein erfülltes Leben?!

Die Antwort auf diese Frage gibt Margaret Hettrick mit ihrem kleinen Kunstwerk auf dem „Blockbild“. Die Erwartungen an das Morgen und, oder die ferne Zukunft stürzen in sich ein, fallen herab und existieren nicht mehr…

Meine Interpretation  stützt sich dabei auf die englische, bzw. amerikanische Bedeutung von „anticipation“. Wenn ich im Wörterbuch nachschlage, wird dort der Begriff „Erwartung“ genannt. Allerdings wird eine zweite Bedeutung aufgeführt, nämlich das Wort „Vorausberechnung“. Diese zweite Bedeutung kommt der Bedeutung von „Antizipation“ in der deutschen Sprache näher. Inhaltlich sehe ich in der Bedeutung „Erwartung“ (für „anticipation“) die schlüssigere Bedeutung – in Hinblick auf die intendierte Aussage von Margaret Hettrick.

Auf ihrem kleinen Kunstwerk stürzt alle Erwartung an die Zukunft in die Tiefe – ein Absturz, der das „Mensch-Sein“ mitreißt!   

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf den rostigen Stacheldraht-Rest hinweisen, den Beitrag von Heinz Hugel auf diesem „Blockbild“. Intuitiv hat er damit ein Symbol hinzugefügt, das unmittelbar vor Augen führt, welche grausame Realität für die amerikanischen Ureinwohner wahr geworden war! Somit verstärkt er damit die Aussage von Margaret Hettricks Kunstwerk…  Interpretation: Renate Hugel

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die Künstler und Künstlerinnen der übrigen Beiträge auf dieser Breitseite des „Blockbildes“:

Rechts neben den Beiträgen von Margaret Hettrick und Heinz Hugel ist ein Beitrag von Jereldine Redcorn zu sehen. Unten links befindet sich ein Beitrag von Kelly Church, rechts daneben der von mir. Auf der oberen Fläche des dicken Holzblocks ist in der Draufsicht das (bereits in „Kunstbegegnungen – 16“ erwähnte) Kunstwerk von Roland Schneeweiss zu sehen.                                               Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Margaret Hettrick habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 6“  und „Kunstbegegnungen – 23“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                                                     Renate Hugel

Hinweis auf „Kunstbegegnungen 22“

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Renate Hugel

„Kunstbegegnungen“ von besonderer Art“

Ich habe inzwischen „Kunstbegegnungen – 22“ fertiggestellt:

Mit meinem Kunstwerk „Gesang eines jungen Tages“ habe ich eine „Ode an die Kunst“ erschaffen. Gleichzeitig würdige ich mit meinem Werk die besondere Arbeitsatmosphäre, welche sich im Verlauf des Symposiums eingestellt hatte.

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“

Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 22“

– Renate Hugel –

Gesang eines jungen Tages

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„Gesang eines jungen Tages“  von Renate Hugel, aus der Serie „Faltenwürfe“ – – – Mischtechnik und Collage mit verschiedensten Papieren, „Malen mit Papier“ – ca. 38 cm x 48 cm – – – 2000, Bremen (Deutschland)

Gesang eines jungen Tages

Für das Symposium hatte ich mir vorgenommen, mit möglichst verschiedenen Papieren Bilder zu gestalten. Dabei hatte ich nicht zwingend an eine Collage im herkömmlichen Sinne gedacht. Ich wollte versuchen, mit dieser Materialsammlung zu „malen“ – mit der Hilfe von reichlich aufgetragenem „Tapetenkleister“. Dass solch eine Vorgehensweise bedeutet, dass es zu Faltenbildungen der Papiere kommen wird, das war bei meiner geplanten Vorgehensweise unvermeidbar. Darum habe ich diese Faltenbildungen zum Prinzip erhoben und ließ sie Teil der Gestaltung werden. Die beschriebene künstlerische Absicht definierte ich mit dem Begriff „Faltenwürfe“ für meine neue Serie…

Die zusammengetragenen Papiere waren Seidenpapier, Transparentpapier oder Packpapier u. a. – aber auch Verpackungsmaterial aus Plastik oder Verbandsmaterial…

Zu dieser Papiersammlung für meine „Faltenwürfe“ hatte auch das Papier gehört, in welches ursprünglich neue Schuhe verpackt gewesen waren (im Schuhkarton). Dieses sehr dünne Papier besaß die Eigenschaft, sich beim Vermalen mit viel Tapetenkleister aufzuweichen bis zum Zerfall zu matschigen Teilchen. Ich konnte also direkt mit diesem Papierbrei malen. Je nach Beschaffenheit dieser Papiere färbte sich dieser „Brei“ weiß ober auch mokkafarben.

Indem ich mich bei dieser Art zu malen fallen ließ, war ich konzentriert auf mich selbst, wurde Eins mit meinem Tun. Spontan wurde ich während meiner Arbeit an dem oben abgebildeten Werk von einer Energie erfasst, welche mich nun auch Eins werden ließ mit dem Augenblick der Gegenwart! Die gegenwärtige Zeit, die uns allen gehörte in diesem Symposium, integrierte sich in meinen Arbeitsrhythmus, begleitete meinen Arbeitsprozess durch das Kontinuum, welches die Zeit bildet. Diese gemeinsam erlebbaren Schwingungen im Raum erhöhten das Ich-Erleben:

Jede, jeder im Raum war ja ebenso erfüllt mit dem, was jede einzelne Person „antrieb“:

Ich schwebte in einem Raum voller positiver Schwingungen. Denn, jeder „sang sein eigenes Lied“. Und das erzeugte eine Erhöhung aller Konzentration, Hingabe an das eigene Tun, wie auch der Würdigung von Kunst!

Irgendwann hatte ich spontan meine Arbeit für fertig erklärt, hielt inne und blickte auf mein Werk. Der erste Gedanke, der unvermittelt in mir aufkam, war „Gesang eines jungen Tages“…

Warum „Gesang“? – Das war mein zweiter Gedanke.

Ich wusste es nicht, der Gedanke war aus dem Augenblick heraus geboren worden und kam quasi aus dem Bauch heraus!

Zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt war mir aufgefallen, dass sich im Bildzentrum ein von Gelb bestimmtes Gebilde befindet, das an einen Vogelkörper erinnert. Direkt nach dem Malvorgang waren alle Papiere noch nass; minimale Bewegungen passierten dabei auf der Bildoberfläche. Indem ich mir dieses im Nachhinein innerlich vorgestellt hatte, war mir plötzlich, als würde ich das Atmen dieses Vogels an seinem Körper erkennen können, während er den Kopf weggesteckt hatte:

Es ist, als wenn man als Städter den Gesang der Vögel im Garten oder im Park vernimmt, oder aber im Wald, auf der Wiese, in den Auen…

Das „Innere-Türen-Öffnen“ solch eines Vogelgesangs, das war das Gefühl, welches mein Bild in mir hatte hochsteigen lassen. Und augenblicklich hatten sich die Worte in mir etabliert: „Gesang eines jungen Tages“

Ein Öffnen „innerer Türen“ erleben wir in der Musik, wie auch in der bildenden Kunst. Daraus ersteht die Sehnsucht danach, die Künste aktiv zu pflegen, oder sie als Betrachter oder Zuhörer zu erleben.

Unser „Gesang“ während des Symposiums war ein stiller, geräuschloser: nämlich, Kunst erstehen zu lassen…                                                                                                                Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Renate Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 9“, „Kunstbegegnungen – 17“  und „Kunstbegegnungen – 22“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                                                                                                                                               Renate Hugel