Monthly Archives: Oktober 2015

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Oben ist ein Ausschnitt des Bildes „Thinking Out“ („Gedankengänge“) von Ronald Anderson zu sehen.

Dieser Abschnitt zeigt die Kirche „St. Stephanie“ in Bremen, (Deutschland), eine „indianische Friedenswolke“, einen Abschnitt des Flusses „die Weser“, das Grün einer Rasenfläche auf dem Weserdeich, Impressionen von Tipis in Bäumen, sowie eine unbekleidete Person auf einem Fahrrad.

Neugierig geworden?

Unter „Kunstbegegnungen – 25“

habe ich das gesamte Kunstwerk interpretiert und bin dabei den Gedankengängen nachgegangen, wie sie Ronald Anderson (Künstler Amerikanischer Ureinwohner und Mitglied des Chickasaw Stammes aus Tishomingo Oklahoma) bildlich auf seinem Kunstwerk „formuliert“ hatte.

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“ – – – Renate Hugel

„Kunstbegegnungen 25“

Ronald Anderson

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Ronald Anderson – Künstler amerikanischer Ureinwohner –

“Thinking Out (“Gedankengänge”), Acryl on canvas; approx. 60 x 85 cm; Bremen (Germany) 2000

„Thinking Out“(„Gedankengänge“)

Die Zeit unseres Symposiums neigte sich inzwischen dem Ende zu. An diesem Tag hatten wir alle spontan beschlossen, „nach draußen“ zu gehen. Es bildeten sich kleine Gruppen, die dann ebenso spontan in verschiedenen Richtungen verschwunden waren. Ronald Anderson (RA) hatte sich meinem Mann und mir angeschlossen. Gemeinsam gingen wir an die Weser, wo wir uns im Gras des Deiches niederließen. Und, da RA seine Materialien zum Malen mitgenommen hatte, dauerte es nicht lange und seine Eindrücke und Gedanken flossen unentwegt aus ihm heraus, direkt auf die Leinwand.

Die Stelle, an der wir uns ins Gras gesetzt hatten, war nicht so sehr weit entfernt von der damaligen Galerie „pro art“; die Weser hatten wir auf unserem Weg nicht überquert. Und auf dieser linken Weserseite liegt die sog. „Neustadt“. Das ist der Teil von Bremen, der erst „später“ entstanden ist, als es in der „Altstadt“ nicht mehr genug Wohnraum gegeben hatte. „Später“, das war immerhin im 17. Jahrhundert gewesen!

An dieser unserer Stelle am linken Weserufer fiel unser Blick auf die rechte Weserseite und äußere Peripherie des ursprünglichen Stadtkerns, das historische Zentrum der Bremer Innenstadt. Genau in unserem Blickfeld befand sich die Kirche St. Stephanie, deren Kirchturm unübersehbar war.

Auf dem Gemälde von RA gibt es vier waagerechte Ebenen, welche ich die „realen Ebenen“ nenne:

Am unteren Bildrand entlang zieht sich ein relativ schmaler grüner Streifen. Er stellt die Grasfläche dar, auf die wir uns gesetzt hatten. Allerdings sind nicht wir darauf zu sehen. Vielmehr entwickelt sich dort eine irreale Szene – „Gedankengänge“ von Ronald Anderson und somit eine „Mega-Ebene“. Auch die anderen realen Ebenen haben je eine Mega-Ebene.

Der ersten grünen waagerechten Ebene folgt ein breiter blauer, ebenfalls waagerechter Streifen. Dieser stellt den Fluss  die „Weser“, dar.

Die dritte waagerechte Ebene ist wieder grün und schmal. Es ist das Gras des Deiches auf der anderen Uferseite. Dass es dort einen Gehweg gibt, zeigt der feine blau-graue helle Streifen unterhalb des Grüns. Am oberen Rand dieses Grüns sind Bauten zu erkennen, Häuser und die Kirche mit ihrem Kirchturm. Ein kleines Detail möchte ich noch erwähnen: Bei genauer Betrachtung ist rechts von Kirchturm und Häusern ein Deich Schart mit geschlossenem Siel-Verschluss zu erkennen. Dieser steht jedoch nicht an dieser Stelle dieses Deiches. In seiner „künstlerischen Freiheit“ hatte RA diesen alten Hochwasserschutz „verschoben und ins Blickfeld gerückt“. Bei einer „Stadtführung durch die Neustadt“* hatten wir diesen Zugang zum Weserufer gesehen – allerdings „geöffnet“ – denn geschlossen wird er nur bei extremem Hochwasser. *Dankenswerterweise hatte der Ortsamtsleiter, Klaus-Peter Fischer, uns zu dieser Führung eingeladen!

Der vierte und obere Teil des Bildes ist ausgefüllt mit einem breiteren waagerechten blauen Band, das den Himmel darstellt.

Dieses sind die Bild-Elemente, die auf die äußere Realität hinweisen.

Nun möchte ich auf die verschiedenen „Mega-Ebenen“ zu sprechen kommen:

Ich beginne mit den Spiegelungen im Wasser der „Weser“, die sich vor dem rechten Weserufer dem Betrachter aufdrängen. Feuer, Wasser und Rauch wühlen den ebenmäßigen Fluss des Wassers auf. Tatsächlich stellen sie Explosionen dar, die nach Bombenabwürfen von Flugzeugen sich ereignet hatten – während des zweiten Weltkrieges! Diese Information macht den Betrachter darauf aufmerksam, dass oben links gerade am Himmel ein Flugzeug im Sinkflug zu erkennen ist, das sich darauf vorbereitet, weitere Bomben abzuwerfen. Auch ein weiteres Detail schiebt sich nun ins Bewusstsein des Betrachters: Unterhalb der gespiegelten Explosionen sind fünf weitere Flugzeuge in waagerechtem Flug zu sehen. Diese scheinen den Rückflug anzutreten.

Im krassen Gegensatz zu dieser aufwühlenden Erinnerung ruhen die Häuser hinter dem Deich in friedlicher Atmosphäre – gleich einer Idylle. Und mittendrin in dieser anrührenden Idylle ragt der Kirchturm von St. Stephanie hervor!

Der Himmel über dieser friedlichen Idylle ist blau und die Wolken sind fast schon verschwunden. Dafür taucht nun eine kleine Wolke dort auf, die in sich die „indianischen Farben“* trägt. Diese stehen für Folgendes: GELB für Osten, Neuanfang, Geburt; ROT für Süden, Jugend, Lernen; SCHWARZ für Westen, Erwachsensein, die Nacht; WEISS für Norden, Alter, Weisheit, Lebensende. *Siehe dazu „Kunstbegegnungen – 16“ (Ausführung zu Kelly Church).

Jede Farbe entspricht also einer Lebensphase und verkörpert das, was das Leben in jeder Phase von den Menschen abverlangt. Somit erinnert diese kleine Wolke daran, dass wir bewusst und achtsam alle Phasen unseres Lebens durchleben sollen. Und darum ist diese Wolke für mich eine „Friedenswolke“…

Ich verlasse jetzt das blaue Band, das für das Weserwasser steht.

Das untere grüne Band entspricht der Grasfläche, auf der wir alle, Ronald Anderson, mein Mann und ich, gesessen hatten was auf dem Bild ja unerwähnt geblieben ist. Trotzdem ist dort eine ganze Menge los! – Nämlich auf der „Mega-Ebene“! So sind dort fünf Bäume zu sehen, die alle in einer Reihe stehen.

Irgendwie sehen diese Bäume merkwürdig aus, das war meine spontane Empfindung.

Der Hinweis von RA, den er uns damals – im Jahr 2000 – gegeben hatte, hat mir inzwischen weitergeholfen: Er sagte, dass für ihn das Leben in den Wipfeln von Bäumen stattfindet, nicht auf der Erde (aus dem Gedächtnis formuliert).

Die Frage, die ich mir seitdem gestellt hatte, war die: „Warum zieht es ihn in die Baumwipfel?“

Es folgten bei mir weitere Fragen: Warum lieben Kinder es, auf Bäume zu klettern, oder in einem Baumhaus zu sein? Warum lieben das sogar Erwachsene, die sich heutzutage ganze „Villen“ in Baumkronen einbauen lassen können?

Die Antwort, die (aufgrund meiner inneren Fragen) sich schließlich in mir „formulierte“, war die: „Mit Hilfe der Kraft der Bäume gelangt man in die erhabenen Höhen der Wipfel – dorthin, wo die Winde ihren freien Weg ziehen. Die in der Kraft des Windes zu spürende Energie ist eine Kraft, die aus der Freiheit kommt. Dieser möchten die Gedanken des Menschen folgen.“

Es ist also die Freiheit des Geistes, die dort oben sich ereignet!

Wie sieht die Freiheit des Geistes für RA aus? Man braucht sich nur die Baumwipfel anzusehen: Alle fünf Baumkronen erscheinen in der Form von Tipis!

Das ist also seine Freiheit des Geistes, ganz unbehelligt das „indianische Denken“ in sich bewahren zu können, was auf der Ebene der äußeren Realität für die Vorfahren aller amerikanischer Ureinwohner nicht gestattet war:

Die Baumkronen wurden für RA also zum Symbol für die Freiheit des Denkens.

Im Hintergrund der Bäume sind auf dem Gras braune Skelette von Tipis zu sehen, die gerade umgestoßen und zerstört werden…

Es schwingen sich blaue Silhouetten von menschlichen Gestalten von Baumkrone zu Baumkrone. Sie wissen nicht, welcher „Stamm“ der ihre ist. So sind sie auf ständiger Identitätssuche!

Die Identitätssuche veranlasste auch Ronald Anderson immer wieder zum „Wechseln des Baumes“, also seines Lebenszentrums.

Eine Erinnerung an einstige Gemeinschaften und Zugehörigkeiten sind unter der Baumkrone auf der rechten Bildseite angedeutet: Wiederum als Silhouette, aber hier in erdigem Farbton, führen dort „geerdete und miteinander verbundene (sich anfassende) Menschen“ ihre Tänze in der Gemeinschaft der Gruppe aus! Eine vergangene Realität! Und so schweben sie im Dunkel des Entschwundenen und Vergangenen…

Schließlich gibt es noch eine letzte „Mega-Ebene“ vor den fünf Bäumen! – Was erzählen jene Szenen auf diesem dünnen Grasstreifen entlang des unteren Bildrandes?

Nach allem, was ich oben herausgearbeitet habe, fällt besonders auf, dass diese Menschen auf dem Boden der Realität stehen oder sitzen. Es handelt sich also um Menschen, die ihre eigene Identität gefunden haben. Aus den kurzen Statements von Ronald Anderson aus dem Jahr 2000 weiß ich, dass diese dargestellten Personen Künstler der europäischen Kunstgeschichte sind. Damit steht nun dieses Weserufer hier in Bremen für den Boden Europas und seine Kunst!

Vor dem zweiten Baum von links sitzt eine Gruppe von Menschen, während eine andere Person mit dem Fahrrad ins Bild „rollt“. Ich erinnere mich an Namen wie Cézanne, Gauguin und van Gogh. Sie haben Neues gewagt, indem sie ihre subjektiven Empfindungen zum Ausdruck gebracht hatten. Später wurden sie als Post-Impressionisten bezeichnet: Sie hatten mit ihrer Kunst den Weg zu neuen Entwicklungen bereitet. Z. B., Personen oder Gegenstände allein durch Farbe und, oder Form darzustellen. Auch das Herausarbeiten der Grundformen von Motiven war ein Ansatz, der später weiterentwickelt werden sollte: Die konsequente Fortführung dieses Gedankenansatzes führte so zum Kubismus. Dessen Hauptvertreter befinden sich auf der rechten Seite: Pablo Picasso und George Braque – dargestellt als Harlekins! – In der Tat hatten sich beide Künstler, Picasso, wie auch Braque, mit dem Harlekin auseinander gesetzt und ihn gemalt – als Ausdruck einer langen Entwicklungsgeschichte seit dem Mittelalter.

Mit dem Künstler auf dem Fahrrad hatte RA nach meiner Erinnerung Vincent van Gogh gemeint. Er ist der Künstler, der sich total darauf eingelassen hatte, sein subjektives Empfinden in seiner Malerei auszudrücken. Für mich hatte RA dieses mit der Nacktheit ausgedrückt. Von van Gogh gibt es noch eine andere Seite der Persönlichkeit. Auch diese hatte Ronald Anderson dargestellt: Wenn der Blick von dieser untersten Ebene nach rechts außen gerichtet wird, entdeckt man eine Person, die sich gerade an den Baumstamm dort anlehnt. Gekleidet ist Vincent van Gogh in Anstaltskleidung und scheint allein mit sich selbst beschäftigt zu sein – während seine Malutensilien hinter dem Baumstamm im Gras liegen…

Indem nun der Blick auf den Baum am Rand der linken Bildseite gerichtet wird, erkennt man auf dem Gras davor etwas, das aus dem Schatten heraus tritt. Die Vergrößerung zeigt die Details:

Die dunklen Schatten entpuppen sich durch die Vergrößerung als „artistische Spaßvögel“, die gerade ein Gemälde auf die „Bühne der Kunst“ tragen. Dabei schien es sich zunächst um ein abstraktes Gemälde zu handeln. Doch in der Detail-Ansicht blickt aus den impressionistisch aufgetragenen Farbpunkten ein Gesicht mit Hut hervor. Ich interpretiere es als „Zitat“ des Bildes von Vincent van Gogh „Selbstportrait mit Strohhut“.

Ronald Anderson hatte mit seinem Bild u.a. „mal eben“ den Wandlungsprozess dargestellt, wie er sich im 19. Und 20. Jahrhundert in der Auffassung und Definition von Kunst vollzogen hatte!

                                                                                                         Interpretation: Renate Hugel

Zur besseren Orientierung füge ich hier einige Detail-Ansichten des Gemäldes hinzu:

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Abbildung von Details des Kunstwerks: Detail, links: Die beiden Harlekins: Pablo Picasso und George Braque, Detail, rechts:: Vincent van Gogh,  an den Baumstamm gelehnt

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Detail: Das „Selbstportrait mit Strohhut“ von  Vincent van Gogh wird auf die „Bühne der Kunst“ getragen (= „Zitat“ von Ronald Anderson)

Zum Schluss möchte ich noch eine interessante Tatsache erwähnen:

Diese Kirche „St. Stephanie“, die in dem Bild „Thinking Out“ von Ronald Anderson eine friedvolle Rolle spielt, ist inzwischen eine „Kunstkirche“ geworden.

Seit dem Jahr 2007 ist die Kirche „St. Stephanie“ bereits die erste Kunstkirche bzw. Kulturkirche in Bremen. Ausstellungen, Aktionen oder Theater sind nur einige Beispiele für die Breite des Kulturangebotes. Diese Veranstaltungen finden im Hauptschiff der Kirche statt.  Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Ronald Anderson habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 1“, „Kunstbegegnungen – 13“, „Kunstbegegnungen – 19“ und „Kunstbegegnungen – 25“ geschrieben.

Auf HOME finden Sie darüber hinaus eine „Anmerkung zu Ronald Anderson“ (vom 24. 07. 2015).

Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                                                                                                                            Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

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Sherman Chaddlesone (2. Juni 1947 – 17. August 2013)

Zu Ihrer Information: Ich habe inzwischen „Kunstbegegnungen – 24“ fertiggestellt:  In diesem Beitrag schreibe ich über die Arbeitsweise von Sherman Chaddlesone, so, wie ich es anhand seiner mir bekannten Werke „ablesen“ kann.

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“

Information zu dem obigen Portrait:

Renate Hugel: „In Erinnerung an Sherman Chaddlesone“ – – – Bleistiftzeichnung auf Transparentpapier, hinterlegt mit einem Fotoausschnitt*, 16 x 25,5 cm, 2014 – – –  * Ausschnitt aus einem Foto, aufgen. während der Kiowa Black Leggings Zeremonie in der Nähe v. Anadarko, Ok, 01                Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 24“

–  Sherman Chaddlesone –

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Sherman Chaddlesone bei der Arbeit:  “Zwei Herangehensweisen an Kunst” 

Bremen (Deutschland), 2000

Zwei Herangehensweisen an Kunst

Sherman Chaddlesone (2. 6. 1947 – 17. 8. 2013) hatte sich künstlerisch auf mehreren Gebieten ausgedrückt: Dazu zählte die Bildhauerei, Malerei, Gouache – Technik, wie auch Drucktechniken.

An die Malerei ging er anders heran als an die eher graphisch betonte Gouache – Technik oder auch an die Drucktechniken. Die beiden Arbeitssituationen auf den Fotos oben zeigen etwas von seinen unterschiedlichen Arbeitshaltungen:

Die Arbeitssituation auf dem unteren Foto zeigt Sherman Chaddlesone (Sh.Ch.) bei der “Malerei”. Es ist zu erkennen, dass er von einer inneren Vorstellung getragen wird bei der Pinselführung, welche ihn „antreibt und beflügelt“: Ein Bild z. B. mit Acryl zu malen, bedeutete für ihn, seine (persönlichen oder allen amerikanischen Ureinwohnern gemeinsamen) Empfindungen auszudrücken.

Wer meine Interpretation gelesen hat zu Sherman Chaddlesone’s Kunstwerk “I Follow in the Path of Eagles” (Ich folge dem Pfad der Adler), konnte einen Eindruck davon erhalten, was ich mit meiner obigen Aussage meine. Zu finden ist diese Interpretation unter „Kunstbegegnungen – 11“.

Ebenso verhält es sich bei anderen bereits erwähnten Kunstwerken:

„End of the Sundance“ („Das Ende des Sonnentanzes“). Diese Erwähnung ist ebenfalls in dem Beitrag „Kunstbegegnungen – 11“ nachzulesen. Ein weiteres Beispiel für meine Aussage oben ist das großformatige eindrucksvolle Gemälde zur Geschichte der Kiowa – Indianer – vom Anbeginn ihrer Mythenbildung*, das ich in dem Beitrag „Kunstbegegnungen – 5“ erwähnt hatte.

(*= Ein Beispiel der Beiträge von Sh.Ch. im  “Southern Plains Indian Museum” in Anadarkoko)

Ich fasse diese seine Art der Herangehensweise bei Gemälden noch einmal zusammen:

Neben einem emotionalen Anliegen, das im Gemälde Ausdruck finden soll, ist es ebenso die jeweilige Aussage zu aktuellen oder historischen Verhältnissen oder Zuständen, auf die Sherman Chaddlesone in kritischer Weise aufmerksam machen will.

Ein anderes Anliegen hatte Sh.Ch. bei graphisch dominierten Gouachen und bei Drucken. Auf dem oberen Foto sieht man, wie Sh.Ch. gerade an der Darstellung eines einst besonders verdienten Kiowa Häuptlings arbeitet. Dabei erscheint Sh.Ch. sehr überlegt und konzentriert. Denn, für sein beabsichtigtes Anliegen bedeutete Zeichnen für ihn eine Herausforderung: Dinge, Situationen Traditionen oder Bräuche der Vergangenheit wollte er auf diese Art und Weise dokumentieren. Das, was nicht tradiert werden konnte (nicht, weil es noch keine Fotografie gegeben hatte), sondern, weil es kaum bis keine Vorfahren gegeben hatte, die etwas aus der vergangenen Kultur hätten weiterreichen können an die nächsten Generationen! Sherman Chaddlesone hatte intensive Recherchen angestellt: Das, was in einer Familie verlorengegangen war, war vielleicht in einer anderen – wenn auch spärlich – erhalten worden (als reales Objekt oder tradiertes Wissen). Nicht nur auf diese Art und Weise waren Bruchstücke zusammengekommen. Darüber hinaus arbeitete Sherman Chaddlesone eng mit dem Museum in Anadarko, wie auch mit der Universität zusammen. Dort war er zumeist in verantwortlicher Position beteiligt an ehrgeizigen Projekten, die alle der Klärung und Aufarbeitung der Vergangenheit zum Ziel hatten.

Genau dieses historische Interesse (in Bezug auf das Schicksal des eigenen Stammes) hatte Sherman Chaddlesone auf künstlerischem Gebiet dazu bewogen, mit präzisen Zeichnungen und Darstellungen der Vergangenheit ein Denkmal zu setzen für die Lebenden, wie auch für künftige Generationen.

Einige Bildbeispiele dazu werde ich in späteren Beiträgen besprechen.             Renate Hugel

 Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Sherman Chaddlesone habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 5“, „Kunstbegegnungen – 11“  und „Kunstbegegnungen – 24“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                                         Renate Hugel