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„Kunstbegegnungen – 30“

Carol Whitney

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Carol Whitney, Amerikanerin: “Energievolles Tagwerk”, 

Dreidimensionales Wandbild: Gewebter Wandteppich, Keramik, Federn, Schnur, ca. 80 cm x 90 cm; (Entstehungsjahr ist mir nicht bekannt)

Leben zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang

Das dreidimensionale Wandbild “Energievolles Tagwerk” besteht aus einem gewebten Wandteppich, vor dem eine amerikanische Ureinwanderin aus Keramik, zusammen mit ihrer persönlichen Umgebung (ebenfalls aus Keramik) montiert worden ist.

Dieser Wandteppich wurde aus Wolle gewebt. Dafür waren im Prinzip zwei Farbtöne verwendet worden: Orange (in Farbabstufungen) und Dunkelblau. Diese Farben teilen den Wandteppich in eine obere (orangefarbene) und untere (dunkelblaue) Hälfte.

Die Farbabstufungen im Orange bilden zunächst einen oberen Streifen (von links nach rechts) in hellem Orange. Es schließt sich ein breiter Streifen in dunklerem Orange an. Innerhalb dieses breiten Streifens verdunkelt sich das Orange zur rechten Teppichseite hin immer mehr. Am unteren Rand dieses breiten Streifens gibt es dann eine noch dunklere Orange-Spur, welche von links nach rechts in verschiedenen Helligkeits-Stufen verläuft. Eine dünne Web-Spur  schließt den breiten Streifen nun ab mit einem bereits ins Braun mutiertem Orange. Diese Düsternis wird gleich darunter aufgehellt mit einem schmalen Leuchten in Pink.

Auf der oben beschriebenen Wandteppich-Fläche in Orange-Tönen befindet sich auf der linken Seite eine kreisrunde Scheibe, aus Keramik gearbeitet. Auf dieser Scheibe sind Zeichen zu erkennen, die offenbar wichtige Informationen enthalten.

Das Orange bildet in Zusammenhang mit der runden Scheibe die Assoziation „Sonne, die den Himmel gerade färbt“. Die Zeichen auf der Scheibe deuten darauf hin, dass Gesetzmäßigkeiten (die den Gang der Sonne betreffen) bedeutsam und wichtig gewesen waren.

Der einfarbige große Farbblock in Dunkelblau kann interpretiert werden als Nachthimmel, was – zusammen mit dem Farbblock in Orange-Tönen – für mich den Rhythmus von Tag und Nacht symbolisiert.

Gleichzeitig kann mit dem Dunkelblau auch das Wasser (z. B. Meer) gemeint sein als Garant für eine Versorgung mit Nahrung.

Soweit die Beschreibung des real Sichtbaren.

Meine Gedanken dazu sind Folgende:

Die Kraft der Morgenröte taucht die Welt in ein Rosarot voller Wärme… Dort, im Kraftfeld dieses morgendlichen Naturschauspiels sammelt die in Keramik dargestellte „energievolle Frau“ ihre Kraft.

Auch hat sie ihre Federn in ihr Haar geflochten. Sie (die Federn) lassen ihre Gedanken sich öffnen für die Weite, welche der Wind nutzt. Diese Weite hält ihren Geist offen, so dass sie sowohl groß und ebenso klein denken kann! Aber auch: überblickend, grob strukturiert und ebenso fein, ins Detail gehend oder auch verspielt und dann wieder entschlossen!

Das eröffnet ihr eine breite Palette des Handelns! Dennoch bleibt sie verbunden mit den Traditionen, was die Verbundenheit mit dem Weltbild gewährleistet – wie hinter ihr dargestellt!

In diesem Gemütszustand, gepaart mit ihrer Geisteshaltung, macht die “energievolle Frau“ sich an ihr Tagwerk! Ich blicke auf das, was ihre Umgebung wiederspiegelt: Dort vermeine ich Fische zu erkennen, die somit eine Rolle spielen. Sie fängt sie vielleicht nicht selbst, sorgt sich jedoch um die tägliche Nahrung. Auch Muscheln kann ich in der keramischen Umgebung erkennen. Sie sammelt diese, wie auch besondere Steine für feine Arbeiten, wie die Verzierung von Kleidung und von Schmuck. Direkt neben ihr liegt ein zusammen gefaltetes Stück Stoff (in Keramik dargestellt). Bis zum Sonnenuntergang mag sie sich schließlich dem Erstellen von Stoffen, dem Weben gewidmet haben.

In dieser ihrer Welt ist sie, die „energievolle Frau“, die Lenkerin ihres Tuns und hält „die Zügel“ in der Hand!

Das hat Carol Whitney mit ihrem Kunstwerk dargestellt.

Und, weil alles „Tun“ der „energievollen Frau“ sich innerhalb der übergeordneten „Naturgesetze“ bewegt, bewahrt sie sich ihre Kraft: 

Am Ende des Tages übernimmt die Nacht die Präsenz. Und sie, die „energievolle Frau“, ordnet sich auch diesem Rhythmus der Natur unter. Nachdem sie während des Tages – im Schutze der Sonne – ihr Tagwerk vollbracht hatte, war sie selbst Teil des Naturgeschehens mit seinen eigenen Gesetzen geworden: „Alles Tun“ hatte seine eigene Zeit und Aufmerksamkeit erhalten. Damit hatte sie die Garantie, dass sie während des Tages nur so viel Kraft verloren hatte, wie sie in der Nacht regenerieren kann! Auch hatte sie, die „Energievolle“ ihren Geist geschult, indem sie „jedem Tun“ jeweils seine eigene Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet hatte: Mit der so gewonnenen Kraft ihrer Gedanken lässt die sie den Tag an ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Dabei ordnen sich ihre Gedankengänge, Handlungen und Gefühle des Tages. Genau das verleiht ihr „Rückgrat“. Und das hat für mich damit zu tun, dass sie auch während des Tages bei all ihrem Tun immer bei sich selbst gewesen ist – selbstbestimmt und im Rhythmus der Natur (auch der eigenen)!  . . .   

Völlig regeneriert nimmt die Kraftvolle mit Beginn des Sonnenaufgangs ihr „energievolles Tagwerk“ aufs Neue auf…     Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Carol Whitney  (Amerikanerin)

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Carol Whitney hatten wir gleich nach unserer Ankunft kennengelernt. Sie ist Amerikanerin und widmet sich bereits seit sehr langer Zeit der Kunst. Ihre eigene Kunst entwickelte sie ständig energievoll weiter mit dem Ziel, ihre persönliche Aussage überzeugend zu finden. Ich sehe dieses, ihr Bestreben in ihren Werken einer jeden Phase als erreicht an (doch dazu an späterer Stelle).

Darüber hinaus setzt sie sich  sehr engagiert für die Belange der amerikanischen Ureinwohner ein und wird auch von diesen akzeptiert.

Ich gebe nun das Wort weiter an Carol Whitney selbst:

Carol Whitney (Amerikanerin) stellt sich selbst vor mit diesen Worten:

 Carol Whitney’s Künstler-Statement:  “Mein Leben – geprägt vom Indianischen”:

“Seit den letzten 40 Jahren ist meine Kunst unmittelbar mit der Kunst der einheimischen Indianer in Oklahoma, wie auch der der Bewohner unserer felsigen Umgebung, den Southern Plains (Südlichen Ebenen), verbunden.

Seit 1972 drücke ich meine Erfahrungen mit dieser einmaligen Welt aus durch Skulptur, Malerei, Dichtung (Poesie), Keramik…“  (Zitat: Carol Whitney, 2009)      Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Carol Whitney habe ich unter „Kunstbegegnungen“ den Beitrag „Kunstbegegnungen – 30“ geschrieben.

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“. . . In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA) – – – Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 29“

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Ronald Anderson: “Welcome” oder „God Bless America“

(„Willkommen“ oder „Gott segne Amerika“) – – – (Skulptur aus Holz, Stoff, Blech, sowie der amerikanischen Fahne) 2001

Die Begrüßung

Diese Skulptur war das, was uns am Tag nach unserer Ankunft in Gracemont, Oklahoma Becken, direkt begegnet war:

Unser erster „Ausflug“ hatte uns direkt zu jenen relativ weit weg gelegenen Feldern geführt (welche aber immer noch weit entfernt waren vom nächsten Haus). Dort, in dieser (für uns gefühlten) Einsamkeit winkte uns aus der Ferne „ein bodenständiger Riese“ begeistert zu im Wind – und schien uns „Hallo“ zuzurufen.

Das war die Skulptur „Welcome“, die Ronald Anderson (R.A.) extra zu unserer Begrüßung erstellt hatte!

Gefertigt war die riesige Figur aus unbearbeiteten (nicht ganz so dicken) Holzstämmen. Ein Stofftuch hatte R.A. um die Mitte dieser Holzstämme gebunden, was die Stämme in „Beine“ und „Oberkörper“ eingeteilt hatte. Über dem „Oberkörper“ hatte er einen Querbalken befestigt, der an dieser Stelle innerhalb dieses Gefüges die „Schultern“ darstellt. Mittig auf diesem Querbalken hatte R.A. verschiedene Blechteile gesetzt, die „Hals“ und „Kopf, bzw. Gesicht“ symbolisieren. Umrahmt hatte R.A. das Gesicht mit „Blechzungen“, an denen er Bänder befestigt hatte. Sie flatterten im Wind und spielten ihre Rolle als „Haar“ richtig gut!

Auf der rechten Seite des fröhlichen Riesens reicht der senkrecht gesetzte Holzstamm über die Kopflinie hinaus. Damit bildet diese senkrechte Verlängerung den „Arm“, der die schräg angebrachte „Stange“ stützt, die „zweiter Arm und Fahnenstange“ in eins zu sein scheint – auf der linken Seite der Skulptur. Auch die Fahne an dieser “Stange“ flatterte – wie die „Haare“ – schwungvoll im Wind!

Ebenfalls im Wind standen wir da in der Hitze des Tages und im gleißenden Licht der kräftig scheinenden Sonne! Und wir erfreuten uns über diese wundervolle Begrüßung, die gleichzeitig Vorbeifahrenden davon künden sollte, dass „Künstler aus Deutschland“ hier im entlegenen Oklahoma Bassin zu Besuch gekommen waren!

Damit hatte uns diese Skulptur eine gewisse „Präsenz“ hier im Oklahoma Becken verliehen. Doch später kam es uns vor, als ob alle sowieso Bescheid zu wissen schienen über unsere Ankunft…

Für diesen traumhaften Empfang hatte es jedoch eine Eintrübung gegeben!

Wir waren wenige Wochen nach dem 11. September 2001 hier angekommen. Ganz Amerika hatte noch unter Schock gestanden.

Die Reaktion von Ronald Anderson war die gewesen, dass er kurzerhand seinem Fahne schwingenden „Kumpel“ einen weiteren Titel gab. Dieser lautet – bis heute – „God Bless America“ (Gott segne Amerika)!    Interpretation: Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Ronald Anderson habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 1, 13, 19, 25, und 29“  geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.                 Renate Hugel

Hinweis auf eine neue Kategorie

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Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

Wie ich, Renate Hugel (aus Bremen, Deutschland), bereits erwähnt hatte, habe ich Teil1 („Das Symposium“) beendet. Den Start von Teil 2 („Der Gegenbesuch“) bereite ich zurzeit vor.

Siehe unter „Kunstbegegnungen von Renate Hugel“

Darüber hinaus teile ich Ihnen mit, dass Juanita Pahdopony (aus Oklahoma, USA) als Co-Autorin über aktuelle Kunst in Oklahoma informieren möchte. Sie wird ihre Beiträge unter

„Oklahoma Art Updates von Juanita Pahdopony“

veröffentlichen. – – – Weiter unten stellt Sie sich Ihnen persönlich vor.

Renate Hugel

Juanita Pahdopony: Aktuelle Kunst in Oklahoma

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Juanita Pahdopony

Hallo, mein Name ist Juanita Pahdopony, und ich bin bereits mein ganzes Leben eine Comanche-Künstlerin. Meine erste frühe Erinnerung ist, dass ich einen berühmten deutschen Druck ansehen sollte, auf dem zwei kleine Kinder zu sehen waren, die eine wackelige Brücke unter dem Schutz eines schönen Engels überqueren. Bestimmt war es ein großartiger Anfang, dass Dinge kommen, sich entwickeln.

Im Jahr 1990 graduierte ich mit einem „Master of Education“ in Förderung, Bildung  begabter und talentierter Menschen. Die Betonung liegt auf Förderung, Bildung amerikanischer Ureinwohner (indianischer Menschen der  einheimischen Bevölkerungen aus Alaska). Mein Nebenfach war Kunsttherapie. Später in meinem Leben war ich an einer Fakultät, dann der Dekan (die Dekanin) für akademische Angelegenheiten. Nach meinem Ruhestand diente ich als eine ‚Übergangs-‚Präsidentin des Comanche Nationencolleges‘.

Heute bin ich noch einmal im Ruhestand und widme meine Zeit anderer Kunst, meiner eigenen Kunst und Schrift. Eine Freundschaft verbindet mich seit Jahrzehnten mit Renate Hugel und ihrem Mann Heinz, und jede, jeder von uns hat eine Liebe zur Kunst und den Teilen davon. Ich hoffe, dass Sie die Kunst genießen, die wir für Ihren Genuss auswählen.  Juanita Pahdopony