Monthly Archives: Februar 2016

„Kunstbegegnungen – 31“

– „Unsere Ateliers“

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„Im Heaven“: („Im Himmel“); Foto: Atelier und Galerie “Heaven“,  Gracemont, Oklahoma

Im Heaven

 Im hiesigen Gebiet von Oklahoma hatten wir uns mitten im Reservat befunden.

Der kleine Ort Gracemont (in Oklahoma) hat einen Ortskern mit zwei Kirchen, einer Schule, einem Postamt und einem Sherif. Der äußere Ring um Gracemont besteht aus Feldern oder Natur. Dort gibt es vereinzelt (aber sehr weit verstreut) Wohnhäuser, die dennoch zu Gracemont gehören.

Hier im Zentrum lag das Ziel, zu dem wir (von diesem äußeren Ring kommend) gebracht werden sollten: An einer kleinen Straße war das Auto geparkt worden. Und wir blickten auf die Häuserreihe, die auf dem Foto oben zu sehen ist.

Das Haus vorne rechts im Bild fällt auf durch seine attraktive Fassade:  Mit Dekor geprägtes Metall in silbernem Glanz schließt die Frontwand ab mit einer integrierten Regenrinne vor dem Flachdach. Der untere Teil der Wand war einst grün verfliest worden, während die untersten ca. 50 cm in rot-brauner Farbe erscheinen. Zu sehen ist auch die schwarze Sonnenschutz-Plane.

Wir erfuhren, dass Carol Whitney vor kurzem dieses Haus gekauft hatte.

Sie hatte sich „ihren wahrscheinlich seit langem gehegten Wunsch“ erfüllt, ein eigenes Atelier und eine eigene Galerie zu haben!

Hinter dieser opulenten und „aufgeräumten“ Fassade fanden wir uns inmitten eines maßlosen Chaos von verschiedensten Dingen wieder: Stuhl, Sessel, Tisch, Gebrauchsgegenstände aller Art türmten sich übereinander, waren dabei so verstreut, dass sie den großen Innenraum auf diese Weise ausfüllten. Über allem Chaos hingen gespenstisch zwei riesige Metallplatten von der Decke bis zum Boden herab. Es hatte sich dabei um einstige Deckenvertäfelungen gehandelt, die sich bereits aus ihrer Befestigung teilweise gelöst hatten.

Über dieses „Interieur“ waren wir sehr verwundert, weil wir damit nicht gerechnet hatten.

Doch, was erzählte dieses Haus?

Die Antwort:

Jene Häuser von Gracemont waren in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fluchtartig verlassen worden, als der große Finanz-Crash sich ereignet hatte! – Die Schicksale, die sich hinter den zurückgelassenen Dingen und der verlassenen Bleibe verbargen, drangen in ihrer traurigen Ausstrahlung in uns, ohne uns Details zu verraten!

Nachdem wir das Chaos ausreichend „bewundert“ hatten, waren wir zu einer Wand geführt worden, an der ein großes Blatt Papier befestigt worden war. Die Überschrift in deutscher Sprache („Der Stundenplan“) konnten wir gar nicht übersehen:

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Die senkrecht angeordnete Zahlenreihe links stand für die Anzahl der Tage unseres Aufenthalts, während all die beschriebenen Punkte sich auf bestimmte Tage bezogen hatten. Es erwartete uns also ein riesiges Programm!

„Der Stundenplan“ war ein verschmitzter Hinweis auf unsere Arbeitsweise und Planung – wie sie unsere Gäste bei uns in Bremen (Deutschland) empfunden hatten – zwar ohne Ankündigung mit einem Plakat…

Genau wie bei uns im vorigen Jahr (in Bremen) sollte es auch in Oklahoma zum Ende unseres Zusammentreffens drei Ausstellungen geben. Und dieses neu erworbene Haus war für einen der drei Ausstellungsorte vorgesehen.

Denn, hier in Oklahoma wollten unsere Gastgeber „die rote Erde vor uns ausbreiten“! – Und uns dabei mit der „Indian Time“ („indianischen Zeit“) – wie sie es nanntenvertraut machen.

Zum Arbeiten konnten wir uns hier alle einen Platz „freischaufeln“. Das war kein Problem. Der Hauskauf war ja so neu gewesen, dass für eine Innengestaltung noch keine Zeit gewesen war.

Carol Whitney hatte ihrer Galerie den Namen „Heaven“ („Himmel“) gegeben!

 Dieser riesige Innenraum, geprägt von den traurigen Zeitzeugen (den hinterlassenen Gegenständen), sollte nun „der Himmel“ werden!

Mit dieser Namensgebung hatte Carol Whitney eine große „Sehnsuchtswolke“ zum Ausdruck gebracht, wie ich meine:

Dort, wo Künstler Zusammentreffen, erhöhen sich Kreativität, Selbstausdruck und positive Gestimmtheit zu allen Menschen.

Eine Welle von hoch-frequentierenden Schwingungen entsteht so und erfüllt den Raum! – Diesen Zustand der Glückseligkeit hatten wir alle empfunden in der Gemeinschaft!

 Wir waren tatsächlich mitten drin in dieser sehnsuchtsvollen Wolke!

Mit ihrer enormen Energie und Tatkraft, die  Carol Whitney ausstrahlte, steckte sie alle an! Im Laufe der Zeit hatte es immer mal wieder eine Gelegenheit dazu gegeben, aus dem vorgefundenen Chaos einen Galerie-Innenraum mit reichlich Freiraum zu erschaffen!

„Das Atelier im Freien“

Des Weiteren gab es noch das „Atelier im Freien“. Auf dem obersten Foto (unten) ist der Torso einer Schaufensterpuppe vor den roten Klinkern einer Hauswand zu sehen. Dabei handelt es sich um die Hauswand des Gebäudes, in dem wir, die Gäste, wohnen konnten – so, wie wir es ähnlich in Bremen und Rotenburg (Deutschland) im Jahr davor auch organisiert hatten.

Dieser Torso hatte dem zum Haus gehörenden Grundstück gleich die Atmosphäre eines „Ateliers“ gegeben!

Auf dem Foto darunter sieht man Ronald Anderson (mit Hut) zusammen mit Heinz Hugel beim Erstellen eines Keilrahmens.

Hier hatten wir alle die Möglichkeit zum spontanen Arbeiten, ohne auf eine Autofahrt angewiesen zu sein.

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Fotos oben: „Das Atelier im Freien“,  Gracemont, Oklahoma

„Die Atelier-Tipis“

Zum Aufbau von drei Tipis waren gekommen: Sherman Chaddlesone und seine Frau Adeline (Allie), Sherman Chaddlesone’s Schwester, sowie sein Freund Marc (der ebenfalls Künstler ist). Ronald Anderson war sowieso täglich bei uns, wie es auch bei Carol Whitney der Fall war.

Die folgenden zwei Aufnahmen zeigen zwei Etappen währen des Tipi-Aufbaus. Auf den Fotos danach kann die nun entstandene neue Atmosphäre nachempfunden werden…

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Die Atelier-Tipis  . . . Fotos: Zwei Aufbau-Situationen (oben); Arbeitsatmosphäre mit den Tipis (darunter),  Gracemont, Oklahoma . . . Renate Hugel

Anmerkung: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA) . . . Renate Hugel