Monthly Archives: März 2016

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Heinz Hugel

   Künstler aus Bremen (Deutschland)

In “Kunstbegegnungen – 32” schreibe ich über ein großformatiges Kunstwerk von Heinz Hugel, das der Künstler www.communication genannt hat. Entstanden war es im Jahr 2001 in Gracemont, Oklahoma.

ODER: Was haben alte Zimmerdecken Vertäfelungen mit Kommunikation zu tun???

 Zu finden unter „Kunstbegegnungen“ – – – Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 32“

„www.communication“Oder: „Verschlüsselte Botschaften“

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Heinz Hugel: „www.communication“ – Oder: „Verschlüsselte Botschaften“ – – – Zwei Blechtafeln (einstige Zimmerdecken-Vertäfelung mit den Ausmaßen von je ca. 60 cm x 120 cm); Collage von Schoten des Johannisbrotbaumes, entsprechend der Anordnung der ausgetriebenen Metall-Dekor-Elementflächen – Foto: Jule Kaiser

„www.communication“ – Oder: „Verschlüsselte Botschaften“

Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes des Kunstwerks:

Das Kunstwerk „www.communication“ wurde von Heinz Hugel (hh) erstellt. Es besteht aus zwei Teilen, die er als Paar präsentiert hatte. Die beiden Grundelemente haben je die Ausmaße von ca. 60 cm x 120 cm und bestehen aus Metallplatten. Diese hatte hh in dem Chaos des großen Innenraumes der Galerie und des Ateliers „Heaven“ (siehe dazu „Kunstbegegnungen – 31“) gefunden und als „sein Ausgangsmaterial“ entdeckt, welches ursprünglich ein Teil der einstigen Zimmerdecken-Vertäfelung gewesen war.

Zunächst fällt auf, dass die linke Metall-Platte von hellerer Farbe geprägt ist. Die rechte Platte hingegen war wohl bereits während sehr langer Zeit eindringender Feuchtigkeit ausgeliefert gewesen, was an der intensiven Färbung durch Rost zu erkennen ist. Beide Platten waren einst dekorativ gestaltet worden mit waagerechten Reihen, bzw. senkrechten Säulen von ovalen Elementen, entstanden durch Austreiben des Metalls.

Nachdem hh die Metall-Platten gereinigt und behandelt hatte, brachte er weitere Fundstücke ins Spiel: Auf dem Grundstück von Ronald Anderson standen u.a. auch Johannisbrotbäume. Teilweise waren ganze Areale von Johannisbrotbaum-Schoten bedeckt. Die Johannisbrotbaum-Schoten sind ziemlich groß (ca. 15 cm) und äußerst hart!

Auch diese hatten hh inspiriert und dazu motiviert, sie haufenweise aufzusammeln.

Irgendwann war beides zusammengekommen: Alle ausgetriebenen Metall-Dekore der beiden Metall-Platten hatte Heinz Hugel mit einer Johannisbrotbaum-Schote versehen und diese aufgeklebt. Entstanden waren Reihungen…

Wenn man die Schoten – Reihungen auf der linken Platte betrachtet, stellt man fest, dass dort die hell- oder dunkelbraunen Schoten verklebt worden waren – also die, in der natürlichen Farbe der Johannisbrotbaum – Schoten.

Auf der rechten Platte hingegen fallen sofort vorwiegend weiß eingefärbte Schoten auf; sogar je eine rot und schwarz gefärbte Schote ist auszumachen zwischen etlichen durchaus in natürlicher Farbe belassenen.

Noch etwas ist anders als auf der linken Seite!

Es fällt nicht unbedingt sofort auf, doch irgendwann stolpert der Blick unweigerlich über Steine, welche wie Platzhalter auf etlichen Feldern verklebt worden waren – anstelle von Schoten.

Interpretation von „www.communication“:

Der erste Eindruck mag sein, bei dieser Anordnung die Assoziation einer Ordnung zur Systematisierung zu haben, so, wie sie frühere Biologen – z. B. zum Verständnis von Familien, Arten oder Unterarten von „Natur“ – im weitesten Sinne – erstellt hatten.

Meine Überlegungen zu „Kommunikation“ beziehen sich zunächst auf die Begegnung von technisch Gefertigtem (einstige Zimmerdecken-Vertäfelung) – vor allem dem „Plan“ dahinter – mit dem von der Natur Hervorgebrachten (den Johannisbrotbaum-Schoten).

Die große Energie gepaart mit unbändigem Willen zum Leben, das ist „das Kapital der Natur“ – symbolisiert durch die Schoten! Die „Ordnung durch Anordnung“ ist Symbol für das Einengen spontaner innerer Energie in ein Ordnungssystem und stellt gleichzeitig „das Vorgehen des menschlichen Geistes“ dar.

Diese zwei Gegensätze sind auf der ehemaligen Zimmerdecken-Vertäfelung vereint!

Beim Betrachten der abstrakten Reihungen dieser Schoten ersteht in mir folgende Vorstellung: Jede einzelne Schote birgt in sich mehrfach die biologischen Informationen dafür, dass je ein neuer Johannisbrotbaum erstehen kann! Die Speicherung von Informationen zur Entstehung von Leben nach einem vorgegebenen Plan ist das Vorgehen der gesamten Natur – und die Johannisbrotbaum-Schote ist hier durchaus exemplarisch für alle übrigen ursprünglichen Lebensformen zu sehen.

Dieser innere Plan steht im Gegensatz zu dem äußeren Vorgehen, den verborgenen Geheimnissen von Natur auf die Spur zu kommen. Eine auf beiden Seiten besondere Form von Kommunikation mit der Zukunft!

Mit dieser Aussage meine ich vor allem die linke Platte des Gesamtkunstwerkes, auf der die Schoten in ihrer natürlichen Farbe aufgeklebt worden waren.

Auf der rechten Seite fällt sofort auf, dass die meisten Schoten dort farbig erscheinen: Etliche Schoten tragen eine weiße Farbe. Um zu entdecken, dass es je eine farbige Schote in rot und schwarz gibt, braucht es eine Weile.

Heinz Hugel sagt dazu, dass diese Farben die amerikanische Gesellschaft symbolisieren sollen. Die Farbe Weiß steht für die weiße Bevölkerung, das Rot für die amerikanischen Ureinwohner, das Schwarz für die Afro-Amerikaner.

Die Farben stehen für Menschen und drücken die „gefühlte Präsenz in der Wahrnehmung“ innerhalb der gesamten amerikanischen Gesellschaft aus.  

Die beinahe uneingeschränkte Präsenz von Weiß auf der rechten Platte kann nicht übersehen werden. – Es besteht dort ein Konsens von Akzeptanz.

Im Sinne dieser Akzeptanz fühlen sich Rot und Schwarz so gut wie gar nicht wahrgenommen von der Gesamtheit Amerikas …

Mit diesem rechten Teil seines Kunstwerkes hatte hh „unmittelbar“ auf das vorherrschende Lebensgefühl hier in Oklahoma reagiert, welches sich uns Gästen vermittelte.

Im Zusammenhang mit unserem Projekt (Begegnung von Kunst und Künstlern amerikanischer Ureinwohner und europäischer Künstler) beziehe ich mich in meinen folgenden Ausführungen auf die Farbe Rot.

Oben links auf diesem rechten Teil des „Platten-Paares“ sind nicht Schoten (die für Menschen stehen), sondern Steine zu sehen. Dort, an dieser Position des ANFANGS, herrscht die Ödnis einer Steinwüste. Und am Anfang gab es ja auf diesem Kontinent ausschließlich die Ureinwohner. Darin sehe ich daher ein Sinnbild dafür:

Die biologischen Datenbanken der amerikanischen Ureinwohner hatten einen vernichtenden Eingriff erfahren. Der massive Verlust des „biologischen Gedächtnisses“ bedingt einen gravierenden Verlust im Bereich des sozialen Gedächtnisses, wie Weitergabe von Sprache (= Kommunikation), sozialem gewachsenen Gefüge, Ritualen, Handwerk oder Kunsthandwerk etc.…

Genau diese zumeist nicht aufgearbeitete Vergangenheit der amerikanischen Ureinwohner bestimmen heutzutage ihre Selbstwahrnehmung, Lebensgefühl, wie auch die Art der Kommunikation u. a. – …

Heinz Hugel hat allerdings noch eine weitere Sichtweise ins Spiel gebracht. Mit dem von ihm gewählten Titel „www.communication“ deutet er den Aspekt von Kommunikation an, der inzwischen „angekommen“ war in der Realität der Bevölkerung:

Die Art und Weise von Kommunikation hatte sich im Laufe der Jahre (vor und bis 2001) weltweit einem großen Wandel unterzogen durch die immer präsenter werdenden neuen Kommunikationsmöglichkeiten mit Handy und, oder Internet. Die Reihungen mögen im weitesten Sinne als Datenreihen des Binärsystems gesehen werden, das hinter dieser neuen Technik steht. Eine neue „Sprache“, die der Wirklichkeit ein „zweites Gesicht“ gibt. – Oder soll ich sagen „ein zig-faches Gesicht“?…

Hier in Oklahoma war es allen enorm wichtig gewesen, in dieser Hinsicht auf dem aktuellen Stand der Technik und Kommunikationsform zu sein – so wie wir es gespürt und erlebt hatten! Möglichst allen Bewohnern der Region sollte ein Zugang zur Nutzung der „neuen Medien“ geboten werden. Unsere Gastgeber waren natürlich bereits alle sehr fit im Umgang mit den „neuen Medien“ zur Kommunikation.

Jener Hinweis auf den „Wandel“ „von der weltweit möglichen Kommunikation per Internet, bzw. Handy“ entspricht einer Momentaufnahme von 2001 – was wir für unseren heutigen Stand dieser Entwicklung auch behaupten können! – – –  – „www.communication“!

                 Interpretation: Renate Hugel

Fotos, die während des Entstehungsprozesses von   „www.communication“ entstanden sind:

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Heinz Hugel bei der Planung von „www.comunication“

Auf dem Foto unten sind diese beiden Vertäfelungs-Platten zu sehen, so, wie sie aus dem „Heaven“ herausgeschafft worden waren:

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Heinz Hugel betrachtet die beiden ausgewählten Metallplatten und überlegt sein Konzept für die Erstellung seines Kunstwerkes.

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Heinz Hugel (links im Bild) beim Säubern und Streichen der Metallplatten. Rechts im Bild arbeitet Ronald Anderson an seinem künstlerischen Vorhaben. – – –  Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Heinz Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 7, 15, 21 und 32“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“. – In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA) – – – Renate Hugel

Kurzbiographie:

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heinz hugel

1936: Heinz Hugel wurde in Bremen geboren.

1976, seit: Tätigkeit im künstlerischen Bereich, u.a. in der Erwachsenenbildung

1981, ab: Freischaffender Künstler

1982: Gründung einer Galerie

1990: Beitritt zur Künstlergruppe „Der Bogen“

1992: Gründungsmitglied der Gruppe „Quintum“ (Vereinigung internationaler Künstler)

2000: Symposium „Begegnung von Künstlern der Ureinwohner Amerika und Künstlern aus Deutschland (in einem Fall aus Bulgarien) (Mitorganisation)

2001: Studienreise nach Oklahoma / USA („Gegenbesuch“),

Erweiterung der Gruppe „Quintum“ in „Quintum international“

2002: Zertifikat der Hochschule Bremen – Studium bei Professor Uwe Mempel, Schwerpunkt „Kunstpraxis“ – „Experimentelle Keramik“

2007: Mitglied der Gruppe „Kunst in der Provinz“

2009: Mitglied der Gruppe Art – Projekt

2013, ab: Rückzug wegen gesundheitlicher Probleme

Ausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen: (Auswahl)

Bremen, Borgholzhausen, Herford, Hamburg, Kiel, Kleestadt, Großumstadt, Langenargen (Bodensee), Loidved (Dänemark), München, New York, (USA), Oklahoma (USA), Rose State College (Oklahoma City, USA), Tribes Gallery (Norman, USA), Heaven, Internationale Ausst.: „German and Anadarko Basin Artists” (Gracemont, USA), Siklos (Ungarn), Tekomatorp (Schweden), Tournus (Frankreich), Zwolle (Niederlande)

Div. Ausstellungen in Niedersachsen (Deutschland): Bassum, Bruchhausen – Vilsen: Klostermühle Heiligenberg, Delmenhorst, Diepholz, Kirchdorf, Lemwerder, Oldendorf, Osterholz-Scharmbeck, Rotenburg, Wümme, Schneesen, Sulingen, Syke, Wagenfeld, Weertzen, Weyhe, Wildeshausen, Worpswede – – – Heinz Hugel

Zu Ihrer Information:

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“Oklahoma Art Updates – 1”

Jayden NiCole Hatfield:

  – Autodidaktische Künstlerin amerikanischer Ureinwohner –

Foto oben: Abbildung des Kunstwerks „Cheyenne Girl“ von Jayden NiCole Hatfield

Juanita Pahdopony hat ihren ersten Artikel unter „Oklahoma Art Updates – 1“ veröffentlicht mit folgendem Titel: Jayden NiCole Hatfield:  “Eine rührige Person, die etwas bewegt”

Darin stellt sie die interessante Künstlerin Jayden NiCole Hatfield mit etlichen Bildbeispielen vor.

Zu finden unter „Oklahoma Art Updates“

Renate Hugel

“Oklahoma Art Updates – 1”

Jayden NiCole Hatfield:

 “Eine rührige Person, die etwas bewegt”

1_Cheyenne girl image 12_Anadarko mural

3_The Closing Speech 18654_Khoiye5_wife of the goat numunuuFotos, von oben nach unten:

1) Cheyenne Mädchen; 2) Wandgemälde in Anadarko; 3): Die abschließende Rede 1865

 4) Khoiye; 5) Frau der Ziege Numunuu

J. NiCole Hatfield

Nahmi-A-Piah (= Comanche Mutter)

Comanche/ Kiowa (Numunu/ Khoiye-Goo)

Nicole Hatfield ist als Künstlerin amerikanischer Ureinwohner (Comanche/Kiowa) eine Autodidaktin. Sie kommt aus Apache (einer kleinen ländlichen Stadt in der Nähe von Lawton, Oklahoma), und malt in einem kühnen zeitgenössischen Stil. Bei vielen ihrer Bilder hat sie sich von dem Studium historischer Fotografien inspirieren lassen. Die in ihrer Kunst kühne Verwendung der Primärfarben korreliert mit ihrem Stolz und ihrer Stärke als eine amerikanische Ureinwohnerin. Damit gibt sie den dargestellten Personen eine Stimme mit ihrer Kunst. Die Künstlerin sieht darin eine Art, diese einst fotografierten Personen zu ehren.

Für ihre Arbeit verwendet sie dramatische Acrylfarben, und ihre Themen sind in erster Linie amerikanische Ureinwohner. Sie gehört dem „Institut für Kunst amerikanischer Indianer“ an (Institute of American Indian Art: IAIA). Mit ihren überlebensgroßen Wandgemälden, zu finden in Anadarko, Oklahoma) reflektiert sie ihre Kultur und ihre Erfahrungen.

Ihre Wandgemälde haben die Aufmerksamkeit von Touristen, Zeitschriften, und von Sammlern auf sich gezogen, die zeitgenössische Kunst amerikanischer Ureinwohner schätzen.

Frau Hatfield übersetzt mit ihrer Kunst Stammesgeschichten als visuelle Schilderungen, und sie hofft darauf, dass ihre Kunst die Stammesjugend dazu inspiriert, auch die Traditionen ihrer Leute auch neu zu erschaffen und fortzusetzen.

Juanita Pahdopony