Monthly Archives: Juni 2016

„Kunstbegegnungen – 36“

– Juanita Pahdopony –

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Juanita Pahdopony  – Künstlerin amerikanischer Ureinwohner “Comanche Education”

(“Comanche Bildung”), Mischtechnik mit Collage, Öl Pastell, Acrylfarben und Bleistift, Größe: 18 x 24 Fuß, bzw. 53 cm x 36, 6 cm.

Dieses ist ein Kunstwerk von Juanita Pahdopony, einer eingeschriebenen Bürgerin der Comanche Nation.

Widmung:

Ich, Renate Hugel, möchte meine Interpretation unter die folgende Aussage stellen, die auch Juanita Pahdopony einmal zu ihrem Bild „Comanche Bildung“ als Leitsatz gewählt hatte und die auf die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse hinweist:

„Bereits im Mutterleib hört der Fötus seine Muttersprache“.

“Comanche Education”  (“Comanche Bildung”)

Ich beginne mit dem Statement von Juanita Pahdopony (JuPa) zu ihrem Kunstwerk „Comanche Bildung“, das sie mir 2015 schriftlich gegeben hatte, während wir es mündlich bereits gehört hatten im Jahr 2001:

„Dies ist ein Kunstwerk in Mischtechnik von Juanita Pahdopony, einem eingeschriebenen Mitglied der Comanche Nation. Es wurde mit einem Werk des deutschen Künstlers Heinz Hugel getauscht. Der Titel meiner Arbeit ist „Comanche Bildung“ und stellt wehmütiges Denken dar darüber, was hätte geschehen können, wenn die Comanche Kinder und die der anderen Stammesnationen ihre eigene Bildung gehabt hätten. Schließlich verursachten die Wirkung von Internatsschulen und die Geschichte von Verschiebung einen verheerenden Schlag auf Stammessprache, Kultur und Geschichte der amerikanischen Ureinwohner“…  (Soweit Juanita Pahdopony)

Das Kunstwerk „Comanche Bildung“ lässt den Betrachter auf eine Schultafel blicken: Das Schwarz der Schultafel-Farbe assoziiert – zusammen mit dem typischen Weiß der Tafelkreide – die Situation „Schule“. Dieses wird spontan eigene Erinnerungen an „Schule“ auslösen, beim allerersten Blick. Verstärkend wirken darüber hinaus die ungelenk gezogenen Linien, die  bewusst akkurat geschriebenen Druckbuchstaben der Worte, wie auch die an einigen Stellen angedeuteten Wischspuren…

Doch, was bedeuten die hier geschriebenen Worte? …

Der realistischen Darstellung der „Schultafel – Szene“ stehen – beinahe irreal – phantastische Bildgebungen am oberen Bildrand, sowie auf der in etwa unteren Hälfte der Bildfläche gegenüber. Dieser harte Kontrast scheint die eben genannten Bildteile einzutauchen in eine Traum – Atmosphäre…

Der obere Bildrand wird bestimmt von einer Fläche in Grautönen. Irgendwie scheint das Grau in Bewegung geraten zu sein.

Es ist anzunehmen, dass das ursprüngliche Grau eintönig ist und somit den tristen Alltag der amerikanischen Ureinwohner spiegelt, nachdem sie ihre Sprache, ihre Traditionen und ihre Kultur aufzugeben gezwungen worden waren.

In der hier gezeigten „Traumzeit“ tritt das Triste dieses Grau in den Hintergrund und wird aufgehellt von poetisch anmutenden hellen Farbtönen, die das Grau beispielsweise hellblau oder grau-weiß erscheinen lassen. Die eindeutigen Linienspuren sind Spiralen, die an der Zeit zu drehen scheinen und so zurückführen in die oben erwähnte Vergangenheit…

Dort in dieser Vergangenheit angelangt, schiebt sich diese Schultafel ins Traumbewusstsein, so dass sie konkret und real wirkt. Eine Realität, die nur im Traum existiert: Auf den Kreidelinien sind Worte der Comanche Sprache zu sehen, die wir zwar lesen aber nicht verstehen können. Die Sprachen der amerikanischen Ureinwohner sind weitgehend verloren gegangen. Heutzutage „rekonstruieren“ engagierte Ureinwohner diese Sprachen  – so weit wie eben möglich. Juanita Pahdopony, die sich ebenfalls mit der Sprache ihrer Vorfahren beschäftigt, konnte mir die Übersetzung der von ihr hier aufgeschriebenen Wörter nennen:

Sari = Dog (Hund)

Wahoo= Cat (Katze)

Kahoo = Cat (Katze)

Ko Ko Kahni = Chicken coop or chicken house (Hühnerstall oder Hühnerhaus

Numu Kutsu = Comanche Cow or Buffalo (Comanche Kuh oder Büffel)

Die dargestellte „Schultafel-Szene“ wirkt sehr real, wie ich oben schon erwähnt hatte, und das, obwohl es sich um eine Traum-Vision handelt. Tatsächlich tritt das Tagesbewusstsein zurück, wenn wir schlafen und träumen. Das Traumgeschehen wirkt dagegen real für die Zeit, in der wir uns im Traumgeschehen befinden. Genau das sagt JuPa mit ihrer Malweise aus.

Auf der unteren Hälfte ihres Bildes, bzw. der Schultafel, hat JuPa das gemalt, was sie sich für die Kinder ihrer Vorfahren gewünscht hätte: Dazu zählt das Schulgebäude, das als einfaches Haus links neben einem T-Shirt (rechts außen) auszumachen ist. Auch sind Hosen und Hemden zu erkennen, denn JuPa hätte gerne eine Schule für die Kinder ihrer Ahnen gehabt, wo sie eine Schulkleidung tragen können und in ihrer eigenen Sprache und Kultur unterrichtet werden!

Sich zu entfalten und ein Selbstbewusstsein zu entwickeln – das hätte JuPa sich gewünscht für die Kinder ihrer Ahnen!

Jedes Kind wäre so ein „Star“ geworden mit einer strahlenden Selbstwahrnehmung!

Die dargestellten Sterne zeigen es deutlich: Ein inneres Leuchten, das nach außen strahlt, kann sich nur so etablieren. Die Persönlichkeit dieser jungen Menschen wäre eine gesunde geworden! Doch traurige Realität war es gewesen, im tristen Grau zu versinken, denn ihre Eltern hatten (in ihrer desolaten Situation) leider nichts anderes an sie weiterreichen können! Zum Besuch der Internatsschulen waren die Kinder dann von ihren Eltern getrennt worden. Dort war ihr Denken hineingewachsen in eine Gedanken- und Sprachwelt, welche das gewachsene Fühlen, Handeln und Denken ganz anderer Kulturen in sich bargen – etabliert über Jahrhunderte, selbst Jahrtausende hinweg! Gleichzeitig war die eigene Kultur für die jungen Menschen verloren gegangen!

Mit diesem Kunstwerk macht Juanita Pahdopony auf diese inneren Prozesse aufmerksam! Darum gelten ihre positiven Gedanken und sehnsuchtsvollen Wünsche, die sie in ihrem Kunstwerk „Comanche Bildung“ zum Ausdruck gebracht hat, ihren Ahnen…  

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Juanita Pahdopony  (Künstlerin amerikanischer Ureinwohner)

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Juanita Pahdopony (Comanche)

Juanita Pahdopony: „Ich bin bereits mein ganzes Leben eine Comanche-Künstlerin. Meine erste frühe Erinnerung ist, dass ich einen berühmten deutschen Druck ansehen sollte, auf dem zwei kleine Kinder zu sehen waren, die eine wackelige Brücke unter dem Schutz eines schönen Engels überqueren. Bestimmt war es ein großartiger Anfang, dass Dinge kommen, sich entwickeln.

Im Jahr 1990 graduierte ich mit einem „Master of Education“ in Förderung, Bildung  begabter und talentierter Menschen. Die Betonung liegt auf Förderung, Bildung amerikanischer Ureinwohner (indianischer Menschen der  einheimischen Bevölkerungen aus Alaska). Mein Nebenfach war Kunsttherapie. Später in meinem Leben war ich an einer Fakultät, dann der Dekan (die Dekanin) für akademische Angelegenheiten. Nach meinem Ruhestand diente ich als eine ‚Übergangs-‚Präsidentin des Comanche Nationencolleges‘…“  Juanita Pahdopony

Anmerkung:

Dieser Text oben von Juanita Pahdopony zu ihrer eigenen Person ist im Ausschnitt ihrem Text auf HOME (vom 01. Januar 2016) entnommen worden, womit sie sich vorgestellt hatte als Co-Autorin unter „Oklahoma Art Updates by Juanita Pahdopony“.    Renate Hugel

 Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Juanita Pahdopony habe ich unter „Kunstbegegnungen“ den Beitrag „Kunstbegegnungen – 36“geschrieben.

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA)                                                        Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

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Willi Griephan: Der „Hütebaum“

Heute möchte ich darauf hinweisen, dass ich in “Kunstbegegnungen – 33” über die Baum-Skulptur „Hütebaum“ von Willi Griephan (aus Bremen, Deutschland) geschrieben habe.

In Anschluss an meine Interpretation folgt eine Darstellung von Willi Griephan selbst – zu seiner Person, Motivation und Gestaltungsabsicht, die zum „Hütebaum“ geführt hatte.

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“

 Angaben zum Foto oben:

Ausschnitt meiner Aufnahme vom „Hütebaum“ von 2001

Renate Hugel