Monthly Archives: August 2016

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Roland Schneeweiss

(Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln):

„Kukeri“

Beim Lesen dieses Beitrages, “Kunstbegegnungen – 38”,

erleben Sie eine Kunstbegegnung mit einer bulgarischen Tradition!

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 Renate Hugel 

 

„Kunstbegegnungen – 38“

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Bildangaben: Roland Schneeweiss (Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln): „Kukeri“, Gravur

Roland Schneeweiss: “Kukeri”

Oder: Kunstbegegnung mit einer bulgarischen Tradition

Anmerkung vorab: Roland Schneeweiss (R.S.) hatte es im Jahr 2001 leider nicht einrichten können, mit uns zusammen nach Oklahoma zu fliegen. Das war sehr schade gewesen – für uns alle, besonders für ihn selbst. – – – Vor einiger Zeit hatte R.S. mir einige Kopien von einigen seiner Werke zugesandt. Er wünschte sich, dass ich für ihn einen Beitrag zur Kunstbegegnung in Oklahoma schreibe…        Renate Hugel

„Kukeri“ ist der Titel der Gravur-Arbeit oben. Damit nimmt Roland Schneeweiss (R.S.) Bezug auf eine alte bulgarische Tradition während des Karneval.

Sinngemäß hat mir Schneeweiss dazu folgende Zeilen geschrieben:

Diese Folklore-Tänzer heißen „Kukeri“. Ihr Tanz symbolisiert die Fruchtbarkeit. Dabei tragen sie Holzsäbel gegen das Böse.

Zunächst blickt der Betrachter in etliche Augenpaare, welche zu den Maskenträgern gehören. In enormer Präsenz erscheint eine Ballung von Masken. Der Bildrand oben und an den Seiten wird bestimmt von dynamisch gesetzten Linien und Dreiecken – in unterschiedlicher Stärke. Dadurch lässt R.S. den Betrachter die enorme Energie spüren, die die Maskenträger während der Tänze aufbringen. Insgesamt wirkt diese grafische Arbeit somit wie ein Ausschnitt aus einer viel größeren Menge von Maskenträgern. Sie haben offenbar unterschiedlich gearbeitete Masken. Ihnen gemeinsam ist der vorwiegend geradlinig und kantig gearbeitete Gesichtsausdruck – jenseits organisch verlaufender Gesichtsmerkmale.

Ein von R.S. oben erwähnter Säbelzum Kampf gegen das Böse – wird oben links im Bild hochgehalten. Dieser Kampf gilt dem Bösen an sich. Darin liegt eine gewisse Abstraktion und, wie ich meine, vor allem philosophisches Denken: Denn, die aufgebrachte Energie zur Abwehr richtet sich nicht an eine andere Person oder Personen, auch nicht gegen andere Gruppen. Wie ist das Böse an sich zu verstehen und wo ist es zu finden? Eine Antwort darauf suche ich, indem ich weiteren Hinweisen nachgehe, die die Entschlossenheit der Tänzer zur Abwehr des Bösen beweisen:

Im Vordergrund ist zu erkennen, dass zusätzlich auch Kuhglocken getragen werden. Durch die Bewegungen während der Tänze werden sie zum Klingen gebracht. R.S. hat auf seinem Blatt die Kuhglocken in ihrer Formenvielfalt gezeigt und sie zu einer Gesamtkomposition verdichtet. So werden die Kuhglocken unübersehbar und gleichzeitig auch so gut wie „unüberhörbar“!

Der Kuhglockenklang erhält damit eine gewichtige Bedeutung! Dieser komme ich auf die Spur, wenn ich bedenke, welche Assoziation der blecherne Klang auslöst: Die Welt ist in Ordnung, wenn die Lebensversicherung „Kuh“ als die Nahrung-Spendende nicht verloren gegangen ist! Der Klang der Glocken assoziiert also: Sich beschützt fühlen, weil die Glocken davon zeugen, dass das Leben gesichert ist (durch die Existenz der Kuh) und alles gut läuft. Das Böse hingegen kennt keine Verlässlichkeit und kann den Kuhglockenklang somit auch nicht in dieser Weise interpretieren. Für das Böse ist das Geläut lediglich höllischer Lärm! Und genau dadurch wollen die Tänzer das Böse verjagen.

Ein weiteres Indiz zur Verstärkung des Kampfes gegen das Böse ist der Gesichtsausdruck der Masken. Diese sind überwiegend kantig gestaltet, was das Entschlossen-Sein in ihrer Mimik hervorhebt: Die Menschen dahinter wollen wirklich das Böse vertreiben! Dass das Böse in ihrer Welt absolut keine Chance hat, bekräftigen die Masken der Tänzer darüber hinaus noch mit ihrer „ausgestreckten Zunge“, von denen eine solche Maske vorne rechts im Blickfeld des Betrachters liegt. Dieses Detail finde ich in diesem Zusammenhang aussagekräftig, denn mit ausgestreckter Zunge sind alle inneren Antennen blockiert, um mit seinem Gegenüber in inneren, kommunikativen Kontakt zu treten, oder gar etwas von diesem Gegenüber in sich selbst seelisch aufzunehmen.

Der Tanz der Kukeri symbolisiert die Fruchtbarkeit, so hatte es R.S. formuliert. Wie oben beschrieben besteht das Hauptanliegen der Tänzer darin, das Böse zu bekämpfen. Die Fruchtbarkeit steht also offenbar für das Gute: Alles, was dem Leben zuträglich ist, lässt das Gute entstehen. Früchte zu tragen ist das Ergebnis von unendlich vielen Handlungen, die der Natur zuarbeiten. Und das heißt, sich den Gesetzen der Natur nicht entgegenzustellen. Denn, das Wachsen in der Natur und der Natur will ungestört sich ereignen, mit dem Ziel, neue Früchte hervorzubringen… Diese großartige Leistung von Reproduktion innerhalb natürlicher Gleichgewichte, welche in der Fruchtbarkeit gipfelt, verdanken die Menschen den vegetativen Prozessen in allem Lebendigen! Wird so ein Gleichgewicht gestört, antwortet die Natur darauf mit entsprechenden negativen Folgen. Es ist ein Akt des Verstehens von Zusammenhängen, um zu realisieren, worauf das sog. Böse zurückzuführen ist! … Und dieses wurde verursacht durch Unachtsamkeit! Denn: Achtsamkeit ist eine innere Haltung, die alles im Gleichgewicht hält – die äußere, wie auch die innere Welt!

Somit gilt der Kampf gegen das Böse nicht nur äußeren katastrophalen Naturereignissen, sondern vor allem dem eigenen inneren Menschen, der mit seiner inneren Haltung die natürlichen Prozesse von Wachstum fördern oder blockieren kann!

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, was R.S. mir – sinngemäß – auch noch geschrieben hat: In Bulgarien werden heutzutage die Masken scherzhaft „Weisheit“ genannt. Das sei ein ironischer Hinweis auf den Wissenschaftler Albert Einstein, von dem ja ein Portrait-Foto mit ausgestreckter Zunge existiert

Meine Gedanken dazu: Nimmt Einstein mit dieser Pose selbst Abstand von seiner eigenen wissenschaftlichen Entdeckung???

Es mag ihm bewusst geworden sein, dass seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse den geläuterten und verantwortungsvollen Menschen erfordern. Gut und Böse liegen ganz dicht beieinander und sind eine Frage von innerer Haltung – eines jeden Menschen…

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Roland Schneeweiss 

(Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln)

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Roland Schneeweiss:

Linkes Foto: Aus dem Jahr 2000 während des Symposiums in Bremen, Deutschland

Rechtes Foto: Aus dem Jahr 2015 in Burgas, Bulgarien (vor der Ankündigung seiner Ausstellung im September 2015, anlässlich seines 80. Geburtstags am 25. 07. 2015)

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Roland Schneeweiss: „Karnobat im 19. Jahrhundert“

(Die bulgarische Heimatstadt von R.S.)

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Roland Schneeweiss: „Der Aufstieg“

(Kunst im öffentlichen Raum von Karnobat, Bulgarien, Beton)

Roland Schneeweiss

 wurde 1935 in Leisning (Sachsen in Deutschland) geboren. Durch die Kriegswirren kam seine Familie nach Bulgarien. Dort, in der Kleinstadt Karnobat ist er aufgewachsen und sozialisiert worden. An der Kunstakademie in Sofia studierte er Kunst.

Arbeiten von Roland Schneeweiss befinden sich in der bulgarischen Nationalgalerie in Sofia, sowie in vielen anderen Galerien des Landes und in der grafischen Galerie in Pittsburg (USA).

Von 1988 an lebte und arbeitete Roland Schneeweiss in Rotenburg (Wümme), einer Stadt, die zwischen Hamburg und Bremen (Deutschland) liegt. Beruflich widmete er sich u. a. der zeichnerischen Dokumentation von archäologischen Funden und Erkenntnissen, was ihn interessierte und ihm sehr viel Freude bereitet hatte. Für seine künstlerische Tätigkeit stand ihm sein „Atelier auf der Wiese“ zur Verfügung. Heute lebt er bereits einige Jahre wieder in Karnobat (Bulgarien).

Teilnahme an internationalen Kunstausstellungen:

Ab 1965:

  • Teilnahme an „Ausstellungen der Bulgarischen Kunst“ in

Österreich, Algerien, Indien, Spanien, Kuba, Mexiko, UDSSR,

Deutschland und USA

  • Mehrmalige Teilnahme an der „Biennale für moderne Grafik“ in Varna, Bulgarien (ab 1981)
  • Mehrmalige Teilnahme an internationalen Kunstausstellungen im Kulturzentrum Jockrim bei Landau (1981 – 1985)
  • Teilnahme an internationalen Ausstellungen in Wien (1990), Österreich, New York City, USA (1995) und in Lahti, Finnland (1998)

Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland: Syke, Lemgo, Bremen, Buchholz, Rotenburg (Wümme), Braunschweig, Lilienthal (bei Bremen) und Hamburg

Sonstige Betätigung und Auszeichnungen:

  • Künstlerische Innengestaltung und Kunst am Bau in ethnographischen und historischen Museen des Landes Bulgarien (ab 1965)
  • Monumentale, plastische und malerische Wandgestaltungen in Bulgarien und in Moskau (ab 1965)
  • Medaille für 1300 Jahre bulgarischer Staat (1984)
  • Orden des bulgarischen Kulturministeriums für Kunst, Kyrill und Methody III (1984)
  • Medaille für Wandgestaltung vom Bulgarischen Innenhandelsministerium (1986)
  • Mitglied im Bund Bulgarischer Künstler (seit 1970)
  • Mitglied im Verein „Kunst in der Provinz e. V.“, Niedersachsen, Deutschland (seit 1991)
  • Gründungsmitglied der Gruppe „Quintum“, Bremen, Deutschland
  • Teilnahme an den Ausstellungen zum Abschluss des Symposiums „Versuch einer Begegnung: Künstler Amerikanischer Ureinwohner – Europäische Künstler“ in Bremen, Deutschland, 2000
  • Teilnahme an FOOTPRINT INTERNATIONAL 2014 in Norwalk, USA
  • Ausstellungen in Bourgas und Karnobat, 2015 (Bulgarien)
  • Teilnahme an der Internationalen Ausstellung in Varna, 2015 (Bulgarien)
  • 2016 Teilnahme: International Watercolor Triennal Exhibition – Varna (Bulgarien)

Hinweis auf Urheber:

Meine Auflistung der Lebensdaten, wie auch die der künstlerischen Aktivitäten von Roland Schneeweiss (bis 1991) beziehen sich auf eine Zusammenstellung, die Schneeweiss selbst einmal für sich erarbeitet hatte. Die Angaben zu seinen Ausstellungen ab 2014 beziehen sich auf Informationen aus der Korrespondenz mit R.S. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

                                               Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Roland Schneeweiss habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 8, 14 und 38“ geschrieben.

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.