„Kunstbegegnungen – 39“

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Heinz Hugel: “the pair…”

Skulptur aus Fundstücken (2001),

Steinplatte, Holzbohlen, Blech-Applikationen, z.T. vermalte „rote Erde“ aus Oklahoma

Angaben zur Fotomontage: “die zwei… vor verbrannter Erde“ von Oklahoma

Ansicht: Fotos: 2001, Bildmontage: 2002, Heinz Hugel

Anmerkung:

Heinz Hugel hatte Juanita Pahdopony seine Skulptur „the pair…“ gegeben im Tausch für ihr Kunstwerk „Comanche-Bildung“. (Siehe dazu „Kunstbegegnungen – 36“)

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Heinz Hugel:  „the pair“ – Oder: „In Asche und in Trauer“

Foto der eigenen Skulptur (Rückseite): „the pair“  (2001)

„the pair“…

Der 29. September 2001 war der „Friedenstag“. Wir (unsere Gastgeber und wir, die Gäste aus Deutschland) waren eingeladen worden, an der Friedenszeremonie Amerikanischer Ureinwohner in einer Schule in Anadarko teilzunehmen. Das Hauptanliegen war in diesem Jahr das Gedenken an die Opfer des „11. September 2001“ gewesen.

Zu den Teilnehmern der Friedenszeremonie zählten neben den Schülerinnen und Schülern, wie auch den Lehrkräften der Schule, die geladenen Gäste. Als Verantwortliche konnten wir u.a. die Schulleiterin wahrnehmen. Außerdem gehörte Linda S. Poolaw (Delaware / Dramatikerin, Fotografin, Kuratorin und Pädagogin*) zu den geladenen Gästen (*Siehe dazu: „Chronologie der Vorgeschichte“ unter „Kunstbegegnungen“).

Die Friedenszeremonie hatte mit dem Ausheben von Erde begonnen, denn es war geplant, einen jungen Baum zu pflanzen. Auf dem quadratischen Foto ist zu sehen, dass er bereits in die Erde gepflanzt worden war; dennoch war das ausgehobene Erdloch noch während der Zeremonie offen geblieben…

Es folgten einige Ansprachen, die sich aktuell auf den 11. September 2001 bezogen hatten.

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Angaben zum Foto: Vorbereitung: Pflanzen eines jungen Baumes + der Zeremonie

Anschließend bildeten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine lange, etwa kreis- bis oval förmige Kette. Und jeder erhielt eine kleine Schleife.

Diese Schleifenbänder waren in den Farben Weiß, Schwarz, Rot und Gelb gehalten. Das sind die vier Farben, die für die Lebensphilosophie der amerikanischen Ureinwohner stehen:

Eine jede Farbe hat eine bestimmte Bedeutung. In ihrer Gesamtheit bilden sie das Koordinatensystem, das den Menschen Orientierung gibt.

Dazu zählen beispielsweise die vier Himmelsrichtungen, wie auch die Winde aus allen Richtungen, die vier Altersabschnitte im Leben eines Menschen, es gibt Entsprechungen bei den vier Jahreszeiten, wie auch bei den Tagesabschnitten…   (siehe dazu auch „Kunstbegegnungen – 16“)

Ich habe hiermit nur sehr kurz die besondere Philosophie skizziert, die den vier Farben zugrunde liegt. Mit ihrer Position, zugeordnet zu je einer Himmelsrichtung, den Windrichtungen und, oder den einzelnen Altersabschnitten des Menschen beispielsweise, offenbart sich eine Sichtweise, die den Menschen in Abhängigkeit von der Zeit, der Erde und diese von ihrer Position  und Funktion im Weltall sieht…

Indem diese grob skizzierte Philosophie – aufgebaut auf der Grundlage der vier Farben – in ihrem spirituellen Gehalt verinnerlicht worden war, befanden sich die amerikanischen Ureinwohner unter dem Schutz dieser Farben – als Ausdruck der gesamten Geisteshaltung. Darum werden diese vier Farben auch als „die Hüter des Geistes“ genannt.

Ein jeder aus der „Menschenkette“ sollte nun – der Reihe nach – an das junge Bäumchen herantreten. Zunächst war etwas Tabak in die Mulde zu streuen. Danach wurde die kleine Schleife an einen Zweig des Bäumchens gehängt. Während der gesamten Aktion war es wichtig, einen positiven Gedanken oder Wunsch zu denken.

Als dann schließlich jeder seine Schleife in den Baum gehängt hatte, folgte der Abschluss der Zeremonie: Es wurde „das Kriegsbeil begraben“ – in zweifacher Hinsicht:

Ein amerikanischer Ureinwohner hatte dieses mit seinen Worten, seiner Rede getan. Es folgte die reale Handlung dazu, indem ein „Tomahawk“ zusammen mit einer Pfeife, der „Friedenspfeife“, in die vorbereitete Mulde gelegt wurde. Diese war daraufhin zugeschüttet worden mit Erde…

Den Abschluss bildeten schließlich Tänze zu Musik, ausgeführt von jugendlichen amerikanischen Ureinwohnerinnen (Schülerinnen der Schule).

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Angaben zum Foto: Carol Whitney hängt ihr Band als Symbol für ihre guten Gedanken und Wünsche an den Friedensbaum.

Immer wieder fiel unser Blick nun auf die kleine geschmückte Baumkrone:

Es war eine Stimmung entstanden, die – so schien es mir – dieser Baumkrone eine bestimmte Ausstrahlung und Aura verliehen hatte. Und genau das gibt den vielen guten Gedanken eine Chance, um zu wachsen und sich zu entwickeln!

Somit hat ein jeder eine Verantwortung dafür übernommen, sich dem „Hüter des Geistes“ (den vier Farben) verpflichtet zu fühlen, das Gute für alle Menschen zu wollen…

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Angaben zum Foto: Das frisch gepflanzte Bäumchen trägt die Bänder, die in sich gute Gedanken und Wünsche als „Keimträger“ tragen, welche wachsen wollen und eine gute Zukunft formen mögen…

Die Skulptur „the pair“ ist im Nachhinein unter dem Eindruck dieses Friedenstages entstanden. Dabei hatte Heinz Hugel das Material zusammengetragen, das er vorgefunden und ihm zur Verfügung gestanden hatte.

Im Ergebnis war ein Kunstwerk entstanden, das ein mit schweren Gedanken und Gefühlen behaftetes kollektives traumatisches Erlebnis wachruft.

Dabei  mag die Umsetzung mit einfachen Holzbohlen irritieren. Die Zurückführung auf den Jahrtausende alten Baustoff „Holz“ entspricht allerdings der erlebten Zurückführung von menschlichem sozialem Verhalten in die Zeit früher menschlicher Gesellschaften. Das damalige soziale Gefüge aller frühen Gesellschaften hatte überschaubare Regeln im Miteinander. Es ging wirklich um das Du zum Du. Bei Auseinandersetzungen sollte sich der menschliche Geist besinnen und daran erinnern, dass das Vergessen von Streitanlässen oder Verletzungen die Chance zu einem Neuanfang bietet. Dabei hilft das Begraben des Kriegsbeils in seiner Symbolik…

Heinz Hugel hatte die Skulptur „the pair“ auf dem Foto ganz oben vor ein anderes Foto montiert, auf dem die ausgetrocknete Erde von Oklahoma im grellen blendenden Sonnenlicht abgebildet ist. Die brüchige, ausgetrocknete und rissige Erde mag hier für verödete menschliche Beziehungen stehen…

Auf dem zweiten Foto ganz oben ist das Foto zu sehen, das Heinz Hugel von seiner eigenen Skulptur im Jahr 2001 aufgenommen hatte:

„the pair“ – oder: „In Asche und in Trauer“. Dabei ist die Rückseite der Skulptur zu sehen. Das Licht, in das die beiden Turm-Fragmente getaucht sind, lässt diese im Rauch und der Hitze des Infernos erscheinen und zeigt den Moment vor dem Einsturz der Türme. Verstärkt wird dieser Eindruck von Instabilität, da Hugel seine Skulptur so aufgenommen hatte, dass der alles tragende Steinsockel nicht wahrnehmbar ist.

In der Mitte der oberen Fotokante erscheinen die Buchstaben RE. Sie stehen für „Remembrance“ (Erinnerung) – eingebrannt…

Die beiden schwarzen Streifen rechts und links symbolisieren für Heinz Hugel „Asche und Trauer“…

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Heinz Hugel  (Künstler aus Bremen, Deutschland)

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Renate Hugel: „Portrait von Heinz Hugel“

Manueller Druck, 2003, Hochdruckverfahren: Druckplatte: Vinyl, Linoldruckfarben

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 1936: Heinz Hugel was born in Bremen.

1976, since: Activity in the artistic area, among others in the adult education

1981, from: Freelance artist

1982: Foundation of a gallery

1990: Joining the artist group “Der Bogen”

1992: Founder member of the group “Quintum” (union of international artists)

2000: Symposium “Encounter of Native American Artists and Artists from Germany (one artist from Bulgaria)” (con-organization)

2001: Study visit to Oklahoma/the USA (“return visit”),

Expansion of the group “Quintum” into “Quintum international”

2002: Certificate of the university Bremen – studies with Professor Uwe Mempel, main emphasis in “Art Practice” – “Experimental Ceramic”

2007: Member of the group “Art in the Province”

2009: Member of the group “Art – Projekt”

2013, from: Retreat because of physical problems

 Exhibitions or Exhibition Participations: (Choice)

Bremen, Borgholzhausen, Herford, Hamburg, Kiel, Kleestadt, Großumstadt, Langenargen (Lake Constance), Loidved (Denmark), Munich, New York, (USA), Oklahoma (USA), Rose State College (Oklahoma City, USA), Tribes Gallery (Norman, USA), Heaven, “International Exhibition” of German and Anadarko Basin Artists (Gracemont, USA), Siklos (Hungary), Tekomatorp (Sweden), Tournus (France), Zwolle (Netherlands)

Several Exhibitions in Niedersachsen (Lower Saxony, Germany):  Bassum, Bruchhausen – Vilsen: Klostermühle Heiligenberg (Cloister Mill Saint Mountain), Delmenhorst, Diepholz, Kirchdorf, Lemwerder, Oldendorf, Osterholz Scharmbeck, Rotenburg, Wümme, Schneesen, Sulingen, Syke, Wagenfeld, Weertzen, Weyhe, Wildeshausen, Worpswede

Heinz Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Heinz Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 7, 15, 21, 32 und 39“  geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

 

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.        Renate Hugel

 

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