Monthly Archives: April 2017

„Kunstbegegnungen – 43“

Lamontt Bear – Teil I

Lamontt Bear: Sonnenuntergang auf dem Mount Scott“, 2011, Oklahoma (USA)

Lamontt Bear (Kiowa – Ureinwohner Amerikas):

Impressionen aus Oklahoma – zurück zu den „verinnerlichten Orten“

In diesem aktuellen Beitrag stelle ich Fotos von Lamontt Bear (LB) (Kiowa Ureinwohner Amerikas)  vor. Seine Aufnahmen berühren durch ihre Kraft und Intensität: Dem sich ihm bietenden Naturschauspiel verleiht er eine Steigerung zur absoluten Schönheit, indem LB sein gewähltes Motiv so in Szene setzt, dass es die Intensität der Farben nicht nur spiegelt, sondern sie bis zu überirdischer Schönheit überhöht…

Wenn ich die gezeigte Foto-Serie (siehe unten, nach diesem Text) mir in ihrer Gesamtheit betrachte, bekomme ich den Eindruck, als ob den einzelnen Bild-Themen von LB eine bestimmte Philosophie innewohnt…

Um diese zu erkennen, beschäftige ich mich zunächst mit dem persönlichen Hintergrund von Lamontt Bear:

Doch, vorab möchte ich LB persönlich zu Wort kommen lassen: „Ich sende diese Bilder von den Stellen, an denen ich Einsamkeit finde: Die Wichita-Berge – dem Reservat für Tiere am Fuße des Cobb Sees. Dort verbrachte ich als Kind (und jetzt Erwachsener) viele Tage mit meinem Großvater, der die Einsamkeit zum Erbe unserer Vorfahren zählte“… (Zitat von Lamontt Bear)

Für ihn, den Kiowa Großvater, war es existenziell wichtig gewesen, das Erbe der eigenen Vorfahren weiterzutragen an seine Kinder und Kindeskinder! Als Lamontt Bear zu einem jungen Mann herangewachsen war, war für seinen Großvater die Zeit gekommen, seinen Enkel nun zu unterweisen in das, was ein Kiowa – nach Sitte der Vorfahren – lernen muss:

Er sollte die Ausbildung erhalten, die in der Vergangenheit als die richtige Erziehung für einen jungen Mann vorgesehen war!

 Der Kiowa Großvater ging also mit seinem Enkel Lamontt Bear in die Wichita Berge, bestieg mit ihm zusammen den Mt. Scott oder sie gingen zum Fischen an den Ft. Cobb See.

 Nachdem die Phase der Einführungszeit beendet gewesen war, ging der Großvater zurück und verließ die Wichita Mountains. Lamontt  Bear war nun sich selbst überlassen in dieser totalen Einsamkeit der Berge.

Denn, Einsamkeit ertragen zu können, ist das große Lernziel, das für seine Kiowa Vorfahren erstrebenswert war. Sie wussten, dass diese Erfahrung den jungen Menschen reifen lässt und zu innerer Stärke führt, indem er sich mit sich selbst auseinander setzt. Letztendlich bedeutet das auch, seinen Frieden zu finden.

Überleben zu lernen, wie auch, mit der Natur zu kommunizieren, sind weitere Lernziele, welche für seine Kiowa Vorfahren äußerst wichtig waren.

 Im Laufe der Jahre hatte LB darüber hinaus eine innere Vertrautheit erlangt zur Natur und zu ihren rhythmischen Wandlungen innerhalb eines Tages, Monats oder innerhalb eines Jahres.

So war er selbst fast Teil dieser ihn umgebenden Natur geworden, denn er reagierte auf alles Unerwartete inzwischen intuitiv! Und sein Wesen war erstarkt, ruhig und geduldig geworden, weil er sein menschliches Wollen mit der  Natur abgestimmt hatte!

Trotzdem konnte er tatkräftig sein und zielgerichtet denken. Denn dabei deckte sich sein Aktionsrahmen ebenso intuitiv mit seiner inneren Verbundenheit zur Natur!

 Der Nachkomme des berühmten White Bear* war nun ein anerkanntes Mitglied seiner Familie, wie auch seines gesamten sozialen Umfeldes geworden!

(* White Bear, der berühmte Krieger aus den 1800er Jahren)

Dazu gehörten seine Kiowa Verwandten und andere ihm bekannte Kiowa Familien, aber auch seine Cheyenne Verwandten und andere ihm bekannte Cheyenne Familien. Denn: Lamontt Bear hat einen Kiowa Vater und eine Cheyenne Mutter. Diese bemerkten sehr wohl, dass aus LB etwas Besonderes geworden war:

Einer seiner Cheyenne Onkels hatte gesagt, dass er (Lamontt Bear) wie die besonderen Krieger sei, die als die tapfersten Beschützer in früheren Zeiten angesehen waren. Lamontt Bear ist eine Mischung aus den alten und aktuellen Wegen.“ (Zitat von Carol Whitney)

Die Anerkennung, welche dem jungen Lamontt Bear innerhalb der Familie und von Freunden zuteil worden war, tat Lamontt Bear gut! Und so verkörperte er nun ebenso allen Stolz und Mut, wie es seine Leute taten!

Somit war er integriert und identifizierte sich mit seinen Leuten, den Ureinwohnern im Südwesten Oklahomas!

Doch, die Welt um ihn herum funktionierte ganz anders!

Das konnte und wollte er nicht negieren!

Darum hatte LB beschlossen, sich auch auf diese Welt einzulassen!

 LB erlernte einen Beruf. Auch hatte es ihn in die Ferne gezogen zu Menschen anderswo auf der Welt. Gerne blickt er darauf zurück, dass er in vielen Ländern gearbeitet hat, u. a. auch in Deutschland…

 Aus der Erfahrung von Einsamkeit hatte es ihn zu den Menschen gezogen, und war Weltbürger geworden…  

 Heute sagt er von sich, dass er wirklich viele Leben gelebt hat!

 Inzwischen geht er wieder gerne zu den Orten seiner Jugend. Das Gefühl von einst hatte sich verändert – auch die Sichtweise! Diese Erkenntnis hatte ihn dazu gebracht, ein neues Element in sein Leben zu integrieren: die Kamera!

Mit seinem „besonderen Erfahrungsschatz“ hat Lamontt Bear ein beachtliches „Kapital“, das ihn gleichzeitig fordert, dieses mit seinen Fotos so auszudrücken, so dass etwas von seiner Erfahrung dem Betrachter transportiert wird!

Es gibt die Fotos, auf denen LB die überirdische Schönheit der Natur die Hauptrolle spielen lässt, indem er sie perfekt in Szene gesetzt hat.

Andere Motive zeigen weitere Orte, die LB vertraut geworden waren – auf dem Mt. Scott, in den Wichita Bergen, am Ft. Cobb See oder im Reservat für Tiere der Wichita Berge…    

Doch LB integriert mit seinen Fotos nicht nur die Zeit mit seinem Großvater und der Einsamkeit. Er widmet sich auch dem Thema Technik, das ihn während seiner Berufstätigkeit begleitet hatte und sein Denken bestimmt hatte. Dabei denke ich zum Beispiel an das Foto „Wind Turbine im Nebel“. An diesem Foto finde ich es faszinierend, wie das eigentliche technische Motiv lediglich als „Zitat“ zu erkennen ist (auf der linken Fotoseite läuft ein Flügel der Wind Turbine schräg durch das Bild). Dieser leuchtet dabei in dem Orange des ihn umgebenden Lichtes. So wird das Foto bestimmt von dem Lichtschein im diffusen Umfeld, dem Nebel. Die Technik tritt zurück angesichts des Naturgeschehens…

„Lamontt Bear: „Wind Turbine im Nebel“

Auf einem weiteren Foto hat LB Wind Turbinen thematisiert. Auch hier bestimmt die Natur das Geschehen. Ein dramatischer  Himmel dominiert die Szene und den gesamten Bildraum. Mit der gewählten Perspektive macht LB deutlich sichtbar, wie klein der Mensch im Grunde ist – angesichts der Natur. Dafür hat er sich (mit seiner Kamera) auf die Ebene des Gestrüpps begeben, das im Vordergrund des schmalen Landstreifens zu sehen ist. Aus diesem Blickwinkel heraus berühren einige der bedrohlich wirkenden Wolken fast die Erde. Das Darüber ist in Schwarz getaucht, ebenso ein Teil des Landstreifens, während dazwischen die Ausdehnung des Himmelraumes zu erahnen ist! Jene immensen Ausmaße von Himmel und Geschehen relativieren die Größe und Stabilität der Wind Turbinen – und ihre Streben spielen (in der Wahrnehmung des Betrachters) mit den dünnen Ästen des Gestrüpps im Vordergrund…

Lamontt Bear: „Wind-Turbinen“

Dramatik besitzen auch die Fotos, auf denen LB die Schönheit der Natur überhöht. Die Natur folgt den Veränderungen der Kräfteverhältnisse und ihre Dynamik ist wertfrei, bezieht sich nicht auf das Wohl oder Wehe des Menschen…

Das ist sicherlich eine Botschaft, die Lamontt Bear uns als Betrachter mit seinen Fotos übermittelt. Und diese Botschaft zeugt von seinen jungen Jahren, in denen er „mit der Natur geatmet hat“…

Renate Hugel  

Zum Schluss möchte ich Carol Whitney zitieren, die LB seit einigen Jahren auf seinen Wegen, zurück zu den Orten seiner Kindheit, begleitet:

Die Vision von Lamontt Bear geht über die mechanische Aufnahme von Natur hinaus.

Er fängt den Zauber von Licht, Masse und Struktur ein und nimmt mit seinem Verstand Schönheit jenseits von Wörtern wahr aufgrund seiner Erfahrung mit der Natur.

Seine Kamera ist das Werkzeug, um seine Vision mitzuteilen.

Seine Wurzeln als amerikanischer Ureinwohner liefern ihm die glasklare Linse, die vermittelt, was er sieht“… (Carol Whitney)

Lamontt Bear: Doppelter Regenbogen“, 2011

 

Lamontt Bear: „Blick auf die Wichita – Mountains“, 2011

Lamontt Bear: „Auf dem Gipfel des Mt. Scott“, 2011

Lamontt Bear: „Sonnenuntergang über Oklahoma – Land“, 2015

Lamontt Bear: „Baum-Portraits nach dem Sturm“, 2015

Lamontt Bear: „Überschwemmung nach dem Sturm“, 2015

Lamontt Bear: „Wind Turbine im Nebel“, 2015

Lamontt Bear: „Langhorn im Wichita Mountain Refuge“, 2015

Lamontt Bear: „Fischen am Ft. Cobb See“, 2017

Lamontt Bear: „April-Berg-Wispern“, 2017

Lamontt Bear: „Fischende Sterne“, 2017

Lamontt Bear: „Sonnenbrillen-Fischen“, 2017

Lamontt Bear: „Wind-Turbinen“, 2017

Lamontt Bear: „April-Berg-Wispern“, 2017

 

„Das Zeremonie-Tipi“

Lamontt Bear: „Tipi-Schatten“, 2017

(Aufgenommen während des Kiowa-Gedenktag-Wochenendes – und nachträglich mir zugesandt)

 

Hier stellt sich Lamontt Bear persönlich vor:

Lamontt Bear im Portrait

 Ein Portrait-Foto zu erhalten, war mein Anliegen gewesen. Erhalten habe ich drei Fotos.

Warum?

Nach meinem Verständnis begnügt sich Lamontt Bear nicht  mit der Darstellung seiner äußeren Erscheinung. Ihm geht es vielmehr darum, was seine Persönlichkeit ausmacht:

Die Einsamkeit in den Bergen ist Teil seiner Person geworden und hat damit seine Persönlichkeit geprägt. Was das Foto in der Mitte symbolisch zeigt.

Darüber hinaus zeigt das Foto unten eine Situation, in der sich Lamontt Bear in einem meditativen Zustand befindet. Die Beleuchtungssituation der Aufnahme lässt LB mit der Landschaft in den Wichita Bergen verschmelzen.

Das Foto zeigt für mich, dass LB die Fähigkeit erworben hatte, sich auf das stille Sein der Natur einzulassen.

 Seine einstige tiefe Erfahrung von Einsamkeit hat seine Person der Art geprägt, dass er sich später der Welt öffnete! – Wie das Portrait-Foto oben zeigt.

Mit anderen Worten: Lamontt Bear hat mit diesen drei Fotos zu seiner Person sein Leben, welches das Wachsen seiner Persönlichkeit geprägt hat, zusammengefasst!

Renate Hugel

Selbstportrait von Lamontt Bear

Einer seiner verinnerlichten Orte

(in den Wichita Bergen)

Lamontt Bear, meditativ

Fotos: Lamontt Bear

 

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Lamontt Bear habe ich unter „Kunstbegegnungen“ den Beitrag „Kunstbegegnungen – 43“  geschrieben.

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.

Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

Ronald Anderson, Künstler Amerikanischer Ureinwohner (Oklahoma, USA), 2001:

Während eines Gesprächs über Kunst

 In „Kunstbegegnungen – 41 + 42“ stelle ich die Kunstwerke „Die Deckenfrau“ (41) und „Apachen Tanz“ (42) vor.

Mit meinen Texten dazu gebe ich Einblicke in einen kleinen Ausschnitt von Realität amerikanischer Ureinwohner.

 Zu finden unter „Kunstbegegnungen“

Renate Hugel 

„Kunstbegegnungen – 42“

Ronald Anderson (Künstler amerikanischer Ureinwohner):

“Apachen Tanz”,  Acryl auf Recycling-Pappe, 80×57 cm, 2000

Tanz der Apachen in der Nacht

 Das vorliegende Acrylgemälde auf Recycling-Pappe (mit den Maßen 80X57 cm) hatte  Ronald Anderson im Sommer 2000 während des Symposiums in Bremen gemalt. Mit seinem Bild entführt er den Betrachter in eine typische Tanz-Szene der Apachen:

Um ein hell flackerndes Feuer bewegen sich die Tänzer, tragen in ihren Händen kurze hölzerne Schwerter. Die im Schatten sich befindenden  Personen erscheinen düster mit ihrer schwarz-weißen  Oberkörper-Bemalung, dem Rock und den Stiefeln, wie auch dem nach oben strebenden Aufbau auf ihren Köpfen: Die Basis bildet dort eine waagerechte Latte, von der rechts und links lange Stäbe emporragen, während dazwischen etwa drei bis vier Kerzen leuchten. Um dem Ganzen Halt zu geben, wird dieser Aufbau mit einem Band zusammen gehalten und am Körper fixiert (helle Rauten auf den Oberkörpern). Dadurch wird klar, dass der Tänzer vorne links im Bild von hinten zu sehen ist. Dasselbe trifft auf die kleine Person rechts daneben zu. Hinter dem Feuer, hingegen, befindet sich ein Tänzer, der vom Schein der Flammen hell erleuchtet ist.

Wenn der Blick nun vom Detail zurück zur Gesamtansicht wechselt, wird eine gemeinsame Energie der Personengruppe wahrnehmbar: Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich hier die Tänzer nach einer verinnerlichten Struktur des Ablaufs – während das Feuer sich im Zentrum befindet…

Für mich ist es offensichtlich, dass das vom Feuer erleuchtete Zentrum die Tänzer zu ihrem persönlichen inneren leuchtenden Zentrum führen soll… – als Voraussetzung dafür, seinen eigenen Geist zu erleuchten und die Gedanken zu klären…

Der rechts im Bild erscheinende Vollmond zeigt an, dass dieser „Apachentanz“ in der Nacht stattfindet. Die Symbolkraft der „Nacht“ (die für das Unbewusste steht) sehe ich als Ausdruck für den Willen zur Erleuchtung: Sie, die Nacht, kräftigt die Verbindung von Bewusstheit zum Unbewussten… Doch auch die immense Kraft der Natur, die sich in Tier, Pflanze, aber auch Landschaft manifestiert, ermöglicht Identifikation und Ausrichtung auf die eigene Energie: Die Tänzer nehmen in sich auf deren seelische Ruhe und Kraft in ihrem So-Sein…

An dieser Stelle kehrt meine Erinnerung zurück zum Jahr 2001:

Es war bereits dunkel geworden an diesem Tag, den wir bei der Kiowa Black Leggings Zeremonie zugebracht hatten (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 41“). Wie bereits im vorherigen Beitrag erwähnt, gab es zum Abschluss der Zeremonie ein gemeinsames Essen zusammen mit der Familie Chaddlesone, die uns dazu in ihrem Esspavillon eingeladen hatte. Schließlich dachten wir daran, aufzubrechen und uns von unseren Gastgebern zu verabschieden.

Den Veranstaltungsort hatten wir – insgesamt acht Personen – mit dem Auto erreicht und stiegen nun alle wieder dort hinein.

Bei dem Stichwort „Auto“ schweife ich nun etwas ab und möchte erwähnen, dass unser Besuch grundsätzlich wirklich perfekt durchgeplant worden war. Das bedeutete für die weiten Entfernungen auf dem Gebiet des Landes Oklahoma, dass wir auf ein Auto angewiesen waren. Und dafür hatte Ronald Anderson gesorgt: Wenn ich es richtig erinnere, war es sein Schwager, der großzügiger Weise uns ausgeholfen hatte – in seiner Funktion als Pastor der FELLOWSHIP OF AMERICAN INDIANS CHURCH in Chickasha OK. Der Kleinbus, mit dem wir fahren durften, trug diesen Namenszug mit großen Lettern. Unseren Dank dafür – mündlich bereits ausgesprochen – möchte ich hier noch einmal schriftlich bekräftigen!

Bald bemerkten wir, dass Ronald Anderson für die Heimfahrt einen seltsam anmutenden Weg eingeschlagen hatte! Es wurde immer dunkler! Rechts und links der engen Straße nahmen wir im tiefen Schwarz Konturen von Waldrändern oder einfach nur das reine Schwarz, offenbar über Feldern, wahr. Für mich war es unvorstellbar, wie er sich in diesem Labyrinth aus Schwarz – ohne jegliche Beleuchtung – orientieren konnte! Ronald Anderson vermochte es aber offenbar: Mit allergrößter Sicherheit bog er in eine querende Straße ein, verließ diese wieder und fuhr unbeeindruckt weiter in dieser Dunkelheit!

Unvermittelt – für uns – wurde er langsamer, hielt aber nicht an, sondern blieb bei der geringen Geschwindigkeit. Dabei hatte er nach links geblickt. Wir folgten seinem Blick auf ein weites Feld unter dem schwarzen Himmel, links davon zeugten die Schatten von einem beginnenden Wald…

Das Feld aber hatte den Blick freigegeben auf eine Szenerie!

Wir erkannten drei Personen, die  – in Hockstellung – bei hoher Aufmerksamkeit und Konzentration Bewegungen mit ihren Armen und ihren kurzen Schwertern ausführten. Auf ihren Häuptern hatten sie den Aufbau mit brennenden Kerzen getragen, wie auf dem obigen Acrylbild von Ronald Anderson zu sehen ist. Offenbar befanden sich diese Tänzer in einer anderen Phase der Zeremonie als auf dem Bild dargestellt…

Uns war zwar nur eine flüchtige Wahrnehmung des Geschehens im Vorbeifahren geblieben, doch dieser flüchtige Eindruck hatte es geschafft, uns mit einer weiteren Realität der Identitätsfindung zu konfrontieren!

Heftiger konnte ein Kontrast nicht erfahrbar werden:

Eben hatten wir die Kiowa Black Leggings Zeremonie verlassen, wo wir den gesamten Tag verbracht und dort ein durchorganisiertes Programm erlebt hatten mit mindestens 800 (oder mehr?) Teilnehmern, bzw. Zuschauern des Kiowa-Stammes. Diese konnten damit einander zusätzlich zu den gelebten Traditionen sich gegenseitig Identität geben.

Und nun das!

Ein kläglich kleines Grüppchen widersetzte sich da dem Vergessen! …

Interpretation: Renate Hugel

Ronald Anderson

Künstler Amerikanischer Ureinwohner –

Ronald Anderson, 2001: Während eines Gesprächs über Kunst

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Ronald Anderson habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 1, 13, 19, 25, 29, 34  und 42“geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).  

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA)

Hinweis: (vom 24. 07. 2015):  Siehe auf HOME: „Anmerkung zu Ronald Anderson“

Renate Hugel