Monthly Archives: Juli 2018

Beispiele seiner Kunstwerke: Update zu heinz hugel

Anmerkung zu den Titeln der abgebildeten Werke:

heinz hugel hatte sich von Anfang an, also in den 1970iger, 1980iger Jahren, für die Kleinschreibung entschieden. Heute stolpert niemand mehr darüber. Kleinschreibung war inzwischen salonfähig geworden. Dank der „digitalen Welt“! rh

„weiblicher torso“, keramik, 1998

Created with Nokia Smart Cam,„lyrik auf keramik“, keramische platte mit applikationen, 2003

„umarmung“,keramik; element aus der installation „schachmatt“, 1998

„weltenbummler“, holzbohlen, z. t. eisen, stahl-sockel in
pyramidenform, 1999

„schale mit kugel“, keramik, raku-brand, 2005
Created with Nokia Smart Cam

„schaf“, keramik (raku) auf marmorplatte, aus der serie „flint“, 2006

„hartz IV“*, öl auf leinwand, 80 cm x 100 cm, 1985

 * “HartzIV” ist die Bezeichnung für eine Art Arbeitslosengeld und dient der sog. Grundsicherung des Lebens. (Ganz grob erklärt) rh

Anmerkung: 1985 hatte hh diesem Ölbild den Titel „werkstatt“ gegeben: Zu dieser Zeit waren erstmals junge Leute mutig genug, um eine eigene Existenz zu wagen und ausgediente, leerstehende Läden oder  Hallen anzumieten. Das, was heute nichts Besonderes mehr ist, war damals neu! Die jungen Selbständigen hatten in sich einen inspirierenden Geist und den Mut, etwas zu wagen. Diese Atmosphäre hatte hh in der poetischen Farbgebung – neben den zerbrochenen Fensterscheiben –  zum Ausdruck gebracht.  Dass das Ganze aber ein gewisses Risiko in sich geborgen hatte, zeigte hh mit dem angedeuteten Schachspiel. 2008 hatte heinz hugel eine große Einzelausstellung mit dem Titel „Passagen“ im Dienstleistungszentrum  Wagenfeld. Spontan war ihm damals die Idee gekommen, dem Bild einen neuen Titel zu geben, nämlich: „hartz IV“! Ich meine, dass er damit zum Ausdruck bringen wollte, wie viele dieser Menschen es dann doch nicht geschafft hatten, in der Selbständigkeit zu existieren; und inzwischen führte das oft zu einer Abhängigkeit von  „Hartz IV“.

„unsere welt auf krücken“, keramik auf holzplatte, farbig gefasst,
35x35x49 cm, ca. 1998

„weiblicher torso“, aus der serie „eine form und ihre
variationsbreite“, keramik, raku-brand, h = 27 cm, 1984
Created with Nokia Smart Cam

„portrait“, keramik auf drainagerohr, raku-brand, 2007;
Anmerkung: Die Form für dieses Gesicht hatte hh ursprünglich für
die keramische Skulptur „toleranz“ (2007) erstellt. Hier: Ein Spiel
mit dem Gesichtsausdruck. Renate Hugel

„kranich“, digitales foto, 40×60 cm, 2007; Anmerkung: Dieses Foto basiert auf einem kleinformatigen Entwurf aus früherer Zeit (ca. 1980). rh

Szene aus „alles theater“, 2008: “spie(l)gelungen“…installation:
paketpappe mit diversen applikationen auf holzsockel, 30 x 40 x 26 cm.

Hier: Ausschnitt aus der Installation; digitales Kunstwerk – Anmerkung: Mit dem Wortspiel „spie(l)gelungen“ bietet hhdurch das Einfügen von „l“ in Klammern– zwei Lesarten an: „Spiegelungen“ und „Spiel gelungen“. Damit verweist hh auf das Selbstverständnis von Theater: Dessen eigentliches Anliegen ist es, Verhalten von Menschen zu spiegeln. Ist das erreicht worden, dann ist das Spiel gelungen… rh

Created with Nokia Smart Cam

„künstlerbuch, aufgeschlagen, hinter glas“, 15×38 cm, bzw. 15×76 cm, aufgeschlagen, ca. 1992

Created with Nokia Smart Cam „impression aus der werkstatt von heinz hugel“: Juni 2017

„wümmelandschaft“, hh, radierung, 1976

„portrait-foto von heinz hugel“, 2012

Renate Hugel

 

 

 

Heute melde ich mich zurück!

Selfie: Renate Hugel, Juni 2018

Themen dieses Beitrags sind:

  • Heute melde ich mich zurück!
  • Zum Tode meines Mannes
  • Bei der Durchsicht der Dateien… Besprechung zweier Kunstwerke von hh:
  • So wird es in der nächsten Zeit weitergehen

Heute melde ich mich zurück!

Ich habe seit langem ein Update geplant gehabt.

Da ich – neben der Sorge für meinen Mann – nur sehr wenig Zeit erübrigen konnte, kam ich nicht mit der Aktualisierung hinterher: Der Gesundheitszustand meines Mannes, Heinz Hugel, hatte sich stets schneller verändert als ich schreiben konnte (in der Kürze der Zeit)!

Darum war das, was ich schreiben wollte, stets überholt worden von einem neuen Stadium!

 Was soll ich sagen?

Nun geht es nicht mehr weiter…

 Am 10. Mai 2018 ist Heinz Hugel verstorben.

Zum Tode meines Mannes:

Photo: Andreas Hugel, 2002

Heinz Hugel: 30. 05. 1936 – 10. 05. 2018

Photo: Renate Hugel, Mai 2018

„Stille Totenwache“

 Keramische Skulptur: heinz hugel: „männlicher torso“, 2005

Photo: Renate Hugel, 2018

„Erschaudere in diesem Moment nicht vor dem blauen Leuchten…

Dies ist der höchste innere Glanz (des Reinen Erkennens)“

Zitat: „Das Tibetische Totenbuch“ (älteste Übersetzung in die deutsche Sprache), S. 327

Selfie: Renate Hugel, Mai 2018

Renate Hugel: „Trauer  erfordert  Arbeit…“

 

Renate Hugel: „Trauer will durchschritten werden…“

 Tusche, Aquarellfarben, Permanent Marker, 13,5 cm x 20 cm

Juni 2018

Bei der Durchsicht der Dateien…

Bei der Durchsicht der Dateien meines Mannes (hh) habe ich neulich zwei Fotos gefunden, welche ich hier noch zeigen möchte:

 Das erste Foto zeigt eine Skulptur, die etwa in der Zeit von 1985 bis 1990 entstanden sein muss.

hh nannte sie „der weibliche tänzer“.

(Zu dieser Zeit – ungefähr seit 1985 – hatte hh damit begonnen, einen Prototypen in Ton zu arbeiten und davon dann eine Negativ – Form aus Gips zu erstellen. Von jeder neuen Skulptur fertigte er so eine Gipsform an und davon drei Abzüge, variierend in der Ausarbeitung und, oder in der Auswahl des Tones.)

Hier handelt es sich allerdings nicht um eine Präsentation dieser Skulptur. Vielmehr arrangierte hh dieses Ambiente, in dem der „weibliche tänzer“ die Hauptrolle spielt. Das muss etwa im Jahr 1998 gewesen sein.  rh

heinz hugel: „weiblicher tänzer“
Keramik (etwa1985-1990 entstanden) „weiblicher tänzer mit totenkopf“
Arrangement + Foto: Heinz Hugel, ca. 1998

„weiblicher tänzer mit totenkopf“

Die Figur strahlt Energie und Tatkraft aus, inmitten einer Szenerie, bestehend aus allerlei Dingen, die heinz hugel als Künstler immer inspiriert hatten.

Das pralle Leben möchte sich verwirklichen trotz vieler Widrigkeiten: Der Tänzer steckt fest und kommt nicht voran!

Neben dieser Hemmung fallen die beiden Totenköpfe auf, welche hh zu Füßen des offenbar bewegungsunfähigen „weiblichen tänzers“ platziert hatte.

Der Faktor „Vergänglichkeit und eine Auseinandersetzung mit dem Tod“ zu assoziieren, ist damit Intention!

Das ist eine der Aussagen dieses Foto-Arrangements!  rh

Auf den beiden nächsten Fotos ist die Skulptur „metamorphose“ zu sehen.

heinz hugel: metamorphose“
Skulptur aus Holz, Keramik mit Metallstützen und -sockel
h = 140 cm, 2003

„metamorphose“

Die Skulptur besteht im unteren Teil aus dem Torso eines Baumstammes. Dieser, lediglich zur Hälfte erhalten, wurde von hh ausgehöhlt, der äußeren Rundung des Holzes angepasst und farbig gefasst. Darüber scheint der Oberkörper mit angedeutetem Kopf zu schweben (gehalten, jedoch, mit zwei Metallstützen).

Der Schwere des Torsos steht somit eine Leichtigkeit gegenüber.

Der in der Schwere verharrende Torso hat in seiner Dimension etwas Bestimmendes.

Doch das Bewusstsein möchte den sensiblen, weichen Kern herausschälen!

Gearbeitet hat hh die Büste aus weißem Ton, vorwiegend geglättet, jedoch teilweise rau belassen.

heinz hugel zeigt hier einen Übergangsprozess, eine Metamorphose eben!

Gesteuert wird die dargestellte Person vom Bewusstsein.

Die Aufmerksamkeit ist dabei den höheren Sphären zugewandt! Und, irgendwie erinnert die Schale, welche für „Kopf“ steht, an eine Satellitenschüssel!

Die Person ist „auf Empfang“ eingestellt! …

Das erste Foto hat heinz hugel 2004 in der Galerie „Haus am Wasser“ in Bremen aufgenommen, während einer Ausstellung von seinen Arbeiten.

 Das zweite ist eine später von hh bearbeitete Version des ersten Fotos.

Er hatte dort das Motiv „metamorphose“ „freigestellt“ und so bearbeitet, dass das Körperhafte der Büste im oberen Teil der Skulptur nicht mehr zum Tragen kommt.

Der Träger des Bewusstseins (im oberen Teil) scheint die Körperlichkeit überwunden zu haben – während „die Schwere“ der Erde überlassen zu werden scheint! …

 Inzwischen habe ich auf einer alten, von hh erstellten, Ausstellungsliste Werkangaben zu dieser Skulptur gefunden. Dieser konnte ich entnehmen, dass es sich bei dem Holz-Torso um Pappelholz handelt.

Besonders interessant fand ich, dass hh eine zweite Titel-Version angeboten hatte:

 „metamorphose… meta-amorphe-pose…“

heinz hugel liebte das Wortspiel und das Spiel mit mehreren Bedeutungsebenen!

Das kommt in dieser Titelvariante hervorragend zum Ausdruck:

Die zweite (überarbeitete Foto-Version) könnte diesen Titel tragen.

hh liefert einen Hinweis auf das an sich Gestaltlose (Amorphe) des dargestellten Unterleibes (von der Hüfte abwärts). Baum-Torso, wie auch Beine und männliches Geschlechtsteil können assoziiert werden. Der detailreich ausgearbeitete Oberkörper, der zu schweben scheint, ist hier (unteres Foto) lediglich anhand der Konturen zu erahnen und scheint sich zu einer angenommenen Meta-Ebene hin zu erheben!   rh

 Dieses sind ein paar Gedankensplitter von mir zur Skulptur „metamorphose“ und zu dem Foto-Arrangement von heinz hugel.

Ich könnte meine langen Interpretationen dazu schreiben! Für diesen Anlass möchte ich es heute bei meinen kurzen Erläuterungen belassen.      rh

So wird es in der nächsten Zeit weitergehen

So wird es in der nächsten Zeit weitergehen – in langsamem Tempo – :

 Zum Gedenken an Heinz Hugel werde ich eine Zusammenstellung einiger seiner Kunstwerke hier präsentieren. Dabei wird es sich um einen Querschnitt handeln, also um Beispiele seiner Anfangszeit als Künstler, bis hin zu Beispielen seiner letzten Arbeiten (vor der partiellen Demenz-Erkrankung).

 Danach möchte ich gerne eine neue Kategorie eröffnen:

 Ich werde sporadisch jeweils ein Kunstwerk von Heinz Hugel vorstellen und eine Interpretation dazu schreiben.

 Nachdem ich damit begonnen haben werde, plane ich, parallel dazu auf meinem Blog unter „Kunstbegegnungen“ (wie bereits vorher) weiterzuschreiben zur Kunst amerikanischer Ureinwohner (in Zusammenhang mit unserem Projekt „Kunstbegegnungen“ von 2000 und 2001)

Renate Hugel