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Die Geschichte von Boin – Edal

Das Projekt „Geschichten erzählen am Feuer“ sollte beginnen mit dem Beitrag von Sherman Chaddlesone:

 Als ich Sherman Chaddlesone in einer Mail von dem Vorhaben berichtet hatte, welches der Lehrer Joachim Burghardt plante, reagierte er spontan und hoch motiviert: – – -Er stellte mir sofort einen Bericht und ein Bild zum Herunterladen auf seine Homepage. – – – Als Anmerkung teilte er mir in seiner Mail noch mit, dass er diese Geschichte das erste Mal gelesen hatte, als er etwa 11 – 12 Jahre alt war. Sie habe in ihm kein Entsetzen ausgelöst, sondern sein Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen geweckt. Ich kann sagen, dass ihn dieses Interesse tatsächlich von dem Zeitpunkt an über all die Jahre begleitet und sein Engagement bestimmt. – Der Titel dieses Berichtes lautete: „Der Winter, als sie den Kopf schleiften“.

Da saß ich nun ganz perplex.

Joachim Burkhardt hatte im Tipi schon mal  „Sitzplätze“ vorbereitet gehabt, so dass wir an dem verabredeten Tag, dem Projektbeginn, in einer Runde auf den Baumabschnitten sitzen können würden. Das Thema „Indianer“ hatte er schon vor Wochen liebevoll in seiner Klasse von ca. 10-jährigen Schülerinnen und Schülern eingeführt: – – – Jedes Kind durfte sich einen eigenen indianischen Namen selbst ausdenken. Zum Beispiel „Warmer Sommertag“, „Weißer Stern“, „Heller Frühling“, „Frühe Sonne“, „Blauer Adler“, „Schneller Läufer“ … – – – Im Musikunterricht hatte er mehrere Lieder zusammengestellt, welche die Kinder mit Begeisterung zu seiner Gitarrenbegleitung sangen: Das Lied „Der Fluss fließt nun weiter“ beispielsweise, ein ursprünglich indianisches Lied, von Margarete Jehn bearbeitet und übersetzt. Auch beherrschten die Kinder etliche Beispiele indianischer Zeichensprache. Und sie lebten in dieser Zeit getragen von den Wertevorstellungen ursprünglicher indianischer Kulturen: Also, von den Zeiten, als die Indianer noch glücklich sein konnten in ihrem Land, mit ihren Tieren, mit ihren Familien mit ihrer Stammesgemeinschaft… – – –  Ja, und da gab es noch Jochen Richter, der mit kreativen Ideen die Kinder in indianische Rituale einführen wollte.

So sah die Situation für die Klasse aus. Und da sollte ich nun diese Geschichte vortragen? – Die Kinder konfrontieren mit der grausamen Realität, in der sich die Indianer inzwischen befanden?

Mir war klar: Natürlich müssen sie auch diese Realität kennenlernen! – – – Was aber ließ mich zögern? – – – Das musste ich ergründen! Und ich kam zu dem Ergebnis, dass ich Wert auf „Verstehen“ legen möchte. Darum war es mir wichtig, dass für die Kinder verständlich wird, aus welchen Beweggründen heraus die Siedler aus Europa so gehandelt haben, und ebenso, aus welchen Beweggründen heraus die Reaktionen der betroffenen Indianer zu verstehen sind…

Mir war aufgefallen, dass am Ende der Geschichte „Der Winter, als sie den Kopf schleiften“ von einem kleinen deutschen Jungen die Rede war, der Zeuge dieses Vorfalls geworden war. – – –  Darüber wollte ich mehr wissen! Und ich habe Sherman Chaddlesone per Mail darum gebeten, mir dazu Informationen zu geben. – – – Die Fakten, welche ich erhalten habe, waren für mich die Grundlage für „Die Geschichte von Boin Edal“. Diese habe ich in kindgerechter Sprache so verfasst, dass die Kinder das Geschehen, wie auch die Beweggründe der Menschen verstehen konnten. Die Geschichte vom Winter 1837 / 38 habe ich in meine Geschichte von „Boin Edal“ integriert. Dabei habe ich – in Absprache mit Sherman Chaddlesone – zwei Sätze weggelassen und deren Inhalt mit anderen Worten umschrieben. – – – Renate Hugel

Anmerkung: Die Beschreibung der „Enthauptung“ habe ich weggelassen, weil diese grausame Vorstellung die Kinder so beschäftigen würde, dass sie im Vordergrund stehen würde. Ich aber wollte das „Verstehen“ im Fokus der Aufmerksamkeit der Kinder sehen. – – – Am Ende dieses Beitrags erscheint die vollständige Version der indianischen Geschichte.

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Im November 2011: Erstes Treffen im Tipi zu „Geschichten erzählen am Feuer“ – – – Teilnehmer: Schülerinnen + Schüler einer 4. Klasse, Joachim Burkhardt (Klassenlehrer / Gitarre) – wie auch Jochen Richter + Renate Hugel (nicht im linken Bild) – – – Rechtes Bild: Jochen Richter erzählt die Legende vom Wald: „Das stehende Volk“ (Nachdem Renate Hugel „Die Geschichte von Boin Edal“ vorgetragen hatte.)

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Geschichten erzählen am Feuer: Das Feuer im Tipi

Die Geschichte von Boin – Edal

 Boin – Edal war ein kleiner Junge mit blonden Haaren. Keiner weiß, wie sein ursprünglicher Name lautete. Denn, er war eines Tages von Kiowa Indianern gefangen genommen worden. Das einzige, was man weiß, ist, dass er ein Kind deutscher Einwanderer gewesen war. Die Indianer hatten sich gerächt! Warum?

Es war die Zeit um 1830, also vor ungefähr 180 Jahren. Sehr viele Menschen verließen zu der Zeit ihre Heimat, wie zum Beispiel Frankreich, Holland, Deutschland oder England. Sie wollten nach Amerika auswandern und hofften, dort reich zu werden. Als sie nach einer beschwerlichen Schiffsreise endlich in Amerika angekommen waren, mussten sie erkennen, dass sie dort nicht allein waren. Dort wohnten andere Menschen mit einer anderen Kultur: die Indianer. Trotzdem wollten sie ihre Träume nicht aufgeben und taten alles, um sich Land anzueignen und dort zu leben. Und dieses Land nahmen sie den Indianern weg, die sich natürlich wehrten.

Außerdem waren die Einwanderer davon überzeugt, dass es für die Indianer am allerbesten ist, wenn sie zu Christen werden. Sie wollten also alle Indianer missionieren. Nur, die Indianer hatten gar kein Interesse daran, ihren eigenen Glauben aufzugeben. Darum kamen die Einwanderer auf die Idee, möglichst viele indianische Kinder zu kidnappen. Diese Kinder wurden dann von Missionaren erzogen: Sie wurden in den christlichen Glauben eingeführt und lernten in späteren Jahren auch lesen und schreiben.

Für die Indianer war das natürlich ein schreckliches Erlebnis, wenn ihnen die Kinder weggenommen wurden. Ihnen blieb oft nur, hilflos zuzusehen.

Und so kam es, dass sich die Indianer, denen ein Kind geraubt worden war, dadurch rächten, dass sie ein Kind der Einwanderer entführten.

Genau so war es auch Boin – Edal ergangen: Er war als 10jähriger Junge gefangen genommen worden, weil vorher ein indianisches Kind verschwunden war.

Boin – Edal war liebevoll in seine neue indianische Familie aufgenommen worden. Sie gaben ihm einen Namen aus ihrer Kiowa – Sprache: Boin – Edal. Dieser Name bedeutet so viel wie „der Große Blonde mit heller Gesichtsfarbe“. Boin – Edal wurde gekleidet wie ein echter Kiowa Junge und durfte alle Rituale mitmachen, wie z. B. den Sonnentanz. Der zeitgenössische Kiowa Künstler Sherman Chaddlesone hat ein Bild gestaltet, auf dem man sehen kann, wie integriert der kleine deutsche Junge bei den Indianern gewesen ist. Er ist (auf dem Original) gut zu erkennen, denn Sherman Chaddlesone hat ihn mit blonden Haaren gemalt. (Ich habe leider nur einen kleinformatigen Ausdruck.)

Andererseits musste Boin – Edal aber auch hautnah miterleben, wie sie immer wieder von den Einwanderern angegriffen wurden und fliehen mussten mit ihrem Habe und ihren Zelten.

Nicht nur die Kiowa – Indianer mussten fliehen, auch andere Indianer – Stämme! Und das hat dazu geführt, dass die Indianer – Stämme böse wurden auf andere, wenn diese auf dem gleichen Gebiet ihren Zufluchtsort suchten.  Deshalb kam es z.B. zu solchen Ereignissen:

*Im Winter von 1837 – 38 zelteten drei Comanchen, zwei Männer und eine Frau, in der Nacht am A’sese P’a (Hölzernen Pfeilspitzen Fluss) welcher heutzutage bekannt ist als die „Klare Gabelung des Brazos Flusses“ im Staat von Texas. Einer der Comanchen bemerkte jemanden, der die Eingangsklappe des Tipis anhob, um sie dann schnell wieder fallen zu lassen. Er erzählte seine Beobachtung den anderen und, so schnell und leise wie möglich rannten sie hinaus und sprangen über das steile Ufer der kleinen Bucht und versteckten sich selbst gerade noch rechtzeitig, bevor die Angreifer zurückkehrten und in das leere Tipi feuerten. Von ihrem Versteck aus feuerten die Comanchen zurück; dann gingen sie ihren Weg zum nahe gelegenen Kiowa Zeltlager.

 Am Morgen kehrte eine Gruppe der Kiowa Krieger zurück zu der Stelle, wo die Comanchen ihr Zelt aufgeschlagen hatten, und holten ihr Habe – zusammen mit dem Tipi – zurück. Dabei fanden sie einen toten Körper dort liegen, wo einer der Angreifer erschossen worden war. Plötzlich bemerkten sie, dass eine große Gruppe der Angreifer vom Vortage sie aus der Ferne beobachtete! Die Kiowas… (reagierten blitzschnell mit einer Drohgebärde.) Daraufhin zogen die Angreifer sich schnell aus dem Bereich zurück. Die Kiowas kehrten nun ebenfalls in ihr Camp zurück.

Der deutsche Gefangene Boin  Edal, ein zu der Zeit kleiner Junge, war ungefähr zwei Jahre bei den Kiowas und wurde Zeuge dieses barbarischen Vorfalls: er erinnerte sich später daran, welch Entsetzen und innere Erschütterung dieses Ereignis in ihm ausgelöst hatte.*

* Von welchem Stamm diese Angreifer waren, konnte später nie herausgefunden werden.

Boin – Edal wuchs als Kiowa heran, und eines Tages war allen klar gewesen, dass er ein junger Erwachsener geworden ist. Da hat man Boin – Edal gesagt, dass er zurückgehen kann zu den deutschen Siedlern, wenn er will. Aber Boin – Edal verweigerte eine Rückführung, denn er erinnerte sich nicht an seine deutsche Familie und Kultur. Er fühlte sich als Indianer. Und so führte er weiterhin ein indianisches Leben und heiratete eines Tages eine Indianerin.

Boin – Edal’s Name wurde später von der U. S. Regierung versehentlich bei einer Volkszählung unter den Kiowas als Boyiddle aufgezeichnet. Boin – Edal (seit der Volks-zählung Boyiddle) hatte mehrere Kinder, die man auch Nachkommen nennt. Diese Nachkommen hatten auch wieder Nachkommen und so weiter.

Der verstorbene berühmte Kiowa Künstler, Parker Boyiddle, ist ein Nachkomme dieser Person: Sein Vater war Kiowa – Indianer, dessen Vater (also Parker Boyiddle’s Opa) ebenso, wie auch der Vater des Opa’s (Boyiddle’s Uropa). Der Vater dieses Uropa’s (also Boyiddle’s Ur – Uropa) war jener kleine blonde deutsche Junge Boin – Edal gewesen.

Heute leben noch etliche andere Nachkommen von Boin – Edal, welche in und um Anadarko leben. Anadarko ist eine kleine Stadt im Staate Oklahoma und hat ca. 7.000 Einwohner. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Anadarko ist indianischer Abstammung. Und einige tragen zusätzlich das Erbgut des kleinen deutschen Jungen Boin – Edal in sich. Darum kann es bei diesen Nachkommen immer mal passieren, dass Eltern, die beide typisch indianisch aussehen, ein blondes hellhäutiges Kind bekommen.

Vor fast 200 Jahren waren aber nicht nur Menschen von Europa gekommen, um sich dort Land anzueignen und sich dort eine Existenz aufzubauen. Es kamen auch die Missionare, die die Indianer umerziehen wollten. Aber dann gab es noch Menschen, die kamen nach Amerika, weil sie Interesse an der indianischen Urbevölkerung hatten. Sie wollten erkunden, wie die Indianer leben und welche Vorstellungen sie hatten.

Da damals die Fotografie noch nicht erfunden war, kamen auch Künstler nach Amerika, die begleiteten die Indianer und malten sie, ihre Zelte und Tiere, wie auch die Landschaft in der sie lebten. Die Indianer von vor 180 Jahren waren fasziniert von diesen Künstlern. Sie hatten noch nie solche gemalten Bilder gesehen und wussten auch nicht, wie das möglich sein sollte, die Wirklichkeit auf Stoff (also auf die Leinwand) zu bannen. Für die Indianer waren diese Künstler und Maler Zauberer.

Ihr könnt Euch vorstellen, dass es sich schnell herumgesprochen hatte, dass es da einen blonden Indianer gibt, der wie die richtigen Indianer lebt. Und so kam eines Tages ein Künstler zu Boin – Edal und malte ihn.

Der zeitgenössische Kiowa Künstler Sherman Chaddlesone hat mir ein Foto dieses Ölgemäldes gemailt. Jetzt könnt Ihr sehen, wie der Erwachsene Boin – Edal (später Boyiddle) ausgesehen hat. – – –            Renate Hugel

Anmerkungen von Renate Hugel:

 1) Dieses sind die Anmerkungen von Sherman Chaddlesone, übersetzt nach seinem eigenen Wortlaut: Dies ist eine wahre Geschichte und schließt einen deutschen Jungen ein, der etwa 10 Jahre alt war, als er das Ereignis miterlebte. Ich hörte die Geschichte zum ersten Mal, als ich 11-12 Jahre alt war und denke, es war zuerst mehr Neugier als Erschrecken bei mir. – – – Die Kiowa-Übersetzung des Namens desJungen, Boins – ale*, beschreibt jemanden, der groß und von hellem Teint ist. – – – Sein Name wurde später versehentlich als Boyiddle von der U. S. Government – Prüfungsstelle unter den Kiowas aufgezeichnet, und der verstorbene berühmte Kiowa-Künstler, Parker Boyiddle, war ein Nachkomme von dieser Person. Boin -ale wuchs auf als Kiowa und lehnte als Erwachsener später eine Rückführung ab, weil er sich nicht an seine deutsche Familie oder Kultur erinnern konnte. Er hat mehrere Nachkommen, die hier in und um Anadarko herum wohnen. – – – Ich bezog Boin – ale in das Bild nahe dem Zentrum ein, angezogen als ein Kiowa-Junge, und er ist der Einzige mit blondem Haar „. – – – Sherman Chaddlesone

* Dazu Renate Hugel: Sherman Chaddlesone hatte beide Formulierungen verwendet ( Boin – ale und Boin – Edal ); im Originaltext vom „Winter“ taucht die Schreibweise „Boin – edal“ auf.

2 ) Ich habe diese Geschichte nach den Fakten aufgeschrieben, die Sherman Chaddlesone mir per Mail gesendet hatte. Sherman Chaddlesone hatte (zusammen mit seinem gleichnamigen Druck) diesen Text auf seine Homepage gestellt: „Der Winter, als sie den Kopf schleiften“. So dass ich beides ausdrucken konnte, die Geschichte und seinen Druck.

3 ) In Absprache mit Sherman Chaddlesone habe ich zwei Sätze ausgelassen und den Inhalt mit folgenden Wörtern umschrieben:… „reagierten blitzschnell mit einer Drohgebärde“. Und ich habe diesen Text in meine Geschichte von * bis * integriert.

4 ) „Boin – Edal (Boyiddle) wurde von den Kiowas dort gefangengenommen, wo sich heute die Galveston Bucht im Staate Texas befindet, als er ungefähr 10 Jahre alt war.“ (Übersetzte Originalformulierung von Sherman Chaddlesone, als er meine Fragen in einer weiteren Mail beantwortet hatte.) – – –              Renate Hugel, Bremen, im November 2011

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Linkes Bild: Der Ausdruck des Fotos „Boin Edal – Portrait* in Öl gemalt“ wird in der Runde betrachtet und weitergereicht. – – – * Das Original ist ein historisches Ölgemälde. – – – Rechtes Bild: Parker Boyiddle (21. 07. 1947 – 04. 12. 2007), Nachfahre von Boin Edal (später: Boyiddle: Auch ein Foto von Parker Boyiddle* sehen sich die Kinder interessiert an. – – – *  Nachfahre von Boin Edal – – –  Siehe auch: Homepage von Parker Boyiddle unter: „Links“.

72_TheWi_IMG_5889Hier betrachten die Kinder das Kunstwerk von Sherman Chaddlesone:  Der Winter, als sie den Kopf schleiften…“ – – – –Anmerkung: Auf dem Original ist im Vordergrund die Szene „des Schleifens“ zu sehen.

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Linkes Bild: Renate Hugel: In der Runde mit einer weiteren 4. Klasse im Klassenraum. (Eine Lehramtsanwärterin musste sich auf ihre Prüfungsstunde vorbereiten. Sie hatte mich gebeten, die Geschichte von Boin – Edal dafür einsetzen zu dürfen. Hier: Vorbereitungsstunde zu ihrer Prüfung.)  – – – Rechtes Bild: Szene während des Unterrichts-gesprächs nach dem Vortrag von Renate Hugel: „Die Geschichte von Boin – Edal“.

Die Originalversion (in Übersetzung):

Der Winter, als sie den Kopf schleiften…

 Im Winter von 1837 – 38 zelteten drei Comanchen, zwei Männer und eine Frau, in der Nacht am A’sese P’a (Hölzernen Pfeilspitzen Fluss) welcher heutzutage bekannt ist als die Klare Gabelung des Brazos Flusses im Staat von Texas. Einer der Comanchen bemerkte jemanden, der die Eingangsklappe des Tipis anhob, um sie dann schnell wieder fallen zu lassen. Er erzählte seine Beobachtung den anderen und, so schnell und leise wie möglich rannten sie hinaus und sprangen über das steile Ufer der kleinen Bucht und versteckten sich selbst gerade noch rechtzeitig, bevor ihre Feinde zurückkehrten und in das leere Tipi feuerten. Von ihrem Versteck aus feuerten die Comanchen zurück; dann gingen sie ihren Weg zum nahe gelegenen Kiowa Camp.

Am Morgen kehrte eine Gruppe der Kiowa Krieger zurück zu der Stelle, wo die Comanchen ihr Zelt aufgeschlagen hatten, und holten ihr Habe zusammen mit dem Tipi zurück. Dabei fanden sie einen toten Feind dort liegen, wo er erschossen worden war von den Comanchen. Als sie bemerkten, dass eine große Gruppe der Feinde sie aus der Ferne beobachtete, skalpierten und enthaupteten die Kiowas den toten Feind und, als Warnung, schleiften sie den Kopf in Richtung der feindlichen Gruppe, die sich dann schnell aus dem Bereich zurückzogen. Die Kiowas schleiften dann den Kopf des Feindes zurück und in ihr eigenes Lager und befestigten ihn auf der Spitze eines Pfostens, um ihn dort zur Schau zu stellen.

Der deutsche Gefangene Boin  Edal, ein zu der Zeit kleiner Junge, war ungefähr zwei Jahre bei den Kiowas und wurde Zeuge dieses barbarischen Vorfalls: er erinnerte sich später daran, welch Entsetzen und innere Erschütterung dieses Ereignis in ihm ausgelöst hatte.

Quelle: Homepage von Sherman Chaddlesone

Kunst im Tipi – eine Ausstellung

A72_10x15_lands_19B72_10x15_3IndWom_DSCI0178                                  Foto: Blick auf das Ausstellungstipi – – –  Carol Whitney: Indianische Frauen werden für ihre Leistungen  gewürdigt –Zeitungsartikel auf T-Shirt – Portraits + Konzept: Carol Whitney – Indianische Perlen – Stickerei: Donna Standing – Foto – Poster – 2009 – Hier: Kopie auf A3

C72_10x15_BffBrCrl_DSCI0179D72_10x15_MntouKel_DSCI0181   Carol Whitney: Büffel Brüder – Original: Keramik auf Walnuss – Holzsockel–2009 – Hier: Kopie auf A3 – – – Kelly Church: Die mit dem Manitou sprechen – Acryl auf Leinwand – 2000 – Hier: Kopie auf A3

E72_10x15_BaskCher_DSCI0180F72_10x15_JeMs+Kr_DSCI0177Cherish Parrish: Rindenkörbe – Korbweber–Arbeiten (Foto – Poster) – 2009 – Hier: Kopie auf A3 – – – Jereldine Redcorn: Adler–Mann-Maske  – Original: Keramik auf Holzplatte + Wolle, Perlen, Federn – Hier: Kopie auf A3 – Jereldine Redcorn: Fünf Caddo-Keramik Gefäße (Erdbrand) – 2000 – Hier: Kopie auf A3

G72_10x15_SundShrm_DSCI0182H72_10x15_AptzRon_DSCI0183Sherman Chaddlesone: Dem „Ragweed“ Sonnentanz folgen – Druck auf Arches – Papier – 2000 – Hier: Kopie auf A3 – – – Ronald Anderson: Apachen – Tanz – Acryl auf Papier – 2000 – Hier: Kopie auf A3

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Ronald Anderson: Fünf Deutsche, fünf Indianer – Acryl auf Leinwand – 2000 – Hier: Kopie auf A3 – Foto: Besuch im Ausstellungstipi

Kunstausstellung in einem Tipi:  Im Juni 2011 hatten mein Mann Heinz und ich eine Ausstellung für das Studiohaus Grambke in Bremen zusammengestellt mit dem Titel: Kunst Verbindet. Die gezeigten Werke: Kunst indianischer Künstler. (Hintergrundinformation dazu ist demnächst auf dem Pfad „Kunstbegegnungen“ zu finden.) Organisatorin für Veranstaltungen im Studiohaus war zu der Zeit Elena Brodyanska. Sie arbeitete in einem anderen Zusammenhang auch mit Joachim Burkhardt, Lehrer an der „Schule an der Landskronastraße“ zusammen. Und eines Tages überraschte sie mich mit der Idee, anlässlich des Sommerfestes der Schule in dem Tipi, welches dort auf dem Schulhof steht, eine Ausstellung für diesen Tag aufzubauen – parallel zur laufenden Ausstellung im Studiohaus. Am 24. Juni 2011 war es soweit: Wir hingen im Tipi Kopien indianischer Kunstwerke auf. Diese hatte ich so ausgesucht, dass die Kinder die Bildinformationen gut verstehen konnten. Und so mussten wir auch nicht lange auf die kleinen neugierigen Besucher warten.                                                        Renate Hugel

Danksagung

Ich möchte es nicht versäumen, mich herzlichst zu bedanken bei allen, die bisher bereit waren, das Anliegen „Geschichten erzählen am Feuer“ von Herrn Burkhardt (dem ich mich angeschlossen habe), mit einem eigenen Beitrag dazu zu unterstützen:- – – Ich danke: – – – Sherman Chaddlesone (Kiowa – Indianer aus Anadarko in Oklahoma / USA), der sofort seine spontane Idee für seinen Beitrag dazu auf seine Homepage gestellt hatte, damit ich diesen ausdrucken kann: Eine überlieferte Schilderung von ca. 1838 zusammen mit einem Foto eines graphischen Druckes von Sherman Chaddlesone, den er zu diesem überlieferten Bericht gearbeitet hatte. In seiner Mail ergänzte er zusätzlich seinen Vorschlag mit einigen Anmerkungen in knappen Worten, welche mich sofort interessierten. Und daraus entwickelte sich dann schließlich eine umfassende Schilderung von Ereignissen, welche in der Nähe der „Galveston Bay“ im heutigen Texas ihren Anfang genommen hatten und Spuren hinterließen, welche nachzuweisen sind bis zum heutigen Tag in und um Anadarko (Oklahoma – State). . . – – – Kelly Church (Ottawa / Chippewa – Indianerin aus Hopkins in Michigan / USA), die sehr vertraut ist mit den Mythen ihrer Vorfahren, welche sie in ihrer Malerei thematisiert. Und sie sendete mir per Mail sofort die Kopie einer Legende ihrer Anishnabae – Vorfahren. Eine wirklich in die Tiefe gehende Interpretation unseres Seins, welche chaotische Ereignisse im Leben eines Individuums in Zusammenhang bringt mit dem Sinn von Sein und dem Mut zum persönlichen und individuellen Gestalten seines eigenen Lebens mit Hilfe der Kraft der ureigenen Energie! Das Erreichen eigener Ziele gelingt jedoch nur, wenn das  persönliche Umfeld dabei gleichzeitig integriert wird – Mitmenschen, wie auch Tiere und Pflanzen. . .  – – –  Carol Whitney (Amerikanerin, die über sich sagt: “Mein Leben – geprägt vom Indianischen seit gut 40 Jahren” aus Oklahoma-State / USA) Sie antwortete mir umgehend und schwärmte mir vor, dass sie eine eigene Geschichte erfinden wird, in der ein kleines indianisches Mädchen zusammen mit seinem Opa die Hauptrolle spielen wird. Ihre kleine Geschichte wirft den Focus auf das Problem der jungen Elterngeneration: Wie können sie das Andenken an ihre Vorfahren und ihre Lebensweise im Bewusstsein ihrer Kinder lebendig werden lassen und erhalten? – – – Bear Lamontt (Kiowa – Indianer aus Oklahoma-State / USA): Ihm gebührt ebenfalls herzlicher Dank dafür, dass er – zusammen mit Carol Whitney – die junge Familie begleitet und motiviert hat. Darüber hinaus hat er zu dem Beitrag von Carol traumhaft schöne Fotos beigesteuert! – – – Außerdem danke ich beiden – Carol Whitney und Bear Lamontt – für die Zusendung von indianischen Kinderbüchern! – – – Meine Danksagungen richten sich darüber hinaus auch an Herrn Joachim Burkhardt, wie auch an Jochen Richter! – – –                                                      Renate Hugel