Category Archives: Kunstbegegnungen von Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 43“

Lamontt Bear – Teil I

Lamontt Bear: Sonnenuntergang auf dem Mount Scott“, 2011, Oklahoma (USA)

Lamontt Bear (Kiowa – Ureinwohner Amerikas):

Impressionen aus Oklahoma – zurück zu den „verinnerlichten Orten“

In diesem aktuellen Beitrag stelle ich Fotos von Lamontt Bear (LB) (Kiowa Ureinwohner Amerikas)  vor. Seine Aufnahmen berühren durch ihre Kraft und Intensität: Dem sich ihm bietenden Naturschauspiel verleiht er eine Steigerung zur absoluten Schönheit, indem LB sein gewähltes Motiv so in Szene setzt, dass es die Intensität der Farben nicht nur spiegelt, sondern sie bis zu überirdischer Schönheit überhöht…

Wenn ich die gezeigte Foto-Serie (siehe unten, nach diesem Text) mir in ihrer Gesamtheit betrachte, bekomme ich den Eindruck, als ob den einzelnen Bild-Themen von LB eine bestimmte Philosophie innewohnt…

Um diese zu erkennen, beschäftige ich mich zunächst mit dem persönlichen Hintergrund von Lamontt Bear:

Doch, vorab möchte ich LB persönlich zu Wort kommen lassen: „Ich sende diese Bilder von den Stellen, an denen ich Einsamkeit finde: Die Wichita-Berge – dem Reservat für Tiere am Fuße des Cobb Sees. Dort verbrachte ich als Kind (und jetzt Erwachsener) viele Tage mit meinem Großvater, der die Einsamkeit zum Erbe unserer Vorfahren zählte“… (Zitat von Lamontt Bear)

Für ihn, den Kiowa Großvater, war es existenziell wichtig gewesen, das Erbe der eigenen Vorfahren weiterzutragen an seine Kinder und Kindeskinder! Als Lamontt Bear zu einem jungen Mann herangewachsen war, war für seinen Großvater die Zeit gekommen, seinen Enkel nun zu unterweisen in das, was ein Kiowa – nach Sitte der Vorfahren – lernen muss:

Er sollte die Ausbildung erhalten, die in der Vergangenheit als die richtige Erziehung für einen jungen Mann vorgesehen war!

 Der Kiowa Großvater ging also mit seinem Enkel Lamontt Bear in die Wichita Berge, bestieg mit ihm zusammen den Mt. Scott oder sie gingen zum Fischen an den Ft. Cobb See.

 Nachdem die Phase der Einführungszeit beendet gewesen war, ging der Großvater zurück und verließ die Wichita Mountains. Lamontt  Bear war nun sich selbst überlassen in dieser totalen Einsamkeit der Berge.

Denn, Einsamkeit ertragen zu können, ist das große Lernziel, das für seine Kiowa Vorfahren erstrebenswert war. Sie wussten, dass diese Erfahrung den jungen Menschen reifen lässt und zu innerer Stärke führt, indem er sich mit sich selbst auseinander setzt. Letztendlich bedeutet das auch, seinen Frieden zu finden.

Überleben zu lernen, wie auch, mit der Natur zu kommunizieren, sind weitere Lernziele, welche für seine Kiowa Vorfahren äußerst wichtig waren.

 Im Laufe der Jahre hatte LB darüber hinaus eine innere Vertrautheit erlangt zur Natur und zu ihren rhythmischen Wandlungen innerhalb eines Tages, Monats oder innerhalb eines Jahres.

So war er selbst fast Teil dieser ihn umgebenden Natur geworden, denn er reagierte auf alles Unerwartete inzwischen intuitiv! Und sein Wesen war erstarkt, ruhig und geduldig geworden, weil er sein menschliches Wollen mit der  Natur abgestimmt hatte!

Trotzdem konnte er tatkräftig sein und zielgerichtet denken. Denn dabei deckte sich sein Aktionsrahmen ebenso intuitiv mit seiner inneren Verbundenheit zur Natur!

 Der Nachkomme des berühmten White Bear* war nun ein anerkanntes Mitglied seiner Familie, wie auch seines gesamten sozialen Umfeldes geworden!

(* White Bear, der berühmte Krieger aus den 1800er Jahren)

Dazu gehörten seine Kiowa Verwandten und andere ihm bekannte Kiowa Familien, aber auch seine Cheyenne Verwandten und andere ihm bekannte Cheyenne Familien. Denn: Lamontt Bear hat einen Kiowa Vater und eine Cheyenne Mutter. Diese bemerkten sehr wohl, dass aus LB etwas Besonderes geworden war:

Einer seiner Cheyenne Onkels hatte gesagt, dass er (Lamontt Bear) wie die besonderen Krieger sei, die als die tapfersten Beschützer in früheren Zeiten angesehen waren. Lamontt Bear ist eine Mischung aus den alten und aktuellen Wegen.“ (Zitat von Carol Whitney)

Die Anerkennung, welche dem jungen Lamontt Bear innerhalb der Familie und von Freunden zuteil worden war, tat Lamontt Bear gut! Und so verkörperte er nun ebenso allen Stolz und Mut, wie es seine Leute taten!

Somit war er integriert und identifizierte sich mit seinen Leuten, den Ureinwohnern im Südwesten Oklahomas!

Doch, die Welt um ihn herum funktionierte ganz anders!

Das konnte und wollte er nicht negieren!

Darum hatte LB beschlossen, sich auch auf diese Welt einzulassen!

 LB erlernte einen Beruf. Auch hatte es ihn in die Ferne gezogen zu Menschen anderswo auf der Welt. Gerne blickt er darauf zurück, dass er in vielen Ländern gearbeitet hat, u. a. auch in Deutschland…

 Aus der Erfahrung von Einsamkeit hatte es ihn zu den Menschen gezogen, und war Weltbürger geworden…  

 Heute sagt er von sich, dass er wirklich viele Leben gelebt hat!

 Inzwischen geht er wieder gerne zu den Orten seiner Jugend. Das Gefühl von einst hatte sich verändert – auch die Sichtweise! Diese Erkenntnis hatte ihn dazu gebracht, ein neues Element in sein Leben zu integrieren: die Kamera!

Mit seinem „besonderen Erfahrungsschatz“ hat Lamontt Bear ein beachtliches „Kapital“, das ihn gleichzeitig fordert, dieses mit seinen Fotos so auszudrücken, so dass etwas von seiner Erfahrung dem Betrachter transportiert wird!

Es gibt die Fotos, auf denen LB die überirdische Schönheit der Natur die Hauptrolle spielen lässt, indem er sie perfekt in Szene gesetzt hat.

Andere Motive zeigen weitere Orte, die LB vertraut geworden waren – auf dem Mt. Scott, in den Wichita Bergen, am Ft. Cobb See oder im Reservat für Tiere der Wichita Berge…    

Doch LB integriert mit seinen Fotos nicht nur die Zeit mit seinem Großvater und der Einsamkeit. Er widmet sich auch dem Thema Technik, das ihn während seiner Berufstätigkeit begleitet hatte und sein Denken bestimmt hatte. Dabei denke ich zum Beispiel an das Foto „Wind Turbine im Nebel“. An diesem Foto finde ich es faszinierend, wie das eigentliche technische Motiv lediglich als „Zitat“ zu erkennen ist (auf der linken Fotoseite läuft ein Flügel der Wind Turbine schräg durch das Bild). Dieser leuchtet dabei in dem Orange des ihn umgebenden Lichtes. So wird das Foto bestimmt von dem Lichtschein im diffusen Umfeld, dem Nebel. Die Technik tritt zurück angesichts des Naturgeschehens…

„Lamontt Bear: „Wind Turbine im Nebel“

Auf einem weiteren Foto hat LB Wind Turbinen thematisiert. Auch hier bestimmt die Natur das Geschehen. Ein dramatischer  Himmel dominiert die Szene und den gesamten Bildraum. Mit der gewählten Perspektive macht LB deutlich sichtbar, wie klein der Mensch im Grunde ist – angesichts der Natur. Dafür hat er sich (mit seiner Kamera) auf die Ebene des Gestrüpps begeben, das im Vordergrund des schmalen Landstreifens zu sehen ist. Aus diesem Blickwinkel heraus berühren einige der bedrohlich wirkenden Wolken fast die Erde. Das Darüber ist in Schwarz getaucht, ebenso ein Teil des Landstreifens, während dazwischen die Ausdehnung des Himmelraumes zu erahnen ist! Jene immensen Ausmaße von Himmel und Geschehen relativieren die Größe und Stabilität der Wind Turbinen – und ihre Streben spielen (in der Wahrnehmung des Betrachters) mit den dünnen Ästen des Gestrüpps im Vordergrund…

Lamontt Bear: „Wind-Turbinen“

Dramatik besitzen auch die Fotos, auf denen LB die Schönheit der Natur überhöht. Die Natur folgt den Veränderungen der Kräfteverhältnisse und ihre Dynamik ist wertfrei, bezieht sich nicht auf das Wohl oder Wehe des Menschen…

Das ist sicherlich eine Botschaft, die Lamontt Bear uns als Betrachter mit seinen Fotos übermittelt. Und diese Botschaft zeugt von seinen jungen Jahren, in denen er „mit der Natur geatmet hat“…

Renate Hugel  

Zum Schluss möchte ich Carol Whitney zitieren, die LB seit einigen Jahren auf seinen Wegen, zurück zu den Orten seiner Kindheit, begleitet:

Die Vision von Lamontt Bear geht über die mechanische Aufnahme von Natur hinaus.

Er fängt den Zauber von Licht, Masse und Struktur ein und nimmt mit seinem Verstand Schönheit jenseits von Wörtern wahr aufgrund seiner Erfahrung mit der Natur.

Seine Kamera ist das Werkzeug, um seine Vision mitzuteilen.

Seine Wurzeln als amerikanischer Ureinwohner liefern ihm die glasklare Linse, die vermittelt, was er sieht“… (Carol Whitney)

Lamontt Bear: Doppelter Regenbogen“, 2011

 

Lamontt Bear: „Blick auf die Wichita – Mountains“, 2011

Lamontt Bear: „Auf dem Gipfel des Mt. Scott“, 2011

Lamontt Bear: „Sonnenuntergang über Oklahoma – Land“, 2015

Lamontt Bear: „Baum-Portraits nach dem Sturm“, 2015

Lamontt Bear: „Überschwemmung nach dem Sturm“, 2015

Lamontt Bear: „Wind Turbine im Nebel“, 2015

Lamontt Bear: „Langhorn im Wichita Mountain Refuge“, 2015

Lamontt Bear: „Fischen am Ft. Cobb See“, 2017

Lamontt Bear: „April-Berg-Wispern“, 2017

Lamontt Bear: „Fischende Sterne“, 2017

Lamontt Bear: „Sonnenbrillen-Fischen“, 2017

Lamontt Bear: „Wind-Turbinen“, 2017

Lamontt Bear: „April-Berg-Wispern“, 2017

 

„Das Zeremonie-Tipi“

Lamontt Bear: „Tipi-Schatten“, 2017

(Aufgenommen während des Kiowa-Gedenktag-Wochenendes – und nachträglich mir zugesandt)

 

Hier stellt sich Lamontt Bear persönlich vor:

Lamontt Bear im Portrait

 Ein Portrait-Foto zu erhalten, war mein Anliegen gewesen. Erhalten habe ich drei Fotos.

Warum?

Nach meinem Verständnis begnügt sich Lamontt Bear nicht  mit der Darstellung seiner äußeren Erscheinung. Ihm geht es vielmehr darum, was seine Persönlichkeit ausmacht:

Die Einsamkeit in den Bergen ist Teil seiner Person geworden und hat damit seine Persönlichkeit geprägt. Was das Foto in der Mitte symbolisch zeigt.

Darüber hinaus zeigt das Foto unten eine Situation, in der sich Lamontt Bear in einem meditativen Zustand befindet. Die Beleuchtungssituation der Aufnahme lässt LB mit der Landschaft in den Wichita Bergen verschmelzen.

Das Foto zeigt für mich, dass LB die Fähigkeit erworben hatte, sich auf das stille Sein der Natur einzulassen.

 Seine einstige tiefe Erfahrung von Einsamkeit hat seine Person der Art geprägt, dass er sich später der Welt öffnete! – Wie das Portrait-Foto oben zeigt.

Mit anderen Worten: Lamontt Bear hat mit diesen drei Fotos zu seiner Person sein Leben, welches das Wachsen seiner Persönlichkeit geprägt hat, zusammengefasst!

Renate Hugel

Selbstportrait von Lamontt Bear

Einer seiner verinnerlichten Orte

(in den Wichita Bergen)

Lamontt Bear, meditativ

Fotos: Lamontt Bear

 

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Lamontt Bear habe ich unter „Kunstbegegnungen“ den Beitrag „Kunstbegegnungen – 43“  geschrieben.

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.

Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 42“

Ronald Anderson (Künstler amerikanischer Ureinwohner):

“Apachen Tanz”,  Acryl auf Recycling-Pappe, 80×57 cm, 2000

Tanz der Apachen in der Nacht

 Das vorliegende Acrylgemälde auf Recycling-Pappe (mit den Maßen 80X57 cm) hatte  Ronald Anderson im Sommer 2000 während des Symposiums in Bremen gemalt. Mit seinem Bild entführt er den Betrachter in eine typische Tanz-Szene der Apachen:

Um ein hell flackerndes Feuer bewegen sich die Tänzer, tragen in ihren Händen kurze hölzerne Schwerter. Die im Schatten sich befindenden  Personen erscheinen düster mit ihrer schwarz-weißen  Oberkörper-Bemalung, dem Rock und den Stiefeln, wie auch dem nach oben strebenden Aufbau auf ihren Köpfen: Die Basis bildet dort eine waagerechte Latte, von der rechts und links lange Stäbe emporragen, während dazwischen etwa drei bis vier Kerzen leuchten. Um dem Ganzen Halt zu geben, wird dieser Aufbau mit einem Band zusammen gehalten und am Körper fixiert (helle Rauten auf den Oberkörpern). Dadurch wird klar, dass der Tänzer vorne links im Bild von hinten zu sehen ist. Dasselbe trifft auf die kleine Person rechts daneben zu. Hinter dem Feuer, hingegen, befindet sich ein Tänzer, der vom Schein der Flammen hell erleuchtet ist.

Wenn der Blick nun vom Detail zurück zur Gesamtansicht wechselt, wird eine gemeinsame Energie der Personengruppe wahrnehmbar: Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich hier die Tänzer nach einer verinnerlichten Struktur des Ablaufs – während das Feuer sich im Zentrum befindet…

Für mich ist es offensichtlich, dass das vom Feuer erleuchtete Zentrum die Tänzer zu ihrem persönlichen inneren leuchtenden Zentrum führen soll… – als Voraussetzung dafür, seinen eigenen Geist zu erleuchten und die Gedanken zu klären…

Der rechts im Bild erscheinende Vollmond zeigt an, dass dieser „Apachentanz“ in der Nacht stattfindet. Die Symbolkraft der „Nacht“ (die für das Unbewusste steht) sehe ich als Ausdruck für den Willen zur Erleuchtung: Sie, die Nacht, kräftigt die Verbindung von Bewusstheit zum Unbewussten… Doch auch die immense Kraft der Natur, die sich in Tier, Pflanze, aber auch Landschaft manifestiert, ermöglicht Identifikation und Ausrichtung auf die eigene Energie: Die Tänzer nehmen in sich auf deren seelische Ruhe und Kraft in ihrem So-Sein…

An dieser Stelle kehrt meine Erinnerung zurück zum Jahr 2001:

Es war bereits dunkel geworden an diesem Tag, den wir bei der Kiowa Black Leggings Zeremonie zugebracht hatten (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 41“). Wie bereits im vorherigen Beitrag erwähnt, gab es zum Abschluss der Zeremonie ein gemeinsames Essen zusammen mit der Familie Chaddlesone, die uns dazu in ihrem Esspavillon eingeladen hatte. Schließlich dachten wir daran, aufzubrechen und uns von unseren Gastgebern zu verabschieden.

Den Veranstaltungsort hatten wir – insgesamt acht Personen – mit dem Auto erreicht und stiegen nun alle wieder dort hinein.

Bei dem Stichwort „Auto“ schweife ich nun etwas ab und möchte erwähnen, dass unser Besuch grundsätzlich wirklich perfekt durchgeplant worden war. Das bedeutete für die weiten Entfernungen auf dem Gebiet des Landes Oklahoma, dass wir auf ein Auto angewiesen waren. Und dafür hatte Ronald Anderson gesorgt: Wenn ich es richtig erinnere, war es sein Schwager, der großzügiger Weise uns ausgeholfen hatte – in seiner Funktion als Pastor der FELLOWSHIP OF AMERICAN INDIANS CHURCH in Chickasha OK. Der Kleinbus, mit dem wir fahren durften, trug diesen Namenszug mit großen Lettern. Unseren Dank dafür – mündlich bereits ausgesprochen – möchte ich hier noch einmal schriftlich bekräftigen!

Bald bemerkten wir, dass Ronald Anderson für die Heimfahrt einen seltsam anmutenden Weg eingeschlagen hatte! Es wurde immer dunkler! Rechts und links der engen Straße nahmen wir im tiefen Schwarz Konturen von Waldrändern oder einfach nur das reine Schwarz, offenbar über Feldern, wahr. Für mich war es unvorstellbar, wie er sich in diesem Labyrinth aus Schwarz – ohne jegliche Beleuchtung – orientieren konnte! Ronald Anderson vermochte es aber offenbar: Mit allergrößter Sicherheit bog er in eine querende Straße ein, verließ diese wieder und fuhr unbeeindruckt weiter in dieser Dunkelheit!

Unvermittelt – für uns – wurde er langsamer, hielt aber nicht an, sondern blieb bei der geringen Geschwindigkeit. Dabei hatte er nach links geblickt. Wir folgten seinem Blick auf ein weites Feld unter dem schwarzen Himmel, links davon zeugten die Schatten von einem beginnenden Wald…

Das Feld aber hatte den Blick freigegeben auf eine Szenerie!

Wir erkannten drei Personen, die  – in Hockstellung – bei hoher Aufmerksamkeit und Konzentration Bewegungen mit ihren Armen und ihren kurzen Schwertern ausführten. Auf ihren Häuptern hatten sie den Aufbau mit brennenden Kerzen getragen, wie auf dem obigen Acrylbild von Ronald Anderson zu sehen ist. Offenbar befanden sich diese Tänzer in einer anderen Phase der Zeremonie als auf dem Bild dargestellt…

Uns war zwar nur eine flüchtige Wahrnehmung des Geschehens im Vorbeifahren geblieben, doch dieser flüchtige Eindruck hatte es geschafft, uns mit einer weiteren Realität der Identitätsfindung zu konfrontieren!

Heftiger konnte ein Kontrast nicht erfahrbar werden:

Eben hatten wir die Kiowa Black Leggings Zeremonie verlassen, wo wir den gesamten Tag verbracht und dort ein durchorganisiertes Programm erlebt hatten mit mindestens 800 (oder mehr?) Teilnehmern, bzw. Zuschauern des Kiowa-Stammes. Diese konnten damit einander zusätzlich zu den gelebten Traditionen sich gegenseitig Identität geben.

Und nun das!

Ein kläglich kleines Grüppchen widersetzte sich da dem Vergessen! …

Interpretation: Renate Hugel

Ronald Anderson

Künstler Amerikanischer Ureinwohner –

Ronald Anderson, 2001: Während eines Gesprächs über Kunst

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Ronald Anderson habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 1, 13, 19, 25, 29, 34  und 42“geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).  

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA)

Hinweis: (vom 24. 07. 2015):  Siehe auf HOME: „Anmerkung zu Ronald Anderson“

Renate Hugel

 

„Kunstbegegnungen – 41“

– Renate Hugel –

Created with Nokia Smart Cam

Renate Hugel: “Die Deckenfrau”, Acryl auf Karton,

28×41 cm, bzw. 39×52,5 cm (mit ausgeklappten Seitenteilen), 2001

Die Deckenfrau

Das Bild „Die Deckenfrau“ habe ich im „Heaven“ gearbeitet (siehe „Heaven“: „Kunstbegegnungen – 31“) und mit Acryl auf einen Karton – Deckel gemalt, inklusive der vier Seitenflächen des Deckels. Darum war meine Arbeit zunächst dreidimensional. Für den Transport hatte ich allerdings die Verklebung der Seitenteile gelöst. Auf dem Foto oben sind die ausgeklappten Seitenteile zu erkennen.

Die spontan gesetzte Motiv-Komposition besteht aus  assoziativ gemalten Elementen und Farbflächen zwischen Blau, Rot und Pastellgrün. Darüber hinaus erfuhren einige Flächen und Motive gestische Einritzungen.

In seiner Aussage bezieht sich „Die Deckenfrau“ auf ein Erlebnis, das zu dem damaligen Zeitpunkt einige Tage zurückgelegen  hatte:

Wir Gäste waren eingeladen worden, an der jährlich stattfindenden Kiowa Black Leggings Zeremonie teilzunehmen.

Diese Zeremonie ist das jährliche Hauptereignis, das große Pow Wow, des Kiowa – Stammes. Damit ist es für alle Stammesangehörigen Gemeinschaft- und Identität-stiftend.

Auf einem großen Areal befand sich ein eigens errichtetes Tipi, von der Tribüne aus auf der  linken Seite platziert. Die farbliche Gestaltung der Tipi-Ummantelung entspricht der Tradition: Eine Hälfte des Tipi-Stoffes ist gelb-schwarz gestreift, wobei die Streifen waagerecht verlaufen. Der restliche Stoff ist weiß, im oberen Teil bis zur Spitze jedoch rot. Über die Spitze hinaus ragen – wie üblich – die Holzstangen des Tipis.  Auf einer dieser Stangen ist die amerikanische Flagge im Wind wehend zu sehen. Der Eingang des Zeltes befindet sich auf der Seite, die zu dem kleinen Waldstück dahinter weist*.

Genau gegenüber befindet sich die große Tribüne, errichtet worden für die Besucher, die Zuschauer. Die Sitzreihen verliefen an der Längsseite des oben erwähnten Areals entlang. Die weiteren Sitzreihen dahinter waren gleichzeitig stufenförmig nach oben angeordnet, so dass die Besucher von allen Plätzen aus die Zeremonie verfolgen konnten.

Wenn ich von den Zuschauern spreche, meine ich schätzungsweise achthundert Personen. Sie waren vorwiegend amerikanische Ureinwohner der Kiowa – bis auf uns Gäste. Andere Ausnahmen waren die Ehepartnerinnen oder Ehepartner, die einem anderen Stamm angehören, ihren Partner, ihre Partnerin jedoch begleitet hatten.

Anmerkung zu * (siehe oben im Text): Die Leute waren zum Teil von weither angereist und hatten in dem kleinen Waldstück die Möglichkeit, dort zu übernachten. Die meisten Angereisten hatten hier ihre Kombis oder auch Wohnwagen abgestellt. Auch wer abends noch nach Hause fahren wollte hatte bereits am Vormittag Zelte und, oder Pavillons aufgebaut, vorwiegend „Esspavillons“.

Zum Ablauf der Zeremonie:

Die gesamte Zeremonie folgte einer festgelegten Reihenfolge von Programmpunkten:

  • Die Ansprache: Sie begann mit der Nachricht vom Kriegsbeginn in Afghanistan. Es folgten Gebete und ernste Worte, da viele junge amerikanische Ureinwohner aus ihren Reihen eingezogen worden waren.
  • Nach alter Kiowa-Tradition begannen die Frauen der „siegreichen Krieger*“ mit dem Tanz der Frauen.

 Es folgte der Tanz der jungen Krieger*. Dass viele der jungen Männer fehlten, war sorgenvoll angekündigt worden (siehe Punkt 1).

Anmerkung zu *: Der Begriff „Krieger“ war für uns sehr gewöhnungsbedürftig, da eher pazifistisch eingestellt. Tatsächlich hatten wir die amerikanischen Ureinwohner als sehr freundliche und wohlwollende Menschen erlebt, für die es selbstverständlich war, uns Gäste in ihren Reihen aufzunehmen und an ihren Traditionen teilnehmen zu lassen. Somit hatten wir sie als friedvoll gestimmt erlebt.

Nun ist aber diese authentische Zeremonie der „rote Faden“ zur „Blutlinie“ ihrer Vorfahren und die tradierten Bezeichnungen –  daher für die Kiowa-Ureinwohner selbstverständlich.

  • Der nächste Einzug begann mit jungen amerikanischen Ureinwohnerinnen, die die Aufgabe hatten, die Veteranen anzuführen und auf die Bühne zu begleiten.

Alle diese Männer waren seinerzeit verpflichtet gewesen, in Vietnam zu dienen. Hier führten sie nun den Tanz der Veteranen aus.

Auch Sherman Chaddlesone gehörte der Gruppe der Veteranen an (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 11“).

Dieser Programmpunkt ist nach meinem Empfinden nicht ausschließlich eine Anerkennung des geleisteten Einsatzes – wie es vielleicht in der Vergangenheit gedacht war. Mit dieser Zeremonie fühlen sich die Afghanistan-Veteranen aufgenommen im Kreise der Gemeinschaft. Dort erfahren sie eine Geborgenheit, die ihnen hilft, erlittene Verletzungen – körperlicher, wie auch seelischer Art – zu verarbeiten…

Der Tanz der Veteranen zog sich sehr in die Länge und wurde von allen Beteiligten mit Ernst und Hingabe ausgeführt. Nach Abschluss dieses Tanzes der Veteranen betraten bisher unbeteiligte Frauen aus der Zuschauermenge schließlich die Tanzfläche, um sich dem Tanzen anzuschließen. Wichtig war es, sich dabei in eine Decke zu hüllen: Das war die Phase des „Deckentanzes“. Margaret Hettrick (siehe: „Kunstbegegnungen – 6 + 23“), die aus Texas angereist war, um der Zeremonie beizuwohnen, hatte sich ebenfalls auf die Tanzfläche begeben und sich vorher in eine Decke gehüllt. Irgendwann kam Sherman Chaddlesone’s Schwester zu meinem Mann Heinz und mir, umhüllte uns jeweils mit einer Decke und führte uns auf die Tanzfläche!

Später erfuhren wir, dass wir die ersten Deutschen waren, denen diese Ehre des Mittanzens zuteil geworden war!

Solch eine großmütige und Freundschaft-stiftende Geste hatten wir als großen Vertrauensbeweis empfunden!

Dem Tanz der Veteranen folgte dann abschließend die Zeremonie:  Der besiegte Tod.

In seiner Gesamtheit folgt der „Tanz der Veteranen“ einer bestimmten Choreographie. Dabei muss jeder Schritt genau sitzen. Diese Information sollte uns „Ahnungslosen“ auf die Feinheiten aufmerksam machen. Deshalb konnten wir die minimalen Bewegungsabläufe, wie auch den gesamten Aufbau gar nicht wahrnehmen. Was wir aber deutlich erkennen konnten, war, wie groß die körperliche Anstrengung, und wie hoch die stundenlange Konzentration gewesen sein mussten: Sherman Chaddlesone sank am Ende sichtlich erschöpft auf seinen Sitz.

  • Der letzte Programmpunkt der Gesamt-Zeremonie war dann eine Namensgebung-Zeremonie für ein Kleinkind: Die Leute aus dem Umfeld der jungen Familie beschenkten sich gegenseitig. Dafür sind viele Leute auf die Veranstaltungsfläche gegangen und haben dort Tüten oder Taschen – mit Namenschildern versehen – abgestellt.

Während der Namensgebung wurden vor dem jungen Elternpaar Geldscheine hingelegt. Die Namen der Beschenkten („gegenseitige Beschenkung“) wurden anschließend verlesen. Und so war jeder Beschenkte zu seinem Geschenk gekommen.

Nachdem die Veranstaltung schließlich beendet worden war, löste sich die Menschenmenge auf: Viele Ureinwohner hatten sich auf den Heimweg gemacht, doch es gab auch zahlreiche Angereiste, die in dem kleinen Waldstück übernachten wollten (in ihren Zelten, Pavillons oder Wohnwagen, bzw. Kombis). Zunächst begab man sich jedoch in die vorbereiteten Esspavillons. Auch die Familie Chaddlesone hatte einen Esspavillon vorbereitet, und wir Gäste waren alle eingeladen, dem gemeinsamen Essen beizuwohnen! Abermals waren wir überwältigt von der großen Gastfreundschaft,  Herzlichkeit und Freundlichkeit, die uns entgegengebracht worden waren!!!

Der Klang der Trommel wirkte noch immer energie-gebend in uns nach. Pausenlos hatten die Trommler während der gesamten Kiowa Black Leggings Zeremonie getrommelt zu den verschiedenen Programmpunkten dieses Nachmittags und hatten damit eine wichtige Rolle gespielt.

In dem Zusammenhang erscheint es wahrscheinlich unverständlich, dass ich auf meinem Acryl-Bild „Die Deckenfrau“ rechts außen eine Flöte gemalt hatte, die die Farbe ihrer Umgebung aufweist und in großem Abstand zur „Deckenfrau“ sich befindet.

Ich hatte den ganzen Nachmittag die vage Empfindung, als ob zart bewegte Luft in Schwingung geraten war und sensible Flötentöne zwischen den Menschen verbreitete: Eine gemeinsame Stimmung unter den Menschen, die etwas weit Entferntes  innerlich bewegte – etwas aus der zeitlichen Ferne …

Die Trommeln hatten Energie und  Rhythmus der Vortragenden hörbar gemacht. Die Stimmung der Menschen darauf hatte sich unterschiedlich geäußert, war jedoch getragen von einer gemeinsamen inneren Schwingung…

Dieses innerliche Bewegt-Sein hatte ich gleich einem unscheinbaren, fast gehauchtem Singen oder Flötenspiel aus der Vergangenheit vernommen: ein zarter Klang lag in der Luft, gleichzeitig wie ein leicht rauer Atem-Hauch, der aus weiter Ferne als einende Erinnerung an die Ahnen und die Vergangenheit zu kommen schien…

 Alle zusammen hatten während der gesamten Zeremonie die Chance, ihre ihnen allen „ureigene Melodie zu singen“…

 Das Gedenken an die Ahnen ist eine respektvolle Geste, die ihren Ausdruck in der Ausführung der Tradition findet und als Empathie für das Schicksal der Ahnen beabsichtigt ist.   

Im Gedächtnis geblieben war uns die unverstellte Herzlichkeit uns gegenüber. Gleichzeitig hatte mich die intensive Hingabe aller Beteiligten (Ausführende, wie auch Zuschauende) an die Traditionen ihrer eigenen Vorfahren beeindruckt! Besonders zählte dazu der angemessene Respekt für die Vorfahren und die Ernsthaftigkeit bei all ihrem Tun…

Vor einigen Jahren hatte ich ein Foto gefunden, das ich 2001 während der „Black Leggings Zeremonie“ aufgenommen hatte. Dieses war mir geeignet erschienen als Beispiel für das, was ich oben ausgeführt hatte. Auch hatte es mich inspiriert zu der Arbeit „Mutter und Tochter folgen der Zeremonie“(2012).

Bildangaben:

Renate Hugel: „Mutter und Tochter folgen der Zeremonie“ – Oder: „Bewahren schafft ein starkes Band“, Mischtechnik, Absprengtechnik (29,5×41,5 cm), 2012 (Siehe auch: 19. Februar 2015 auf HOME)

Dieses Bild hatte ich gearbeitet mit schwarzer, wie auch andersfarbiger Tusche und Deckweiß. Nachdem ich eine Entwurfsskizze auf das Papier gebracht hatte, musste ich zunächst helle, wasserfeste Farben setzen und dann entscheiden, welche Flächen erhalten bleiben sollen: Weil meine Vorgehensweise nun der sog. „Absprengtechnik“ folgte. Alles, was erhalten bleiben sollte, wurde nach dem Trocknen mit Deckweiß abgedeckt. Auch das muss erst einmal trocknen, wonach das gesamte Bild mit schwarzer Tusche bemalt wird. Wenn auch das wiederum getrocknet ist, kann das Bild unter Wasser abgewaschen werden. Alles, was nicht abgedeckt worden war mit Deckweiß, hatte sich schwarz gefärbt (bei mir teilweise gemischt mit Rotbraun). Das nun nasse Deckweiß unter der schwarzen Tusche platzte auf, ließ sich abwaschen und gab die Farben darunter frei. In dem Moment, in dem ich das Abwaschen stoppe, kann ich gewünschte Deckweißspuren erhalten…

Die Absprengtechnik hatte ich gewählt, weil durch den Prozess dieser Technik bereits Verborgenes wieder ans Tageslicht befördert wird…  – und sie, die Technik, somit zum Symbol für das „Hervorholen von Vergangenem – und damit „Verloren-Gegangenem“ – wird…

Meine Intention, die tradierende Kraft, weitergegeben an die Kinder, sichtbar werden zu lassen, sehe ich in der inneren Haltung der Personen meines Bildes: Die Mutter ist vertieft in Konzentration und offensichtlich dabei „innerlich angekommen“, in Erwartung der Zeremonie. Das Mädchen orientiert sich am Verhalten der Mutter, wie auch an ihren Gefühlen und ihrer inneren Haltung…

So erhält die Kette der Zeremonie-Wiederholungen mit den Jahren jedesmal ein neues Kettenglied in der Zeit…

Der oben beschriebene Prozess des „Zurückgehens zu den Wurzeln“nicht nur gedanklich, sondern auch durch körperlichen Einsatz, also mit dem Tun und Ausführen der Traditionen bei entsprechend innerer Haltung“, das erschafft innere Stärke, die den Menschen im Hier und Jetzt eine gewisse Größe verleiht!!!!!

Interpretation: Renate Hugel

Renate Hugel

 (Bremen, Deutschland)

Renate Hugel-Selfie, 2017

www.other-q.com/renate-hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Renate Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 9, 17, 22 und 41“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.

Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 40“

– Jereldine Redcorn –

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Jereldine Redcorn: „Fünf Gefäße“

Keramische Gefäße, gearbeitet nach dem Vorbild der eigenen Ahnen, den Caddo – Ureinwohner Amerikas, Bremen (Deutschland), 2000

Anmerkung: Zusammenstellung der Fotos von den fünf Gefäßen: Renate Hugel. Dabei habe ich das Foto von dem Kopfgefäß etwas bearbeitet  – mit Zustimmung von JR.

Jereldine Redcorn: The Queen Of Clay

(und: Abschied vom Weißen Haus)

Über das Anliegen und die Arbeiten von Jereldine  Redcorn (JR) (Künstlerin Amerikanischer Ureinwohner, Caddo, aus Norman, Oklahoma, USA) habe ich bereits mehrfach geschrieben:

„Kunstbegegnungen – 2“: „Caddo Keramik von Jereldine Redcorn“

„Kunstbegegnungen – 10“: „Zwischenzeit“ und „Nach Kolumbus“

„Kunstbegegnungen – 18“: „Die fühlende Hand”

In Oklahoma haben wir JR (2001) zu den gemeinschaftlichen Präsentationen gesehen und konnten sie auch in ihrem Zuhause in Norman besuchen.

An dieser Stelle führe ich ein Zitat von Jereldine Redcorn an, weil es mich zu den Beiträgen über ihre Arbeit inspiriert hatte:

“Creating Caddo pots becomes a journey with my ancestors. I use the tools, materials and firing methods as close to what, I believe, the old Caddos would have used 500 years ago. The earthenware created truly comes from e –nah – wah – dut, the mother earth.” (Jereldine Redcorn)

– „Caddo-Keramik-Gefäße zu erschaffen, ist für mich wie eine Reise zusammen mit meinen Vorfahren. Ich benutze die Werkzeuge, Materialien und Feuerungsmethoden, möglichst so nahe dran an dem, von dem ich glaube, dass sie die Caddo-Ahnen vor 500 Jahren verwendet haben könnten. Die original geschaffenen Keramiken kommen von e – nah – wah – dut, der Mutter Erde.“     ( Jereldine Redcorn) -…

Das Foto unten hatte ich 2001 während einer Fest-Veranstaltung mit Präsentationen auf dem Gelände des Rose State College in Oklahoma City (Oklahoma, USA) aufgenommen:

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Ich schätze an dieser Aufnahme, dass dort die Mathematiklehrerin J. Redcorn im Zustand von Achtsamkeit und Konzentration sich ihrer Rationalität verpflichtet zeigt. Gleichzeitig weist ihr traditionelles Gewand (zusammen mit dem traditionellen Schmuck) darauf hin, dass zu ihrer Persönlichkeit (über das wissenschaftliche Denken hinaus), eine Verbundenheit mit ihren Ahnen gehört!

Durch ihre Arbeit, die Keramiken ihrer Ahnen, wie auch die erforderlichen Herstellungstechniken zu rekonstruieren, gelang ihr eine Auferstehung der historischen Gefäße! Und das brachte ihr den folgenden Titel ein:

“The Queen of Clay“

 (siehe: www.redcornpottery.com)

Dieser, ihr Ruf, verbreitete sich offenbar über Oklahomas Grenzen hinweg! Es war vor etwa acht Jahren, als JR ganz aus dem Häuschen gewesen war! – Der Grund dafür?

Kurze Zeit nach seinem Amtsantritt hatten Ex-Präsident Obama und seine Frau Michelle seinerzeit Kunstwerke zusammengetragen für ihr damals neues Zuhause, dem Weißen Haus!

Zu dieser Kunstsammlung hatte ein Caddo-Gefäß gehört, das Jereldine Redcorn gearbeitet hatte!

Inzwischen (im Januar 2017) hat die Familie Obama – wie allen bekannt – dieses Domizil wieder verlassen. Mit ausgezogen sind all die – mit Liebe ausgewählten – Kunstwerke – und damit auch das keramische Gefäß von JR

Ich weiß noch heute ganz genau, wie überglücklich Jereldine Redcorn gewesen war darüber: Im Weißen Haus vertreten zu sein mit einer eigenen Arbeit, das empfand sie als eine Anerkennung auf Augenhöhe – nicht nur für sich selbst, sondern für alle Amerikanischen Ureinwohner!

Genau diese Offenheit den Menschen und allen Kunstformen gegenüber von Barack Obama ist es mir wert, eine besondere  Erwähnung zu erhalten!

Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Jereldine Redcorn habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 2, 10, 18 und 40“  geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.  –  Renate Hugel

 

 

„Kunstbegegnungen – 39“

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Heinz Hugel: “die zwei…”

Skulptur aus Fundstücken (2001),

Steinplatte, Holzbohlen, Blech-Applikationen, z.T. vermalte „rote Erde“ aus Oklahoma

Angaben zur Fotomontage: “die zwei… vor verbrannter Erde“ von Oklahoma

Ansicht: Fotos: 2001, Bildmontage: 2002, Heinz Hugel

Anmerkung:

Heinz Hugel hatte Juanita Pahdopony seine Skulptur „die zwei…“ gegeben im Tausch für ihr Kunstwerk „Comanche-Bildung“. (Siehe dazu „Kunstbegegnungen – 36“)

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Heinz Hugel:  „die zwei“ – Oder: „In Asche und in Trauer“

Foto der eigenen Skulptur (Rückseite): „die zwei“  (2001)

„die zwei“…

Der 29. September 2001 war der „Friedenstag“. Wir (unsere Gastgeber und wir, die Gäste aus Deutschland) waren eingeladen worden, an der Friedenszeremonie Amerikanischer Ureinwohner in einer Schule in Anadarko teilzunehmen. Das Hauptanliegen war in diesem Jahr das Gedenken an die Opfer des „11. September 2001“ gewesen.

Zu den Teilnehmern der Friedenszeremonie zählten neben den Schülerinnen und Schülern, wie auch den Lehrkräften der Schule, die geladenen Gäste. Als Verantwortliche konnten wir u.a. die Schulleiterin wahrnehmen. Außerdem gehörte Linda S. Poolaw (Delaware / Dramatikerin, Fotografin, Kuratorin und Pädagogin*) zu den geladenen Gästen (*Siehe dazu: „Chronologie der Vorgeschichte“ unter „Kunstbegegnungen“).

Die Friedenszeremonie hatte mit dem Ausheben von Erde begonnen, denn es war geplant, einen jungen Baum zu pflanzen. Auf dem quadratischen Foto ist zu sehen, dass er bereits in die Erde gepflanzt worden war; dennoch war das ausgehobene Erdloch noch während der Zeremonie offen geblieben…

Es folgten einige Ansprachen, die sich aktuell auf den 11. September 2001 bezogen hatten.

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Angaben zum Foto: Vorbereitung: Pflanzen eines jungen Baumes + der Zeremonie

Anschließend bildeten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine lange, etwa kreis- bis oval förmige Kette. Und jeder erhielt eine kleine Schleife.

Diese Schleifenbänder waren in den Farben Weiß, Schwarz, Rot und Gelb gehalten. Das sind die vier Farben, die für die Lebensphilosophie der amerikanischen Ureinwohner stehen:

Eine jede Farbe hat eine bestimmte Bedeutung. In ihrer Gesamtheit bilden sie das Koordinatensystem, das den Menschen Orientierung gibt.

Dazu zählen beispielsweise die vier Himmelsrichtungen, wie auch die Winde aus allen Richtungen, die vier Altersabschnitte im Leben eines Menschen, es gibt Entsprechungen bei den vier Jahreszeiten, wie auch bei den Tagesabschnitten…   (siehe dazu auch „Kunstbegegnungen – 16“)

Ich habe hiermit nur sehr kurz die besondere Philosophie skizziert, die den vier Farben zugrunde liegt. Mit ihrer Position, zugeordnet zu je einer Himmelsrichtung, den Windrichtungen und, oder den einzelnen Altersabschnitten des Menschen beispielsweise, offenbart sich eine Sichtweise, die den Menschen in Abhängigkeit von der Zeit, der Erde und diese von ihrer Position  und Funktion im Weltall sieht…

Indem diese grob skizzierte Philosophie – aufgebaut auf der Grundlage der vier Farben – in ihrem spirituellen Gehalt verinnerlicht worden war, befanden sich die amerikanischen Ureinwohner unter dem Schutz dieser Farben – als Ausdruck der gesamten Geisteshaltung. Darum werden diese vier Farben auch als „die Hüter des Geistes“ genannt.

Ein jeder aus der „Menschenkette“ sollte nun – der Reihe nach – an das junge Bäumchen herantreten. Zunächst war etwas Tabak in die Mulde zu streuen. Danach wurde die kleine Schleife an einen Zweig des Bäumchens gehängt. Während der gesamten Aktion war es wichtig, einen positiven Gedanken oder Wunsch zu denken.

Als dann schließlich jeder seine Schleife in den Baum gehängt hatte, folgte der Abschluss der Zeremonie: Es wurde „das Kriegsbeil begraben“ – in zweifacher Hinsicht:

Ein amerikanischer Ureinwohner hatte dieses mit seinen Worten, seiner Rede getan. Es folgte die reale Handlung dazu, indem ein „Tomahawk“ zusammen mit einer Pfeife, der „Friedenspfeife“, in die vorbereitete Mulde gelegt wurde. Diese war daraufhin zugeschüttet worden mit Erde…

Den Abschluss bildeten schließlich Tänze zu Musik, ausgeführt von jugendlichen amerikanischen Ureinwohnerinnen (Schülerinnen der Schule).

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Angaben zum Foto: Carol Whitney hängt ihr Band als Symbol für ihre guten Gedanken und Wünsche an den Friedensbaum.

Immer wieder fiel unser Blick nun auf die kleine geschmückte Baumkrone:

Es war eine Stimmung entstanden, die – so schien es mir – dieser Baumkrone eine bestimmte Ausstrahlung und Aura verliehen hatte. Und genau das gibt den vielen guten Gedanken eine Chance, um zu wachsen und sich zu entwickeln!

Somit hat ein jeder eine Verantwortung dafür übernommen, sich dem „Hüter des Geistes“ (den vier Farben) verpflichtet zu fühlen, das Gute für alle Menschen zu wollen…

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Angaben zum Foto: Das frisch gepflanzte Bäumchen trägt die Bänder, die in sich gute Gedanken und Wünsche als „Keimträger“ tragen, welche wachsen wollen und eine gute Zukunft formen mögen…

Die Skulptur „die zwei“ ist im Nachhinein unter dem Eindruck dieses Friedenstages entstanden. Dabei hatte Heinz Hugel das Material zusammengetragen, das er vorgefunden und ihm zur Verfügung gestanden hatte.

Im Ergebnis war ein Kunstwerk entstanden, das ein mit schweren Gedanken und Gefühlen behaftetes kollektives traumatisches Erlebnis wachruft.

Dabei  mag die Umsetzung mit einfachen Holzbohlen irritieren. Die Zurückführung auf den Jahrtausende alten Baustoff „Holz“ entspricht allerdings der erlebten Zurückführung von menschlichem sozialem Verhalten in die Zeit früher menschlicher Gesellschaften. Das damalige soziale Gefüge aller frühen Gesellschaften hatte überschaubare Regeln im Miteinander. Es ging wirklich um das Du zum Du. Bei Auseinandersetzungen sollte sich der menschliche Geist besinnen und daran erinnern, dass das Vergessen von Streitanlässen oder Verletzungen die Chance zu einem Neuanfang bietet. Dabei hilft das Begraben des Kriegsbeils in seiner Symbolik…

Heinz Hugel hatte die Skulptur „die zwei“ auf dem Foto ganz oben vor ein anderes Foto montiert, auf dem die ausgetrocknete Erde von Oklahoma im grellen blendenden Sonnenlicht abgebildet ist. Die brüchige, ausgetrocknete und rissige Erde mag hier für verödete menschliche Beziehungen stehen…

Auf dem zweiten Foto ganz oben ist das Foto zu sehen, das Heinz Hugel von seiner eigenen Skulptur im Jahr 2001 aufgenommen hatte:

„die zwei“ – oder: „In Asche und in Trauer“. Dabei ist die Rückseite der Skulptur zu sehen. Das Licht, in das die beiden Turm-Fragmente getaucht sind, lässt diese im Rauch und der Hitze des Infernos erscheinen und zeigt den Moment vor dem Einsturz der Türme. Verstärkt wird dieser Eindruck von Instabilität, da Hugel seine Skulptur so aufgenommen hatte, dass der alles tragende Steinsockel nicht wahrnehmbar ist.

In der Mitte der oberen Fotokante erscheinen die Buchstaben RE. Sie stehen für „Remembrance“ (Erinnerung) – eingebrannt…

Die beiden schwarzen Streifen rechts und links symbolisieren für Heinz Hugel „Asche und Trauer“…

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Heinz Hugel  (Künstler aus Bremen, Deutschland)

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Renate Hugel: „Portrait von Heinz Hugel“

Manueller Druck, 2003, Hochdruckverfahren: Druckplatte: Vinyl, Linoldruckfarben

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 1936: Heinz Hugel was born in Bremen.

1976, since: Activity in the artistic area, among others in the adult education

1981, from: Freelance artist

1982: Foundation of a gallery

1990: Joining the artist group “Der Bogen”

1992: Founder member of the group “Quintum” (union of international artists)

2000: Symposium “Encounter of Native American Artists and Artists from Germany (one artist from Bulgaria)” (con-organization)

2001: Study visit to Oklahoma/the USA (“return visit”),

Expansion of the group “Quintum” into “Quintum international”

2002: Certificate of the university Bremen – studies with Professor Uwe Mempel, main emphasis in “Art Practice” – “Experimental Ceramic”

2007: Member of the group “Art in the Province”

2009: Member of the group “Art – Projekt”

2013, from: Retreat because of physical problems

 Exhibitions or Exhibition Participations: (Choice)

Bremen, Borgholzhausen, Herford, Hamburg, Kiel, Kleestadt, Großumstadt, Langenargen (Lake Constance), Loidved (Denmark), Munich, New York, (USA), Oklahoma (USA), Rose State College (Oklahoma City, USA), Tribes Gallery (Norman, USA), Heaven, “International Exhibition” of German and Anadarko Basin Artists (Gracemont, USA), Siklos (Hungary), Tekomatorp (Sweden), Tournus (France), Zwolle (Netherlands)

Several Exhibitions in Niedersachsen (Lower Saxony, Germany):  Bassum, Bruchhausen – Vilsen: Klostermühle Heiligenberg (Cloister Mill Saint Mountain), Delmenhorst, Diepholz, Kirchdorf, Lemwerder, Oldendorf, Osterholz Scharmbeck, Rotenburg, Wümme, Schneesen, Sulingen, Syke, Wagenfeld, Weertzen, Weyhe, Wildeshausen, Worpswede

Heinz Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Heinz Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 7, 15, 21, 32 und 39“  geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

 

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.        Renate Hugel

 

„Kunstbegegnungen – 38“

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Bildangaben: Roland Schneeweiss (Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln): „Kukeri“, Gravur

Roland Schneeweiss: “Kukeri”

Oder: Kunstbegegnung mit einer bulgarischen Tradition

Anmerkung vorab: Roland Schneeweiss (R.S.) hatte es im Jahr 2001 leider nicht einrichten können, mit uns zusammen nach Oklahoma zu fliegen. Das war sehr schade gewesen – für uns alle, besonders für ihn selbst. – – – Vor einiger Zeit hatte R.S. mir einige Kopien von einigen seiner Werke zugesandt. Er wünschte sich, dass ich für ihn einen Beitrag zur Kunstbegegnung in Oklahoma schreibe…        Renate Hugel

„Kukeri“ ist der Titel der Gravur-Arbeit oben. Damit nimmt Roland Schneeweiss (R.S.) Bezug auf eine alte bulgarische Tradition während des Karneval.

Sinngemäß hat mir Schneeweiss dazu folgende Zeilen geschrieben:

Diese Folklore-Tänzer heißen „Kukeri“. Ihr Tanz symbolisiert die Fruchtbarkeit. Dabei tragen sie Holzsäbel gegen das Böse.

Zunächst blickt der Betrachter in etliche Augenpaare, welche zu den Maskenträgern gehören. In enormer Präsenz erscheint eine Ballung von Masken. Der Bildrand oben und an den Seiten wird bestimmt von dynamisch gesetzten Linien und Dreiecken – in unterschiedlicher Stärke. Dadurch lässt R.S. den Betrachter die enorme Energie spüren, die die Maskenträger während der Tänze aufbringen. Insgesamt wirkt diese grafische Arbeit somit wie ein Ausschnitt aus einer viel größeren Menge von Maskenträgern. Sie haben offenbar unterschiedlich gearbeitete Masken. Ihnen gemeinsam ist der vorwiegend geradlinig und kantig gearbeitete Gesichtsausdruck – jenseits organisch verlaufender Gesichtsmerkmale.

Ein von R.S. oben erwähnter Säbelzum Kampf gegen das Böse – wird oben links im Bild hochgehalten. Dieser Kampf gilt dem Bösen an sich. Darin liegt eine gewisse Abstraktion und, wie ich meine, vor allem philosophisches Denken: Denn, die aufgebrachte Energie zur Abwehr richtet sich nicht an eine andere Person oder Personen, auch nicht gegen andere Gruppen. Wie ist das Böse an sich zu verstehen und wo ist es zu finden? Eine Antwort darauf suche ich, indem ich weiteren Hinweisen nachgehe, die die Entschlossenheit der Tänzer zur Abwehr des Bösen beweisen:

Im Vordergrund ist zu erkennen, dass zusätzlich auch Kuhglocken getragen werden. Durch die Bewegungen während der Tänze werden sie zum Klingen gebracht. R.S. hat auf seinem Blatt die Kuhglocken in ihrer Formenvielfalt gezeigt und sie zu einer Gesamtkomposition verdichtet. So werden die Kuhglocken unübersehbar und gleichzeitig auch so gut wie „unüberhörbar“!

Der Kuhglockenklang erhält damit eine gewichtige Bedeutung! Dieser komme ich auf die Spur, wenn ich bedenke, welche Assoziation der blecherne Klang auslöst: Die Welt ist in Ordnung, wenn die Lebensversicherung „Kuh“ als die Nahrung-Spendende nicht verloren gegangen ist! Der Klang der Glocken assoziiert also: Sich beschützt fühlen, weil die Glocken davon zeugen, dass das Leben gesichert ist (durch die Existenz der Kuh) und alles gut läuft. Das Böse hingegen kennt keine Verlässlichkeit und kann den Kuhglockenklang somit auch nicht in dieser Weise interpretieren. Für das Böse ist das Geläut lediglich höllischer Lärm! Und genau dadurch wollen die Tänzer das Böse verjagen.

Ein weiteres Indiz zur Verstärkung des Kampfes gegen das Böse ist der Gesichtsausdruck der Masken. Diese sind überwiegend kantig gestaltet, was das Entschlossen-Sein in ihrer Mimik hervorhebt: Die Menschen dahinter wollen wirklich das Böse vertreiben! Dass das Böse in ihrer Welt absolut keine Chance hat, bekräftigen die Masken der Tänzer darüber hinaus noch mit ihrer „ausgestreckten Zunge“, von denen eine solche Maske vorne rechts im Blickfeld des Betrachters liegt. Dieses Detail finde ich in diesem Zusammenhang aussagekräftig, denn mit ausgestreckter Zunge sind alle inneren Antennen blockiert, um mit seinem Gegenüber in inneren, kommunikativen Kontakt zu treten, oder gar etwas von diesem Gegenüber in sich selbst seelisch aufzunehmen.

Der Tanz der Kukeri symbolisiert die Fruchtbarkeit, so hatte es R.S. formuliert. Wie oben beschrieben besteht das Hauptanliegen der Tänzer darin, das Böse zu bekämpfen. Die Fruchtbarkeit steht also offenbar für das Gute: Alles, was dem Leben zuträglich ist, lässt das Gute entstehen. Früchte zu tragen ist das Ergebnis von unendlich vielen Handlungen, die der Natur zuarbeiten. Und das heißt, sich den Gesetzen der Natur nicht entgegenzustellen. Denn, das Wachsen in der Natur und der Natur will ungestört sich ereignen, mit dem Ziel, neue Früchte hervorzubringen… Diese großartige Leistung von Reproduktion innerhalb natürlicher Gleichgewichte, welche in der Fruchtbarkeit gipfelt, verdanken die Menschen den vegetativen Prozessen in allem Lebendigen! Wird so ein Gleichgewicht gestört, antwortet die Natur darauf mit entsprechenden negativen Folgen. Es ist ein Akt des Verstehens von Zusammenhängen, um zu realisieren, worauf das sog. Böse zurückzuführen ist! … Und dieses wurde verursacht durch Unachtsamkeit! Denn: Achtsamkeit ist eine innere Haltung, die alles im Gleichgewicht hält – die äußere, wie auch die innere Welt!

Somit gilt der Kampf gegen das Böse nicht nur äußeren katastrophalen Naturereignissen, sondern vor allem dem eigenen inneren Menschen, der mit seiner inneren Haltung die natürlichen Prozesse von Wachstum fördern oder blockieren kann!

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, was R.S. mir – sinngemäß – auch noch geschrieben hat: In Bulgarien werden heutzutage die Masken scherzhaft „Weisheit“ genannt. Das sei ein ironischer Hinweis auf den Wissenschaftler Albert Einstein, von dem ja ein Portrait-Foto mit ausgestreckter Zunge existiert

Meine Gedanken dazu: Nimmt Einstein mit dieser Pose selbst Abstand von seiner eigenen wissenschaftlichen Entdeckung???

Es mag ihm bewusst geworden sein, dass seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse den geläuterten und verantwortungsvollen Menschen erfordern. Gut und Böse liegen ganz dicht beieinander und sind eine Frage von innerer Haltung – eines jeden Menschen…

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Roland Schneeweiss 

(Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln)

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Roland Schneeweiss:

Linkes Foto: Aus dem Jahr 2000 während des Symposiums in Bremen, Deutschland

Rechtes Foto: Aus dem Jahr 2015 in Burgas, Bulgarien (vor der Ankündigung seiner Ausstellung im September 2015, anlässlich seines 80. Geburtstags am 25. 07. 2015)

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Roland Schneeweiss: „Karnobat im 19. Jahrhundert“

(Die bulgarische Heimatstadt von R.S.)

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Roland Schneeweiss: „Der Aufstieg“

(Kunst im öffentlichen Raum von Karnobat, Bulgarien, Beton)

Roland Schneeweiss

 wurde 1935 in Leisning (Sachsen in Deutschland) geboren. Durch die Kriegswirren kam seine Familie nach Bulgarien. Dort, in der Kleinstadt Karnobat ist er aufgewachsen und sozialisiert worden. An der Kunstakademie in Sofia studierte er Kunst.

Arbeiten von Roland Schneeweiss befinden sich in der bulgarischen Nationalgalerie in Sofia, sowie in vielen anderen Galerien des Landes und in der grafischen Galerie in Pittsburg (USA).

Von 1988 an lebte und arbeitete Roland Schneeweiss in Rotenburg (Wümme), einer Stadt, die zwischen Hamburg und Bremen (Deutschland) liegt. Beruflich widmete er sich u. a. der zeichnerischen Dokumentation von archäologischen Funden und Erkenntnissen, was ihn interessierte und ihm sehr viel Freude bereitet hatte. Für seine künstlerische Tätigkeit stand ihm sein „Atelier auf der Wiese“ zur Verfügung. Heute lebt er bereits einige Jahre wieder in Karnobat (Bulgarien).

Teilnahme an internationalen Kunstausstellungen:

Ab 1965:

  • Teilnahme an „Ausstellungen der Bulgarischen Kunst“ in

Österreich, Algerien, Indien, Spanien, Kuba, Mexiko, UDSSR,

Deutschland und USA

  • Mehrmalige Teilnahme an der „Biennale für moderne Grafik“ in Varna, Bulgarien (ab 1981)
  • Mehrmalige Teilnahme an internationalen Kunstausstellungen im Kulturzentrum Jockrim bei Landau (1981 – 1985)
  • Teilnahme an internationalen Ausstellungen in Wien (1990), Österreich, New York City, USA (1995) und in Lahti, Finnland (1998)

Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland: Syke, Lemgo, Bremen, Buchholz, Rotenburg (Wümme), Braunschweig, Lilienthal (bei Bremen) und Hamburg

Sonstige Betätigung und Auszeichnungen:

  • Künstlerische Innengestaltung und Kunst am Bau in ethnographischen und historischen Museen des Landes Bulgarien (ab 1965)
  • Monumentale, plastische und malerische Wandgestaltungen in Bulgarien und in Moskau (ab 1965)
  • Medaille für 1300 Jahre bulgarischer Staat (1984)
  • Orden des bulgarischen Kulturministeriums für Kunst, Kyrill und Methody III (1984)
  • Medaille für Wandgestaltung vom Bulgarischen Innenhandelsministerium (1986)
  • Mitglied im Bund Bulgarischer Künstler (seit 1970)
  • Mitglied im Verein „Kunst in der Provinz e. V.“, Niedersachsen, Deutschland (seit 1991)
  • Gründungsmitglied der Gruppe „Quintum“, Bremen, Deutschland
  • Teilnahme an den Ausstellungen zum Abschluss des Symposiums „Versuch einer Begegnung: Künstler Amerikanischer Ureinwohner – Europäische Künstler“ in Bremen, Deutschland, 2000
  • Teilnahme an FOOTPRINT INTERNATIONAL 2014 in Norwalk, USA
  • Ausstellungen in Bourgas und Karnobat, 2015 (Bulgarien)
  • Teilnahme an der Internationalen Ausstellung in Varna, 2015 (Bulgarien)
  • 2016 Teilnahme: International Watercolor Triennal Exhibition – Varna (Bulgarien)

Hinweis auf Urheber:

Meine Auflistung der Lebensdaten, wie auch die der künstlerischen Aktivitäten von Roland Schneeweiss (bis 1991) beziehen sich auf eine Zusammenstellung, die Schneeweiss selbst einmal für sich erarbeitet hatte. Die Angaben zu seinen Ausstellungen ab 2014 beziehen sich auf Informationen aus der Korrespondenz mit R.S. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

                                               Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Roland Schneeweiss habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 8, 14 und 38“ geschrieben.

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.

 

 

„Kunstbegegnungen – 37“

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Carol Whitney (Amerikanerin):  “Wichita’s Burning”

Acryl auf Leinwand; ca. 120 cm x 200 cm; (Entstehungsjahr ist mir nicht bekannt)

(Privatbesitz)

„Wichita‘s Burning“

 Wichita‘s Burning“ ist der Titel dieses großformatigen Acrylbildes von Carol Whitney (CarWhi). In dieser eindrucksvollen Größe erscheint es, zusammen mit der hingebungsvollen, engagierten Malweise von CarWhi gleich einer Huldigung der wundervollen Landschaft der ‚Southern Plains’…

Die Southern Plains (südlichen Ebenen) erstrecken sich über drei Bundesstaaten: Kansas, Oklahoma und Texas. In Oklahoma befinden sich auch die Wichita Mountains auf dem Gebiet dieser Ebenen. Ihr Name erinnert daran, dass dieses Gebiet die ursprüngliche Region der „Wichita Indianer“ war. Heute befindet sich in dem Gebiet der Wichita Mountains das „Wichita Mountains National Wildlife Refuge“, also ein Nationalpark für in Freiheit lebende wilde Tiere. Dazu gehören u.a. natürlich die wieder angesiedelten Bisons.

Als Künstlerin, reflektieren die folgenden Worte mein Erleben von Whitney’s Arbeit. – Renate Hugel, Autorin: Die in überirdisch farbiges Licht getauchte Landschaft ist ein rein naturwissenschaftlich erklärbares Phänomen der Lichtbrechung. Damit kann man die Verzückung, die diese Einfärbung hervorruft bei uns Menschen, nicht erklären. Wenn ich allerdings an das Gedächtnis unserer Körperzellen denke, vollziehen diese vielleicht die sich ereignende Verwandlung mit: Die „Ablenkung und Brechung“ von Lichtwellen, welche dann in anderen Farben erscheinen. Es ist das Miterleben von Wandlung und Metamorphose, was etwas Mystisches in sich birgt. Denn, eine Metamorphose zu durchleben verlangt unserem inneren Menschen viel ab, wie z. B. Mut und Entschlossenheit… Wir werden beispielsweise aufgefordert, gerade Linien zu durchbrechen und andere Perspektiven der Wahrnehmung zuzulassen…

Auch Carol Whitney war sicherlich von dem großartigen Gefühl der Ehrfurcht vor diesem Naturschauspiel überwältigt worden. Gleichzeitig ließ sie sich ein darauf, den verzückenden Moment jenes Lichtschauspiels auf Leinwand zu bannen – in angemessener Größe!

Sie hat auf das großartige Gefühl mit all ihrer ihr eigenen Energie reagiert!

Ich möchte an dieser Stelle Carol Whitney persönlich berichten lassen, wie ihr Bild entstanden ist: „… …Vor Jahren hatte ich eine magische Erfahrung: Ich hatte eine Feuerzeile gesehen, die die Wichita Mountains in dieser Nacht definiert hatte, was eine magische Erfahrung gewesen war … ,während ich von einem Comanche-Tanz nach Hause fuhr.  Ich war erstaunt, diese glänzende Umriss-Zeile gleich einer Flamme zu sehen, wo doch die Berge sonst in die Schwärze der Nacht gehüllt sind. Unterhalb waren diffuse Formen in der Präriedunkelheit auszumachen, die sich als Büffel herausstellten, am Fuße der Berge weidend.  Mein Verstand hielt das Geheimnis dieser Szene fest, um es möglich zu machen, dass ich – zurück bei meiner Leinwand und meinen Farben – mich erinnere, …. um die Zauberei von dieser Nacht zu erhalten. (Carol Whitney)

Das Foto unten zeigt Carol Whitney, die gerade dabei ist, ihr Kunstwerk zu restaurieren. Es sollte in einer der abschließenden Ausstellungen gezeigt werden, und zwar in ihrer Galerie „Heaven“. (2001)

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Direkt vor ihrem Standort wachsen Gräser aller Art, sich gerade im Luftstrom wiegend und eingetaucht in helles feuriges Orange. Dort sieht der Betrachter sozusagen jeden einzelnen Grashalm. Wenn der Blick weiter nach hinten schweift, verlieren sich die Details, die zu einem Farbstreifen „zusammengezogen“ werden. Irgendwann geht der orangefarbene Streifen in ein dunkles Orange über. Schließlich grenzt dieser Farbstreifen an einen grün-grauen Streifen. Die Gräser-Zone weicht dort hinten festem Untergrund mit kurzem Bewuchs. Bei genauem Hinsehen sind Silhouetten einiger Bisons auszumachen, die dort grasen.

Hinter diesem Streifen erheben sich dann die Berge. Ihre steilen Fronten erscheinen in einem dunklen Orange, das das Gestein dahinter erspüren lässt. Als leuchtende Bänder erscheinen waagerechte Zonen, die ebenfalls in helles Orange getaucht sind, wie die Ebene des vorderen Standortes. Jene „Bänder“ korrespondieren somit mit dem Gräser-Streifen im feurigen Orange und schaffen dadurch die Verbindung von Vorder- und Hintergrund: Alles scheint erfasst zu sein vom feurigen Glühen!

Im Lichtschatten liegen die dunklen Bergkuppen vor einem leicht bedeckten Himmel…

                                                Interpretation: Renate Hugel

Carol Whitney  (Amerikanerin)

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Carol Whitney’s Künstler-Statement:  “Mein Leben – geprägt vom Indianischen”:

“Seit den letzten 40 Jahren ist meine Kunst unmittelbar mit der Kunst der einheimischen Indianer in Oklahoma, wie auch der der Bewohner unserer felsigen Umgebung, den Southern Plains (Südlichen Ebenen), verbunden.

Seit 1972 drücke ich meine Erfahrungen mit dieser einmaligen Welt aus durch Skulptur, Malerei, Dichtung (Poesie), Keramik…“ (Siehe auch „Kunstbegegnungen – 30“)

(Zitat: Carol Whitney, 2009)                                                                                            Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 36“

– Juanita Pahdopony –

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Juanita Pahdopony  – Künstlerin amerikanischer Ureinwohner “Comanche Education”

(“Comanche Bildung”), Mischtechnik mit Collage, Öl Pastell, Acrylfarben und Bleistift, Größe: 18 x 24 Fuß, bzw. 53 cm x 36, 6 cm.

Dieses ist ein Kunstwerk von Juanita Pahdopony, einer eingeschriebenen Bürgerin der Comanche Nation.

Widmung:

Ich, Renate Hugel, möchte meine Interpretation unter die folgende Aussage stellen, die auch Juanita Pahdopony einmal zu ihrem Bild „Comanche Bildung“ als Leitsatz gewählt hatte und die auf die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse hinweist:

„Bereits im Mutterleib hört der Fötus seine Muttersprache“.

“Comanche Education”  (“Comanche Bildung”)

Ich beginne mit dem Statement von Juanita Pahdopony (JuPa) zu ihrem Kunstwerk „Comanche Bildung“, das sie mir 2015 schriftlich gegeben hatte, während wir es mündlich bereits gehört hatten im Jahr 2001:

„Dies ist ein Kunstwerk in Mischtechnik von Juanita Pahdopony, einem eingeschriebenen Mitglied der Comanche Nation. Es wurde mit einem Werk des deutschen Künstlers Heinz Hugel getauscht. Der Titel meiner Arbeit ist „Comanche Bildung“ und stellt wehmütiges Denken dar darüber, was hätte geschehen können, wenn die Comanche Kinder und die der anderen Stammesnationen ihre eigene Bildung gehabt hätten. Schließlich verursachten die Wirkung von Internatsschulen und die Geschichte von Verschiebung einen verheerenden Schlag auf Stammessprache, Kultur und Geschichte der amerikanischen Ureinwohner“…  (Soweit Juanita Pahdopony)

Das Kunstwerk „Comanche Bildung“ lässt den Betrachter auf eine Schultafel blicken: Das Schwarz der Schultafel-Farbe assoziiert – zusammen mit dem typischen Weiß der Tafelkreide – die Situation „Schule“. Dieses wird spontan eigene Erinnerungen an „Schule“ auslösen, beim allerersten Blick. Verstärkend wirken darüber hinaus die ungelenk gezogenen Linien, die  bewusst akkurat geschriebenen Druckbuchstaben der Worte, wie auch die an einigen Stellen angedeuteten Wischspuren…

Doch, was bedeuten die hier geschriebenen Worte? …

Der realistischen Darstellung der „Schultafel – Szene“ stehen – beinahe irreal – phantastische Bildgebungen am oberen Bildrand, sowie auf der in etwa unteren Hälfte der Bildfläche gegenüber. Dieser harte Kontrast scheint die eben genannten Bildteile einzutauchen in eine Traum – Atmosphäre…

Der obere Bildrand wird bestimmt von einer Fläche in Grautönen. Irgendwie scheint das Grau in Bewegung geraten zu sein.

Es ist anzunehmen, dass das ursprüngliche Grau eintönig ist und somit den tristen Alltag der amerikanischen Ureinwohner spiegelt, nachdem sie ihre Sprache, ihre Traditionen und ihre Kultur aufzugeben gezwungen worden waren.

In der hier gezeigten „Traumzeit“ tritt das Triste dieses Grau in den Hintergrund und wird aufgehellt von poetisch anmutenden hellen Farbtönen, die das Grau beispielsweise hellblau oder grau-weiß erscheinen lassen. Die eindeutigen Linienspuren sind Spiralen, die an der Zeit zu drehen scheinen und so zurückführen in die oben erwähnte Vergangenheit…

Dort in dieser Vergangenheit angelangt, schiebt sich diese Schultafel ins Traumbewusstsein, so dass sie konkret und real wirkt. Eine Realität, die nur im Traum existiert: Auf den Kreidelinien sind Worte der Comanche Sprache zu sehen, die wir zwar lesen aber nicht verstehen können. Die Sprachen der amerikanischen Ureinwohner sind weitgehend verloren gegangen. Heutzutage „rekonstruieren“ engagierte Ureinwohner diese Sprachen  – so weit wie eben möglich. Juanita Pahdopony, die sich ebenfalls mit der Sprache ihrer Vorfahren beschäftigt, konnte mir die Übersetzung der von ihr hier aufgeschriebenen Wörter nennen:

Sari = Dog (Hund)

Wahoo= Cat (Katze)

Kahoo = Cat (Katze)

Ko Ko Kahni = Chicken coop or chicken house (Hühnerstall oder Hühnerhaus

Numu Kutsu = Comanche Cow or Buffalo (Comanche Kuh oder Büffel)

Die dargestellte „Schultafel-Szene“ wirkt sehr real, wie ich oben schon erwähnt hatte, und das, obwohl es sich um eine Traum-Vision handelt. Tatsächlich tritt das Tagesbewusstsein zurück, wenn wir schlafen und träumen. Das Traumgeschehen wirkt dagegen real für die Zeit, in der wir uns im Traumgeschehen befinden. Genau das sagt JuPa mit ihrer Malweise aus.

Auf der unteren Hälfte ihres Bildes, bzw. der Schultafel, hat JuPa das gemalt, was sie sich für die Kinder ihrer Vorfahren gewünscht hätte: Dazu zählt das Schulgebäude, das als einfaches Haus links neben einem T-Shirt (rechts außen) auszumachen ist. Auch sind Hosen und Hemden zu erkennen, denn JuPa hätte gerne eine Schule für die Kinder ihrer Ahnen gehabt, wo sie eine Schulkleidung tragen können und in ihrer eigenen Sprache und Kultur unterrichtet werden!

Sich zu entfalten und ein Selbstbewusstsein zu entwickeln – das hätte JuPa sich gewünscht für die Kinder ihrer Ahnen!

Jedes Kind wäre so ein „Star“ geworden mit einer strahlenden Selbstwahrnehmung!

Die dargestellten Sterne zeigen es deutlich: Ein inneres Leuchten, das nach außen strahlt, kann sich nur so etablieren. Die Persönlichkeit dieser jungen Menschen wäre eine gesunde geworden! Doch traurige Realität war es gewesen, im tristen Grau zu versinken, denn ihre Eltern hatten (in ihrer desolaten Situation) leider nichts anderes an sie weiterreichen können! Zum Besuch der Internatsschulen waren die Kinder dann von ihren Eltern getrennt worden. Dort war ihr Denken hineingewachsen in eine Gedanken- und Sprachwelt, welche das gewachsene Fühlen, Handeln und Denken ganz anderer Kulturen in sich bargen – etabliert über Jahrhunderte, selbst Jahrtausende hinweg! Gleichzeitig war die eigene Kultur für die jungen Menschen verloren gegangen!

Mit diesem Kunstwerk macht Juanita Pahdopony auf diese inneren Prozesse aufmerksam! Darum gelten ihre positiven Gedanken und sehnsuchtsvollen Wünsche, die sie in ihrem Kunstwerk „Comanche Bildung“ zum Ausdruck gebracht hat, ihren Ahnen…  

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Juanita Pahdopony  (Künstlerin amerikanischer Ureinwohner)

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Juanita Pahdopony (Comanche)

Juanita Pahdopony: „Ich bin bereits mein ganzes Leben eine Comanche-Künstlerin. Meine erste frühe Erinnerung ist, dass ich einen berühmten deutschen Druck ansehen sollte, auf dem zwei kleine Kinder zu sehen waren, die eine wackelige Brücke unter dem Schutz eines schönen Engels überqueren. Bestimmt war es ein großartiger Anfang, dass Dinge kommen, sich entwickeln.

Im Jahr 1990 graduierte ich mit einem „Master of Education“ in Förderung, Bildung  begabter und talentierter Menschen. Die Betonung liegt auf Förderung, Bildung amerikanischer Ureinwohner (indianischer Menschen der  einheimischen Bevölkerungen aus Alaska). Mein Nebenfach war Kunsttherapie. Später in meinem Leben war ich an einer Fakultät, dann der Dekan (die Dekanin) für akademische Angelegenheiten. Nach meinem Ruhestand diente ich als eine ‚Übergangs-‚Präsidentin des Comanche Nationencolleges‘…“  Juanita Pahdopony

Anmerkung:

Dieser Text oben von Juanita Pahdopony zu ihrer eigenen Person ist im Ausschnitt ihrem Text auf HOME (vom 01. Januar 2016) entnommen worden, womit sie sich vorgestellt hatte als Co-Autorin unter „Oklahoma Art Updates by Juanita Pahdopony“.    Renate Hugel

 Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Juanita Pahdopony habe ich unter „Kunstbegegnungen“ den Beitrag „Kunstbegegnungen – 36“geschrieben.

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA)                                                        Renate Hugel

„Kunstbegegnungen – 35“

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Sherman Chaddlesone  – Künstler amerikanischer Ureinwohner – (2. Juni 1947 – 17. August 2013) 

“Following the Ragweed Sun Dance” („Dem Ragweed – Sonnentanz folgen“)…

Ledger Art: Druck auf Arches – Papier + Wasserfarben; 60 x 43 cm / 2000

„Following the Ragweed Sun Dance“ von Sherman Chaddlesone:

Ein Beispiel für die „Ledger Art“

Für Sherman Chaddlesone (ShCh) waren seine Drucke auf „Arches“-Papier ein wichtiger Teil seiner künstlerischen Tätigkeit.

Der ausgesuchte Beispiel-Druck oben ist typisch für seine Arbeitsweise und Aussage-Absicht.

Auf den ersten Blick fällt die detailreiche Herangehensweise auf. Diese Aussage trifft sowohl auf die grafische Gestaltung der dargestellten Sujets zu, wie auch auf die differenzierte Farbgebung aller Motive, an der Realität orientiert. Darüber hinaus hatte ShCh seinen authentischen grafischen Motiven eine Unverwechselbarkeit gegeben. Durch diese grafischen Lösungen  verlieh er  seinen Arbeiten einen Wiedererkennungswert, der ihn, ShCh, als Künstler somit ausweist. Dazu zählen beispielsweise die Form der Tipis, die Art der Darstellung der Personen, oder die der Pferde.

Im Ergebnis hatte ShCh so eine vollständige Szene erschaffen: Die hier vorgestellte Arbeit zeigt den – in der Vergangenheit jährlich abgehaltenen – „Ragweed“ – Sonnentanz.

Wenn ich oben von der dargestellten Realität spreche, ist also eine Realität aus der Vergangenheit gemeint!

Bei der Auswahl der Motive für seine Drucke verfolgte Sherman Chaddlesone nämlich die Absicht, auf bildlicher Ebene die Gegenstände, Personen und ihre Kleidung aus früheren Zeiten authentisch abzubilden. Dafür stellte er, falls notwendig, intensive Recherchen an: „Dinge, Situationen Traditionen oder Bräuche der Vergangenheit wollte er auf diese Art und Weise dokumentieren. Das, was nicht tradiert werden konnte (nicht, weil es noch keine Fotografie gegeben hatte), sondern, weil es kaum bis keine Vorfahren gegeben hatte, die etwas aus der vergangenen Kultur hätten weiterreichen können an die nächsten Generationen!“ (Siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 24“)

Sherman Chaddlesone ordnete seine Drucke der „Ledger Art“ zu.

Was ist damit gemeint?

Der Begriff „ledger“ wird im Wörterbuch mit „Kontobuch“ übersetzt. Es handelt sich dabei um Kontobücher, wie sie im 19. Jahrhundert für die Buchführung benutzt wurden. Die einzelnen Seiten waren bedruckt mit eng verlaufenden waagerechten parallelen Linien. Senkrechte Linien teilten das Blatt in verschiedene Rubriken ein.

Wenn zu der Zeit diese Kontobücher voll waren, wurden sie nicht mehr gebraucht und in der Regel weggeworfen.

Irgendwann entdeckte man diese Kontobücher als Papierquelle:

Während des Red-River- Krieges, bzw. Buffalo-Krieges sollte die letzte freilebende Büffelherde verteidigt werden. „Im rauen Winter von 1874 – 1875 waren viele Stammeslager gezwungen, sich zu ergeben.“… „Captain Pratt“ wollte den gefangen genommenen „Indianern Bildung in der weißen amerikanischen Kultur“ ermöglichen. „Er versorgte die Indianer auch mit Bleistiften, Tinte, Kreiden, Wasserfarben und Papier.“ Und das Medium, auf dem dann gearbeitet werden konnte, waren diese Kontobücher, oder auch die herausgetrennten Seiten der ausgedienten Kontobücher.

(Quelle der ausgewiesenen Zitate zum geschichtlichen Hintergrund der Ledger Art: https://de.wikipedia.org/wiki/Ledger_Art)

 Einige der damaligen Ureinwohner Amerikas blieben auch später (nach der Gefangennahme) dabei, sich künstlerisch zu äußern und hatten sich im Laufe der Zeit zu anerkannten Künstlern entwickelt. Thematisch hatten sich diese Werke darauf bezogen, die zumeist schlimmen Ereignisse der aktuellen Zeit, Epoche zu dokumentieren.

Somit waren diese oben beschriebenen künstlerischen Äußerungen die ersten „Stimmen“ der amerikanischen Ureinwohner als Betroffene!

Sherman Chaddlesone hatte seine Drucke auf diese Ledger Art bezogen, um so an die großen Leistungen dieser ersten Künstler amerikanischer Ureinwohner zu erinnern und diese zu würdigen.

 Während die frühen Künstler amerikanischer Ureinwohner die Ereignisse festhielten, welche sie ihrem ursprünglichen Leben entrissen und unsägliches Leid für sie gebracht hatten, dokumentierte ShCh das, was verloren gegangen war in der Vergangenheit!…

                                             Interpretation: Renate Hugel

An dieser Stelle möchte ich zwei Angehörige der Kiowa persönlich zu Wort kommen lassen.

Während unseres Aufenthaltes in Oklahoma (2001) hatten wir eine kleine Broschüre erhalten mit dem Titel „The View from Rainy Mountain“ („Der Blick vom Regnerischen Berg). In dieser Broschüre kommen Kiowa Künstler zu Wort. Sherman Chaddlesone hatte mehre Texte zu Themen der Kiowa geschrieben. Zum Sonnentanz zitiere ich hier Mirac Creepingbear (Seite 5), Sherman Chaddlesone (Seite 8):

Mirac Creepingbear (Künstler amerikanischer Ureinwohner):

„Der Sonnentanz war die wichtigste Stammeszeremonie. Diese jährliche religiöse Befolgung brachte alle Kiowa Stammesmitglieder zusammen, die während des Rests des Jahres in kleinen politisch und wirtschaftlich unabhängigen Verbänden lebten. Der Sonnentanz diente dazu, die spirituelle und physische Einheit der Gruppe zu beteuern. Es wurden Verwandtschaftsbeziehungen („Verwandtschaftskrawatten“) erneuert, Ehen arrangiert, Eigentum getauscht, neue Heldentaten wurden bekannt gegeben und unter hochrangigen Kriegern gab es  politisches Manövrieren. Vor der Zeremonie gab es jedes Jahr eine Bisonjagd (Anmerkung: Renate Hugel: um einen einzigen Büffel zu töten), sowohl um die Teilnehmer mit Nahrung versorgen zu können als auch, um die unbedingt notwendige Bisonhaut, wie auch den Kopf zu liefern, um auf der Zentrierungsstange in der Sonnentanzhütte angezeigt zu werden.

Der letzte Kiowa Sonnentanz fand statt in den 1890er Jahren.

Die Teilnehmer hatten vor dem Betreten der Sonnentanzhütte  ein Schwitzbad (Skal-Quo) genommen. Dabei ging es um das Reinigen der gesamten Person“… (Seite 5)

(Soweit Mirac Creepingbear)

Sherman Chaddlesone (Künstler amerikanischer Ureinwohner):

 „Unsere Herzen liegen schwer auf dem Grund“ (alte Kiowa-Redensart)

Das Ende des Sonnentanzes und der Büffel

Im Reservat angekommen, sahen sich die Kiowa nun mit einer freudlosen Zukunft konfrontiert. Die riesigen Büffelherden verschwanden bald durch die heftigen Angriffe der weißen Jäger, für die das Töten der Bisons nur Sport war, oder, die aus ihren Verstecken heraus töteten und das Fleisch verrotten ließen. Es war jenseits der Vorstellungskraft und des Verständnisses der Kiowa, dass Büffel auf so verschwenderische Art und Weise getötet wurden; ebenso war es jenseits der Kiowa-Visionen von der Verbindung des Menschen mit der Erde und den Kreaturen der Natur.

Im Sommer 1879 konnten die Kiowa keinen einzelnen Büffel auf den Südebenen für ihren Sonnentanz finden. Ohne das Pferd und den Büffel hatten die Kiowa – ohne ihr Lied und ihren Tanz – ihre kulturelle Identität verloren. (…) Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit lagen wie ein Leichentuch über den Kiowas, da ihnen ihre Jagdgründe verwehrt, ihre religiösen Zeremonien verboten und sie ihrem sozialen System entwurzelt wurden. Das Ende der Büffelkultur… Die Kiowa Ureinwohner waren besiegt worden.“ (Seite 8)

(Soweit Sherman Chaddlesone)

Quellenangabe der Zitate:

Die oben angegebenen Zitate sind auf den Seiten 5 (Mirac Creepingbear) und 8 (Sherman Chaddlesone) in der Broschüre „View from Rainy Mountain“ zu finden. Es folgt ein Zitat von der Cover-Rückseite der Broschüre: „Diese Veröffentlichung ist eine Produktion der Jacobson- Stiftung, einer kulturell übergreifenden Organisation, inspiriert vom Vermächtnis des Oscar Jacobson und von den Kiowa-Five.“

– – –

Diese Zitate von M. C. und ShCh. sprechen für sich!

Das Kunstwerk Following the Ragweed Sun Dance von ShCh erhält – in Zusammenhang mit diesem Hintergrundwissen – eine enorme Aussagekraft: Die Augen des Betrachters werden geöffnet für eine neue Sichtweise – abseits von einer möglicherweise folkloristischen Wahrnehmung: Die Visualisierung durch detailgetreue Wiedergabe bedeutet eine Wertschätzung der identitätsstiftenden Zeremonie des Sonnentanzes  – in einer bewusst gestalteten „Momentaufnahme“ in Gedenken an die Ahnen!

Renate Hugel

Zur Person von Sherman Chaddlesone  (Künstler amerikanischer Ureinwohner)

2. Juni 1947 – 17. August 2013

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Sherman Chaddlesone (Kiowa)

Bildangaben: Renate Hugel: „In Erinnerung an Sherman Chaddlesone“ Oder:

“Die eigene Person mit dem Leben der Ahnen erfüllen” – – –

Bleistiftzeichnung auf Transparentpapier, hinterlegt mit einem Fotoausschnitt*, 16 x 25,5 cm, 2014 (* Ausschnitt aus einem Foto, aufgenommen während der Kiowa Black Leggings Zeremonie

in der Nähe von Anadarko, Oklahoma, 2001)

Sherman Chaddlesone hatte “in Anadarko, Oklahoma” gelebt; “seine frühe Ausbildung in Kunst hatte er zu Hause von seinem Vater empfangen (John Chaddlesone, dem berühmten Kiowa War Chief, Santana – Whitebear), der ihm eine Grundanweisung gegeben hatte in Anatomie, Portraitmalerei und Skizzieren mit Bleistift. Später, während der Mitte der 1960-tiger Jahre, studierte er Kunst im Institut für Kunst amerikanischer Ureinwohner in Santa Fe, New Mexico;  von seinem guten Freund T.C. Cannon wurde er (seitdem) zutiefst beeinflusst.

Gelegentlich hatte Chaddlesone Inhalte aus Kiowa-Kalenderaufzeichnungen übernommen für seine Arbeiten im Ledger Stil. Die Kiowa und Sioux Stämme waren die einzigen Stämme, die solche Aufzeichnungen aufbewahrt hatten; (und) eine Urgroßmutter von Chaddlesone hatte bei sich einen Kalender in einem Kontobuch (ledger book) verwahrt, dessen erster Eintrag vom Sommer 1856 datiert worden war, und der letzte Eintrag von 1934.”

Diese Informationen zur Person von Sherman Chaddlesone sind – in Übersetzung – ein Zitat aus dem „Native American Art Calendar“ von 2001 (Kalenderblatt von März 2001).

(Druck des Kalenders im Jahr 2000 in Norman, Oklahoma; gesponsert von Levite Apache, Jacobson House Native Art Center, American Indian Cultural Society und Tribes Gallery, aus Norman)

                                           Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Sherman Chaddlesone habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 5, 11, 24, 27 und 35“geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA)                                                                                                       Renate Hugel