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Kunstbesprechungen – 1 – in Erinnerung an heinz hugel –

Das verriegelte Paradies

                 

Heinz Hugel

(30. 05. 1936 – 10. 05. 2018):

„Das verriegelte Paradies“ (1994)

Als ich an diesem Tag die Werkstatt von heinz hugel (hh) betreten hatte, wäre ich fast über zahlreiche stapelweis geschichtete schwarze Platten gestolpert! Dahinter hatte mein Mann auf einem Stuhl gesessen, in der Hand eine dieser Platten haltend…

Er erzählte mir, dass er diese Schiefer-Tafeln gerade aus der Nachbarschaft abholen konnte. Man hatte ihn gefragt, ob er mit dieser alten Hauswandverkleidung etwas anfangen könnte…

Er hatte sofort zugesagt!

Während er da so gesessen hatte, in Gedanken vertieft und gleichzeitig die Platten-Oberfläche des Schiefers auf sich wirken ließ, da war es geschehen:

Er war innerlich tief berührt worden von den Kinder-Kritzeleien, die sich auf der unteren Hälfte der Schiefer-Platten befinden.

Dazu muss man wissen, dass die einstige Hauswand-Verkleidung so angebracht worden war, dass die Schiefer-Tafeln sich jeweils überlappten. Der obere Teil einer Platte war von der sich darüber befindenden Platte bis zur Hälfte bedeckt gewesen, während die untere Hälfte einer Schiefer-Platte zu sehen gewesen war – und so weiter. Und darum sind auf allen Schiefer-Tafeln auf der unteren Hälfte Kinder-Kritzeleien zu sehen!

Die Spontaneität der Kritzel-Spuren hatte ihn nicht mehr losgelassen!

Und so hatte er sie zum Thema seiner Arbeit mit diesem neuen Material erhoben…

In diesem Sinne sind im Laufe der Zeit zahlreiche Schiefer-Tafel-Werke entstanden. Ich habe ein Beispiel herausgesucht, bei dem das Anliegen von hh – basierend auf der oben beschriebenen Initialzündung – deutlich zum Ausdruck kommt:

„Das verriegelte Paradies“ ist eine Arbeit aus dem Jahr 1994. Der obere Teil der Schieferplatte ist Träger eines Holzplatten-Restes. Auf diesem befindet sich ein Fundstück mit teilweise verwitterter rot lackierter Farbe. Die Schiefertafeln weisen alle Spuren der einstigen Verwendung auf: Löcher, wie auf dem Beispiel im oberen Bereich rechts, wie auch links zu sehen, erinnern an die Nagelung die der Befestigung am Gebäude dienten. Den unteren Bereich einer Schieferplatte hatte hh grundsätzlich frei gelassen, so dass die Kinder-Kritzeleien zum Tragen kommen und sie Teil des Kunstwerkes werden.

Häufig hatte er mit den Kinder-Kritzeleien kommuniziert, indem er selbst „unlesbare Schriftfragmente“ hinzugefügt hatte. Das Gespräch zu suchen, in Gedankenaustausch zu kommen, das war sein Anliegen – dem Betrachter gegenüber.

Damit hat er die spontanen „Äußerungen“ der Kinder zum gleichwertigen Kunstwerk erhoben.

Auf der von mir oben ausgewählten Schieferplatte gibt es keine Schrift-Fragmente von hh, was Teil der Aussage dieser Arbeit ist!

In der ihm eigenen, ganz persönlichen Art hatte hh das Gespräch auf der „Handlungsebene“ geführt. Der Spontaneität der Kinder-Kritzeleien stellte er seine handelnde Spontaneität gegenüber. Solches „Handeln“ erzeugt eine unmittelbare Beziehung zum Material, zur Materie mit der eigenen Körper-Energie. Wenn der Betrachter, die Betrachterin sich einlässt auf die „Ausstrahlung“ der Collage, dem Holz-Element, dann ist dieser Prozess deutlich zu spüren!

Jenes Holz-Element hat durchaus eine besondere Ausstrahlung mit einem Flair von Verrottung, Zerfranst-Sein, sowie Angenagelt-Sein! Und dann prangt da noch dieses rote Farb-Objekt auf der Holzoberfläche, aufgeklebt gleich einem Schild oder einer Botschaft! Diese mag darin bestehen, dass die Assoziation „angebissener Apfel“ sich aufdrängt…

Das zugenagelte und verriegelte Paradies hat uns alle getrennt vom Zustand der freien unbekümmerten Äußerung, indem wir ein Bewusstsein über unsere Bewusstheit erworben hatten…    Renate Hugel

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