„Kunstbegegnungen – 42“

Ronald Anderson (Künstler amerikanischer Ureinwohner):

“Apachen Tanz”,  Acryl auf Recycling-Pappe, 80×57 cm, 2000

Tanz der Apachen in der Nacht

 Das vorliegende Acrylgemälde auf Recycling-Pappe (mit den Maßen 80X57 cm) hatte  Ronald Anderson im Sommer 2000 während des Symposiums in Bremen gemalt. Mit seinem Bild entführt er den Betrachter in eine typische Tanz-Szene der Apachen:

Um ein hell flackerndes Feuer bewegen sich die Tänzer, tragen in ihren Händen kurze hölzerne Schwerter. Die im Schatten sich befindenden  Personen erscheinen düster mit ihrer schwarz-weißen  Oberkörper-Bemalung, dem Rock und den Stiefeln, wie auch dem nach oben strebenden Aufbau auf ihren Köpfen: Die Basis bildet dort eine waagerechte Latte, von der rechts und links lange Stäbe emporragen, während dazwischen etwa drei bis vier Kerzen leuchten. Um dem Ganzen Halt zu geben, wird dieser Aufbau mit einem Band zusammen gehalten und am Körper fixiert (helle Rauten auf den Oberkörpern). Dadurch wird klar, dass der Tänzer vorne links im Bild von hinten zu sehen ist. Dasselbe trifft auf die kleine Person rechts daneben zu. Hinter dem Feuer, hingegen, befindet sich ein Tänzer, der vom Schein der Flammen hell erleuchtet ist.

Wenn der Blick nun vom Detail zurück zur Gesamtansicht wechselt, wird eine gemeinsame Energie der Personengruppe wahrnehmbar: Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich hier die Tänzer nach einer verinnerlichten Struktur des Ablaufs – während das Feuer sich im Zentrum befindet…

Für mich ist es offensichtlich, dass das vom Feuer erleuchtete Zentrum die Tänzer zu ihrem persönlichen inneren leuchtenden Zentrum führen soll… – als Voraussetzung dafür, seinen eigenen Geist zu erleuchten und die Gedanken zu klären…

Der rechts im Bild erscheinende Vollmond zeigt an, dass dieser „Apachentanz“ in der Nacht stattfindet. Die Symbolkraft der „Nacht“ (die für das Unbewusste steht) sehe ich als Ausdruck für den Willen zur Erleuchtung: Sie, die Nacht, kräftigt die Verbindung von Bewusstheit zum Unbewussten… Doch auch die immense Kraft der Natur, die sich in Tier, Pflanze, aber auch Landschaft manifestiert, ermöglicht Identifikation und Ausrichtung auf die eigene Energie: Die Tänzer nehmen in sich auf deren seelische Ruhe und Kraft in ihrem So-Sein…

An dieser Stelle kehrt meine Erinnerung zurück zum Jahr 2001:

Es war bereits dunkel geworden an diesem Tag, den wir bei der Kiowa Black Leggings Zeremonie zugebracht hatten (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 41“). Wie bereits im vorherigen Beitrag erwähnt, gab es zum Abschluss der Zeremonie ein gemeinsames Essen zusammen mit der Familie Chaddlesone, die uns dazu in ihrem Esspavillon eingeladen hatte. Schließlich dachten wir daran, aufzubrechen und uns von unseren Gastgebern zu verabschieden.

Den Veranstaltungsort hatten wir – insgesamt acht Personen – mit dem Auto erreicht und stiegen nun alle wieder dort hinein.

Bei dem Stichwort „Auto“ schweife ich nun etwas ab und möchte erwähnen, dass unser Besuch grundsätzlich wirklich perfekt durchgeplant worden war. Das bedeutete für die weiten Entfernungen auf dem Gebiet des Landes Oklahoma, dass wir auf ein Auto angewiesen waren. Und dafür hatte Ronald Anderson gesorgt: Wenn ich es richtig erinnere, war es sein Schwager, der großzügiger Weise uns ausgeholfen hatte – in seiner Funktion als Pastor der FELLOWSHIP OF AMERICAN INDIANS CHURCH in Chickasha OK. Der Kleinbus, mit dem wir fahren durften, trug diesen Namenszug mit großen Lettern. Unseren Dank dafür – mündlich bereits ausgesprochen – möchte ich hier noch einmal schriftlich bekräftigen!

Bald bemerkten wir, dass Ronald Anderson für die Heimfahrt einen seltsam anmutenden Weg eingeschlagen hatte! Es wurde immer dunkler! Rechts und links der engen Straße nahmen wir im tiefen Schwarz Konturen von Waldrändern oder einfach nur das reine Schwarz, offenbar über Feldern, wahr. Für mich war es unvorstellbar, wie er sich in diesem Labyrinth aus Schwarz – ohne jegliche Beleuchtung – orientieren konnte! Ronald Anderson vermochte es aber offenbar: Mit allergrößter Sicherheit bog er in eine querende Straße ein, verließ diese wieder und fuhr unbeeindruckt weiter in dieser Dunkelheit!

Unvermittelt – für uns – wurde er langsamer, hielt aber nicht an, sondern blieb bei der geringen Geschwindigkeit. Dabei hatte er nach links geblickt. Wir folgten seinem Blick auf ein weites Feld unter dem schwarzen Himmel, links davon zeugten die Schatten von einem beginnenden Wald…

Das Feld aber hatte den Blick freigegeben auf eine Szenerie!

Wir erkannten drei Personen, die  – in Hockstellung – bei hoher Aufmerksamkeit und Konzentration Bewegungen mit ihren Armen und ihren kurzen Schwertern ausführten. Auf ihren Häuptern hatten sie den Aufbau mit brennenden Kerzen getragen, wie auf dem obigen Acrylbild von Ronald Anderson zu sehen ist. Offenbar befanden sich diese Tänzer in einer anderen Phase der Zeremonie als auf dem Bild dargestellt…

Uns war zwar nur eine flüchtige Wahrnehmung des Geschehens im Vorbeifahren geblieben, doch dieser flüchtige Eindruck hatte es geschafft, uns mit einer weiteren Realität der Identitätsfindung zu konfrontieren!

Heftiger konnte ein Kontrast nicht erfahrbar werden:

Eben hatten wir die Kiowa Black Leggings Zeremonie verlassen, wo wir den gesamten Tag verbracht und dort ein durchorganisiertes Programm erlebt hatten mit mindestens 800 (oder mehr?) Teilnehmern, bzw. Zuschauern des Kiowa-Stammes. Diese konnten damit einander zusätzlich zu den gelebten Traditionen sich gegenseitig Identität geben.

Und nun das!

Ein kläglich kleines Grüppchen widersetzte sich da dem Vergessen! …

Interpretation: Renate Hugel

Ronald Anderson

Künstler Amerikanischer Ureinwohner –

Ronald Anderson, 2001: Während eines Gesprächs über Kunst

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Ronald Anderson habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 1, 13, 19, 25, 29, 34  und 42“geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).  

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich in Teil 1 („Kunstbegegnungen – 1 bis 28“) auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.

In Teil 2 (ab „Kunstbegegnungen – 29“) beziehen sich die Beiträge auf den Gegenbesuch in Oklahoma (USA)

Hinweis: (vom 24. 07. 2015):  Siehe auf HOME: „Anmerkung zu Ronald Anderson“

Renate Hugel

 

„Kunstbegegnungen – 41“

– Renate Hugel –

Created with Nokia Smart Cam

Renate Hugel: “Die Deckenfrau”, Acryl auf Karton,

28×41 cm, bzw. 39×52,5 cm (mit ausgeklappten Seitenteilen), 2001

Die Deckenfrau

Das Bild „Die Deckenfrau“ habe ich im „Heaven“ gearbeitet (siehe „Heaven“: „Kunstbegegnungen – 31“) und mit Acryl auf einen Karton – Deckel gemalt, inklusive der vier Seitenflächen des Deckels. Darum war meine Arbeit zunächst dreidimensional. Für den Transport hatte ich allerdings die Verklebung der Seitenteile gelöst. Auf dem Foto oben sind die ausgeklappten Seitenteile zu erkennen.

Die spontan gesetzte Motiv-Komposition besteht aus  assoziativ gemalten Elementen und Farbflächen zwischen Blau, Rot und Pastellgrün. Darüber hinaus erfuhren einige Flächen und Motive gestische Einritzungen.

In seiner Aussage bezieht sich „Die Deckenfrau“ auf ein Erlebnis, das zu dem damaligen Zeitpunkt einige Tage zurückgelegen  hatte:

Wir Gäste waren eingeladen worden, an der jährlich stattfindenden Kiowa Black Leggings Zeremonie teilzunehmen.

Diese Zeremonie ist das jährliche Hauptereignis, das große Pow Wow, des Kiowa – Stammes. Damit ist es für alle Stammesangehörigen Gemeinschaft- und Identität-stiftend.

Auf einem großen Areal befand sich ein eigens errichtetes Tipi, von der Tribüne aus auf der  linken Seite platziert. Die farbliche Gestaltung der Tipi-Ummantelung entspricht der Tradition: Eine Hälfte des Tipi-Stoffes ist gelb-schwarz gestreift, wobei die Streifen waagerecht verlaufen. Der restliche Stoff ist weiß, im oberen Teil bis zur Spitze jedoch rot. Über die Spitze hinaus ragen – wie üblich – die Holzstangen des Tipis.  Auf einer dieser Stangen ist die amerikanische Flagge im Wind wehend zu sehen. Der Eingang des Zeltes befindet sich auf der Seite, die zu dem kleinen Waldstück dahinter weist*.

Genau gegenüber befindet sich die große Tribüne, errichtet worden für die Besucher, die Zuschauer. Die Sitzreihen verliefen an der Längsseite des oben erwähnten Areals entlang. Die weiteren Sitzreihen dahinter waren gleichzeitig stufenförmig nach oben angeordnet, so dass die Besucher von allen Plätzen aus die Zeremonie verfolgen konnten.

Wenn ich von den Zuschauern spreche, meine ich schätzungsweise achthundert Personen. Sie waren vorwiegend amerikanische Ureinwohner der Kiowa – bis auf uns Gäste. Andere Ausnahmen waren die Ehepartnerinnen oder Ehepartner, die einem anderen Stamm angehören, ihren Partner, ihre Partnerin jedoch begleitet hatten.

Anmerkung zu * (siehe oben im Text): Die Leute waren zum Teil von weither angereist und hatten in dem kleinen Waldstück die Möglichkeit, dort zu übernachten. Die meisten Angereisten hatten hier ihre Kombis oder auch Wohnwagen abgestellt. Auch wer abends noch nach Hause fahren wollte hatte bereits am Vormittag Zelte und, oder Pavillons aufgebaut, vorwiegend „Esspavillons“.

Zum Ablauf der Zeremonie:

Die gesamte Zeremonie folgte einer festgelegten Reihenfolge von Programmpunkten:

  • Die Ansprache: Sie begann mit der Nachricht vom Kriegsbeginn in Afghanistan. Es folgten Gebete und ernste Worte, da viele junge amerikanische Ureinwohner aus ihren Reihen eingezogen worden waren.
  • Nach alter Kiowa-Tradition begannen die Frauen der „siegreichen Krieger*“ mit dem Tanz der Frauen.

 Es folgte der Tanz der jungen Krieger*. Dass viele der jungen Männer fehlten, war sorgenvoll angekündigt worden (siehe Punkt 1).

Anmerkung zu *: Der Begriff „Krieger“ war für uns sehr gewöhnungsbedürftig, da eher pazifistisch eingestellt. Tatsächlich hatten wir die amerikanischen Ureinwohner als sehr freundliche und wohlwollende Menschen erlebt, für die es selbstverständlich war, uns Gäste in ihren Reihen aufzunehmen und an ihren Traditionen teilnehmen zu lassen. Somit hatten wir sie als friedvoll gestimmt erlebt.

Nun ist aber diese authentische Zeremonie der „rote Faden“ zur „Blutlinie“ ihrer Vorfahren und die tradierten Bezeichnungen –  daher für die Kiowa-Ureinwohner selbstverständlich.

  • Der nächste Einzug begann mit jungen amerikanischen Ureinwohnerinnen, die die Aufgabe hatten, die Veteranen anzuführen und auf die Bühne zu begleiten.

Alle diese Männer waren seinerzeit verpflichtet gewesen, in Vietnam zu dienen. Hier führten sie nun den Tanz der Veteranen aus.

Auch Sherman Chaddlesone gehörte der Gruppe der Veteranen an (siehe dazu: „Kunstbegegnungen – 11“).

Dieser Programmpunkt ist nach meinem Empfinden nicht ausschließlich eine Anerkennung des geleisteten Einsatzes – wie es vielleicht in der Vergangenheit gedacht war. Mit dieser Zeremonie fühlen sich die Afghanistan-Veteranen aufgenommen im Kreise der Gemeinschaft. Dort erfahren sie eine Geborgenheit, die ihnen hilft, erlittene Verletzungen – körperlicher, wie auch seelischer Art – zu verarbeiten…

Der Tanz der Veteranen zog sich sehr in die Länge und wurde von allen Beteiligten mit Ernst und Hingabe ausgeführt. Nach Abschluss dieses Tanzes der Veteranen betraten bisher unbeteiligte Frauen aus der Zuschauermenge schließlich die Tanzfläche, um sich dem Tanzen anzuschließen. Wichtig war es, sich dabei in eine Decke zu hüllen: Das war die Phase des „Deckentanzes“. Margaret Hettrick (siehe: „Kunstbegegnungen – 6 + 23“), die aus Texas angereist war, um der Zeremonie beizuwohnen, hatte sich ebenfalls auf die Tanzfläche begeben und sich vorher in eine Decke gehüllt. Irgendwann kam Sherman Chaddlesone’s Schwester zu meinem Mann Heinz und mir, umhüllte uns jeweils mit einer Decke und führte uns auf die Tanzfläche!

Später erfuhren wir, dass wir die ersten Deutschen waren, denen diese Ehre des Mittanzens zuteil geworden war!

Solch eine großmütige und Freundschaft-stiftende Geste hatten wir als großen Vertrauensbeweis empfunden!

Dem Tanz der Veteranen folgte dann abschließend die Zeremonie:  Der besiegte Tod.

In seiner Gesamtheit folgt der „Tanz der Veteranen“ einer bestimmten Choreographie. Dabei muss jeder Schritt genau sitzen. Diese Information sollte uns „Ahnungslosen“ auf die Feinheiten aufmerksam machen. Deshalb konnten wir die minimalen Bewegungsabläufe, wie auch den gesamten Aufbau gar nicht wahrnehmen. Was wir aber deutlich erkennen konnten, war, wie groß die körperliche Anstrengung, und wie hoch die stundenlange Konzentration gewesen sein mussten: Sherman Chaddlesone sank am Ende sichtlich erschöpft auf seinen Sitz.

  • Der letzte Programmpunkt der Gesamt-Zeremonie war dann eine Namensgebung-Zeremonie für ein Kleinkind: Die Leute aus dem Umfeld der jungen Familie beschenkten sich gegenseitig. Dafür sind viele Leute auf die Veranstaltungsfläche gegangen und haben dort Tüten oder Taschen – mit Namenschildern versehen – abgestellt.

Während der Namensgebung wurden vor dem jungen Elternpaar Geldscheine hingelegt. Die Namen der Beschenkten („gegenseitige Beschenkung“) wurden anschließend verlesen. Und so war jeder Beschenkte zu seinem Geschenk gekommen.

Nachdem die Veranstaltung schließlich beendet worden war, löste sich die Menschenmenge auf: Viele Ureinwohner hatten sich auf den Heimweg gemacht, doch es gab auch zahlreiche Angereiste, die in dem kleinen Waldstück übernachten wollten (in ihren Zelten, Pavillons oder Wohnwagen, bzw. Kombis). Zunächst begab man sich jedoch in die vorbereiteten Esspavillons. Auch die Familie Chaddlesone hatte einen Esspavillon vorbereitet, und wir Gäste waren alle eingeladen, dem gemeinsamen Essen beizuwohnen! Abermals waren wir überwältigt von der großen Gastfreundschaft,  Herzlichkeit und Freundlichkeit, die uns entgegengebracht worden waren!!!

Der Klang der Trommel wirkte noch immer energie-gebend in uns nach. Pausenlos hatten die Trommler während der gesamten Kiowa Black Leggings Zeremonie getrommelt zu den verschiedenen Programmpunkten dieses Nachmittags und hatten damit eine wichtige Rolle gespielt.

In dem Zusammenhang erscheint es wahrscheinlich unverständlich, dass ich auf meinem Acryl-Bild „Die Deckenfrau“ rechts außen eine Flöte gemalt hatte, die die Farbe ihrer Umgebung aufweist und in großem Abstand zur „Deckenfrau“ sich befindet.

Ich hatte den ganzen Nachmittag die vage Empfindung, als ob zart bewegte Luft in Schwingung geraten war und sensible Flötentöne zwischen den Menschen verbreitete: Eine gemeinsame Stimmung unter den Menschen, die etwas weit Entferntes  innerlich bewegte – etwas aus der zeitlichen Ferne …

Die Trommeln hatten Energie und  Rhythmus der Vortragenden hörbar gemacht. Die Stimmung der Menschen darauf hatte sich unterschiedlich geäußert, war jedoch getragen von einer gemeinsamen inneren Schwingung…

Dieses innerliche Bewegt-Sein hatte ich gleich einem unscheinbaren, fast gehauchtem Singen oder Flötenspiel aus der Vergangenheit vernommen: ein zarter Klang lag in der Luft, gleichzeitig wie ein leicht rauer Atem-Hauch, der aus weiter Ferne als einende Erinnerung an die Ahnen und die Vergangenheit zu kommen schien…

 Alle zusammen hatten während der gesamten Zeremonie die Chance, ihre ihnen allen „ureigene Melodie zu singen“…

 Das Gedenken an die Ahnen ist eine respektvolle Geste, die ihren Ausdruck in der Ausführung der Tradition findet und als Empathie für das Schicksal der Ahnen beabsichtigt ist.   

Im Gedächtnis geblieben war uns die unverstellte Herzlichkeit uns gegenüber. Gleichzeitig hatte mich die intensive Hingabe aller Beteiligten (Ausführende, wie auch Zuschauende) an die Traditionen ihrer eigenen Vorfahren beeindruckt! Besonders zählte dazu der angemessene Respekt für die Vorfahren und die Ernsthaftigkeit bei all ihrem Tun…

Vor einigen Jahren hatte ich ein Foto gefunden, das ich 2001 während der „Black Leggings Zeremonie“ aufgenommen hatte. Dieses war mir geeignet erschienen als Beispiel für das, was ich oben ausgeführt hatte. Auch hatte es mich inspiriert zu der Arbeit „Mutter und Tochter folgen der Zeremonie“(2012).

Bildangaben:

Renate Hugel: „Mutter und Tochter folgen der Zeremonie“ – Oder: „Bewahren schafft ein starkes Band“, Mischtechnik, Absprengtechnik (29,5×41,5 cm), 2012 (Siehe auch: 19. Februar 2015 auf HOME)

Dieses Bild hatte ich gearbeitet mit schwarzer, wie auch andersfarbiger Tusche und Deckweiß. Nachdem ich eine Entwurfsskizze auf das Papier gebracht hatte, musste ich zunächst helle, wasserfeste Farben setzen und dann entscheiden, welche Flächen erhalten bleiben sollen: Weil meine Vorgehensweise nun der sog. „Absprengtechnik“ folgte. Alles, was erhalten bleiben sollte, wurde nach dem Trocknen mit Deckweiß abgedeckt. Auch das muss erst einmal trocknen, wonach das gesamte Bild mit schwarzer Tusche bemalt wird. Wenn auch das wiederum getrocknet ist, kann das Bild unter Wasser abgewaschen werden. Alles, was nicht abgedeckt worden war mit Deckweiß, hatte sich schwarz gefärbt (bei mir teilweise gemischt mit Rotbraun). Das nun nasse Deckweiß unter der schwarzen Tusche platzte auf, ließ sich abwaschen und gab die Farben darunter frei. In dem Moment, in dem ich das Abwaschen stoppe, kann ich gewünschte Deckweißspuren erhalten…

Die Absprengtechnik hatte ich gewählt, weil durch den Prozess dieser Technik bereits Verborgenes wieder ans Tageslicht befördert wird…  – und sie, die Technik, somit zum Symbol für das „Hervorholen von Vergangenem – und damit „Verloren-Gegangenem“ – wird…

Meine Intention, die tradierende Kraft, weitergegeben an die Kinder, sichtbar werden zu lassen, sehe ich in der inneren Haltung der Personen meines Bildes: Die Mutter ist vertieft in Konzentration und offensichtlich dabei „innerlich angekommen“, in Erwartung der Zeremonie. Das Mädchen orientiert sich am Verhalten der Mutter, wie auch an ihren Gefühlen und ihrer inneren Haltung…

So erhält die Kette der Zeremonie-Wiederholungen mit den Jahren jedesmal ein neues Kettenglied in der Zeit…

Der oben beschriebene Prozess des „Zurückgehens zu den Wurzeln“nicht nur gedanklich, sondern auch durch körperlichen Einsatz, also mit dem Tun und Ausführen der Traditionen bei entsprechend innerer Haltung“, das erschafft innere Stärke, die den Menschen im Hier und Jetzt eine gewisse Größe verleiht!!!!!

Interpretation: Renate Hugel

Renate Hugel

 (Bremen, Deutschland)

Renate Hugel-Selfie, 2017

www.other-q.com/renate-hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Renate Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 9, 17, 22 und 41“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.

Renate Hugel

Zu Ihrer Information:

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Jereldine Redcorn: „The Queen of Clay“

  – Caddo – Künstlerin Amerikanischer Ureinwohner –

(Norman, Oklahoma, USA)

In „Kunstbegegnungen – 40“ geht es um Jereldine Redcorn. Außerdem erfährt man darin, warum das Weiße Haus darin Erwähnung findet.

Zu finden unter „Kunstbegegnungen“

Renate Hugel 

„Kunstbegegnungen – 40“

– Jereldine Redcorn –

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Jereldine Redcorn: „Fünf Gefäße“

Keramische Gefäße, gearbeitet nach dem Vorbild der eigenen Ahnen, den Caddo – Ureinwohner Amerikas, Bremen (Deutschland), 2000

Anmerkung: Zusammenstellung der Fotos von den fünf Gefäßen: Renate Hugel. Dabei habe ich das Foto von dem Kopfgefäß etwas bearbeitet  – mit Zustimmung von JR.

Jereldine Redcorn: The Queen Of Clay

(und: Abschied vom Weißen Haus)

Über das Anliegen und die Arbeiten von Jereldine  Redcorn (JR) (Künstlerin Amerikanischer Ureinwohner, Caddo, aus Norman, Oklahoma, USA) habe ich bereits mehrfach geschrieben:

„Kunstbegegnungen – 2“: „Caddo Keramik von Jereldine Redcorn“

„Kunstbegegnungen – 10“: „Zwischenzeit“ und „Nach Kolumbus“

„Kunstbegegnungen – 18“: „Die fühlende Hand”

In Oklahoma haben wir JR (2001) zu den gemeinschaftlichen Präsentationen gesehen und konnten sie auch in ihrem Zuhause in Norman besuchen.

An dieser Stelle führe ich ein Zitat von Jereldine Redcorn an, weil es mich zu den Beiträgen über ihre Arbeit inspiriert hatte:

“Creating Caddo pots becomes a journey with my ancestors. I use the tools, materials and firing methods as close to what, I believe, the old Caddos would have used 500 years ago. The earthenware created truly comes from e –nah – wah – dut, the mother earth.” (Jereldine Redcorn)

– „Caddo-Keramik-Gefäße zu erschaffen, ist für mich wie eine Reise zusammen mit meinen Vorfahren. Ich benutze die Werkzeuge, Materialien und Feuerungsmethoden, möglichst so nahe dran an dem, von dem ich glaube, dass sie die Caddo-Ahnen vor 500 Jahren verwendet haben könnten. Die original geschaffenen Keramiken kommen von e – nah – wah – dut, der Mutter Erde.“     ( Jereldine Redcorn) -…

Das Foto unten hatte ich 2001 während einer Fest-Veranstaltung mit Präsentationen auf dem Gelände des Rose State College in Oklahoma City (Oklahoma, USA) aufgenommen:

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Ich schätze an dieser Aufnahme, dass dort die Mathematiklehrerin J. Redcorn im Zustand von Achtsamkeit und Konzentration sich ihrer Rationalität verpflichtet zeigt. Gleichzeitig weist ihr traditionelles Gewand (zusammen mit dem traditionellen Schmuck) darauf hin, dass zu ihrer Persönlichkeit (über das wissenschaftliche Denken hinaus), eine Verbundenheit mit ihren Ahnen gehört!

Durch ihre Arbeit, die Keramiken ihrer Ahnen, wie auch die erforderlichen Herstellungstechniken zu rekonstruieren, gelang ihr eine Auferstehung der historischen Gefäße! Und das brachte ihr den folgenden Titel ein:

“The Queen of Clay“

 (siehe: www.redcornpottery.com)

Dieser, ihr Ruf, verbreitete sich offenbar über Oklahomas Grenzen hinweg! Es war vor etwa acht Jahren, als JR ganz aus dem Häuschen gewesen war! – Der Grund dafür?

Kurze Zeit nach seinem Amtsantritt hatten Ex-Präsident Obama und seine Frau Michelle seinerzeit Kunstwerke zusammengetragen für ihr damals neues Zuhause, dem Weißen Haus!

Zu dieser Kunstsammlung hatte ein Caddo-Gefäß gehört, das Jereldine Redcorn gearbeitet hatte!

Inzwischen (im Januar 2017) hat die Familie Obama – wie allen bekannt – dieses Domizil wieder verlassen. Mit ausgezogen sind all die – mit Liebe ausgewählten – Kunstwerke – und damit auch das keramische Gefäß von JR

Ich weiß noch heute ganz genau, wie überglücklich Jereldine Redcorn gewesen war darüber: Im Weißen Haus vertreten zu sein mit einer eigenen Arbeit, das empfand sie als eine Anerkennung auf Augenhöhe – nicht nur für sich selbst, sondern für alle Amerikanischen Ureinwohner!

Genau diese Offenheit den Menschen und allen Kunstformen gegenüber von Barack Obama ist es mir wert, eine besondere  Erwähnung zu erhalten!

Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Jereldine Redcorn habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 2, 10, 18 und 40“  geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.  –  Renate Hugel

 

 

Zu Ihrer Information:

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„Renate Hugel-Selfie“

 SORRY

Aus familiären Gründen sehe ich mich leider gezwungen, meine Beiträge noch langsamer als bisher zu schreiben!                                                                                                            Renate Hugel 

„Kunstbegegnungen – 39“

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Heinz Hugel: “the pair…”

Skulptur aus Fundstücken (2001),

Steinplatte, Holzbohlen, Blech-Applikationen, z.T. vermalte „rote Erde“ aus Oklahoma

Angaben zur Fotomontage: “die zwei… vor verbrannter Erde“ von Oklahoma

Ansicht: Fotos: 2001, Bildmontage: 2002, Heinz Hugel

Anmerkung:

Heinz Hugel hatte Juanita Pahdopony seine Skulptur „the pair…“ gegeben im Tausch für ihr Kunstwerk „Comanche-Bildung“. (Siehe dazu „Kunstbegegnungen – 36“)

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Heinz Hugel:  „the pair“ – Oder: „In Asche und in Trauer“

Foto der eigenen Skulptur (Rückseite): „the pair“  (2001)

„the pair“…

Der 29. September 2001 war der „Friedenstag“. Wir (unsere Gastgeber und wir, die Gäste aus Deutschland) waren eingeladen worden, an der Friedenszeremonie Amerikanischer Ureinwohner in einer Schule in Anadarko teilzunehmen. Das Hauptanliegen war in diesem Jahr das Gedenken an die Opfer des „11. September 2001“ gewesen.

Zu den Teilnehmern der Friedenszeremonie zählten neben den Schülerinnen und Schülern, wie auch den Lehrkräften der Schule, die geladenen Gäste. Als Verantwortliche konnten wir u.a. die Schulleiterin wahrnehmen. Außerdem gehörte Linda S. Poolaw (Delaware / Dramatikerin, Fotografin, Kuratorin und Pädagogin*) zu den geladenen Gästen (*Siehe dazu: „Chronologie der Vorgeschichte“ unter „Kunstbegegnungen“).

Die Friedenszeremonie hatte mit dem Ausheben von Erde begonnen, denn es war geplant, einen jungen Baum zu pflanzen. Auf dem quadratischen Foto ist zu sehen, dass er bereits in die Erde gepflanzt worden war; dennoch war das ausgehobene Erdloch noch während der Zeremonie offen geblieben…

Es folgten einige Ansprachen, die sich aktuell auf den 11. September 2001 bezogen hatten.

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Angaben zum Foto: Vorbereitung: Pflanzen eines jungen Baumes + der Zeremonie

Anschließend bildeten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine lange, etwa kreis- bis oval förmige Kette. Und jeder erhielt eine kleine Schleife.

Diese Schleifenbänder waren in den Farben Weiß, Schwarz, Rot und Gelb gehalten. Das sind die vier Farben, die für die Lebensphilosophie der amerikanischen Ureinwohner stehen:

Eine jede Farbe hat eine bestimmte Bedeutung. In ihrer Gesamtheit bilden sie das Koordinatensystem, das den Menschen Orientierung gibt.

Dazu zählen beispielsweise die vier Himmelsrichtungen, wie auch die Winde aus allen Richtungen, die vier Altersabschnitte im Leben eines Menschen, es gibt Entsprechungen bei den vier Jahreszeiten, wie auch bei den Tagesabschnitten…   (siehe dazu auch „Kunstbegegnungen – 16“)

Ich habe hiermit nur sehr kurz die besondere Philosophie skizziert, die den vier Farben zugrunde liegt. Mit ihrer Position, zugeordnet zu je einer Himmelsrichtung, den Windrichtungen und, oder den einzelnen Altersabschnitten des Menschen beispielsweise, offenbart sich eine Sichtweise, die den Menschen in Abhängigkeit von der Zeit, der Erde und diese von ihrer Position  und Funktion im Weltall sieht…

Indem diese grob skizzierte Philosophie – aufgebaut auf der Grundlage der vier Farben – in ihrem spirituellen Gehalt verinnerlicht worden war, befanden sich die amerikanischen Ureinwohner unter dem Schutz dieser Farben – als Ausdruck der gesamten Geisteshaltung. Darum werden diese vier Farben auch als „die Hüter des Geistes“ genannt.

Ein jeder aus der „Menschenkette“ sollte nun – der Reihe nach – an das junge Bäumchen herantreten. Zunächst war etwas Tabak in die Mulde zu streuen. Danach wurde die kleine Schleife an einen Zweig des Bäumchens gehängt. Während der gesamten Aktion war es wichtig, einen positiven Gedanken oder Wunsch zu denken.

Als dann schließlich jeder seine Schleife in den Baum gehängt hatte, folgte der Abschluss der Zeremonie: Es wurde „das Kriegsbeil begraben“ – in zweifacher Hinsicht:

Ein amerikanischer Ureinwohner hatte dieses mit seinen Worten, seiner Rede getan. Es folgte die reale Handlung dazu, indem ein „Tomahawk“ zusammen mit einer Pfeife, der „Friedenspfeife“, in die vorbereitete Mulde gelegt wurde. Diese war daraufhin zugeschüttet worden mit Erde…

Den Abschluss bildeten schließlich Tänze zu Musik, ausgeführt von jugendlichen amerikanischen Ureinwohnerinnen (Schülerinnen der Schule).

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Angaben zum Foto: Carol Whitney hängt ihr Band als Symbol für ihre guten Gedanken und Wünsche an den Friedensbaum.

Immer wieder fiel unser Blick nun auf die kleine geschmückte Baumkrone:

Es war eine Stimmung entstanden, die – so schien es mir – dieser Baumkrone eine bestimmte Ausstrahlung und Aura verliehen hatte. Und genau das gibt den vielen guten Gedanken eine Chance, um zu wachsen und sich zu entwickeln!

Somit hat ein jeder eine Verantwortung dafür übernommen, sich dem „Hüter des Geistes“ (den vier Farben) verpflichtet zu fühlen, das Gute für alle Menschen zu wollen…

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Angaben zum Foto: Das frisch gepflanzte Bäumchen trägt die Bänder, die in sich gute Gedanken und Wünsche als „Keimträger“ tragen, welche wachsen wollen und eine gute Zukunft formen mögen…

Die Skulptur „the pair“ ist im Nachhinein unter dem Eindruck dieses Friedenstages entstanden. Dabei hatte Heinz Hugel das Material zusammengetragen, das er vorgefunden und ihm zur Verfügung gestanden hatte.

Im Ergebnis war ein Kunstwerk entstanden, das ein mit schweren Gedanken und Gefühlen behaftetes kollektives traumatisches Erlebnis wachruft.

Dabei  mag die Umsetzung mit einfachen Holzbohlen irritieren. Die Zurückführung auf den Jahrtausende alten Baustoff „Holz“ entspricht allerdings der erlebten Zurückführung von menschlichem sozialem Verhalten in die Zeit früher menschlicher Gesellschaften. Das damalige soziale Gefüge aller frühen Gesellschaften hatte überschaubare Regeln im Miteinander. Es ging wirklich um das Du zum Du. Bei Auseinandersetzungen sollte sich der menschliche Geist besinnen und daran erinnern, dass das Vergessen von Streitanlässen oder Verletzungen die Chance zu einem Neuanfang bietet. Dabei hilft das Begraben des Kriegsbeils in seiner Symbolik…

Heinz Hugel hatte die Skulptur „the pair“ auf dem Foto ganz oben vor ein anderes Foto montiert, auf dem die ausgetrocknete Erde von Oklahoma im grellen blendenden Sonnenlicht abgebildet ist. Die brüchige, ausgetrocknete und rissige Erde mag hier für verödete menschliche Beziehungen stehen…

Auf dem zweiten Foto ganz oben ist das Foto zu sehen, das Heinz Hugel von seiner eigenen Skulptur im Jahr 2001 aufgenommen hatte:

„the pair“ – oder: „In Asche und in Trauer“. Dabei ist die Rückseite der Skulptur zu sehen. Das Licht, in das die beiden Turm-Fragmente getaucht sind, lässt diese im Rauch und der Hitze des Infernos erscheinen und zeigt den Moment vor dem Einsturz der Türme. Verstärkt wird dieser Eindruck von Instabilität, da Hugel seine Skulptur so aufgenommen hatte, dass der alles tragende Steinsockel nicht wahrnehmbar ist.

In der Mitte der oberen Fotokante erscheinen die Buchstaben RE. Sie stehen für „Remembrance“ (Erinnerung) – eingebrannt…

Die beiden schwarzen Streifen rechts und links symbolisieren für Heinz Hugel „Asche und Trauer“…

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Heinz Hugel  (Künstler aus Bremen, Deutschland)

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Renate Hugel: „Portrait von Heinz Hugel“

Manueller Druck, 2003, Hochdruckverfahren: Druckplatte: Vinyl, Linoldruckfarben

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 1936: Heinz Hugel was born in Bremen.

1976, since: Activity in the artistic area, among others in the adult education

1981, from: Freelance artist

1982: Foundation of a gallery

1990: Joining the artist group “Der Bogen”

1992: Founder member of the group “Quintum” (union of international artists)

2000: Symposium “Encounter of Native American Artists and Artists from Germany (one artist from Bulgaria)” (con-organization)

2001: Study visit to Oklahoma/the USA (“return visit”),

Expansion of the group “Quintum” into “Quintum international”

2002: Certificate of the university Bremen – studies with Professor Uwe Mempel, main emphasis in “Art Practice” – “Experimental Ceramic”

2007: Member of the group “Art in the Province”

2009: Member of the group “Art – Projekt”

2013, from: Retreat because of physical problems

 Exhibitions or Exhibition Participations: (Choice)

Bremen, Borgholzhausen, Herford, Hamburg, Kiel, Kleestadt, Großumstadt, Langenargen (Lake Constance), Loidved (Denmark), Munich, New York, (USA), Oklahoma (USA), Rose State College (Oklahoma City, USA), Tribes Gallery (Norman, USA), Heaven, “International Exhibition” of German and Anadarko Basin Artists (Gracemont, USA), Siklos (Hungary), Tekomatorp (Sweden), Tournus (France), Zwolle (Netherlands)

Several Exhibitions in Niedersachsen (Lower Saxony, Germany):  Bassum, Bruchhausen – Vilsen: Klostermühle Heiligenberg (Cloister Mill Saint Mountain), Delmenhorst, Diepholz, Kirchdorf, Lemwerder, Oldendorf, Osterholz Scharmbeck, Rotenburg, Wümme, Schneesen, Sulingen, Syke, Wagenfeld, Weertzen, Weyhe, Wildeshausen, Worpswede

Heinz Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Heinz Hugel habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 7, 15, 21, 32 und 39“  geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

 

Anmerkung 2: Informationen zum gesamten bisherigen Inhalt der Kategorie „Kunstbegegnungen“ finden Sie, wenn Sie auf HOME rechts außen „Kunstbegegnungen“ anklicken.        Renate Hugel

 

Zu Ihrer Information:

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Roland Schneeweiss

(Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln):

„Kukeri“

Beim Lesen dieses Beitrages, “Kunstbegegnungen – 38”,

erleben Sie eine Kunstbegegnung mit einer bulgarischen Tradition!

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 Renate Hugel 

 

„Kunstbegegnungen – 38“

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Bildangaben: Roland Schneeweiss (Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln): „Kukeri“, Gravur

Roland Schneeweiss: “Kukeri”

Oder: Kunstbegegnung mit einer bulgarischen Tradition

Anmerkung vorab: Roland Schneeweiss (R.S.) hatte es im Jahr 2001 leider nicht einrichten können, mit uns zusammen nach Oklahoma zu fliegen. Das war sehr schade gewesen – für uns alle, besonders für ihn selbst. – – – Vor einiger Zeit hatte R.S. mir einige Kopien von einigen seiner Werke zugesandt. Er wünschte sich, dass ich für ihn einen Beitrag zur Kunstbegegnung in Oklahoma schreibe…        Renate Hugel

„Kukeri“ ist der Titel der Gravur-Arbeit oben. Damit nimmt Roland Schneeweiss (R.S.) Bezug auf eine alte bulgarische Tradition während des Karneval.

Sinngemäß hat mir Schneeweiss dazu folgende Zeilen geschrieben:

Diese Folklore-Tänzer heißen „Kukeri“. Ihr Tanz symbolisiert die Fruchtbarkeit. Dabei tragen sie Holzsäbel gegen das Böse.

Zunächst blickt der Betrachter in etliche Augenpaare, welche zu den Maskenträgern gehören. In enormer Präsenz erscheint eine Ballung von Masken. Der Bildrand oben und an den Seiten wird bestimmt von dynamisch gesetzten Linien und Dreiecken – in unterschiedlicher Stärke. Dadurch lässt R.S. den Betrachter die enorme Energie spüren, die die Maskenträger während der Tänze aufbringen. Insgesamt wirkt diese grafische Arbeit somit wie ein Ausschnitt aus einer viel größeren Menge von Maskenträgern. Sie haben offenbar unterschiedlich gearbeitete Masken. Ihnen gemeinsam ist der vorwiegend geradlinig und kantig gearbeitete Gesichtsausdruck – jenseits organisch verlaufender Gesichtsmerkmale.

Ein von R.S. oben erwähnter Säbelzum Kampf gegen das Böse – wird oben links im Bild hochgehalten. Dieser Kampf gilt dem Bösen an sich. Darin liegt eine gewisse Abstraktion und, wie ich meine, vor allem philosophisches Denken: Denn, die aufgebrachte Energie zur Abwehr richtet sich nicht an eine andere Person oder Personen, auch nicht gegen andere Gruppen. Wie ist das Böse an sich zu verstehen und wo ist es zu finden? Eine Antwort darauf suche ich, indem ich weiteren Hinweisen nachgehe, die die Entschlossenheit der Tänzer zur Abwehr des Bösen beweisen:

Im Vordergrund ist zu erkennen, dass zusätzlich auch Kuhglocken getragen werden. Durch die Bewegungen während der Tänze werden sie zum Klingen gebracht. R.S. hat auf seinem Blatt die Kuhglocken in ihrer Formenvielfalt gezeigt und sie zu einer Gesamtkomposition verdichtet. So werden die Kuhglocken unübersehbar und gleichzeitig auch so gut wie „unüberhörbar“!

Der Kuhglockenklang erhält damit eine gewichtige Bedeutung! Dieser komme ich auf die Spur, wenn ich bedenke, welche Assoziation der blecherne Klang auslöst: Die Welt ist in Ordnung, wenn die Lebensversicherung „Kuh“ als die Nahrung-Spendende nicht verloren gegangen ist! Der Klang der Glocken assoziiert also: Sich beschützt fühlen, weil die Glocken davon zeugen, dass das Leben gesichert ist (durch die Existenz der Kuh) und alles gut läuft. Das Böse hingegen kennt keine Verlässlichkeit und kann den Kuhglockenklang somit auch nicht in dieser Weise interpretieren. Für das Böse ist das Geläut lediglich höllischer Lärm! Und genau dadurch wollen die Tänzer das Böse verjagen.

Ein weiteres Indiz zur Verstärkung des Kampfes gegen das Böse ist der Gesichtsausdruck der Masken. Diese sind überwiegend kantig gestaltet, was das Entschlossen-Sein in ihrer Mimik hervorhebt: Die Menschen dahinter wollen wirklich das Böse vertreiben! Dass das Böse in ihrer Welt absolut keine Chance hat, bekräftigen die Masken der Tänzer darüber hinaus noch mit ihrer „ausgestreckten Zunge“, von denen eine solche Maske vorne rechts im Blickfeld des Betrachters liegt. Dieses Detail finde ich in diesem Zusammenhang aussagekräftig, denn mit ausgestreckter Zunge sind alle inneren Antennen blockiert, um mit seinem Gegenüber in inneren, kommunikativen Kontakt zu treten, oder gar etwas von diesem Gegenüber in sich selbst seelisch aufzunehmen.

Der Tanz der Kukeri symbolisiert die Fruchtbarkeit, so hatte es R.S. formuliert. Wie oben beschrieben besteht das Hauptanliegen der Tänzer darin, das Böse zu bekämpfen. Die Fruchtbarkeit steht also offenbar für das Gute: Alles, was dem Leben zuträglich ist, lässt das Gute entstehen. Früchte zu tragen ist das Ergebnis von unendlich vielen Handlungen, die der Natur zuarbeiten. Und das heißt, sich den Gesetzen der Natur nicht entgegenzustellen. Denn, das Wachsen in der Natur und der Natur will ungestört sich ereignen, mit dem Ziel, neue Früchte hervorzubringen… Diese großartige Leistung von Reproduktion innerhalb natürlicher Gleichgewichte, welche in der Fruchtbarkeit gipfelt, verdanken die Menschen den vegetativen Prozessen in allem Lebendigen! Wird so ein Gleichgewicht gestört, antwortet die Natur darauf mit entsprechenden negativen Folgen. Es ist ein Akt des Verstehens von Zusammenhängen, um zu realisieren, worauf das sog. Böse zurückzuführen ist! … Und dieses wurde verursacht durch Unachtsamkeit! Denn: Achtsamkeit ist eine innere Haltung, die alles im Gleichgewicht hält – die äußere, wie auch die innere Welt!

Somit gilt der Kampf gegen das Böse nicht nur äußeren katastrophalen Naturereignissen, sondern vor allem dem eigenen inneren Menschen, der mit seiner inneren Haltung die natürlichen Prozesse von Wachstum fördern oder blockieren kann!

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, was R.S. mir – sinngemäß – auch noch geschrieben hat: In Bulgarien werden heutzutage die Masken scherzhaft „Weisheit“ genannt. Das sei ein ironischer Hinweis auf den Wissenschaftler Albert Einstein, von dem ja ein Portrait-Foto mit ausgestreckter Zunge existiert

Meine Gedanken dazu: Nimmt Einstein mit dieser Pose selbst Abstand von seiner eigenen wissenschaftlichen Entdeckung???

Es mag ihm bewusst geworden sein, dass seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse den geläuterten und verantwortungsvollen Menschen erfordern. Gut und Böse liegen ganz dicht beieinander und sind eine Frage von innerer Haltung – eines jeden Menschen…

Interpretation: Renate Hugel

Zur Person von Roland Schneeweiss 

(Bulgarischer Künstler mit deutschen Wurzeln)

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Roland Schneeweiss:

Linkes Foto: Aus dem Jahr 2000 während des Symposiums in Bremen, Deutschland

Rechtes Foto: Aus dem Jahr 2015 in Burgas, Bulgarien (vor der Ankündigung seiner Ausstellung im September 2015, anlässlich seines 80. Geburtstags am 25. 07. 2015)

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Roland Schneeweiss: „Karnobat im 19. Jahrhundert“

(Die bulgarische Heimatstadt von R.S.)

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Roland Schneeweiss: „Der Aufstieg“

(Kunst im öffentlichen Raum von Karnobat, Bulgarien, Beton)

Roland Schneeweiss

 wurde 1935 in Leisning (Sachsen in Deutschland) geboren. Durch die Kriegswirren kam seine Familie nach Bulgarien. Dort, in der Kleinstadt Karnobat ist er aufgewachsen und sozialisiert worden. An der Kunstakademie in Sofia studierte er Kunst.

Arbeiten von Roland Schneeweiss befinden sich in der bulgarischen Nationalgalerie in Sofia, sowie in vielen anderen Galerien des Landes und in der grafischen Galerie in Pittsburg (USA).

Von 1988 an lebte und arbeitete Roland Schneeweiss in Rotenburg (Wümme), einer Stadt, die zwischen Hamburg und Bremen (Deutschland) liegt. Beruflich widmete er sich u. a. der zeichnerischen Dokumentation von archäologischen Funden und Erkenntnissen, was ihn interessierte und ihm sehr viel Freude bereitet hatte. Für seine künstlerische Tätigkeit stand ihm sein „Atelier auf der Wiese“ zur Verfügung. Heute lebt er bereits einige Jahre wieder in Karnobat (Bulgarien).

Teilnahme an internationalen Kunstausstellungen:

Ab 1965:

  • Teilnahme an „Ausstellungen der Bulgarischen Kunst“ in

Österreich, Algerien, Indien, Spanien, Kuba, Mexiko, UDSSR,

Deutschland und USA

  • Mehrmalige Teilnahme an der „Biennale für moderne Grafik“ in Varna, Bulgarien (ab 1981)
  • Mehrmalige Teilnahme an internationalen Kunstausstellungen im Kulturzentrum Jockrim bei Landau (1981 – 1985)
  • Teilnahme an internationalen Ausstellungen in Wien (1990), Österreich, New York City, USA (1995) und in Lahti, Finnland (1998)

Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland: Syke, Lemgo, Bremen, Buchholz, Rotenburg (Wümme), Braunschweig, Lilienthal (bei Bremen) und Hamburg

Sonstige Betätigung und Auszeichnungen:

  • Künstlerische Innengestaltung und Kunst am Bau in ethnographischen und historischen Museen des Landes Bulgarien (ab 1965)
  • Monumentale, plastische und malerische Wandgestaltungen in Bulgarien und in Moskau (ab 1965)
  • Medaille für 1300 Jahre bulgarischer Staat (1984)
  • Orden des bulgarischen Kulturministeriums für Kunst, Kyrill und Methody III (1984)
  • Medaille für Wandgestaltung vom Bulgarischen Innenhandelsministerium (1986)
  • Mitglied im Bund Bulgarischer Künstler (seit 1970)
  • Mitglied im Verein „Kunst in der Provinz e. V.“, Niedersachsen, Deutschland (seit 1991)
  • Gründungsmitglied der Gruppe „Quintum“, Bremen, Deutschland
  • Teilnahme an den Ausstellungen zum Abschluss des Symposiums „Versuch einer Begegnung: Künstler Amerikanischer Ureinwohner – Europäische Künstler“ in Bremen, Deutschland, 2000
  • Teilnahme an FOOTPRINT INTERNATIONAL 2014 in Norwalk, USA
  • Ausstellungen in Bourgas und Karnobat, 2015 (Bulgarien)
  • Teilnahme an der Internationalen Ausstellung in Varna, 2015 (Bulgarien)
  • 2016 Teilnahme: International Watercolor Triennal Exhibition – Varna (Bulgarien)

Hinweis auf Urheber:

Meine Auflistung der Lebensdaten, wie auch die der künstlerischen Aktivitäten von Roland Schneeweiss (bis 1991) beziehen sich auf eine Zusammenstellung, die Schneeweiss selbst einmal für sich erarbeitet hatte. Die Angaben zu seinen Ausstellungen ab 2014 beziehen sich auf Informationen aus der Korrespondenz mit R.S. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

                                               Renate Hugel

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Roland Schneeweiss habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 8, 14 und 38“ geschrieben.

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Zu Ihrer Information:

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Carol Whitney: „Wichita’s Burning“

Zu diesem großformatigen Acrylbild auf Leinwand (von Carol Whitney) schreibe ich in meinem Beitrag “Kunstbegegnungen – 37”.

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„Kunstbegegnungen“

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Renate Hugel 

„Kunstbegegnungen – 37“

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Carol Whitney (Amerikanerin):  “Wichita’s Burning”

Acryl auf Leinwand; ca. 120 cm x 200 cm; (Entstehungsjahr ist mir nicht bekannt)

(Privatbesitz)

„Wichita‘s Burning“

 Wichita‘s Burning“ ist der Titel dieses großformatigen Acrylbildes von Carol Whitney (CarWhi). In dieser eindrucksvollen Größe erscheint es, zusammen mit der hingebungsvollen, engagierten Malweise von CarWhi gleich einer Huldigung der wundervollen Landschaft der ‚Southern Plains’…

Die Southern Plains (südlichen Ebenen) erstrecken sich über drei Bundesstaaten: Kansas, Oklahoma und Texas. In Oklahoma befinden sich auch die Wichita Mountains auf dem Gebiet dieser Ebenen. Ihr Name erinnert daran, dass dieses Gebiet die ursprüngliche Region der „Wichita Indianer“ war. Heute befindet sich in dem Gebiet der Wichita Mountains das „Wichita Mountains National Wildlife Refuge“, also ein Nationalpark für in Freiheit lebende wilde Tiere. Dazu gehören u.a. natürlich die wieder angesiedelten Bisons.

Als Künstlerin, reflektieren die folgenden Worte mein Erleben von Whitney’s Arbeit. – Renate Hugel, Autorin: Die in überirdisch farbiges Licht getauchte Landschaft ist ein rein naturwissenschaftlich erklärbares Phänomen der Lichtbrechung. Damit kann man die Verzückung, die diese Einfärbung hervorruft bei uns Menschen, nicht erklären. Wenn ich allerdings an das Gedächtnis unserer Körperzellen denke, vollziehen diese vielleicht die sich ereignende Verwandlung mit: Die „Ablenkung und Brechung“ von Lichtwellen, welche dann in anderen Farben erscheinen. Es ist das Miterleben von Wandlung und Metamorphose, was etwas Mystisches in sich birgt. Denn, eine Metamorphose zu durchleben verlangt unserem inneren Menschen viel ab, wie z. B. Mut und Entschlossenheit… Wir werden beispielsweise aufgefordert, gerade Linien zu durchbrechen und andere Perspektiven der Wahrnehmung zuzulassen…

Auch Carol Whitney war sicherlich von dem großartigen Gefühl der Ehrfurcht vor diesem Naturschauspiel überwältigt worden. Gleichzeitig ließ sie sich ein darauf, den verzückenden Moment jenes Lichtschauspiels auf Leinwand zu bannen – in angemessener Größe!

Sie hat auf das großartige Gefühl mit all ihrer ihr eigenen Energie reagiert!

Ich möchte an dieser Stelle Carol Whitney persönlich berichten lassen, wie ihr Bild entstanden ist: „… …Vor Jahren hatte ich eine magische Erfahrung: Ich hatte eine Feuerzeile gesehen, die die Wichita Mountains in dieser Nacht definiert hatte, was eine magische Erfahrung gewesen war … ,während ich von einem Comanche-Tanz nach Hause fuhr.  Ich war erstaunt, diese glänzende Umriss-Zeile gleich einer Flamme zu sehen, wo doch die Berge sonst in die Schwärze der Nacht gehüllt sind. Unterhalb waren diffuse Formen in der Präriedunkelheit auszumachen, die sich als Büffel herausstellten, am Fuße der Berge weidend.  Mein Verstand hielt das Geheimnis dieser Szene fest, um es möglich zu machen, dass ich – zurück bei meiner Leinwand und meinen Farben – mich erinnere, …. um die Zauberei von dieser Nacht zu erhalten. (Carol Whitney)

Das Foto unten zeigt Carol Whitney, die gerade dabei ist, ihr Kunstwerk zu restaurieren. Es sollte in einer der abschließenden Ausstellungen gezeigt werden, und zwar in ihrer Galerie „Heaven“. (2001)

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Direkt vor ihrem Standort wachsen Gräser aller Art, sich gerade im Luftstrom wiegend und eingetaucht in helles feuriges Orange. Dort sieht der Betrachter sozusagen jeden einzelnen Grashalm. Wenn der Blick weiter nach hinten schweift, verlieren sich die Details, die zu einem Farbstreifen „zusammengezogen“ werden. Irgendwann geht der orangefarbene Streifen in ein dunkles Orange über. Schließlich grenzt dieser Farbstreifen an einen grün-grauen Streifen. Die Gräser-Zone weicht dort hinten festem Untergrund mit kurzem Bewuchs. Bei genauem Hinsehen sind Silhouetten einiger Bisons auszumachen, die dort grasen.

Hinter diesem Streifen erheben sich dann die Berge. Ihre steilen Fronten erscheinen in einem dunklen Orange, das das Gestein dahinter erspüren lässt. Als leuchtende Bänder erscheinen waagerechte Zonen, die ebenfalls in helles Orange getaucht sind, wie die Ebene des vorderen Standortes. Jene „Bänder“ korrespondieren somit mit dem Gräser-Streifen im feurigen Orange und schaffen dadurch die Verbindung von Vorder- und Hintergrund: Alles scheint erfasst zu sein vom feurigen Glühen!

Im Lichtschatten liegen die dunklen Bergkuppen vor einem leicht bedeckten Himmel…

                                                Interpretation: Renate Hugel

Carol Whitney  (Amerikanerin)

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Carol Whitney’s Künstler-Statement:  “Mein Leben – geprägt vom Indianischen”:

“Seit den letzten 40 Jahren ist meine Kunst unmittelbar mit der Kunst der einheimischen Indianer in Oklahoma, wie auch der der Bewohner unserer felsigen Umgebung, den Southern Plains (Südlichen Ebenen), verbunden.

Seit 1972 drücke ich meine Erfahrungen mit dieser einmaligen Welt aus durch Skulptur, Malerei, Dichtung (Poesie), Keramik…“ (Siehe auch „Kunstbegegnungen – 30“)

(Zitat: Carol Whitney, 2009)                                                                                            Renate Hugel