„Kunstbegegnungen – 27“

Sherman Chaddlesone – Künstler Amerikanischer Ureinwohner 

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Sherman Chaddlesone – – – 2. Juni 1947 – 17. August 2013: “Ohne Titel” – – – Gouache, Filzstift auf Klappkarte, 18 cm x 13 cm – – – Anadarko, Oklahoma / USA, 2001

Ankunft einer Gruppe “Blauen Reiter”

 Wir hatten Post bekommen.

Indem wir gespannt den Briefumschlag öffneten, kam uns eine „Gruppe Blauer Reiter“ entgegen!

In den Händen hielten wir eine Klappkarte, gemalt von Sherman Chaddlesone. In ihrem Inneren enthielt diese Karte eine „Botschaft“…

Sherman Chaddlesone hatte uns u. a. mitgeteilt, welche konkreten Vorbereitungen sie bereits in Angriff genommen hatten für unseren geplanten Gegenbesuch. Diese Planung hatte damals spontan stattgefunden und war vor allem der Wunsch unserer Gäste, der amerikanischen Ureinwohner, gewesen. Wir hatten uns gar nicht getraut gehabt, solch einen Wunsch zu äußern!

Im Bildzentrum befindet sich eine Gruppe von drei amerikanischen Ureinwohnern mit ihren Pferden. Sie kommen in ihrer Identität als „Indianer“, wie es an ihren Häuptern zu erkennen ist. Der Reiter auf der linken Seite trägt den typischen „Federschmuck“. Die Person auf der rechten Seite trägt eine Maske, währen der mittlere Reiter im Hintergrund eine „Tierkopfmaske“ trägt. Dabei handelt es sich um die Darstellung eines „Bison-Kopfes“.

(Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass Sherman Chaddlesone sich selbst damit dargestellt hatte: Im Jahr 2012, noch vor seiner erneuten schwerwiegenden Erkrankung, hatte Sh. Ch. ein Selbstbildnis erstellt mit dem Titel „Odlepah (Buffalo Bird) Self Portrait“. Dabei trug er solch eine „Bison-Maske“, was auf seinen Großvater zurückgeht. Auf diesem Kunstwerk hatte er sein eigenes Erscheinungsbild als kraftvoll und gleichzeitig sensibel herausgearbeitet, sowie als einen mit wachem Geist und hoher innerer Präsenz.)

Es fällt weiterhin auf, dass sich alle drei Reiter warm angezogen hatten und sogar Nase und Mund mit einem Tuch im Gesicht warm hielten. Auf dem Weg zu uns kamen sie schließlich in kalte Gefilde – vor allem während der Wintermonate… Die wärmende Bekleidung ist außerdem zweifelsfrei an dem Bein zu erkennen, das zu dem Reiter auf der rechten Seite gehört und den Pferdekörper umschließt. Es ist bekleidet mit wollenen Leggings in blauer Farbe mit roten Streifen.

Dieses Detail ist ein Hinweis darauf, dass es sich um Kiowa Indianer handelt: Sie pflegen nämlich jährlich das große „Pow – Wow – Festival der Black Leggings“, der „Kiowa Black Leggings Warrior Society“, zu zelebrieren. Die schwarzen Leggings waren offenbar gegen blaue Woll-Leggings getauscht worden.

Dass diese drei Abgesandten in friedlicher Absicht kommen, ist an der Haltung der langen Lanze zu erkennen!

Die feinsinnig gestaltete „Gruppe der Blauen Reiter“ im Vordergrund des Bildes steht in einem gewissen Gegensatz zum Hintergrund des Bildes.  Die dort gesetzten Schraffuren erinnern an eine Trennlinie, während die rote Farbe auf eine „blutige Grenze“ verweist. Nach meiner Überzeugung hatte  Sh. Ch. die gesamte Gestaltung dieses Hintergrundes bewusst in „derbem Stil“ belassen…

Über jener roten Grenzlinie verläuft eine feine grüne Linie: Es ist also bereits eine dünne Grasdecke gewachsen! Darum haben sie zur Orientierung eine hoch ragende Markierung mit blauem Federbüschel gesetzt, um das Darunter nicht zu vergessen. Denn, die Folgen dieser vergangenen blutigen Ereignisse sind tief in ihnen selbst, unter der Oberfläche, noch immer präsent.

Zu sehen ist also der Verlauf einer „Grenze“, welche offenbar nun überwunden worden ist. Die Gruppe amerikanischer Ureinwohner zeigt sich in einer Pose, die eine freundliche und offene Gesinnung vermittelt…

Diese Botschaft enthält also einen großen Vertrauensbeweis!

Und schließlich möchte ich noch erwähnen, welch tolles „Bonbon“ darüber hinaus uns mit dieser Karte erreicht hatte:

Die gewählte blaue Farbgebung, zusammen mit den blauen Pferden, gibt damit einen weiteren Hinweis – denn, diese Reitergruppe befindet sich hier auf dem Kontinent, wo einst die Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ gegründet worden war. Damit steckt auch eine Würdigung der Künstler des „Blauen Reiter“ in diesem kleinen Kunstwerk!     Interpretation: Renate Hugel

 

Anmerkung 1: Aktueller Stand: Zu Sherman Chaddlesone habe ich unter „Kunstbegegnungen“ die Beiträge „Kunstbegegnungen – 5“, „Kunstbegegnungen – 11“, „Kunstbegegnungen – 24“ und „Kunstbegegnungen – 27“ geschrieben. Zusätzlich gibt es eine Erwähnung unter „Kunstbegegnungen – 16“ (dem Beitrag zur Gemeinschaftsarbeit „Blockbilder“).

Anmerkung 2: Die Beiträge unter „Kunstbegegnungen“ beziehen sich auf das Symposium „Versuch einer Begegnung – Fünf Künstler und Künstlerinnen Amerikanischer Ureinwohner treffen sich mit fünf europäischen Künstlern und Künstlerinnen“. Dieses hat im Jahr 2000 in Bremen (Deutschland) stattgefunden. Wer sich über die Entstehung des Symposiums informieren möchte, kann  zurück scrollen bis „Kunstbegegnungen – 1“, dann weiterscrollen zur Information zu ‚Kunstbegegnungen‘; danach finden Sie dann die „Chronologie der Vorgeschichte“.  Renate Hugel

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